Kassiert Schweiz ab 2020 Auspuff-Lärmer ab?

Acidmoto.ch meldet, dass die Schweizer laute Kräder künftig extra besteuern. Quelle: acidmoto.ch

Während bei uns lamentiert und diskutiert wird, führt die Schweiz eine Besteuerung besonders lauter Motorräder ein, wie das Portal acidmoto.ch exklusiv in seiner 1. April-Ausgabe meldet. (Acidmoto bedeutet übrigens frei übersetzt „ätzendes Motorrad“). Die Kreischkisten von Ducati mit 107 dB würden demnach beispielsweise fast 500 Franken Steueraufschlag pro Jahr mehr kosten (Ducati Panigale V4S: 1103 ccm, 157 kW, 107 dB, CHF 478.-). Das wäre dann Schweizer Pragmatismus, der die tatenlose EU und die Regierenden hierzulande in dieser Frage überholt. Vermutlich würde es trotzdem viele geben, die diesen dann „ganz superlegalen“ Lärm bezahlen würden – und dann auch glauben, ein Anrecht auf Belästigung zu haben. Das ätzende Motorrad sieht die „neue Regelung“ freilich kritisch (wie sonst auch): „Unser schönes Land zeigt einmal mehr, dass es generell gegen alles ist, was motorisiert ist und den geringsten Lärm erzeugt“. Mit „geringstem Lärm“ können die Ätzer die Ducati (aus dem immer wieder umwelt-vorbildlichen Hause Audi) kaum gemeint haben? Auch wenn es sich bei dieser Meldung um eine 1. April-Ente handeln könnte – vielleicht wird es ja wahr? Wir melden es, wenn sich die Quellenlage verfestigt.

Nicht nur Freude: „Anlassen“ auf dem Nürburgring

Die Saison hat begonnen: „Anlassen“ auf dem Nürburgring mit Gottesdienst – von Protesten begleitet. Foto: Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG

Schwere Unfälle, Lärm und rücksichtslose Motorradfahrer – das traditionelle „Anlassen“ auf dem Nürburgring wurde von Protesten begleitet. Eine Demonstration fand in Kesseling statt, wie die Rhein-Zeitung berichtet, denn die Route über Kesseling gilt für viele Motorradfahrer als besonders schön, weil kurvenreich. Derweil drehten die rund 10.000 Motorradfahrer unterstützt durch göttlichen Beistand im Rahmen eines Motorradgottesdiensts ihre Runden.

Tirol macht ernst: Krad-Kontingente

Die Tiroler Landeszeitung berichtet: Die von Kräder viel befahrenen Passstraßen Tirols sind ein Lärm-Ärgernis – jetzt wird eine neuartige Lösung für das Motorradlärmthema angepeilt: Diskutiert wird ein Permitsystem, also eine Kontingentierung des Motorradverkehrs auf den hochfrequentierten Bikerstrecken. Am besten täglich, ganz sicher aber landesweit, damit Ausweichverkehr verhindert werden kann. Die Überwachung soll durch Überkopfwegweiser samt Datenübertragung an die Polizei, die Anmeldung für die Durchfahrt online erfolgen. E-Motorräder sowie Berufspendler und Anrainer sollen ausgenommen sein. „Der Motorradverkehr wird immer mehr. Dort, wo die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt ist, müssen wir Maßnahmen setzen“, begründet Verkehrssprecher Andreas Leitgeb von der NEOS-Partei seinen Vorstoß.

Feldberg soll zeitweise gesperrt werten – Lobby zetert

Am Feldberg machen die Behörden ernst: Temporäre Streckensperrungen werden nicht nur mit den Unfällen, sondern auch mit der Lärmentwicklung begründet, wie die Frankfurter Neue Presse berichtet:

Der Feldberg im Taunus in Winterruhe. Sommers geht es hier hoch und laut her. Streckensperrungen für Motorräder sollen Anwohner vor Krachmachern schützen. Foto: Wikipedis/Xipolis

„Die Nachricht, dass einige Straßen im Feldberggebiet im Mai und September versuchsweise jeweils neun Tage lang für Motorräder gesperrt werden sollen, war kaum öffentlich, da wurde schon in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Auf Facebook zum Beispiel: über 100 Kommentare unter diversen Kennungen, und zwar nicht nur auf den Seiten dieser Zeitung. Viele lobten das Vorhaben, viele waren aber verärgert, dass nun auch jene, die sich an die Regeln hielten, kollektiv mitbestraft würden.“

Zudem äußert sich auch der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) und will Demonstrationen und juristisches Vorgehen gegen die Feldberg-Sperrung organisieren. Von Diskriminierung ist die Rede. In einer auf „Motorradonline.de“ veröffentlichten Pressemitteilung erklärt der BVDM, dass überhöhte Geschwindigkeiten und Lärmbelästigungen nur durch eine kleine Minderheit verursacht werde. Zudem diskriminiere es die große Mehrheit der Motorradfahrer, die sich korrekt entsprechend der Straßenverkehrsordnung verhalten. Als Lösung schlägt der Verband die Einführung von konsequenten und dauerhaften Geschwindigkeits- und Fahrzeugkontrollen vor.

