„Das gibt Krach“ ohne Rücksicht auf die SVO

Einen kompakten Lagebericht zum Thema liefert heute Ulli Kulke in der Printausgabe der „Welt am Sonntag“: „Die malerischen Landstraßen im Allgäu, die Sulzbacher Steige nordöstlich von Stuttgart, die Bergstraßen aus dem Rheintal hinauf in den Schwarzwald, der Peißenberg und andere Hügelstrecken in Bayern, die sächsische Schweiz, die Kurvenstrecken im Sauerland, das Weserbergland und Hunderte andere Traumstraßen, überall dort, wo es schön ist in Deutschland, Wanderer unterwegs sind und die Menschen in ihren Gärten sitzen – dort sind an sonnigen Tagen die Täler erfüllt vom Klang der Biker-Kolonnen.“

 

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Ausschnitt aus „Welt“ online: Terror für das grüne Idyll…

 

Der Autor gibt einen bezeichnenden Überblick über ein Thema, an dem Kulturen aufeinanderkrachen. Da sind zum einen die Sound-Liebhaber: „Zu ein oder zwei Dutzend im Pulk kommen sie, zwei Minuten Pause und der nächste Schwarm rollt heran, in „kernigen“, „satten“, „bissigen“, „krawalligen“ Sound-Marken. All diese Adjektive stammen aus der Motorradwerbung selbst. Die Hess Motorrad AG bewirbt aus ihrem Sortiment einen Auspuff der fränkischen Zubehörfirma Kess Tech („Legal loud exhausts“) mit dem Spruch: „Die Auspuffanlage, die brüllt“.
Da sind zum anderen die Anwohner: „Man wird schlicht enteignet, wenn man sich am Feierabend oder an den Wochenenden nicht mehr in seinem Haus oder Garten aufhalten kann, weil es zu laut ist“. Fazit: „Man müsste nur Paragraf 1 der StVO anwenden: „Nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar belästigen“. Davon ist die Rechtslage weit entfernt. Übrigens auch beim Autoverkehr, aber das ist eine andere Geschichte.“ Nachzulesen ist der Artikel hier auch Online.

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15 Kommentare zu “„Das gibt Krach“ ohne Rücksicht auf die SVO
  1. meterman sagt:

    Der Bericht in der „Welt am Sonntag“ ist gut , er arbeitet gut heraus , daß der Lärm der Biker nicht nur Gedankenlosigkeit , sondern pure Absicht ist.
    Da hilft nur die konsequente Härte des Gesetzes , denkbar wäre eine Behandlung wie bei der Trunkenheit am Steuer.

    Zunächst müßten alle Teile verboten werden , die entsprechenden Lärm verursachen (zum Teil sind sie heute schon illegal).
    Wer dann mit solchen erwischt wird ,oder wer entsprechende Manipulationen am Bike vornimmt , erhält beim ersten Mal eine mehrmonatige Führerscheinsperre nebst Geldstrafe.
    Beim zweiten Mal erfolgte der komplette Entzug der Fahrerlaubnis nebst Auflage , den Schein neu zu machen , inklusive vorheriger MPU(Idiotentest), darüberhinaus 3 Monate Gefängnis zur Bewährung.

    Beim dritten Mal Gefängnis.

    Analog wäre zu verfahren bei Bikern , die ihre Bikes innersorts bewußt hochjagen , aufbrausender , aggressiver Lärm ist besonders schädlich.
    Ergänzen würde ich gerne noch , daß das Lärmproblem nicht nur in „ländlicher Idylle“ , sondern auch in Großstädten existiert , wer an der „falschen“ Straße wohnt , hat den ganzen Tag lang das Vergnügen mit diesen „ehrenwerten“ Mitbürgern , die in ihrer Freizeit gerne den Pseudo-Easy-Rider spielen.

  2. CBR1100XX sagt:

    @meterman:

    Netter Kommentar und nette Vorstellung. Aber es gibt da einige Gegenargumente, welche dafür sorgen werden, dass eine solche Regelung nach Ihren Wünschen niemals in Kraft treten wird. Diese habe ich auch an anderer Stelle schonmal ausführlich beschrieben…

    Der Hauptgrund ist folgender: Der Staat kann es sich nicht leisten, Motorradfahren durch die von Ihnen vorgeschlagene Regelung unattraktiv zu machen. Denn selbst wenn nur ein Drittel der Motorradfahrer ihrem Hobby wegen solchen Regelungen den Rücken kehren würde, hätte der Staat schon mit massiven finanziellen Einbußen durch den Wegfall der KFZ-Steuer, der Mineralölsteuer und natürlich auch der Mehrwertsteuer auf alle Artikel rund ums Motorrad zu rechnen, die dann von einem Drittel der Biker nicht mehr in die Staatskassen gespült werden.

