Ärger am Sudelfeld

Bayrischzell am Sudelfeld – ein Motorradlärm-Hotspot aus der Luft. Foto: Kogo/Wikipedia

Aus Bayrischzell vom Sudelfeld berichtet der Bayerische Rundfunk in einem Beitrag, der in der Mediathek hier nachzusehen ist. Hier reden auch eine Tourismusverantwortliche endlich Tacheles: Wie kriegerische Horden fallen die Biker ein und die normalen Gäste beschweren sich. Beklagenswert ist das geballte Auftreten und die Ausreißer-Fahrzeuge mit lauten Auspuffen – aber das sind ja mittlerweile viele moderne Motorräder. Besonders die Adrenalin-Junkies belästigen Anwohner und Urlauber – schön, dass das auch mal Tourismusverantwortliche und Bürgermeister formulieren.

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Mossautal wehrt sich mit Plakaten

Stiller Schrei: So sehen die Plakate in Mossautal (Odenwald) aus.

Die Gemeinde Mossautal im Odenwald wehrt sich mit Plakaten gegen Motorradlärm. In der schönen Jahreszeit fahren an den Wochenenden tausende Motorradfahrer durch die idyllische Landschaft: „Man kann sonntagnachmittags nicht in seinem Garten sitzen und mit der Familie Kaffee trinken, ohne sich gestört zu fühlen,“ sagt der Bürgermeister. Nach vielen Jahren der Lärmbelästigung habe sich die  Gemeinde dazu durchgerungen, mit Plakaten an die Motorradfahrer zu appellieren, Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen. „Mossautal gegen Bikerlärm“ steht auf den rund 70 Plakaten in der Raumschaft: „Eine andere Möglichkeit, wie wir uns gegen den Lärm wehren können, sehe ich derzeit nicht“, sagt der Schultes. Die Resonanz der Bürger auf die Aktion sei positiv. Allerdings hätten einige Anwohner berichtet, manche Biker seien nun extra noch lauter unterwegs. Viele Medien berichten, unter anderem hier und hier.

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Motorrad-Kontrollen im Müglitztal

MDR berichtet aus dem Müglitztal.

Das Müglitztal in Sachsen ist schon seit langem als Lärm-Hotspot in unserer Datenbank registriert. Unsere Mitstreiter aus Sachsen haben jetzt den MDR zur Berichterstattung eingeladen. Den Beitrag kann man sich hier ansehen. Neben vielen Maschinen mit ab Werk manipulierten Klappenauspuffen („alles legal“) fischen die Polzisten auch einen Bimota-Fahrer mit unschuldigen 110 dB(A) Standgeräusch aus der Menge. Der ist sich (natürlich) keiner Schuld bewusst. Deren Hobby ist der Anwohner Terror…

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Nationalpark Eifel bekommt Displays

Landschaft vom Feinsten mit Lärm aus vollen Rohren: Einruhr, ein Ortsteil von Simmerath, bekommt ein Lärm-Display. (Foto: Gabriele Delhey, Wikipedia)

Oft sind es gerade die Naturparks und Erholungsgebiete, die unter Motorradrowdies leiden. Bereits am ersten Tag hatte das neue Lärmdisplay in Einruhr schon einen Motorradlärm-Maximalwert von 120 dB auf der Uhr – der Wochenspiegel berichtet aus der Eifel (Simmerath) von Initiativen gegen den Lärm. Auch hier wurden jetzt Lärmdisplays aufgestellt, die die Belastung dokumentieren sollen: »Tiere und Pflanzen erfahren im Nationalpark den höchsten Schutzstatus – und wenige Meter weiter werden sie von erheblichem gesundheitsgefährdendem Lärm belästigt«, sagte die Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Eifel e.V., Sabine Wichmann, die das Lärmdisplay mit finanziert hat. Mitinitiator ist der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer, der in seinem Wahlkreis einige Lärm-Hotspots hat und der weitere Lärmdisplays ankündigt. Die Wirkung der 10.000 Euro teuren Displays ist umstritten: Behörden stufen sie bisweilen als wirkungsvoll ein, Anwohner teilweise auch als wirkungsglos bis kontraproduktiv. Eines ist mit Sicherheit zu sagen: Folgen hat lautes Aufdrehen am Display für die Lärmer jedenfalls keine.