Tipp von motorradlaerm.de: Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Motorradlobby nach dem jahrelangen „Genuß“ der manipulierten Lärmnormen endlich anerkennt, dass die Fahrzeuge viel lauter als nötig gebaut und betrieben werden. Letztlich fahren heutzutage auch Tourenmaschinen wie die in Deutschland meistverkaufte BMW GS 1200 mit Auspuffklappen, damit der Sound stimmt und die Zulassung genommen werden kann. Hier kann sich der BVDM ja als Lobbyist der Aufrechten an die Fahrzeugindustrie wenden und Besserung einfordern.

Forderungskatalog gegen Motorradlärm

Im Bergischen Land werden die Kommunen aktiv gegen Motorradlärm – wie Radio Berg berichtet.

Das Bergische Land in NRW leidet unter den Auspuffprolls und Posern – und die Städte und Gemeinden tun sich zusammen und formulieren eine Resolution. Die Stadt Leichlingen hat sie Resolution schon unterschrieben, in Odenthal diskutiert die Politik zurzeit darüber und auch Radevormwald will sich in der nächsten Ratssitzung dafür aussprechen. Um den Lärmpegel langfristig und flächendeckend zu senken hatte die Stadt Wermelskirchen Ideen gebündelt und sie in einem Neun-Punkte-Plan zusammengetragen.


Der Forderungskatalog


  1. Geltung der „neuen EU-Lärmvorschriften für Motorräder“ nicht nur für Neufahrzeuge, sondern auch für Altfahrzeuge – ggf. nach Ablauf von Übergangsfristen.
  2. Einführung einer absoluten Schallobergrenze sowohl für Standgeräusche als auch für Fahrgeräusche von Motorrädern – unabhängig von vorgegebenen Prüfzyklen. Die Obergrenze muss Umwelt- und Gesundheitsbelangen gerecht werden. Die Grenzwerte müssen sowohl für Neuzulassungen als auch (ggf. nach Ablauf von Übergangsfristen) für Altfahrzeuge gelten.
  3. Einführung von einfach anzuwendenden, gerichtsfesten Messverfahren, möglichst einsetzbar für den fließenden Verkehr
  4. Einführung von Frontkennzeichen für Motorräder
  5. Einführung einer echten Halterhaftung im fließenden Verkehr für verkehrs- und unfallgefährdende Verstöße von Motorradfahrern. Dabei hätte der Halter das Bußgeld etc. zu tragen, wenn der Fahrzeugführer nicht zu ermitteln ist.
  6. Einführung von Sanktionen (Punkte, Geldstraße/-buße, Erlöschen der Betriebserlaubnis, Stilllegung, Beschlagnahme u.ä.) mit tatsächlich abschreckender Wirkung bei Immissions- und Geschwindigkeitsverstößen in Anlehnung an die Sanktionen im Nachbarland Niederlande.
  7. Einführung einer jährlichen Pflicht zur Überprüfung der Geräuschimmissionen von Motorrädern im Rahmen einer Umweltuntersuchung bei den zuständigen Prüfstellen.
  8. Besondere Berücksichtigung von Straßen durch und an Schutzgebieten bei Maßnahmen gegen Lärmemissionen und Lärmkontrollen wegen ihrer Naturschutzfunktion und als Stätten des ruhigen Naturerlebens.
  9. Einrichtung von Umweltzonen; bestimmte Fahrverbote für bestimmte Fahrzeugtypen in bestimmtem Alter, die die neuen Normen nicht erfüllen.

Ende März will der Arbeitskreis Motorradlärm in Wermelskirchen festlegen, welche Maßnahmen er in diesem Jahr gegen den Lärm durchführen kann. Im vergangenen Jahr hatte er Aktionstage organisiert und spezielle Lärmampeln aufgestellt.

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Niedersachsen hat kein Messgerät…

