Das können
Anwohner*innen tun

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ 
Immanuel Kant (1724-1804)

aktiv werden

Unsere Checkliste für Sie

1.      Sind Sie vernetzt?
Melden Sie Lärm Hotspots auf unserer Onlinekarte!
Kennen Sie Gleichgesinnte in Ihrer Kommune oder näherem Umfeld?
Finden Sie über unsere Karte bereits jetzt deutschlandweit Motorradlärm Hotspots und ggf. Mitstreiter und Vereine bzw. Initiativen.

2.      Sind Sie bereits ausreichend informiert?
Oder benötigen Sie grundlegende Informationen zum Thema? In unserem Hintergrundpapier finden Sie umfangreiche Erklärungen zur Thematik Lärm und Lärmspitzen.

3.      Schreiben Sie einer passenden Bürgerinitiative und schildern Ihr Anliegen.

4.      Werden Sie Teil dieser/einer Initiative (siehe Punkt 3, unten).

5.      Wenn keine vorhanden ist, gründen Sie mit Mitstreitern aus Ihrem Umfeld selbst eine.

6.      Haben Sie bereits Kontakt zu Ihrer Kommune oder Bürgermeister/Oberbürgermeister aufgenommen?
Schreiben Sie! Wir unterstützen Sie gerne mit unserer Vorlage oder:

7.      Für weitere Argumentationshilfe bedienen Sie sich gerne unseres Forderungskatalogs und Mythenpapiers.

8.      Sie möchten weitergehen und medienwirksam protestieren? Melden Sie eine Demo bei Ihrer örtlichen Polizeibehörde an und kontaktieren Sie lokale Tageszeitungen und Medienvertreter.

Vorsicht: Desinformation mit System

Die Lobbyisten von Industrie und Fahrerverbänden behaupten unablässig, es handele sich bei Beschwerden über Motorradlärm um „ein Wahrnehmungsproblem“ und die Fahrzeuge wären doch in den letzten Jahren „immer leiser“ geworden.

Diese falschen Behauptungen sind falsch!

Motorräder und auch bestimmte PKW haben in den letzten Jahren akustisch zugelegt – auch wenn im Fahrzeugbrief etwas anderes steht. Sondereinsatzgruppen der Polizei wurden gegen sogenannte Poserszenen aufgestellt. Es bedarf für Betroffene keiner Messungen oder komplizierter Beweisketten. Sie wissen, warum sie ihre Gärten nur noch eingeschränkt nutzen können – und was sie aus dem Schlaf reißt.

Was kann ich tun?

Informieren Sie sich zunächst über die Zusammenhänge – diese Website, die gemeinsam vom Bundesverband gegen Motorradlärm und der Deutschen Umwelthilfe e.V. betrieben wird, beleuchtet alle Aspekte vermeidbarer Motorengeräusche und bietet zu allen Themen Informationen und Stellungnahmen aus verlässlichen Quellen.
Ein Lichtblick: Sie sind nicht allein! Viele Menschen werden wie Sie belästigt. Schließen Sie sich zusammen und machen Sie Druck auf Fahrer*innen, Behörden, Polizei – und vor allem die Politik.

Beitritt zu einer Initiative

Durch den Zusammenschluss von überregionalen Initiativen wie Silent Rider, Initiative Motorradlärm und VAGM e.V. zum Bundesverband Motorradlärm entsteht erstmals in Deutschland eine politisch aktive Kraft, die endlich die Interessen der Betroffenen vertritt.

Im europäischen Kontext pflegen wir Kontakte in die Nachbarländer mit abgestimmten Aktivitäten.

Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe als aktive Umweltschutzorganisation mit umfassender Rechtsexpertise ist der konsequente Schritt zur nachhaltigen Verbesserung der Situation an den Hotspots.

Treten Sie einer überregionalen Initiative bei oder unterstützen Sie uns mit einer Spende.

Soundbefürwortern in den Medien widersprechen

Motorrad- und Autotests in Fernsehen, Online und Printmedien bejubeln immer wieder den angeblich „kernigen Sound“ bei lärmproduzierenden Fahrzeugen. Gemeint ist mit diesem irreführenden Begriff immer wieder ein oft enormer Schallpegel. Mit derartigen Formulierungen wird der mutwillige Krach zum Kulturgut erhoben und beim Publikum der Bedarf geweckt – ganz im Interesse der Industrie, die dieses Vorgehen mit riesigen Werbebudgets befeuert. Die Verfasser*innen sind nicht selten freie Journalisten und wirtschaftlich abhängig von der Fahrzeugindustrie.