Schilda lässt grüßen: amtlicher Blitzerklau in Georgsmarienhütte

 

Anwohner versuchen sich in Georgsmarienhütte mit einer Blitzerattrappe in Lärm-Selbstverteidigung – Kreisbehörden haben das Ding mit einer hahnebüchernen Argumentation schon nach kurzer Zeit entfernt.

Die Anwohner der Borgloher Straße in Georgsmarienhütte fühlen sich im Straßen-Lärm der Raser seit Jahren allein gelassen. „Kann man nichts machen“, sagen die Behörden. Dann werden im Frühjahr 2018 die Anwohner kreativ, beschaffen sich eine Blitzer-Attrappe und stellen dieses Starenkästchen auf einem privaten, eingefriedeten Grundstück auf.

Das geschah vor Ostern und wirkte tatsächlich geräuschmindernd gegen Lärmer auf zwei und vier Rädern. Bis sich einer (der Raser?) von der Attrappe persönlich beeinträchtigt sah und die Anlage nachts umknickte und demolierte. Das geschah wiederum vor Ostern und die Anlieger stellten das Gerät wieder provisorisch auf. Nach Ostern war es dann ganz weg und die Spuren der Demontage führten ins Amt – zur Kreisstraßenmeisterei. Die hat den falschen Blitzer abmontiert und mitgenommen – ohne die Besitzer zu informieren. Eberhard Schröder von der 120 Mitglieder zählenden Anwohnerinitiative stellt fest, dass es an der auf 70 km/h beschränkten Strecke wieder deutlich lauter geworden ist – und forschte juristisch unterstützt nach dem Verbleib des Kästchens. Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises, teilte der Neuen Osnabrücker Zeitung mit, dass solche Blitzer verkehrsgefährdend sein können und möglicherweise Auffahrunfälle verursachen. Das ist schon ein wenig possig, wenn der Staat selbst hier eine Gefahr verortet, die er beim eigenen Wirken aber vernachlässigt. Doch Riepenhoff legt noch eine Schippe Schilda nach und teilt mit, dass diese Verkehrsgefährdung hier nach Prüfung ausgeschlossen werden könne. Hier sei es darum gegangen, dass eine Verkehrsgefährdung dadurch entstehe, dass Menschen hier anhalten und das Gerät stehlen oder demolieren wollen. Deshalb habe die Kreisverwaltung das Teil „weggenommen“. Die Argumentation hat Trump’sche Züge – das fiel möglicherweise sogar den Behörden auf. Sie rückten das Gerät jetzt nach juristischen Scharmützeln wieder raus. Ob nach dem ursprünglichen Täter ermittelt wird, ist nicht dokumentiert; genau so wenig, ob der Landkreis hier jetzt auch mal selbst gegen Raser und Lärmer aktiv wird – oder nur gegen deren Opfer.

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BUND fordert realistisches Meßverfahren