Immer mehr Wellness-Hotels und Ferienregionen zwischen Ostsee und Alpen entdecken das Walderlebnis als natürliches Mittel, um die Batterien ihrer Gäste wieder aufzuladen. Wissenschaftler bestätigen immer wieder, dass ein Spaziergang im Wald nicht nur die Stimmung hebt, sondern tatsächlich auch gesund ist – sofern kein Motorenlärm und keine ratternden Maschinen die Stille stört. Im Osnabrücker Land wird (wie anderswo) deshalb derzeit mangels politischem Mumm dieser Schatz verspielt. Dies beklagen jetzt die Anti-Lärm-Aktivisten von der Borgloher Straße (Georgsmarienhütte/Bad Iburg). Dabei habe die Zweiradindustrie in den letzten Monaten „revolutionäre“ Fortschritte gemacht:  Die Kultmarke Harley Davidson („Easy Rider“,  1969) bewirbt gerade in diesen Tagen ihr brandneues LiveWire Elektro-Motorrad (Von 0 auf 100 in 3 Sek.!) mit dem Slogan:  „Das Lauteste, was sie hören werden, ist Ihr Herzrasen“. Der Handel mit E-Bikes boomt schon seit Jahren. In Bad Münsingen auf der Schwäbischen Alb empfangen –  beispielhaft – den ankommenden Gast direkt am Bahnhof e-Bikes und e-Autos zum Mieten. Ein umfängliches Tourenpaket ist in Print- und e-Format gleich dabei. So kämpft man gegen den harten Biker-Kreis, der mit überhöhter Geschwindigkeit und eigens erzeugtem Motorengeheul auf der Alb in der hellen Jahreszeit vor allem  „Posing“ betreibt. Posing -, englisch für Zurschaustellung oder auch Angeberei – so benennt die Polizei bundesweit dies Gebaren zutreffend. Blank liegen vielerorts die Nerven der Anwohner, so erfährt man. Blank liegen die Nerven auch bei den Anwohnern der Borgloher Straße in Georgsmarienhütte und Bad Iburg. Im Gegensatz zu behördlichen Initiativen andernorts werden die Maschinen hier aber nicht auf unzulässige Auspuffmanipulationen und Lärmentwicklung überprüft.  Umweltminister Olaf Lies im April letzten Jahres auf die entsprechende Anfrage eines hiesigen Landtagsabgeordneten: „Die Geräuschbelastung durch den Motorradverkehr wird von vielen Menschen als erheblich belästigend empfunden.  … Der hochtourige Betrieb von bauartzugelassenen Motorrädern ist  … ordnungsbehördlich nicht zu verhindern. Geräuschemissionen von Motorrädern sind keine Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle.“ Und: „ … spezifische Messgeräte, die beweissichere Messungen möglich machen, (stehen) der Polizei Niedersachsen nicht zur Verfügung.“  Bei Kenntnis der  medizinisch nachweisbaren  Gesundheitsschäden sei diese Antwort des Ministers genauso schlicht und falsch wie die bekannte Einlassung der 100 Lungenärzte Anfang des Jahres zu den Abgas-Belastungen für unsere Lungen, so dazu ein Aktivist jetzt. Das Vorhaben der Anwohner der Borgloher Straße in den Bereichen von Herrenrest und  Kaffeehäusern deshalb, zum „ 22.Tag gegen Lärm“, diesmal am 24. April unter dem Motto  „Alles laut oder was? -15 Sec. Ruhe!“ neben den Ruhesekunden um 14:15 Uhr an diesem Tag mit ihrem Lärmmessgerät aktuelle dB-Werte zu erfassen. Diese werden hiesigen HNO-Ärzten mit der Bitte vorgelegt, sie im Blick auf ihre gesundheitliche Bedeutung zu kommentieren.  

Neues Jahr, neuer Lärm…

Anwohner mit Heugabel rastet aus: Ein Bild aus dem ZDF-Beitrag in TerraX .

Das ZDF Magazin Terra berichtet über das Thema Motorradlärm – von Borgloh bis zum Schwarzwald werden Anwohner gereizt, genervt, belästigt – verlärmt. Das Magazin thematisiert hier ab Minute 9:15 auch die Geschichte des Heugabel-Manns, der einem Raser hinterherrannte und ihn bedrohte. Die Sendung ist eine Bestandsaufnahme zum Saisonstart – ohne dass eine Lösung in Sicht wäre. Aber sie bildet schön ab, dass mit weiteren Konfrontationen zwischen Anwohnern und Rasern/Lärmen unglücklicherweise vermutlich zu rechnen ist.

Fachtagung: Der Schwarzwald fordert lärmarme Mobilität

Einladung zur Fachtagung: Der Schwarzwald kann sich seine Touristen nicht aussuchen – es soll aber leiser werden.  Foto: Hettrich – www.Fnoxx.de

Wie kann es im Schwarzwald wieder ruhiger werden? Zu einer Fachtagung laden eine ganze Reihe von Institutionen nach Bernau (Kreis Waldshut) ein. Veranstaltungsort ist das Kurhaus Bernau (79872 Bernau im Schwarzwald, Am Kurpark 5) am Freitag, 17. Mai, von 10 bis 17 Uhr. Die Lärmbelastung durch den motorisierten Freizeitverkehr – insbesondere durch Motorräder – hat in den letzten Jahren gerade in attraktiven Landschaften wie dem Schwarzwald stark zugenommen; ein Ende dieser Entwicklung ist trotz der Tatsache, dass die gesundheitsschädliche Wirkung von Lärm bekannt ist nicht in Sicht. Veranstalter ist eine Kooperation aus Naturschutzzentrum Südschwarzwald, Naturpark Südschwarzwald, Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Nationalpark Schwarzwald, Schwarzwaldverein, und Biosphärengebiet Schwarzwald. Anmeldungen bitte bis spätestens 10. Mai 2019 (Seminar Nr. 64 SLZ) beim Haus der Natur am Feldberg per Mail email hidden; JavaScript is required, die Teilnahme ist kostenlos.

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