    Und des weiteren wären diese Regularien nicht umsetzbar, da sich für Motorräder verschiedener Baujahre auch unterschiedliche Vorschriften für die maximal zulässige Lautstärke ergeben. Zumal es schwierig werden würde, alle Teile zu verbieten, die für den vermeintlichen Lärm erzeugen. Denn das ist ja das schöne an der EU: Ein Auspuff, der z.B. in Italien die Lärmvorschriften erfüllt und somit eine E-Nummer bekommt, der darf genauso auch in Deutschland legal verbaut und gefahren werden. Das heißt entsprechende Gesetze werden auf EU-weiter Ebene gefällt.

    Die horrenden Strafen die sie hier ansprechen sind laut Bußgeldkatalog für schwere Ordnungswidrigkeiten und Straftaten im Straßenverkehr vorgesehen, von denen eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeht. Aber ist ein zu lauter Auspuff eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer? Nein. Die Betonung liegt dabei auf „Verkehrsteilnehmer“, nicht auf „Anwohner“. Somit stehen diese Strafen in keinem Verhältnis dazu und sind somit auch nicht Anwendbar, denn es gilt: Gleiches Recht für alle.

    Und zum Thema „Freizeit Pseudo Easy Rider“… Gibt es denn mittlerweile schon vollzeitberufliche Pseudo Easy Rider?

    • Reto sagt:

      Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut manche Menschen sich mit ihren Rechten auskennen, obwohl sie offensichtlich beim Behandeln der StVO (SVO) in der Fahrschule geschwänzt haben:
      㤠1
      Grundregeln
      (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
      (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“
      Im übrigen: Dieser Staat kann sich so manches leisten. Beispielsweise von der Motorradindustrie und einem Gutteil der Biker verarscht zu werden.

    • meterman sagt:

      @CBR1100XX

      Interessant finde ich vor allem , daß Sie Motorradfahren nur dann attraktiv finden , wenn sie Menschen mit Lärm terrorisieren dürfen.

    • Andi sagt:

      Hey CBR1100XX spar dir dein Kommentar. Die haben ihre Meinung und davon kannst du sie nicht wegbringen. Nutz deine Zeit sinnvoller zum beispiel mit Motorradfahren ;-) Ich kann deren Lage verstehen und ihre Meinung dazu aber zum Glück wird es so solche grotesk überzogene Forderungen nie zur Umsetzung schaffen. Gefängnis für einen Eu-ABE Auspuff…. lächerlich.

      • Reto sagt:

        In der Schweiz kann das Töff beschlagnahmt werden, wenn es zu laut ist. Wir finden das auch nicht lächerlich, sondern kosequent. Wir finden es schon eher komisch, dass man in D so viele Motorradtote und diese Belästigung einfach hinnimmt.

  3. CBR1100XX sagt:

    Die Paragraphen der STVO sind mir bestens bekannt. Nur wie ich es auch anderswo schon erwähnt habe, befindet sich mein Bike z.B. im absolut legalen Bereich. 91dB darf es haben, 93dB hat es tatsächlich (mit eingebautem dB-Killer, der noch nie ausgebaut war) und somit entspricht es nach Toleranzabzug auch den Vorschriften.

    Und eine Änderung dieser Vorschriften dürfte schwierig werden, da meine Maschine Baujahr 1999 ist und man die entsprechenden Vorschriften nicht rückwirkend ändern kann.

    Ich terrorisiere damit NIEMANDEN, ich schöpfe lediglich die zulässigen Grenzen aus und damit mache ich nichts verbotenes. Was einen lauteren Auspuff attraktiv macht, ist die Kombination aus der Beschleunigung mit der passenden akustischen Untermalung. So etwas ist kein Terror, es ist menschlich. Oder was meinen Sie, warum man bei Elektroautos mit künstlichen Motorengeräuschen arbeitet, um den Fahrer zufriedenzustellen? Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die passende Geräuschkulisse zur Zufriedenheit des Fahrers beiträgt.

    Und bei dem Zitat, der Staat könne es sich leisten, sich von der Motorradindustrie und den Bikern verarschen zu lassen: Ja, das kann er auch. Weil er dabei fleißig mitverdient. Mit jedem verkauften Motorrad mit Klappenauspuff oder mit jeder verkauften Sportauspuffanlage, verdient der Staat fleißig bei der Mehrwertsteuer mit. Und das macht bei einem 15.000€ und selbst bei einer 1500€ teuren Sportauspuffanlage nicht unerhebliche Summen aus… Und die lässt sich der Staat natürlich ungerne durch die Lappen gehen. Da würde man sich selbst ins Knie schießen, wenn man diese Quelle zudrehen würde.

    Oder haben Sie sich noch nie gefragt, wieso es in Deutschland immer noch kein generelles Tempolimit auf der Autobahn gibt? Wo es doch so viel Zuspruch in Sachen Verkehrssicherheit und Umweltschutz gibt? Ganz einfach: Weil es dazu verleitet das Gas voll durchzudrücken bzw. aufzudrehen und so möglichst viel Kraftstoff zu verheizen, der auch fleißig besteuert wird. Und exakt so läuft es mit Ihren Kritikpunkten, denn die Tempolimit Befürworter und Lärmgegner haben im Gegensatz zu den Autoherstellern, den Motorradherstellern und auch den Motorradfahrern keine Lobby.

