„Umwelthilfeeeeeeeeeeeee!“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) führt bestimmt das schärfste Schwert unter Deutschlands Umweltverbänden. Ob es nun allen gefällt oder nicht: Der Verein hat in vielen Bereichen dafür gesorgt, dass geltendes Recht durchgesetzt wird, wo zuvor aus wirtschaftlichen Interessen und wegen Technik-Schummeleien Recht ignoriert, gebeugt oder schlicht gebrochen wurde. Schönes Beispiel sind die Betrügereien rund um den Dieselskandal (nicht nur) der Deutschen Fahrzeugindustrie. Ein ähnliches Thema schneidet der Verband jetzt mit seinen „Lärmspitzen“ an: Es geht gegen mutwillig laute Pkw und Motorräder – also Poser auf zwei und vier Rädern.

Ausriss aus DUH-Magazin DUHwelt

Dorothee Saar von der DUH schreibt: „Doch was steckt hinter den extremen Lärmemissionen? Oft sind die Übeltäter sogenannte Auspuffklappensysteme sowie Soundgeneratoren (UBA Studie), die vom Hersteller verbaut wurden. Hinzu kommen nachträglich durch die Fahrzeughalter*innen eingebaute Ersatzschalldämpfer, die – absurd aber wahr – teilweise deutlich lauter sein dürfen als das Originalbauteil. Zu guter Letzt unterliegen vor allem ältere Bestandsfahrzeuge lascheren Grenzwertvorgaben und dürfen daher bis heute besonders laut sein. Und das trotz der nachgewiesenen negativen Folgen (siehe DUH Lärm Webseite) für Umwelt und Gesundheit. Da drängt sich doch die Frage auf: Was macht die Politik, um uns vor Lärm zu schützen? Die ernüchternde Antwort: Zu wenig. Dem ist wenig hinzuzufügen. Willkommen im Thema, im Team – und Danke für die Unterstützung! Die DUHwelt 3 (unten der Download) thematisiert ab Seite 16 unser Thema:

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Jedes dritte Motorrad ist lauter als 90 dB(A) – bei den Pkw sind’s nur vier Prozent

Motorräder sind auffallend lauter als Pkw – und der Lärm hat eine eigene, negative und belastende Qualität, denn während die lauten Lkw am Wochenende pausieren, füllen Motorräder bei schönem Wetter an Wochenenden und Feiertagen die Lärmlücke. Auf manchen Strecken sind es zeitweise sogar mehr Motorräder als Autos. Und etwa jedes dritte Motorrad ist bei der Vorbeifahrt lauter als 90 dB(A), bei den Pkw sind es lediglich vier Prozent. Dagegen sind nur 13 Prozent der Motorräder leiser als 80 dB(A), bei den Pkw sind dies 32 Prozent. Dies zeigen Mess-Untersuchungen, die im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg in den Jahren 2020 und 2021 für jeweils etwa 14 Tage durchgeführt wurden.

Gelärmt wird zu Erholungsgzeiten – am Wochenende. Hier gehts zu den Messdaten: https://vm.baden-wuerttemberg.de/de/mensch-umwelt/laermschutz/laermquellen/motorradlaerm/hotspots-motorradlaerm/

Rund 100 untersuchte Strecken

Der Fokus der Untersuchung lag auf Strecken mit hohem Motorradaufkommen, wo die Lautstärke vorbeifahrender Fahrzeuge, die Anzahl und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge ermittelt wurde. Elke Zimmer MdL, Staatssekretärin im Verkehrsministerium: „An vielen Strecken ist die Lärmbelastung durch Motorräder enorm. Gerade an Wochenenden bei schönen Wetter werden Anwohnerinnen und Anwohner von vielen Motorrädern beschallt. Das führt zwangsläufig zu Konflikten.“

