Auspufflärm: Die Hersteller begutachten sich wieder mal selbst

Hersteller attestieren sich ihre Lärmwerte selber; die Regierung kann und will nichts gegen den Betrug unternehmen – schreibt die Wirtschaftswoche. Ausriss Quelle: Wirtschaftswoche

Motorräder sind oft deutlich lauter als im Fahrzeugschein angegeben. Doch die Bundesregierung sieht keine Handhabe, gegen falsche Angaben und zum Schutz von Anwohnern vorzugehen, schreibt die Wirtschaftswoche.

Dass Motorräder oft deutlich lauter sind als die Norm, wurde an dieser Stelle schon vielfältig bemerkt. Auch dass die Bundesregierung dagegen nichts unternimmt, ist seit 15 Jahren für jeden feststellbar. Die Wirtschaftswoche schreibt: „Die Bunderegierung sieht sich kaum in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Für die internationale Typgenehmigung bescheinigten die Hersteller sich selbst, dass sie die zulässigen Lärmgrenzen einhielten“, heißt es in der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Auch würden für diese Werte nur „im Geschwindigkeitsbereich zwischen 20 und 80 km/h“ gemessen.

Die Bundesregierung wolle zwar eine Prüfung bis Tempo 100 und unter Straßenbedingungen erreichen – „in allen Getriebestufen, Fahrsituationen und Fahrmodi“. Auch solle unabhängig getestet werden. Doch solche Änderungen müssten international umgesetzt werden, heißt es. Und der geduldete Betrug kommt noch doller: „Um die Lärmbelastung zu erfassen, müsste eigentlich auch der Pegel nach dem Einbau von abschaltbaren Klappenschalldämpfern und Soundaktuatoren gemessen werden“, räume die Regierung sein.

In vielen Regionen bedeuten Motorräder im Sommerhalbjahr für die Bewohner ein Umweltproblem, vor allem wegen des Lärms. Der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, wird zitiert: „Wie auch beim Abgas-Skandal bleibt die Bundesregierung beim Motorradlärm untätig und verweist, wo es nur geht, auf die internationale Ebene. “ Das helfe aber Menschen an Raserstrecken, „Applauskurven“ der Biker oder in der Nähe von städtischen Kreuzungen nichts.

Selbst zur Kontrolle des tatsächlichen Lärmpegels der Krafträder auf der Straße fühlt sich die Bundesregierung nicht in der Lage. „Die Überwachung und Ahndung von Verstößen gegen straßenverkehrsrechtliche Vorschriften obliegt … den Ländern“, berichtet die WiWO. Fahrzeuge müssen den Geräuschgrenzwert von 80 dB(A) in der Vorbeifahrtmessung einhalten. Versuche von baden-württembergischen Behörden haben gezeigt, dass manche Motorräder doppelt laut sind wie von Herstellern angegeben, wenn Tester die Prüfbedingungen geringfügig ändern. Das Umweltbundesamt forderte bereits eine unabhängige Prüfung der Herstellerangaben durch das Kraftfahrtbundesamt.

 

Allgäu bangt um Tourismusqualität

Allgäu Life berichtet von den Motorradlärm-Hotspots des Allgäus.

Immer mehr Tourismusgegenden gehen auf Distanz zum Motorrad-Krach und erkennen, dass das Geschäft mit lärmenden Bikern ein vergiftetes Business-Modell ist. „Zerstört Motorradlärm unser schönes Allgäu?“ ist ein Artikel mit Filmbeitrag in „Allgäu Life“ überschrieben, der sich ähnlich auch im Schwarzwald, Schäbisch-Fränkischer Wald, Sauerland, Eifel etc. abspielen könnte… Hier geht’s zum Artikel.

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Die schützende Hand der Politik – über den Rechtsbeugern der Fahrzeugindustrie

Spiegel Online berichtet, das Soundgeneratoren zum Nachrüsten verboten. Idiotie: In Serie bleibt’s erlaubt.

Na also – Verkehrsministerium und Kraftfahrtbundesamt (KBA) unternehmen erstmals etwas gegen mutwilligen Auspufflärm. Wohl unter dem Druck des Dieselskandals zeigten Behörden „radikalstmögliche Durchgreifbereitschaft“ (Ironie aus) – und verbieten Irrsinn wie Soundgeneratoren und Klappenauspuffe zum Nachrüsten bei Autos und Motorrädern – wie der Spiegel online berichtet. So weit so gut – und ein Etappensieg.

Ein paar Fragen bleiben offen:

1. Wer hat diese offensichtlich rechtswidrigen (da mutwillig Lärm produzierenden) Auspuffe und Lautsprecher denn bisher zugelassen? Man kann den Eindruck gewinnen, dass Behörden solche Belästigungsprodukte erst wahrnehmen, wenn die Polizei (hier die rührige und kreative Mannheimer Verkehrspolizeidirektion) das KBA mit der Nase darauf stößt.