Ergebnis: Der vorsätzlich erzeugte Lärm sorgt für steigende Umsätze und auf den Straßen wird es immer lauter. Inzwischen werden sogar Elektrofahrzeuge mit „Sound“ angeboten – legitimiert unter dem Vorwand, blinde Menschen zu warnen (sic!).

Schreiben Sie die Medien an

Äußern Sie dabei Ihren Unmut über die positive Darstellung von mutwilligem, gesundheitsschädlichen Lärm. Weisen Sie darauf hin, welche Einschränkungen dieser völlig unnötige Krach für Sie vor Ort bedeutet:

1.) erhebliche Gesundheitsrisiken

2.) Verlust
der Lebensqualität

3.) Verlust des Immobilienwertes

Fazit

Durch Information, Vernetzung, Beschwerden an Politik und Behörden lässt sich vor Ort bereits viel erreichen.
Hierzu bieten wir Unterstützungsmaterial an.
Um jedoch nachhaltig Ruhe in unser Leben zurückkehren zu lassen, bedarf es politischer Entscheidungen. Darum kämpft der Bundesverband gegen Motorradlärm gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe. Eine Mitgliedschaft bei einer überregionalen Initiative oder Spenden ermöglichen diesen Kampf zum Wohle aller Betroffenen.

Das können Behörden tun

Die Anwohner*innen ernst nehmen!
Der ständige Lärm wird für viele Betroffene ein elementares Problem.

Beschwerden ernst nehmen!

Eine sich stets wiederholende Geschichte, die viele Motorradlärm-Betroffene gemeinsam habe. Das „weitergereicht werden“ durch die Instanzen. Im Rathaus, im Kreistag, bei der Landrät*in, bei Landtagsabgeordneten, beim Verkehrsministerium des Landes über den Bunderat und den Bundestag bis zum Verkehrsminister. Im Zweifelsfall bis nach Brüssel. Immer wird auf eine höhere Instanz verweisen.

Am schlimmsten sind für Betroffene die Erfahrungen, wenn Politiker*innen sich auf die Umgebungslärm-Richtlinie mit ihren Mittelungspegeln beruft und die Lärmbelätigung damit herunterspielt.

Doch solche Beschwerden müssen ernst genommen werden.


Suchen Sie gemeinsam Lösungen

Treten Sie in einen offenen Diskurs mit den Betroffenen und versuchen Sie gemeinsam Lösungsansätze und Alternativen zu besprechen.

Initiativen anschließen

Es gibt einige Initiativen, in denen sich Kommunen vernetzen, um das Problem besser bearbeiten und lösen zu können. Beispielsweise Silent Rider oder die Baden-Württembergische Initiative Motorradlärm, in der sehr viele Kommunen zusammenfinden. Auch der VAGM e.V. koordiniert Kommunen und Hotspots und tauscht Informationen aus.

Werden Sie Mitglied und informieren Sie sich. Gehen Sie davon aus, dass Ihre Bürger es eher schätzen, wenn Sie sich zu dem Problem bekennen und es angehen – als es kleinzureden.

Werden Sie als Behörde oder Vertreter*in Mitglied und unterstützen Sie Ihre Bürger*innen.

Kreatives Vorgehen der Polizei einfordern

Bei der Polizei ist in Sachen Motorradlärm Kreativität gefordert. Die Ortspolizeibehörde und die unteren Verkehrsbehörden im Landratsamt haben entscheidenden Einfluss auf die Polizeiarbeit. Es gibt zwei Paragraphen §30, die vor allem im Poserumfeld ihre Wirksamkeit bewiesen haben – und einen § 315d StGB zu verbotenen Straßenrennen. Hier die Einsatzbereiche:

Manipulierte Fahrzeuge:
Grundsätzlich kann bei unzulässigem Lärm (§30 StVZO) das Fahrzeug der Polizei gemeldet und die technischen Veränderungen bei Kontrollmaßnahmen festgestellt werden. Hiernach kann die Wiederherstellung des ordnungsgemäßen Zustandes verfügt werden.