Parallelen zum Abgasskandal

Zimmer erinnert an die vom Bundesrat am 15. Mai 2020 verabschiedeten Forderungen an EU, Bund und Hersteller, gegen unnötigen Motorradlärm vorzugehen ­– und sieht Parallelen zum Abgasskandal bei Diesel-Pkw: „Die vorgegebenen Grenzwerte werden zwar am Prüfstand eingehalten. Im Normalbetrieb auf der Straße sind Motorräder jedoch häufig lauten, und zwar zum Teil erheblich. Das muss nicht sein! Motorräder müssen leiser werden, unabhängig davon, wer sie wo fährt.“ Sie appelliert auch an die Motorradfahrer: „Eine rücksichtsvolle und leise Fahrweise ist im Interesse aller. Ich habe kein Verständnis, wenn Motorräder bewusst auf laut getrimmt werden. Lautes Fahren und unnötiges Hin- und Herfahren geht immer zu Lasten anderer und deren Gesundheit.“ So laut wie Kreissäge oder Presslufthammer Die Auswertung der Pegel an den 100 untersuchten Strecken zeigt, dass etwa jedes dritte Motorrad lauter ist als 90 dB(A), bei den Pkw waren es lediglich 4 Prozent. Fast jedes dritte vorbeifahrende Motorrad ist damit so laut wie ein Presslufthammer oder eine Kreissäge.

Verkehrsmaximum zu Erholungszeiten

Die Untersuchungen zeigen, dass an Samstagen und Sonntagen gegenüber einem Wochentag durchschnittlich doppelt so viele Motorräder unterwegs sind. An einigen Strecken wurden an einem Wochenendtag sogar sieben bis neun Mal so viele Motorräder gezählt wie an einem Wochentag. 

Beispielweise wurde an der B32 zwischen Hettingen und Veringenstadt (Kreis Sigmaringen) am südlichen Ortsausgang von Hettingen vom 6. bis 19. Mai 2021 insgesamt 1447 Motorräder erfasst. An den Werktagen waren durchschnittlich 32 Motorräder unterwegs, am Wochenende mit 294 Motorrädern am Tag mehr als das Neunfache. 

An der B39 bei Löwenstein in Fahrtrichtung Westen vor dem Ortsteil Hirrweiler (Kreis Heilbronn) wurden vom 7. bis 20. Juli 2020 insgesamt 3665 Motorräder erfasst. An den Werktagen waren durchschnittlich 136 Motorräder unterwegs, am Wochenende mit 593 Motorrädern am Tag mehr als das Vierfache.

Wo der Motorradanteil besonders hoch ist

Der höchste Anteil der Motorräder gemessen an den Vorbeifahrten der Pkw, Motorräder und Lkw war an der K5363 im Ortenaukreis zwischen Sasbachwalden und Seebach. Der Motorradanteil lag an dieser Strecke bei 36 Prozent. Am Wochenende lag der Anteil bei 49 Prozent, das heißt fast jedes zweite Fahrzeug war ein Motorrad.

Das höchste Motorradaufkommen mit 4.740 Motorrädern in eine Fahrtrichtung über den Zählzeitraum von 13 Tagen wurde im Ortenaukreis an der Schwarzwaldhochstraße B 500 im nordwestlichen Schwarzwald zwischen Unterstmatt und Mummelsee erfasst. Die Schwarzwaldhochstraße in diesem Bereich ist damit einer der beliebtesten Motorradstrecken des Landes. Besonders viele Motorräder waren unterwegs am Pfingstmontag 24. Mai 2021 (863) und am darauffolgenden Sonntag 30. Mai 2021 (1495).

Die Messdaten liefern wichtige Hinweise auf Lärm-Brennpunkte und lassen Rückschlüsse auf die örtlichen Lärmbelastungen zu. Sie stellen eine wertvolle Grundlage dar, um die die Diskussion um Motorradlärm und möglicher Maßnahmen zu versachlichen

Kalifornien macht ernst: 80 dB max

Während sich unsere Politik in enger Abstimmung mit der Fahrzeugwirtschaft noch gegen den Lärmblitzer aus Frankreich wendet („ist so im Recht nicht vorgesehen“) schafft Kalifornien Tatsachen und die Rechtsgrundlage. Ein Pilotprojekt für die Lärmblitzer à la Meduse ist in sechs Städten angelaufen. Motorräder lauter 80 dB werden dann nach einem Gesetzentwurf automatisch im Vorbeifahren geblitzt und sanktioniert – ab 2023, spätestens ab 2027. Autos zwar auch – aber der Blitz kommt erst ab >95 dB. Begründung: Studienlage über Belästigungsgrad (maximal ist der beim Motorrad) – mit Verweis auch auf Studien aus Europa.