2. Warum ist die Nachrüstung verboten, aber Produktion und Vertrieb von vor 2016 homologisierten Fahrzeugen mit Klappenauspuffen und Soundgeneratoren bleibt weiter erlaubt? Wird für die Belästiger der Tunerszene mit anderem Maß gemessen als für die Manager und Freiberufler, die sich den steuer-subventionierten RS-Audi mit Proletentaste als Dienstwagen leasen? Leistungsstarke Fahrzeuge haben eh Lärm-Sonderrechte – wer hält hier die schützende Hand über die Lärmer von AMG, BMW, Porsche und Audi?

Es ist unerträglich, wie die Fahrzeugindustrie das Recht beugt – beim Abgas und beim Lärm – und wie unbeeindruckt die Politik das hinnimmt. Spiegel Online berichtet über einen erzwungenen Verkaufsstopp für Vertreter-Audis. Es geht um eine neue, als besonders umweltfreundlich beworbene Diesel-Generation, die ebenfalls schon wieder manipuliert wurde. Altes Strickmuster, das wir von den Auspuffen kennen: Der Wagen erhielt seine Typzulassung nicht in Ingolstadt, sondern in Luxemburg. Das stinkt nicht nur zum Himmel, das ist ein Skandal, der Züge eines organisierten Verbrechens trägt.

 

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Sulzbacher Steige soll entschärft werden

Ein Zeichen gegen den Verkehrslärm im Rems-Murr-Kreis: Die Backnanger Kreiszeitung berichtet aus Sulzbach an der Murr.

Idyllische Straße im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald – aber leider eine verlärmte Gegend. Gegen Raser und Lärmer gehen jetzt die Behörden vor, nachdem Bürgerbeschwerden schon vor Jahrzehnten laut wurden. Rüttelstreifen und Gelbe Karte, Demontage von Sitzbänken in Applauskurven – allerhand hat man sich einfallen lassen. Die Backnanger Kreiszeitung berichtet.

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BR Quer: Schmerzhafter Sound


Der Bayerische Rundfunk sprach mit Bikern, mit BMW und mit Brüssel. Und hat damit in einem kurzen Filmbeitrag die drei B und ins Schwarze getroffen. Wie homogen der Typ Mensch sich gebärdet, wenn er am Gasgriff spielen darf! Wie sagt der Mann von BMW: Lauter Individualisten…

Motorräder segnen…

Aus dem Straubinger Tagblatt…

Landab, landauf wird zum Saisonbeginn wieder gesegnet. Die Pfarrer (vor allen Dingen die in Leder) spritzen Weihwasser auf die Feuerstühle. Kein heidnisches Ritual, sondern ein amtskirchliches. Anwohner würden sich freuen, wenn diese Segnungen der Moderne differenziert betrachtet würden – ein kleines Wort würde genügen: Rücksicht. Nicht nur Rücksicht einfordern – Geben ist seliger als Nehmen.

Splitt gestreut? Polizei ermittelt

 

Nach einem Motorrad-Unfall in Kernen bei Stuttgart ermittelt die Polizei. Auf Rollsplitt ist ein junger Motorradfahrer gestürzt und hat sich leicht verletzt – die Polizei vermutet, dass der Splitt hier gezielt ausgestreut wurde und ermittelt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Pikant ist, dass auf der landschaftlich reizvollen Strecke die Anwohner seit Jahren einer akustischen Nervenprobe durch die Bikergemeinde ausgesetzt werden. In Kernen-Stetten gibt es viel Ärger um den Motorrad-Lärm, dem Polizei und Behörden leider nichts entgegenzusetzen haben. Um Einwänden zuvorzukommen: Selbstjustiz ist nicht der richtige Weg. Aber Fakt ist eben auch, dass die Idylle der Remstals an dieser Auffahrt seit Jahren durch Motorrad-Rowdys getrübt wird, und nichts und niemand gebietet ihnen Einhalt. Die unselige Eskalation des Falls lässt sich in diesem Hörfunkbeitrag des SWR nachvollziehen und nachhören.

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Ärger am Sudelfeld

Bayrischzell am Sudelfeld – ein Motorradlärm-Hotspot aus der Luft. Foto: Kogo/Wikipedia

Aus Bayrischzell vom Sudelfeld berichtet der Bayerische Rundfunk in einem Beitrag, der in der Mediathek hier nachzusehen ist. Hier reden auch eine Tourismusverantwortliche endlich Tacheles: Wie kriegerische Horden fallen die Biker ein und die normalen Gäste beschweren sich. Beklagenswert ist das geballte Auftreten und die Ausreißer-Fahrzeuge mit lauten Auspuffen – aber das sind ja mittlerweile viele moderne Motorräder. Besonders die Adrenalin-Junkies belästigen Anwohner und Urlauber – schön, dass das auch mal Tourismusverantwortliche und Bürgermeister formulieren.

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