„Sound“ oder Lärm?

Der „Sauerlandkurier“ berichtet von einer konzertierten Aktion von Gemeinden und Polizei. Die haben sich sogar ein Lärmmessgerät angeschafft: Schönes Wetter ist Motorradwetter und mit dem Start in die neue Motorradsaison geht es los: Das Dröhnen der zum Teil sehr lauten Motorräder. Für die einen ist es der tolle Sound, der zum Hobby dazugehört. Doch für viele Anwohner grenzt die Lautstärke der Motoren an Lärmbelästigung. Sollten laute Biker stärker bestraft werden? An Wochenenden bietet beispielsweise das Sauerland an vielen Stellen eine Geräuschkulisse wie am Nürburgring. Um das zu ändern, haben sich im HSK Kreisverwaltung und Kreispolizeibehörde zusammengeschlossen und ein Schallpegelmessgerät angeschafft. Die Lautstärke der Bikes soll zum Saisonauftakt an bekannten „Rennstrecken“ gezielt kontrolliert werden. „Wir haben unsere Waffen geschärft“, hieß es von der Polizei. Man wolle kein Spielverderber sein, aber gegen derart laute Motorräder müsse man zum Wohl der Anwohner vorgehen.

Ausriss aus dem Sauerlandkurier online.

Ausriss aus dem Sauerlandkurier online.

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11 Kommentare zu “„Sound“ oder Lärm?
  1. Leser B. sagt:

    Anders als im Sauerland werden die sich häufenden Klagen über Lärmbelästigung im Weserbergland, Landkreis Holzminden, von Ordnungsamt, Polizei und Gemeindevertretern ignoriert. Hier baut man lieber die Straßen zu noch besseren und „sicheren“ Rennstrecken aus, um dem angeblichen „Wirtschaftsfaktor Motorradtourismus“ zu huldigen.
    Auf Lärmkontrollen mittels Schallpegelmeßgerät und , wartet man hier vergebens. Fahrzeugstillegungen bzw. Maßnahmen gegen die Motorradtreffs, die das Umfeld terrorisieren – Fehlanzeige! Es herrscht Narrenfreiheit. Hinweise von Anwohnern, die Beweis liefern, werden ignoriert. Die Polizei weigert sich einfach z.B. mit Ausreden wie „Personalsituation“, tätig zu werden, behauptet, da könne (wolle?) man sowieso nichts gegen machen, oder noch unglaublicher: man habe gar keine Berechtigung (!!) zu einer Anzeige. Die Bürger laufen regelmäßig in die Gummiwand und werden dann alle Jubeljahre mit einer albernen Geschwindigkeitskontrolle abgespeist, bei dem sich der Messtrupp dann noch so dämlich plaziert, dass er garantiert rechtzeitig wahrgenommen werden muß. Da fragen sich die entnervten Anwohner schon, was das soll. Klar: wenn man es immer wieder geschickt vermeidet, die Statistik zu versauen, muß man auch nichts unternehmen. Die Wut über die Hilflosigkeit bei den Betroffenen aber wächst.
    Wenn die Polizei im Weserbergland weder Willens noch in der Lage ist, die Sache zu regeln, stellt sich die Frage, was die Anwohner denn eigentlich tun sollen? Still weiterleiden und sich immer wieder mit blöden Sprüchen abwimmeln lassen? So kommen wir nicht weiter! Das Problem läßt sich nicht aussitzen.

  2. hubert hoppe sagt:

    Betroffene Bürger müssen bundesweit gemeinsam gegen diese zunehmende Lärmbelästigung durch Dröhnbiker vorgehen. Nur gemeinsam sind wir stark. Wie das Bundesverkehrsministerium bestätigt, gibt es Sanktionen, man muss sie nur nutzen.

  3. Hannes Knattermeier sagt:

    Also ein bekannter von mir (Anwalt mit eigener Kanzlei in Schwabing) fährt u.a. nen Ferrari 458 Spider. In dem Ding verstehen sie ihr eigenes Wort nicht, alles mit Serienhardware. Die Fahrzeugscheinangaben stammen aus Alice Im Wunderland. Dagegen ist mein Mopped der reinste Staubsauger, obwohl >1000 ccm und mit italienischem EU-Auspuff. Allerdings habe ich auch ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn. Ich fahre nämlich nur im Standgas durch die Siedlung, ist sowieso schnell genug in der 30-Zone und ich will schließlich dort wohnen bleiben.

    Krach ist halt immer das, was die anderen machen.

    Aber letzten Endes ist es doch auch keine Lösung, zurück auf die Bäume zu klettern, sich über irgendwelchen Meßprotokollen selbst zu befriedigen und den Ausstieg aus der EU gedanklich zu exerzieren.
    Denn das ist doch das, was Sie hier ablaufen lassen, oder? Man kann nicht internationale Verträge eingehen und sich dann hinterher nicht an die vereinbarten Regeln halten wollen. Das gibt nur Klagen und Strafzahlungen an die EU-Kommission, und ehrlich gesagt: meine Steuerlast ist auch ohne diesen Unsinn schon hoch genug.
    ;-)

    • Reto sagt:

      Ich liebe es wenn scharfe Denker meine Vorurteile und all das bestätigen, was diese Initiative ins Leben gerufen hat. Merke: Man muss Lärmfetischisten nicht widersprechen – das erledigen sie selber.