Unnötiger (verhaltensbedingter) Lärm:
Deutlich häufiger sind Beschwerden allerdings bei unnötigen Lärm (§30 StVO): Eine aggressive Fahrweise erhöht den Lärmpegel um ein Vielfaches. Hier muss übrigens nicht gemessen werden: Es genügen zwei, besser vier geschulte behördliche Ohren, um das festgestellte Fahrverhalten zu sanktionieren, weil der dabei erzeugte Lärm dem Ort, der Situation oder der Uhrzeit unangemessen und deshalb unnötig war. Das kann die Polizei dann mit einer Ordnungswidrigkeiten-Anzeige und einer Geldbuße von 80 Euro ahnden. Kommt innerorts unnötiges Umherfahren hinzu, steigt das Bußgeld auf 100 Euro.

Verbotene Kraftfahrzeugrennen:
Rennen auf öffentlichen Straßen haben zu einer Gesetzesergänzung geführt. § 315d findet sich im Strafgesetzbuch und gilt auch für Motorräder – auch in Alleinfahrt mit dem Ziel „eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“.

Was kann ich tun?

Fordern Sie von Ihrem Bundesland die Aufstockung der Mittel für die Polizei. Ansonsten lassen sich Aufklärungsarbeit und verstärkte Kontrollen nicht realisieren.

Fazit

Man muss hartnäckig bleiben. Überall gibt es einige engagierte Behördenvertreter*innen in den Bürgermeisterämtern und Polizeirevieren gegen Motorradlärm. Das macht sie zum Vorbild in einer vertrakten Situation, aus der es derzeit keinen einfachen Ausweg gibt. Fakt ist aber, dass die berechtigten Interessen der Anwohner*innen gegenüber Belästigung und Gefährdung abseits der Straßenverkehrsordnung gewürdigt werden müssen.

Das können Biker*innen tun

„Übermäßiger Lärm schadet unserem Hobby!“ 

Es ist euer Handeln

Ein gewisses Maß an Motorgeräuschen sind bei ungekapselten Verbrennungsmotoren unvermeidlich. Und es ist heute auch gar nicht einfach, ein starkes Motorrad ohne Auspuffklappen zu erwerben.

Dennoch gilt: Entscheidenden Einfluss auf die Lärmentwicklung haben die Fahrer*innen – und zwar über die Gashand. Wer Gänge ausfährt, an jeder Ortsausfahrt ungezügelt beschleunigt und Auspuffknallen provoziert, der verursacht Probleme, belästigt die Anwohner und sorgt für Widerspruch gegen sein eigenes Hobby.

Es liegt also im Interesse der Motorradfahrer*innen selbst, übermäßigen Lärm zu vermeiden.

Motorradfahren ist zudem ein Massenphänomen – und gerade Massen belästigen massiv und konzentriert dort, wo sie auftreten. Weil eben nicht nur einer vorbei fährt, sondern gerade an Wochenenden mit schönem Wetter den ganzen Tag über hunderte Motorräder vorfahren.


Was kann ich tun?

Um weiter Akzeptanz für Ihr Hobby zu erhalten, sollten Sie vor Allem vorausschauend und rücksichtsvoll fahren. Dazu zählt auch die Beschleunigung nicht voll auszureizen.

Investieren Sie mehr Zeit in die Planung ihrer Fahrtstrecken. Vermeiden Sie die einschlägig bekannten Hotspots. Wenn Sie einen anfahren, dann belassen Sie es mit einem einmaligen Befahren der Strecke – idealerweise in entspannter Fahrweise.

Es gab und gibt akustisch akzeptable Motorräder. Sie können etwas tun, indem Sie Abstand nehmen vom Kauf eines lauten Motorrads. Informieren Sie Ihren Händler nach der Probefahrt und auch den Hersteller, dass Sie sich wegen der Lärmentwicklung gegen das Krad entschieden haben. Gleiches gilt für das angebliche Sound-Zubehör. Wenn Sie ehrlich sind, ist das für den Spaß am Hobby nicht notwendig. Hier die Botschaft an den Händler/Markt: Ich verzichte bewusst auf lärmsteigerndes Zubehör.

Sie haben bereits eine laute Maschine? Warum beschweren Sie sich nicht beim Hersteller mit dieser Briefvorlage, dass es mutwillig unnötig laut gemacht wurde und im Betrieb daher für Probleme sorgt?

