Allgäu und Motorradlärm: „Einfach mal Stopp drücken!“

Bad Hindelang, Bayrischzell, Amorbach, Jochpass, Fränkische Schweiz, Kochel und Walchensee, Balderschwang – das Allgäu setzt auf sanften Tourismus. Allein: Der zunehmende Motorradverkehr und die immer lauter werdenden motorisierten Zweiräder entwerten die Naturlandschaften des Allgäus und Bayerns. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung „Quer“ über ein lautes Thema, bei dem sich immer mehr Kommunen allein gelassen fühlen. Die kann man sich über diesen Link ansehen.

Schöner Nebenkriegschauplatz: Während motorisierte Belästiger scheinbar alles dürfen, dürfen die Gemeinden laut Landratsamt noch nicht einmal ein Lärm-Hinweisschild aufstellen!

Das Allgäu leidet unter Motorradlärm: Hinweisschild in Balderschwang. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung Quer.

Das Allgäu leidet unter Motorradlärm: Hinweisschild in Balderschwang. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung Quer.

Veröffentlicht in Allgemein, Gesetze, Hotspots, Meinung
15 Kommentare zu “Allgäu und Motorradlärm: „Einfach mal Stopp drücken!“
  1. Peter Steinegger sagt:

    Das Hinweisschild „bitte leise fahren“ hat etwa den gleichen Effekt, wie wenn bei einem Spielplatz das Schild „bitte leise spielen“ angebracht würde. Kinder machen nun mal Lärm.

    • Maike sagt:

      Im Gegensatz zu den Posern auf zwei und vier Rädern können Kinder nicht anders. Obwohl das Posing der dauerpubertierenden Raser mittels Klappenauspuff plus Drehzahl sicher sehr, sehr kindisch ist.

      Oder es sind wirklich bloß Fünfjährige auf den ganzen Harleys unterwegs…

    • Beobachter sagt:

      Ich würde einen deutlichen Unterschied machen zwischen Lärm provozierenden Belästigern und Kindern. Kinder sind unsere Zukunft, die Typen mit asozialen Einstellung ganzheitlich betrachtet unser Ende.

      Anm. der Redaktion: wurde im Sprachduktus leicht optimiert…

  2. Matthias sagt:

    Uns geht’s so ähnlich wie dem Bürgermeister aus dem Beitrag. Wir hatten vor Jahren einen Bauantrag für die Errichtung einer Schallschutzwand AUF EIGENE KOSTEN (!) gestellt. Dieser wurde von der Stadt abgelehnt: „Fragen Sie erst bei StrassenNRW, ob das für die OK ist!“ Also StrassenNRW kontaktiert: „Nein, eine feststehende Lärmschutzwand dürfen Sie nicht bauen, weil die eventuell im Weg ist, wenn wir an der Strasse arbeiten wollen.“

    Toll!!! So wird man von Politik und Behörden VERARSCHT!!! Nicht mal auf eigene Kosten darf man sich schützen! Das ist ein echter Skandal!

  3. Matthias sagt:

    Und es kommt noch besser:

    Jetzt haben wir bei StrassenNRW einen Antrag auf Lärmsanierung gestellt, weil der Beurteilungspegel bei uns den Schwellwert erreicht. Antwort: „Nee, tut uns leid, Kassen leer.“ Und dazu dann noch hämisch: „Sie haben ohnehin keinen Anspruch darauf, da es sich um eine freiwillige Leistung handelt!“

    Dieser Staat – ohne Worte!

  4. Torsten sagt:

    So weit ich weiß, sollten nächstes Jahr sowieso die Lärm- und Abgasrichtlinien für Neuzulassungen verschärft werden. Somit wird das Problem (vielleicht) ein wenig entschärft, zumindest langfristig. Das ist die technische Seite. Aber ich würde mal eher davon ausgehen, dass die Ursache der Lärmbelästigungen ein wenig anders liegen:

    Ich fahre selbst (gerne) Motorrad. Aber auch als Motorradfahrer muss man oft genug den kopf schütteln über Andere, die es nicht lassen können, möglichst auffällig und lautstark allen Anwohnern, Passanten und sonstigen Verkehrsteilnehmern „mitzuteilen“, dass sie im Land sind. Ja, man KANN durchaus mit 70 km/h im zweiten Gang vorbei fahren (das ist dann der Moment, wo alle Anwohner den Kopf schütteln), man muss es aber nicht. Ein wenig unauffälliger geht auch. Gerade diese Art von Fahrern prägen ja das Bild. Die würden aber auch Möglichkeiten finden die Allgemeinheit zu stören, wenn noch mehr Lärmrichtlinien und Streckensperrungen folgen. Oder glaubt irgendwer ernsthaft daran, dass die Androhung eines 15€-Bußgelds solche Fahrer von ihrem Bedürfnis aufzufallen abhalten kann?

    Und jetzt lehne ich mich mal weit aus dem Fenster: So lange niemand eine Änderung im Kopf der einzelnen Fahrer vornehmen kann, wird sich das Problem doch nur durch mehr Lärmschutzbauten irgendwie verringern lassen.

    • Reto sagt:

      Die Lärm- und Abgasrichtlinien wurden zum Jahresbeginn bereits „verschärft“ – die Verschärfung wurde nach Tests der Baden-Württembergischen Landesregierung bereits als eine Farce bewertet. Und was das aus dem fesnter lehnen angeht: Lärmschutzwände und Lärmschutzfenster gegen mutwilliges Lärmen einiger weniger? Wissen Sie was das kostet? Nur weil da manche ein belästigendes Hobby ausüben wollen? Wir reden vom öffentlichen Straßenverkehr, wo dieses Rasen und Lärmen stattfindet!

