Leserkommentar aus dem Weserbergland

Ein ganz normaler Motorradlärm-Betroffener (Name der Redaktion bekannt) macht seinem Ärger Luft – auch und besonders über die Kommentare, die manche Biker hier ablassen:

„Jetzt platzt mir aber beim Lesen dieses Schwachsinns gerade mal der Kragen:
Es ist schon bezeichnend, wie einige Täter, die Wochende für Wochenende Anwohner und Betroffene mit ihrem mutwilligen Lärm quälen, mit an den Haaren herbeigezogenen, spitzfindigen und dümmlichen “Argumenten” und “Zwangsläufigkeiten” ihr illegales Handeln auf Kosten der Allgemeinheit in Szene setzen.
Es geht den Lärmopfern wohl kaum darum, die “armen” Motorradfahrer zu “diskriminieren”. Die betroffenen Opfer werden schlicht und ergreifend enteignet, wenn sie sich am Feierabend oder an den Wochenenden nicht mehr in ihrem Haus oder Garten aufhalten können, weil es einfach zu laut ist, und man sich dem Dauerlärm nicht entziehen kann. Als Betroffener kann ich sagen, dass es einfach nicht mehr witzig ist, sich Wochenende für Wochenende irgendwohin auf die Flucht zu begeben oder die Zähne zusammenzubeißen und “durchzuhalten”, bis der Lärm endlich abebbt.

Fenster zu / Garten nicht nutzbar

Besonders “schön” ist das, wenn man einen schwerkranken, pflegebedürftigen und im Sterben liegenden Angehörigen hat, der während der “heißen” Phase, in der sich die Motorradfahrer vor dem eignenen Haus innerorts bei Tempo 80, 90, 100 unbehelligt von allen Behörden mit ihren manipulierten Fahrzeugen prima Vergnügen und Überholungsjadgden liefern, man weder weg kann, noch zuhause bleiben, weder ein Fenster öffnen, noch den Garten betreten kann, den ganzen Tag die Motoren bollern und das Haus dröhnt, so wie wir das im Vorjahr zwischen Ostern und Pfingsten erleben mußten.
Anrufe bei der Polizei mit der Bitte um Kontrollen haben blöde Sprüche zur Folge. Z.B. bekommt man zu hören: keine Handhabe, da Nummernschilder nicht lesbar, Fahrer behaupten, wegen des Helms nicht selber gefahren zu sein, da könne man also leider gar nichts machen, diese Kontrollen seien immer so “unangenehm” für die Kollegen (!), da kennt man sich leider nicht so gut aus, und so weiter und so weiter. Die zuständigen Ordnungsbehörden zeigen einem mit Ignoranz und Inkompetenz die kalte Schulter.
Wenn man behördlicherseits mit einer Situation, nicht fertig wird und die Folgen nicht mehr kontrollieren kann, ist dies meiner Meinung nach einfach so nicht zulässig und muß zum Schutz der Betroffenen mit Durchfahrverboten und sonstigen geeigneten Maßnahmen komplett unterbunden werden. Ansonsten entsteht – wie das inzwischen im Weserbergland der Fall ist, ein rechtsfreier Raum, der von den Behörden aufgegeben ist. Den Bürgern bleibt dann nur noch der Klageweg.

Zweierlei Maß

Für sich selbst, in ihrem eigenen Zuhause, fordern all diese Leute, denen es völlig egal ist, ob Gesetze eingehalten oder Leute den ganzen Sommer über mit mutwillig verursachtem Lärm gequält werden, selbstverständlich “Ruhe” ein, wenn sie selber Ruhe haben möchten, genau wie sie vehement und egoistisch das Recht auf uneingeschränkte und freie Entfaltung in ihrer Freizeit auf Kosten der Allgemeinheit einfordern. Da stellt sich allerdings die Frage, welches “Recht” hier höher zu bewerten ist: das Grundrecht auf ein bischen Ruhe in der sensiblen Zeit an den Wochenende, die die arbeitende Bevölkerung dringend zur Regeneration benötigt, um nicht krank zu werden, oder das vermeintliche “Recht” auf freie Entfaltung auf kosten Anderer. Die Antwort erübrigt sich.
Leider ist diese negative Art des Tourismus vielerorts politisch gewollt, die Bürger werden – z.B. wie im Weserbergland, von den zuständigen Ordnungsbehörden und der Polizei vollkommen alleine gelassen, da diese offensichtlich mehr Verständnis für die Raser und Lärmverursacher aufbringen, als für die Bürger, die unter dem Dauerkrach leiden und deren Rechte mit Füßen getreten werden. Kontrollen gibt es nicht, die Raser haben 100%ige Narrenfreiheit mit ihren manipulierten Fahrzeugen. Aktuell allein 2 schuldhafte Motorradtote in den letzten 2 Wochen und ein sprunghafter Anstieg der Motorradunfälle von 2012 auf 2013 im Landkreis Holzminden sprechen Bände und zeigen, was hier los ist, im Motorradparcour Weserbergland. Es besteht dringender Handlungsbedarf auf höherer Ebene, da ist der Gesetzgeber gefragt, so dass die ignoranten Behörden auf lokaler Ebene sich nicht mehr herauswinden können.

Veröffentlicht in Allgemein

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