  4. Matthias sagt:

    St. Florian lässt grüßen: „… und ich will schließlich dort wohnen bleiben.“

    Wie wäre es, wenn Sie diesen Ausspruch auch den Anwohnern zubilligen würden, die Sie nach Verlassen Ihrer eigenen Wohngegend mit Ihrem tollen EU-Auspuff auf die Nerven gehen?

  5. Hannes Knattermeier sagt:

    Verehrter AK-Vordenker Reto,

    argumentum in circulo gehört zu den klassischen Fehlschlüssen; Sie befinden sich hier in guter Gesellschaft.

    Realistisch betrachtet ist der einzige Widerspruch hier, dass Leute wie Sie gutgläubigen und gestressten Mitbürgern Mitgliedsbeiträge für einen Kampf gegen Windmühlen abverlangen. Man muss gar nicht scharf denken, um einzusehen, dass:

    – die Einhaltung von internationalen Verträgen,
    – die Förderung des Tourismus und
    – die Erzielung von erheblichen staatlichen Zusatzeinnahmen

    durch mehr Fahrzeuge, mehr Versicherungen, mehr Werkstätten, mehr Konsumgüter, mehr Kraftstoffabsatz etc. ein disproportional höheres politisches Gewicht haben als die akustischen Erholungsinteressen weniger geplagter Einzelner.
    Das Mehrheitsprinzip einer Demokratie lässt auch gar nichts anderes zu, selbst wenn man das Geld aussen vorlässt. Und zur Liebe der Demokratie sind wir doch alle per Grundgesetz Art. 20 verpflichtet. Oder möchten Sie auch hiergegen polemisieren?

    (bin ganzjährig Demokratiefetischist, im Moment ist motorradmäßig eh Schonzeit)

    :-D

    • Reto sagt:

      Hallo Herr Knattermeier,
      man sollte das Grundgesetz nicht nur googeln, sondern auch bitte lesen/leben. Da gibt es auch den Artikel 1 oder 2 – speziell für Belästiger.
      Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es einen demokratischen Beschluss gab, der Klappenauspuffe im Sinne der Tourismusförderung oder zum Zwecke von Zusatzeinnahmen legitimierte. Ansonsten erkenne ich trotz Prädikatsexamen keinen Zirkelschluss. Vielleicht solle ich auch häufiger was Intelligentes/intelligent wirkendes zusammenschmurgeln. Googeln Sie mal postfaktische Argumentation – Sie sind gerade echt in Mode!

  6. Richard sagt:

    Zitat: „Denn das ist doch das, was Sie hier ablaufen lassen, oder? Man kann nicht internationale Verträge eingehen und sich dann hinterher nicht an die vereinbarten Regeln halten wollen. Das gibt nur Klagen und Strafzahlungen an die EU-Kommission, und ehrlich gesagt: meine Steuerlast ist auch ohne diesen Unsinn schon hoch genug.“
    Ihre Steuerlast in Ehren. Die bezahlen Sie, damit wir Straßen bauen können und damit die Umweltschäden augeglichen werden, die Sie verursachen. Die bezahlen Sie nicht, damit Sie Anwohnern Vermögens- und Gesundheitsschäden beibringen dürfen. Dabei geht es nicht um Verträge, sondern um Grundrechte. Oder gibt es bei Ihnen in der Gegend ein Grundrecht auf Belästigung?

  7. Herbert Manicker sagt:

    „Grundrecht auf Belästigung“, so einen Quatsch wenn ich schon höre, wird mir ganz schlecht. Lesen Sie mal die Lärmschutzverordnung Ihrer Gebietskörperschaft, dann wissen Sie, was Lärm ist.

    Welche dB-Zahl direkt am Auspuff herrscht ist völlig nebensächlich, als „Anwohner“ wohnen Sie doch nicht auf dem Auspufftopf, oder?

    Wenn Sie in einer Einflugschneise wohnen, mißt man auch die Innenseiten Ihrer geschlossenen Fenster und nicht das Triebwerk am Auslaß!

    (Aber das werden Sie hier kaum veröffentlichen, denn Sie schalten sicher keine Beiträge frei, von denen Sie sich keinen Nutzen versprechen.)

  8. Frank sagt:

    @Herbert Manicker
    Wenn Sie an einer Straße wohnen, dann wird überhaupt nicht gemessen, sondern einfach bloß alle hundert Jahre mal PKW und LKW an einem Wochentag gezählt und dann der „Beurteilungspegel“ berechnet. Klappenauspuffanlagen und Spitzenpegel der nach Aufmerksamkeit gierenden Minderbemittelten an schönen Wochenenden werden dabei leider vernachlässigt. Übrigens wird der Pegel außen bestimmt.

    Um zu wissen, was Lärm ist, braucht keiner von uns etwas lesen. Das wissen wir alle auch so. Denn wenn man neuerdings ständig bis zu 100 dB auf der Terrasse misst – ein Wert, bei dem nach Arbeitsrecht Gehörschutz getragen werden muss – was soll das wohl sein, außer Lärm???

    Aber schön, dass Ihnen dabei ganz schlecht wird. Dann geht es Ihnen ja nicht besser als uns betroffenen Anwohnern…

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