Knöllchen für zu laut am laufenden Band: der Lärmblitzer Meduse.

Damit verschiebt sich (erstmal in den USA) die Erzählung: Der PoN (Point of Noise) rückt zusehends in den Fokus, nachdem die unnötige Lärmmaximierung an der Quelle sich seit 20 Jahren der Regulierung entzieht: Industrie- und Fahrerlager bescheissen weiter, was das Zeug hält, weil sich Sound so gut verkauft und so schön belästigt. Analog Geschwindigkeitsüberschreitung heißt es aber künftig in CA: Wie laut dein Hobel maximal sein kann, ist uns egal – wenn du an dieser Stelle lauter bist als 80 dB, dann kostet das 500 $. In der Pilotphase wird erstmal nur die Wiederholungstat bestraft, das erste Lärmen geht aufs Haus.

Aber die Fachleute der Krachindustrie haben doch jahrelang gepredigt: 80 dB sind gar nicht möglich? Und jetzt 80 dB max in Kalifornien? Und überall wo so ein Ding hängt, kostet es Geld?
Punkt 1: Wenn es in Kalifornien geht, dann geht das in Wermelskirchen und Baden Baden auch.
Punkt 2: Es wird sich herausstellen, wie es mit dem Fahrspaß aussieht, wenn der Individualist in Lederjacke an jedem motorradtouristischen Höhepunkt unter 80 dB bleiben muss. Aber lustig wird das für die lärmliebende Harley- und Rennsportgemeinde bestimmt nicht.

„Ich röhre, also bin ich!“

Lesermeinung aus dem Weserbergland, der vielen Betroffenen nicht nur aus dem Weserbergland aus der Seele sprechen dürfte:

Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden

Weserbergland: Motorradkrach zerstört die Lebensqualität und beeinträchtigt nachhaltigen Tourismus

Ortstermin mit dem CDU Landtagskandidaten Dr. Andreas Kroll

Foto: Mitglieder des Vereins Motorradlärm Weserbergland e.V. und Anwohner der B241,
Landtagskandidat Dr. Andreas Kroll, 3. von links

So relativ ruhig wie im Moment an der B241, die nicht nur die Landkreises Northeim und Holzminden zwischen Uslar, Bodenfelde, Neuhaus, Amelith und Lauenförde verbindet, sondern auch weiter Richtung Beverungen im Kreis Höxter führt, müßte es immer sein, sind sich die Anwohner längs der Strecke einig: derzeit ist noch ein Abschnitt, der normalerweise stark durch Motorräder frequentierten Bundesstraße gesperrt, den lärmgeplagten Anwohnern im Moment noch eine „Lärmpause“ vergönnt.

In Kürze wird die Strecke wieder geöffnet und dann kehrt der Lärm zurück. Die kurvige Strecke, die mitten durch das Landschaftsschutzgebiet führt, wurde durch Motorradfahrer bereits in der Vergangenheit regelmäßig für regelrechte Rennfahrten missbraucht. Nach der Sanierung ist dann ein weiteren Anstieg der bereits stark frequentierten Strecke zu befürchten. Und die Frequenz der lauten Fahrzeuge von häufig mehreren Motorrädern pro Minute erzeuge oft einen Dauerlärmteppich über die gesamten Wochenenden, die den Menschen eigentlich zur Erholung und Regeneration dienen sollten.
Daher trafen sich Mitglieder des Vereins gegen Motorradlärm Weserbergland e.V. und Betroffene aus den angrenzenden Landkreisen mit dem Landtagskandidaten der CDU im Landkreis Northeim, Dr. Andres Kroll bei Amelith, um über mögliche Maßnahmen gegen den immer stärker zunehmenden Motorradlärm in der Region zu sprechen.

