Motorradverband fordert mehr Kontrollen – wir fordern weniger Volksverdummung!

Biker-Lobby will Diskussion beruhigen - wir hätten gerne ein ruhigeres Leben- Ausschnitt aus RP-Online.

Biker-Lobby will Diskussion beruhigen – Anwohner hätten gerne ein ruhigeres Leben – ohne Biker-Lärm. Ausschnitt aus RP-Online.

„Ja, Motorräder könnten leiser sein. Die Menschen haben das Recht, sich zu beschweren“, sagt Bernd Luchtenberg. Und der Mann muss es wissen – er ist Vorsitzender des Motorrad-Landesverbandes Rhein-Ruhr. Aber natürlich sind nicht die Biker schuld, „sondern die Hersteller und die Behörden“. Das Zitat stammt aus der Berichterstattung von  RP-Online zum Thema Motorradlärm in Wermelskirchen und zeigt das Dilemma. Es geht wie immer darum, dass es den Bikern nicht Sound genug sein kann. Die Rede ist nicht von 2-3 Prozent, wie die Polizei in ihrer Hilflosigkeit oft glauben machen will, sondern jenen 30 %, die ihren Original-Auspuff gegen einen Zubehörtopf tauschen oder gleich ein Motorrad mit Klappenauspuff kaufen. Beides garantiert eine Vervielfachung des Lärms – und beides entlockt Polizei und Ordnungsämtern in ihrer Ohnmacht noch nicht mal ein müdes Arschrunzeln.Und wenn mal einflussreiche Anwohner an einer Lärmstrecke wohnen, dann wird die bestimmt nicht gesperrt, weil es da zu laut ist, sondern weil zu viele Unfälle passieren. Laut Herr Luchtenberg ein „diskriminierendes Armutszeugnis“. Freiheit ist wichtiger als die Gesundheit der belästigten Anwohner und deren Lebensqualität.

Das Thema mutwilliger Verkehrslärm ist dem Staat entglitten – ganz genau wie die anderen Emissionen des Verkehrs. Doch während die Autofahrer beim Diesel glaubten, auf der sauberen Seite zu sein, ist es beim Lärm pure ingenieurmäßige und mutwillige Belästigung Unschuldiger – auf Kundenwunsch. Jeder Proletensportwagen hat ab Werk die Klappenauspuffe verbaut, jedes BMW Motorrad rollt heute mit Klappenauspuff vom Fließband – und die depperten Lokalpolitiker schlagen sich mit wirkungslosen Lärmaktionsplänen für die Bevölkerung herum, während AMG-Manni und Harley-Uwe ihre Runden drehen. Die einen kaufen Lärmschutzfenster, die anderen Lärmauspuffe – das ist echte Kreislaufwirtschaft made in Germany. Und die Motorradfahrer-Lobby beklagt, dass zu wenig kontrolliert wird (Behörden) und dass die Hersteller keine leisen Motorräder bauen (obwohl die Mitglieder des Verbandes von Herrn Luchtenberg die vermutlich nicht kaufen würden). Wer einmal dabei war, wie sich die Polizei beim Kontrollieren von Auspuffklappen oder EU-Auspuffen zum Narren macht, der weiß, dass die Forderung nach mehr Kontrollen aus dieser Ecke Nebelkerze und Volksverdummung in einem ist. Seit den folgenlosen Messungen der Baden-Württembergischen Landesregierung in Lahr weiß man, dass doppelt so laut doch irgendwie gesetzeskonform zu sein scheint. Cycle beating – die Polizei hat hier nichts zu melden. Tacheles: Der Arbeitskreis Motorradlärm im BUND stiftet dem Herrn Luchtenberg ein Fläschen vom guten Rotkäppchensekt, wenn er nachweisen kann, dass er weder Klappenauspuff noch Zubehörtröte an seiner GS-BMW hat. Die Wette gilt!

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11 Kommentare zu “Motorradverband fordert mehr Kontrollen – wir fordern weniger Volksverdummung!
  1. steini sagt:

    Wenn man Herrn Luchtenberg zu Thema Motorradlärm befragt, ist es in etwa das Gleiche, wie wenn man den Direktor eines Atomkraftwerks nach dessen Sicherheit befragt……..

  2. Maike sagt:

    Streckensperrungen treffen leider auch unschuldige Motorradfahrer, die mit einer angenehm leisen Maschine unterwegs sind. Doch dank der mindestens 30% (bei uns hier im Ruhrgebiet eher 50-60%!) superlauten Posermaschinen gibt es keine andere Möglichkeit. Der Herr Luchtenberg sollte sich lieber an Seinesgleichen wenden und allen klarmachen, dass mehr Lärm nicht mehr Freude bedeutet. Statt dessen weisen die immer offenen Krachklappen nur darauf hin, dass hier jetzt ein besonders kleines Würstchen mit viel zu kleinem Selbstbewusstsein vorbeikommt!