    Über Lobbyismus zu diskutieren, würde diese Sache hier jetzt aber auch ziemlich weit vom Kern wegziehen… Aber warum haben Sie bzw. die Tempolimit-Befürworter keine Lobby? Weil der Staat mit Ihren Forderungen kein Geld verdienen kann bzw. wird und vielleicht sogar noch Einbußen hinnehmen muss. Und das, meine Herren, ist der springende Punkt.

    • Henzler sagt:

      Die Ihnen „bestens bekannten“ Paragraphen der STVO sind das Grundgesetz im Verkehr. Und ich kann Ihnen sagen, dass Sie mit den von Ihnen genannten Lärm-Werten oberhalb von 93 dB(A) andere Leute definitiv belästigen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Vielleicht noch, dass sie die Problematik Stand- und Fahrgeräusch (Referenzwert/Norm) nicht verstanden haben. Aber das haben Sie an anderer Stelle ja bereits unter Beweis gestellt.

  4. Weiss, E. sagt:

    war am Wochenende an der Mosel, von Ruhe und Erholung keine Spur.
    Das unglaubliche Dröhnen nimmt jeden Erholungswert. Warum greifen die verantwortlichen Behörden nicht konsequenter durch?

  5. mml sagt:

    Der Motorradlärm ist unakzepabel und zeigt erneut, daß man sich, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, einfach über die Gesundheit der Menschen hinwegsetzt, man opfert sie einfach…

    Und diese Machos auf den Lärmmaschinen sind ein Volk ohne Rücksicht und Verantwortung. Schließlich gibt es Alternativen…

    Und so wird die EU scheitern… (das Lärmproblem ist ein EU-Problem). Weil mit diesen Strukturen die Wirtschaft mit ihrem Lobbyismus die Politik im Griff hat und es noch weniger Kontrollmöglichkeiten der Menschen gibt (als z. B. in Berlin – auch schon völlig unzureichend), also auch keine Demokratie. Wir brauchen eine anders strukturierte EU – der Regionen.

    Was für ein Glück, das dieses Jahr oft so schlechtes Wetter war…. Wer an den Strassen wohnt, hält das nicht mehr aus, die Leute werden zu Verzweiflungstaten greifen, wenn nicht bald was passiert.

  6. Jens sagt:

    Ich habe auch das Vergnügen an einer viel belebten Motorradstecke im Schwarzwald zu wohnen. An schönen Wochenenden kommt jeden Tag 2 – 3 x der Hubschauber um die Folgen des ungehemmten Motorradverkehrs ins Krankenhaus zu fliegen! Und auf der Terasse sitzen ist kein Vergnügen!

    Aber ich hätte da einen Lösungsvorschlag! Eine Lärmemissionsplakette, ähnlich wie die Feinstaubplakette. Dazu müsste man nur jedes Motorrad lärmtechnisch vermessen und ihm eine entsprechende Plakette Grün – Gelb – Rot zuordnen. Nur die Motorräder mit der grünen Plakette dürften dann bestimmte Erholungsgegenden wie z.B. den Schwarzwald befahren! Manipulierte Maschinen oder welche mit gefälschten Plaketten müssten aus dem Verkehr gezogen werden. Und schon wäre alles im „Grünen Bereich“ ;-)
    Jens

    • Reto sagt:

      Hallo Jens,
      das ist eine gute Anregung. Allerdings muss man dazu anmerken, dass die aktuelle Überarbeitung der Emissionsnormen für Motorräder Jahrzehnte gedauert hat. Und letztlich legen die Hersteller sich ihre Normen dabei selbst fest. Die derzeit noch gültige Norm bildet einen Zustand ab, der weit vom lautesten Betriebszustand entfernt ist. Und die neue Norm macht das nicht anders. Man müsste also umdenken und ganz einfach den lautesten Betriebszustand ermitteln – aber das ist weder im Interesse der Motorradindustrie noch von deren Kunden.

  7. tourguide sagt:

    Wie in einem anderen Beitrag bereits von mir erwähnt.

    Die Geräuschvorschriften werden von einigen Herstellern so „intelligent“ ausgehebelt, dass Serienfahrzeuge von manchen Rennstrecken verwiesen werden, weil sie an Geräuschmesspunkten zu laut sind. Zum Schutz der Anwohner.
    Und die gleichen Kräder dürfen zu allen Tages- und Nachtzeiten im öffentlichen Straßenverkehr nerven. Z.B. die Ducati Panigale oder die BMW S 1000 RR. Die Besitzer müssen sich technische Maßnahmen einfallen lassen oder konstruieren, um sie leiser als Serie hinzubekommen, damit sie auf der Rennstrecke fahren können.

    Meines Erachtens ticken einige nicht mehr ganz richtig.

  8. TerrasighT sagt:

    Nicht jeder Biker will belästigen. Ich nutze z.b. mein Bike als Alltagsfahrzeug, alles original und sie brummelt trotzdem.

    Leute die im ersten Gang drehend bis 12.000 durch den Ort heizen versteh ich wiederum auch nicht.

    Ich bitte nur darum nicht alles zu verallgemeinern.

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