„Wir alle haben schon beobachtet, dass hier regelrechte Alleinrennen gefahren werden,“ so ein Mitglied des Vereins. Und man filme sich dabei sogar gegenseitig vom Straßenrand aus. Dies sei zwar nicht erlaubt, allerdings zeige die Polizei nicht ausreichend Präsenz, um dieses Treiben endlich zu unterbinden, waren sich die Teilnehmenden einig.
Die Lärmbelastung sei inzwischen nicht nur für die direkten Anlieger der Bundesstraße unerträglich, eine Nutzung der Grundstücke schlichtweg oft kaum mehr möglich.
„Es kann nicht sein, dass wir Ortsansäßigen durch den Lärm derartig eingeschränkt werden, während die Lärmverursacher sich vollkommen frei auf unsere Konsten entfalten können,“ ärgert sich der Amelither Manfred Lumma, der sich schon mehrfach erfolglos beim Kreis über seine untragbare Wohn-Situation beschwert hatte. „Wir haben das Anrecht auf ein Mimimum an Wohnruhe und den Schutz unserer Gesundheit.“

Wie groß die Lärmbelastung durch Motorräder tatsächlich sei, habe jüngst eine große Langzeit-Studie an rund 100 stark frequentierten Strecken in Baden-Württemberg erneut belegt: Ergebnis: nur ein kleiner Teil (13%) der Motorräder kommen mit unter 80 dB überhaupt in der Nähe „normaler“ PKW. Ein hoher Prozentsatz müsse dagegen als „extrem laut“ bezeichnet werden.
Dr. Kroll, als Facharzt und Notfall-Mediziner bestens mit den gesundlichen Folgen ständiger Lärmbelastung vertraut, zeigt Verständnis für die Lärmgeplagten: „Die Gesundheitsschädlichkeit von Lärm ist wissenschaftlich nachgewiesen,“ so Dr. Kroll. Zudem verursache er hohe Kosten im Gesundheitswesen.
In Wohngebieten mit übermässigem Lärm verlieren Liegenschaften an Wert und Mieteinnahmen bleiben tiefer als anderswo. Die Kosten des Lärms bezahlen nicht deren Verursacher, sondern die Betroffenen sowie die Allgemeinheit. Letztendlich leide auch Tourismus in der Region, die jüngst sogar zur „Qualitätswanderregion“ gekürt wurde und die schließlich mit Ruhe und Unberührtheit der Natur werbe: ein wichtiges Kriterium für die Prädikatsvergabe sei allerdings „natürliche Ruhe“. „Davon kann hier keine Rede mehr sein!“
Das Problem sei nur durch kreisübergreifende Zusammenarbeit in den Griff zu bekommen.

Im Landkreis Holzminden hatte sich bereits eine Arbeitsgruppe aus Behörden, Polizei und Betroffenen gebildet. Die Teilnehmer richteten daher die Bitte an den Kandidaten für das Landtagsmandat, sich um eine Vernetzung zwischen den Landkreisen zu bemühen, um kurzfristig konkrete Maßnahmen anzuschieben, die Verbesserungen herbeiführen können.

Der ständige Lärm macht uns krank

BI Motorradlärm Weserbergland e.V. trifft MdB Helge Limburg (Grüne) auf Sommertour in Delligsen

Im Rahmen seiner Sommertour traf sich der grüne Bundestagsabgeordnete mit der Bürgerinitiative gegen Motorradlärm Weserbergland e.V. Gemeinsam mit dem Gemeinderatsmitglied Juliane Kirk-Siebke informierte sich Limburg über die Lärmbelastungen, denen die Anwohnerinnen der Durchgangsstraße, aber auch Bewohnerinnen weiter hinten liegender Straßen in Grünenplan, aber auch an anderen Hotspots im Weserbergland ausgesetzt sind. „Das Problem sind nicht nur die „getunten“ Maschinen, sondern auch die große Menge an legal zum Teil extrem lauten Motorrädern an vielen Strecken“, erklärten die Vorstandsmitglieder des Vereins.

