Motorradfahrer-Verband: „Völlig überflüssige Lärmbelästigung“

Wir bekommen mit unserer Forderung nach verbindlichen Lärm-Grenzwerten über das gesamte Drehzahlband plötzlich unerwartete Unterstützung – ausgerechnet vom Bundesverband der Motorradfahrer selbst!

Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) wendet sich nach der entsprechenden Mitteilung bereits seit Jahren gegen die aktuellen Verfahren zur Bestimmung der Geräuschemissionen bei Kraftfahrzeugen. Zwar seien die derzeit geltenden Grenzwerte nach Ansicht des Verbandes „absolut ausreichend, um zu einer deutlich verringerten Lautstärke beizutragen“. Doch die Vorschriften bieten zu große Schlupflöcher. Denn sie legen nicht fest, dass die Grenzwerte über das gesamte Drehzahlband in allen Fahrsituationen gelten müssen, „sondern nur in einem engen Drehzahlbereich“. BVDM-Chef Michael Lenzen: „Das ermöglicht den Fahrzeugherstellern, technische Lösungen einzubauen, die außerhalb des festgelegten Messbereiches für eine erheblich höhere Lautstärke und damit eine völlig überflüssige Lärmbelastung der Umwelt sorgen – und zwar ganz legal“.

Lenzen appelliert an alle Motorradfahrer, Rücksicht auf Anwohner zu nehmen und verantwortungsbewusst mit dem Gasgriff umzugehen. Der Gesetzgeber müsse dafür sorgen, dass die Lärmgrenzwerte für Kraftfahrzeuge über den gesamten Betriebsbereich vorgeschrieben und Manipulationen wirksam verhindert würden.

Lärmvorschriften müssen besser werden: Pressemitteilung des Bundesverbands der Motorradfahrer e.V. Foto: AK Motorradlärm im BUND.

 

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6 Kommentare zu “Motorradfahrer-Verband: „Völlig überflüssige Lärmbelästigung“
  1. Matthias sagt:

    Erstaunlich! Oder doch nicht? Offenbar haben die Motorradverbände auch erkannt, dass eine Minderheit von vielleicht 20-30% mit ihrem Verhalten auf der Straße (Raserei und unnötiger Lärm) den Ruf des großen Rests nachhaltig ramponiert. Wer will schon für diese Soziopathen stehen, oder mit diesen in Verbindung gebracht werden? Die obige Meldung ist deshalb in meinen Augen eine zwingende Distanzierung von notorischen Verkehrsrowdys. Sie hätte nur noch etwas klarer ausfallen können.

  2. Maike sagt:

    Ob das immer alles so legal ist wie behauptet – ich habe meine Zweifel!

  3. Hermann Emerich sagt:

    Hm, im Grunde ist dies eine gute Neuigkeit.

    Denn offensichtlich bekommen doch einige langsam kalte Füße und versuchen einer drohenden effektiven Verschärfung des (Lärm)Rechts zuvorzukommen.

    Ich denke aber, dass die Appelle des Bundesverbandes der Motorradfahrer zur Mässigung des Fahrstils bzw. Lärms an der eigenen dumpfbäckischen Basis scheitern wird.

  4. Roadking sagt:

    Ich bin selbst seit vielen Jahren mit dem Motorrad unterwegs. Auch ich hatte mir einen schönenbrummeligen , aber nicht zu lauten Sound gewünscht. Es wurde also einer der Firma BOS. Natürlich mit EU Zulassung. Den Sound kann man aber vor dem Kauf nicht testen. Also dran gebaut und schon bald merkte ich, dass der Auspuff in höheren Drehzahlen eigentlich zu laut ist. Zwar noch lange nicht so laut wie bei vielen anderen Motorrädern (z.B. Bei den Harleys), aber mich störte das — auch aus Rücksicht auf Anwohner! Ja sowas soll es geben! Also beim Hersteller angefragt, ob man da noch was machen kann. Die einzige Antwort war ein lautes Lachen mit der Bemerkung ich sei der erste Käufer, der den Auspuff wirklich leiser machen will.
    Ich kenne auch Motorradfahrer, die in bestimmten Ländern sogar den DB Eeater ausbauen um noch lauter zu sein! Davon distanziere ich mich — wie viele andere vernünftige Motorradfahrer — ganz entschieden!
    Ich sehe hier die Verantwortung bei den Gesetzgebern. Die Lärmpegel dürfen auch in höheren Drehzahlen sinnvolle Werte nicht überschreiten. Dort sollte mal angesetzt werden! Der Motorradfahrer verbaut logischerweise was erlaubt ist.

  5. Mike Seliger sagt:

    Auch meine 1100er ist objektiv gehört „laut“, das ist bei großvolumigen Motorradmotoren auch gar nicht anders möglich, da der Abgasweg ebenso wie der Ansaugweg zu kurz für gute technische Lösungen sind.

    Aber echte „Krachmacher“ sind eben die 5 bis 10 % der Fahrer, die auch sonst wegen verkehrssoziopathischem Verhalten auffallen. Und ein paar Beknackte reichen eben, um einer Sache ein schlechtes Image zu verpassen.

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