Der Deutschlandfunk berichtet zum Thema Motorradlärm – und spricht mit der baden-württembergischen BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch: „Es ist genauso wie beim Diesel, dass die Lärmgrenzwerte im Realbetrieb eben überschritten werden.“ Im Artikel heißt es: „Die bei manchen Modellen im Auspuff verbauten Klappensysteme, die die Lärmemissionen eigentlich mindern sollen, ändern ihre Stellung in Abhängigkeit davon, wie viel Gas der Fahrer gerade gibt“. Dass Auspuffklappen die Emissionen „eigentlich“ mindern sollen, ist PR-Sprech der Fahrzeugindustrie und gilt nur dann, wenn mit „eigentlich“ die eng definierte Prüfzone gemeint ist. Die BUND-Forderung wurde gegen die von Christian Schäfer vom ADAC repräsentierte Fahrer-/Fahrzeuglobby dennoch klar positioniert: „Der BUND fordert, dass der Grenzwert nicht nur über einen bestimmten Zustand gemessen wird, sondern über alle Zustände und alle Geschwindigkeiten und auch auf der Straße eingehalten werden muss. Und wir fordern, dass diese Ersatzauspuffanlagen nicht mehr verkauft und nicht mehr zugelassen werden.“ Auf die Forderung, keine Krachauspuffe mehr zuzulassen, sagt der ADAC-Mann allen Ernstes: er halte von solchen restriktiven Maßnahmen nicht viel. Denn: „Genau das ist das Problem, dass man nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren darf. Es sind nur einige wenige, die das Maß dann überreizen.“ Den Betroffenen an den Motorradlärm-Hotspots würde es vermutlich schon reichen, wenn diesen „einigen wenigen“ keine zu lauten Auspuffe mehr verkauft würden. Von den mehrheitlich Normalen ohne Lärmambitionen hätte damit ja wohl auch keiner ein Problem.

EU-Parlamentarier beginnen zu begreifen

EU Parlamentarier aller Fraktionen stellen sich gegen Motorrad- und Sportwagenlärm – Ausriss aus der TAZ Online

Die TAZ bleibt am Ball und fragt im Europaparlament nach, wo die Initiativen zum Thema Motorradlärm und mutwillige Verlärmung im Straßenverkehr bleiben. Und offensichtlich keimt da leichte Einsicht, vor allem nach einer Empfehlung des Umweltbundes­amts an die EU, die Geräuschprüfung bei der Typzulassung von Motorrädern und Pkw zu verschärfen. Grund ist laut TAZ, „dass BMW und andere Konzerne Fahrzeuge absichtlich so bauen, dass sie lauter sind, als nötig wäre.“ Die mutwillige Verlärmung durch Chaoten, durch Zubehörhersteller und mittlerweile auch durch die Fahrzeugindustrie zeitigt laut Tageszeitung Folgen: „Die Lärmgrenzwerte müssen auch für Geschwindigkeiten über 80 Kilometer pro Stunde und für alle Motordrehzahlen gemessen werden“, sagt etwa Peter Liese, der umweltpolitische Sprecher der EVP. Ähnliche äußerten sich Jo Leinen für die Sozialdemokraten und Rebecca Harms für die Grünen. Lesenswert der Kommentar des Lesers Miller: „Man soll doch bitte auch nach „Abgasklappensoftware“ suchen, die eine Prüfstandserkennung beeinhaltet. Ich weiss aus sicherer Quelle, das so etwas verwendet wird…. Einer oder ein paar wenige haben ihren Spass, Hunderte oder gar Tausende leiden drunter – bei jeder Vorbeifahrt… Im Übrigen gilt Gleiches für sogenannte Sportautos: Auspuffanlagen mit Coladosencharakter klingen einfach so was von billig, proletenprotzig und armselig, dass ich mich nur über den Soundgeschmack dieser Schnösel wundern und ärgern kann.“

Biker fordert Rücksicht von Möchtegern-Rossis und -Petruccis

Auf Rudis Blog kommentiert ein Normal-Biker die aktuelle Welle des Widerstands gegen Motorradrasen und -Lärmen – und macht leider einmal mehr klar, dass ohne Streckensperrungen vermutlich kein Druck auf die Belästiger ausgeübt werden kann. Interessante Lektüre – und einer der seltenen Erkenntnismomente, dass manche anständige Fahrer doch dem Corpsgeist der Biker-Community trotzen wollen: „Ich bitte euch alle. Lasst uns mehr Rücksicht nehmen. Damit wir in Zukunft nichts mehr von Straßensperrungen lesen müssen.

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