Die kürzlich veröffentlichte große Studie aus Baden-Württemberg mit Langzeitmessungen an rund hundert belasteten Strecken habe diesen hohen Anteil besonders lauter Fahrzeuge aktuell wieder eindrucksvoll belegt. Der ständige Lärm, der nicht nur die Lebensqualität zerstöre, sondern die Gesundheit schädige, sei für viele Betroffene zum absolut elementaren Problem geworden: „Lärm ist laut WHO das Umweltproblem mit der zweithöchsten Krankheitslast. Darauf muss die Politik endlich angemessen reagieren“, so die Bitte der beiden Vorstandsmitglieder an den Bundestagsabgeordneten.

„Eine Obergrenze für den Lärm von Motorrädern im Realbetrieb ist unbedingt notwendig.“ Limburg versprach, sich auf Bundesebene für verbindliche Lärmgrenzen einzusetzen. Außerdem sagte er zu, sich dafür einzusetzen, es Kommunen zu erleichtern, regional „Best Practice Modelle“ als Pilotprojekte zum Schutz der Anwohner*innen durchzuführen, wie zum Beispiel „Lärmpausen“, „Lärmtrichter“ oder regionale Lärmobergrenzen usw. Auch eine kritische Begleitung der Messergebnisse der seit kurzem installierten ersten Lärmtafeln wurde zugesichert. Ob das gelinge, hänge allerdings auch vom Ausgang der Landtagswahl am 9.Oktober ab. Die Grünen würden sich jedenfalls auf Landesebene auch weiterhin für aktiven Lärmschutz einsetzen, bekräftig

Flagge zeigen gegen Motorradlärm

Zeigen Sie Flagge gegen Lärmbelästigung! Interessenten können die brandneuen Banner (mit praktischen Rundum-Ösen zur Befestigung an Gartenzäunen, zwischen Bäumen, Fassaden bzw. Bauzaun) über uns beziehen. Verfügbar sind 2 Größen gegen eine Schutzgebühr (Selbstkostenpreis inkl. Versand) mit Vorkasse.

Bitte melden Sie sich unter Angabe der Version und der Stückzahl bei email hidden; JavaScript is required.

„Tag der Stille“ in Ottenstein im Weserbergland

Anwohner, Mitglieder und Betroffene aus vier Landkreisen der Region Weserbergland trafen sich bei schönstem Sonntagswetter zu dem vom Verein Motorradlärm Weserbergland e.V. initiierten „Tag der Stille“ in diesem Jahr im beschaulichen Flecken #Ottenstein.

So richtig beschaulich ist Ottenstein normalerweise nicht zu dieser Jahreszeit. Erst mit der gesperrten Ortsdurchfahrt zog Ruhe ein vor dem Motorradlärm, der hier sonst die Idylle trügt. Die Ruhedemonstranten infomierten Passanten, tauschten sich über die Aktivitäten der letzten Monate aus und über den „Stand der Dinge“ beim Thema Motorradlärm in der Region Weserbergland. Unterstützt wurde die Demo auch vom Gemeindedirektor des lärmgeplagten Fleckens, Manfred Weiner, der ebenfalls zu der Aktion eingeladen hatte und sogar einen TV-Berichterstatter hatte die Veranstaltung nach Ottenstein gelockt. Auch Vertreter der fünf Motorradlärm-Inititiativen rund um Osnabrück waren angereist, um sich mit den Kollegen aus dem Weserbergland auszutauschen. Gemeinsam trugen sie dem niedersächsischen Landtagsabgeordneten Christian Meyer, (Grüne) die Forderungen an die Landespolitik vor, mit der Bitte, die große Belastung durch das „Umweltproblem mit der zweithöchsten Krankheitslast“ nicht nur mit nach Hannover zu nehmen, sondern auch auf die Bundesebene weiterzutragen, was dieser zusagte. Einig waren sich die Teilnehmer, dass nicht nur die zügige Umsetzung der Bundesratsinitiative zum Thema Motorradlärm in der „großen Politik“ nötig sei, sondern dass vor Ort Pilotrprojekte zur Lärmreduktion den Betroffenen, für die der ständige Lärm zum elementaren Problem geworden ist, kurzfristig helfen müssen. „Es kann nicht sein, dass die Menschen ihre Gärten nicht mehr nutzen können, nicht mehr zu Ruhe kommen oder gar gesundheitliche Beeinträchtigungen erleiden, weil eine rücksichtlose Gruppe sich die Region fürs Krachmachen zum Spaß ausgesucht hat,“ so das Fazit.