E-Motorräder (ohne Soundmodul) kaufen

Die WHO klassifiziert Abgas und Lärm als die schädlichsten Umweltgilfte. Beim Motorradfahren mit Verbrennermotor – für die meisten ein Freizeitvergnügen – entsteht unter anderem das klimaschädliche Gas CO2. Und das nicht zu knapp, verbrauchen doch viele Motorräder beim sportlichen Fahren so viel Sprit wie ein Klein- oder Mittelklassewagen. Manchmal noch mehr. Aus diesem Dilemma gibt es einen Ausweg: E-Motorräder erreichen eine immer höhere Reichweite und werden auch preislich immer attraktiver. Mehr Fahrspaß im Gegensatz zu herkömmliches Bikes bieten sie zudem auch noch, da das ab der ersten Umdrehung anliegende Drehmoment eine Klasse für sich ist.

Was kann ich tun? Umdenken!

Steuern Sie bei Ihrer nächsten Tour doch einfach einmal einen Händler für Elektromotorräder an und machen eine Probefahrt.
Wenn Sie unsere Argumente gegen Lärm nicht überzeugen, dann womöglich wenigstens der gebotene Fahrspaß.

Lärm rettet keine Leben.…

„„Loud pipes save lives“ – damit rechtfertigen manche Biker*innen gerne ihren lauten Auspuff. Aber stimmt das eigentlich, dass der laute Auspuff andere Verkehrsteilnehmer warnt? Fakt ist: Autofahrer können die Richtung, aus der ein Schallereignis kommt, in ihrem Fahrzeug nicht orten – und wenn sie das Motorrad hören, ist es zu spät (Studie der Polytechnischen Hochschule Bukarest, 2020).

Ein breit ausgerollter Soundteppich schützt deshalb Motorradfahrer*innen nicht vor unaufmerksamen oder unerfahrenen Verkehrsteilnehmern, die ihnen die Vorfahrt nehmen oder sie wegen der schmalen Silhouette beim Abbiegen übersehen. Der Mythos „Loud pipes save lives“ ist falsch. Vorsichtig und sichtbar fahren ist die einzige Abhilfe.

Was kann ich tun? Aufklären!

Es geht auf dem Krad immer um Ihren Kopf und Kragen. Vertrauen Sie nicht auf einen lauten Auspuff – sondern fahren Sie vorausschauend und vorsichtig. Leuchtfarben statt Flecktarn und das Meiden von toten Winkeln ist entscheidend. Am besten Sie weisen auch Ihre Kumpels darauf hin, dass der laute Auspuff nicht als Lebensversicherung taugt. Das können Sie hier nachlesen:

Lärmstudie klärt auf:

„Autofahrer hören auch laute Motorräder nicht“

Werden Sie laut gegen die Lärmverursacher*innen!

Nicht alle Motorradfahrenden sind rücksichtslose Raser, die sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Aber es gibt zu viele und sie schädigen damit der gesamten Motorrad-Community. Das liegt zum einen an den Rasern und ihrem lauten Auftritt selbst, zum anderen an ihrer medialen Präsenz im Fernsehen, auf Youtube und in sozialen Medien. Dort präsentieren sie ihre riskante un dlaute Fahrweise. Meist sind z.B. eine Helmkamera und ein Sticker mit aufgedruckter Adresse ein Zeichen für darartige Aktivitäten.

Was kann ich tun? Thematisieren!

Riskantes Fahrverhalten geht alle an – jeder kann unverschuldet Opfer eines Rasers werden oder Schäden durch enormen Lärm davontragen. Sprechen sie deshalb Raser*innen an, wenn Sie die Gelegenheit haben. Appelliere Sie an die Vernunft. Und meiden Sie sogenannte Applaus-Kurven und Parkplätze, wo zu riskantem Verhalten in der Vorbeifahrt animiert wird.

Fazit

Mutwilliger Lärm und gefährlicher Fahrstil schadet allen Motorradfahrenden – auch denjenigen, die stets betont leise und rücksichtsvoll unterwegs sind. Lärmendes Rennfahren gehört (wenn überhaupt) auf die Rennstrecke, und nicht in den Verkehr, denn dort gefährden und belästigen sie uns alle. Wer das unterschreiben kann, sollte seine Stimme gegen die Störerenden und Gefährder*innen erheben, damit sie merken, dass ihr Verhalten auch in den eigenen Reihen unerwünscht ist.