  5. Christopher sagt:

    @Matthias:

    Äh, tut mir Leid, wenn ich Dir hier widersprechen muß: Schuld am Motorradlärm sind nicht die vermeintlich leeren Kassen des Staates, sondern die Motorradfahrer, die sich einen Scheiß um ihre Mitmenschen kümmern oder auch noch mit Absicht so laut wie möglich fahren. Das ist ein kriminelles und antisoziales Verhalten, das bestraft werden muß. Und zwar von den entsprechenden Organen – in diesem Fall der Exekutive. Das einzige, was man diesem „Staat“ also vorwerfen kann, ist, daß er gegenüber der motorisierten Übergriffigkeit beide Augen fest zudrückt. Das zeigt ja auch schon das Kuscheln mit der Autoindustrie, das Nicht-Vorhandensein von Tempolimits auf Autobahnen usw.

  6. Matthias sagt:

    @Christopher:

    Ich stimme Ihnen zu, schuld an unserer Misere sind direkt sicher diejenigen, die mit ihrer irrwitzigen Lärmschleppe an unserem Haus vorbeidonnern, bis die Wände wackeln. Wer hat’s ermöglicht? Die Aussitzer in den Ministerien. Und sicher auch die Industrie, die angesichts toller Geschäfte und Gewinne mittels Lobbyisten für genügend Schmierung im politischen Getriebe sorgt.

    Doch ich hatte in meinem letzten Post nichts anderes behauptet. Ich hatte lediglich darauf hingewiesen, dass man selbst auf eigene Kosten sich nicht schützen kann/darf. Und auch eine Lärmsanierung wird auf hämische Art und Weise von denselben Leuten in der selben Behörde abgelehnt. Ich finde, das ist ein Skandal im Skandal!

    Im Ergebnis steht man vollständig allein. Keiner, der den Verkehr kontrolliert (Polizei?). Keiner, der den Verkehr begrenzt (Landrat?). Keiner, der die Spitzenwerte des Lärms begrenzt (EU?). Keiner, der die Zulassung von Klappensystemen begrenzt (Verkehrsminister?). Keiner, der Lärmschutzmaßnahmen für betroffene Anwohner fördert (StrassenNRW?). Keiner, der betroffene Anwohner wenigstens mit Baugenehmigungen für Schallschutzwände (AUF EIGENE KOSTEN!) unterstützt (Bauamt).

    Ich fühle mich verarscht, getreten und enteignet!

    Ich weiß überhaupt nicht mehr, wohin mit meinem Frust! Ich habe eben erstmal eine Spende an den Betreiber dieser Seite überwiesen. Weil dieses hier die einzige mir bekannte Anlaufstelle ist, wo man sich wenigstens mal zusammen mit anderen Betroffenen auskotzen kann!

    • Der Redakteur sagt:

      Die Betreiber dieser Seite (Arbeitskreis Motorradlärm im BUND und VAGM e.V.) bedanken sich herzlich für die Spende. Die Kotze wischen wir gerne auf!

  7. Anwohner sagt:

    Es geht schon, wenn man nur will. Der Staat hat effektive Methoden, er muss sie nur einsetzen! Und die Bußgelder schnellstmöglich verfünffachen. Wenn ich lese, dass der Halter eines Fahrzeugs mit 114dB nur mit „über 100 Euro“ bestraft wird, dann frage ich mich kopfschüttelnd, ob die Verhältnisse stimmen.

    http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/19027/3381405

  8. Hans Troiber sagt:

    Danke für Eure Kommentare. Ich „begrüße“ jeden Prollmotorradfahrer mit Daumen nach unten und hänge in der Nacht selbst gebastelte Schilder und Aufkleber auf (z.B. „Großes Rohr – kleiner Schlauch!“ oder „Lärmschutzgebiet“ (mit einer durchgestrichenen Eule drauf, die gerade eine volle Dröhnung bekommt. Weiß allerdings, ob so viel Ironie von den Bürgerschrecks-in-Rente verstanden wird. Zumindest die Presse hat schon auf die Schilder reagiert. Mein nächster Schritt wäre eine Klage und zwar gegen das Messverfahren sowie die Lärmkartographierung, die die Anwohner unzureichend schützen. Man hat hier Rechte und wenn sie einem Politiker wegnehmen, muss man es drauf ankommen lassen. Notfalls argumentiere ich mit meinen Grundrechten (kein Witz!).

    • S. St. sagt:

      Mir stellt sich die Frage, ob ich selbstgemachte Schilder überhaupt aufstellen darf – meist kommt dann das Ordnungsamt/die Gemeinde und sagt man darf das nicht! Aber gegen die Verkehrsrowdys wird natürlich nichts unternommen.
      Kann man eigentlich Motorradfahrer anzeigen, wenn sie mehrfach hin und her fahren? Falls ja, wie beweise ich das?

      • Reto sagt:

        Schilderproblematik haben Sie erkannt. Außerorts ganz schwierig, innerorts temporär mit Genehmigung möglich. Zur zweiten Frage: Grundsätzlich ist unnötiges Hin- und Herfahren ausserhalb geschlossener Ortschaften nicht verboten. Es sei denn, jemand wird belästig. Anzeigen geht. Zeuge ist gut. Uhrzeit, Nummernschild, Beschreibung.

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