Motorräder belästigen stärker

Eine neue und bislang einmalige Untersuchung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg bringt wichtige Erkenntnisse zu besonders von Motorradlärm belasteten Strecken. So ist die Lärmbelastung bei den meisten Motorrädern deutlich höher als bei Autos.

Motorräder sind verstärkt bei schönem Wetter an Wochenenden und Feiertagen unterwegs. Auf manchen Strecken sind es zeitweise sogar mehr Motorräder als Autos. Und etwa jedes dritte Motorrad ist bei der Vorbeifahrt lauter als 90 Dezibel (dB(A)), bei den Personenkraftwagen sind es lediglich vier Prozent. Dagegen sind nur 13 Prozent der Motorräder leiser als 80 dB (A), bei den Pkw sind dies 32 Prozent. Dies zeigen Mess-Untersuchungen, die im Auftrag des Verkehrsministeriums in den Jahren 2020 und 2021 für jeweils etwa 14 Tage durchgeführt wurden.

Rund 100 untersuchte Strecken im Ländle

Der Fokus der Untersuchung lag auf Strecken mit hohem Motorradaufkommen, um den Motorradlärm möglichst zielgerichtet zu erfassen. Bei den Untersuchungen wurde die Lautstärke vorbeifahrender Fahrzeuge, die Anzahl und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge ermittelt. Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium, machte anlässlich der Veröffentlichung der Daten deutlich: „An vielen Strecken ist die Lärmbelastung durch Motorräder enorm. Gerade an Wochenenden bei schönen Wetter werden Anwohnerinnen und Anwohner von vielen Motorrädern beschallt. Das führt zwangsläufig zu Konflikten.“

Parallelen zum Abgasskandal

Staatssekretärin Zimmer erinnert an die vom Bundesrat am 15. Mai 2020 verabschiedeten Forderungen an Europäische Union (EU), Bund und Hersteller (PDF), gegen unnötigen Motorradlärm vorzugehen ­– und sieht Parallelen zum Abgasskandal bei Diesel-Pkw: „Die vorgegebenen Grenzwerte werden zwar am Prüfstand eingehalten. Im Normalbetrieb auf der Straße sind Motorräder jedoch häufig lauter, und zwar zum Teil erheblich. Das muss nicht sein! Motorräder müssen leiser werden, unabhängig davon, wer sie wo fährt.“ Sie appelliert auch an die Motorradfahrenden: „Eine rücksichtsvolle und leise Fahrweise ist im Interesse aller. Ich habe kein Verständnis, wenn Motorräder bewusst auf laut getrimmt werden. Lautes Fahren und unnötiges Hin- und Herfahren geht immer zu Lasten anderer und deren Gesundheit.“

So laut wie Kreissäge oder Presslufthammer

Die Auswertung der Pegel von Vorbeifahrenden an den 100 untersuchten Strecken zeigt, dass etwa jedes dritte Motorrad lauter ist als 90 dB(A), bei den Pkw waren es lediglich 4 Prozent. Fast jedes dritte vorbeifahrende Motorrad ist damit so laut wie ein Presslufthammer oder eine Kreissäge. Die Untersuchungen zeigen, dass an Samstagen und Sonntagen gegenüber einem Wochentag durchschnittlich doppelt so viele Motorräder unterwegs sind. An einigen Strecken wurden an einem Wochenendtag sogar sieben bis neun Mal so viele Motorräder gezählt wie an einem Wochentag. Beispielweise wurde an der Bundesstraße (B) 32 zwischen Hettingen und Veringenstadt im Kreis Sigmaringen am südlichen Ortsausgang von Hettingen vom 6. bis 19. Mai 2021 insgesamt 1.447 Motorräder erfasst. An den Werktagen waren durchschnittlich 32 Motorräder unterwegs, am Wochenende mit 294 Motorrädern am Tag mehr als das Neunfache. An der B 39 bei Löwenstein in Fahrtrichtung Westen vor dem Ortsteil Hirrweiler im Kreis Heilbronn wurden vom 7. bis 20. Juli 2020 insgesamt 3.665 Motorräder erfasst. An den Werktagen waren durchschnittlich 136 Motorräder unterwegs, am Wochenende mit 593 Motorrädern am Tag mehr als das Vierfache.