    So lange dieser Krach anhält, so lange wird es diese Seite geben und den betroffenen Anwohnern eine Stimme verleihen, die sich sonst nicht wehren können!

  3. Anwohner sagt:

    Herr Luchtberg als – Zitat – „direkt Betroffener“ beobachtet ein „gefährliches Hochschaukeln, das dringend beendet werden müsse“.
    Das sehen unzählige leidtragende Anwohner, bei denen Wochenende für Wochenende dauerhaft um die 100 dB auf den Grundstücken gemessen werden können, auch so. Diese können nichts tun, außer unter dem Lärm in ihrem Zuhause leiden. Herr Luchtberg kann, wie laut Umweltbundesamt und Herstellerverbänden 30-50% aller Motorradfahrer das tun (also die von ihm als „schwarze Schafe“ bezeichneten Mittäter, die mit lärmmanipulierten Fahrzeugen unterwegs sind) nach Belieben aktiv und „direkt betroffen“ seine Opfer quälen.
    Was für ein unfassbarer Zynismus – Herr Luchtberg. Allerdings zeigen solche Statements, dass das Maß tatsächlich voll ist. Danke also dafür – als „direkt Befroffener“.

  4. H. aus VS sagt:

    Schönes Wettangebot! Aber leider wird der Herr nicht darauf eingehen. Nicht weil er keinen Rotkäppchen mag, sondern weil die BMW, die er fährt (Spitzname: Karl Dall) einen Klappenauspuff hat. Und der ist mit deutscher Ingenieurskunst nur dazu gemacht, die aktuelle Zulassungsnorm zu umgehen und der Biker-Klientel maximalen Sound zu verkaufen. So viel zum Thema „Beruhigung der Diskussion.“ Meint nämlich, „wir wollen einfach nur in Ruhe weiter Krach machen“…

    • Reto sagt:

      Wir vermuten das selbe. Viele Bikerlobbyisten haben keinerlei Unrechtsbewusstsein aber eine Tendenz, die Verantwortung zu verschieben. Vor allen Dingen dorthin wo sie wissen, dass nichst passiert. Zu Polizei, Behörden, Herstellern – und gegebenenfalls auch Anwohnern. Erst ein günstiges Grundstück kaufen und dann wundern, dass auf der Straße jemand mal den Hahn aufdreht.

  5. steini sagt:

    Ich frage mich, ob es wirklich „unschuldige Motorradfahrer“ gibt? Wenn ja, dann müsste es ja auch unschuldige Billigflieger, Motorbootfahrer, Quadfahrer, Laubbläserflüsterer, Privatpiloten, Formel 1-Fanatiker etc. geben. Wenn das so ist, leben wir in einer absoluten Unschuldsgesellschaft. Aber wo liegt dann das Problem?

    • Reto sagt:

      Ich halte das nicht für eine Frage der Schuld.
      Es geht (bei manchen) eher um mangelnde Empathie und um den Glauben, dass alles was ihnen gefällt auch andere Menschen begeistern muss.
      Ansonsten darf sich jeder begeistern, wofür er will, solange niemand in Mitleidenschaft gezogen wird.

      • Maike sagt:

        Das empfinde ich auch so. Allerdings ist mangelnde Empathie eine viel zu schwache Erklärung. Ich finde, die Leute, die uns tagtäglich so sehr mit ihren mit superlaut brüllenden Fahrzeugen belästigen, sind einfach infantile, charakterlich unterentwickelte, rücksichtslose, sehr dumme Menschen ohne jegliches Selbstbewusstsein. Oder irgendwelche abgehalfterten Träumer, die damals in ihren besseren Zeiten mal Easy Rider gesehen haben und jetzt meinen, das Lärmen wäre ein Bestandteil der sogenannten Freiheit. Was für ein Schwachsinn!

        >>>Hallo, hier komme ich! Alle sollen das hören. Je lauter, desto besser!<<<

        Ich bringe das gerne auf den Punkt: A…öcher!!!

        • Reto sagt:

          Hallo Maike,
          für viele gilt, dass sie nicht einmal wissen was sie tun.

          • Maike sagt:

            Hallo Reto,
            diejenigen, die sich einen extra lauten Auspuff an Ihre Karre basteln, die wissen ganz genau, was sie tun! Die tun das, damit alle hören, was für tolle Hechte jetzt kommen.

            Ich wiederhole mich gerne: Das sind alles verf…chte A…löcher!!!

  6. gerhard sagt:

    @Maike
    Endlich mal jemand der das Ganze realistisch, nüchtern sieht und auch ein solches Fazit folgen lässt.
    Nur interessiert das die ver…chten A..löcher nicht.

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