Wo der Motorradanteil besonders hoch ist

Der höchste Anteil der Motorräder gemessen an den Vorbeifahrten der Pkw, Motorräder und Lkw war an der Kreisstraße 5363 im Ortenaukreis zwischen Sasbachwalden und Seebach. Der Motorradanteil lag an dieser Strecke bei 36 Prozent. Am Wochenende lag der Anteil bei 49 Prozent, das heißt fast jedes zweite Fahrzeug war ein Motorrad.

Das höchste Motorradaufkommen mit 4.740 Motorrädern in eine Fahrtrichtung über den Zählzeitraum von 13 Tagen wurde im Ortenaukreis an der Schwarzwaldhochstraße B 500 im nordwestlichen Schwarzwald zwischen Unterstmatt und Mummelsee erfasst. Die Schwarzwaldhochstraße in diesem Bereich ist damit einer der beliebtesten Motorradstrecken des Landes. Besonders viele Motorräder waren unterwegs am Pfingstmontag 24. Mai 2021 (863) und am darauffolgenden Sonntag 30. Mai 2021 (1495).

Das Verkehrsministerium hat mit den Erhebungen ein Vorzeigeprojekt geschaffen, da es bisher bundesweit keine umfangreichen Erhebungen zum Motorradlärm und Motorradaufkommen gibt. Erfasst wurden die Fahrzeugart, die gefahrene Geschwindigkeit und der maximale Lärmpegel bei der Vorbeifahrt an rund 100 Strecken für einen Zeitraum von circa 14 Tagen von Juni bis Oktober 2020 und von Mai bis September 2021. Im Untersuchungszeitraum wurden insgesamt 3,3 Millionen Fahrzeuge erfasst, darunter 2,94 Millionen Pkw und 206.000 Motorräder.

Bundesverband gegen Motorradlärm stellt sich vor im Newsletter des ALD

Unnötig laut: Gegen ausgereizte Motorrad-Lärmgrenzen formiert sich Widerstand“

Gastbeitrag von Bärbel Lehmann, Bundesverband gegen Motorradlärm

Motorradlärm ist ein Problem der Innenstädte und der Naherholungsgebiete. Seit 20 Jahren laufen Anwohnerinitiativen Sturm gegen teil immense Belästigungen an den Hotspots dieses Lärmphänomens – ohne dass sich an der Ausgangslage politisch oder rechtlich groß etwas geändert hätte. Dabei ist offensichtlich: Auf dem Zulassungspapier sind Motorräder 77 dB(A) laut – am Straßenrand kommen oft aber 120 dB an. Gesundheitsgefährdende Werte sind das. Und die Motorräder sind in den vergangenen Jahren auch nur auf dem Papier leiser geworden – nicht auf der Straße.
Zur Vernetzung der Aktivisten gegen das Problem hat sich jetzt der Bundesverband gegen Motorradlärm gegründet. Mitglieder sind Anwohner- und Kommunalinitiativen, wie die VAGM e.V. und Silent Rider e.V. Zur Motorradlärm-Initiative aus Baden-Württemberg „Leiser! Initiative Motorradlärm“ gibt es intensiven Kontakt. Mit anderen europäischen Mitstreitern, wie aus Luxemburg, Frankreich oder den Niederlanden steht der Bundesverband im engen Austausch. Denn Motorradlärm ist auch ein europäisches Problem.

Hier der gesamte Newsletter – Der Beitrag des Bundesverbands ab Seite 14.


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