„Es ist nicht mehr auszuhalten!“

Ein klassischer Fall:
Anwohner der B 48 in Hochspeyer werden ihres Lebens nicht mehr froh, können ihren Garten nicht mehr nutzen, haben Lärm fast rund um die Uhr am Wochenende, beschweren sich, sammeln Unterschriften, wenden sich an Polizei und Behörden. Auch in Rheinland-Pfalz haben Anwohner einer beliebten Motorradstrecke die Nase voll und machen ihrem Ärger Luft. Dabei wird auch offenbar, wie man die Bürger behördlicherseits gegen die Wand laufen lässt. Zwei Kostproben aus der Rheinpfalz:

1. „Wenig Hoffnung (dürfen die Anwohner)  auf den LandesbetriebMobilität (LBM) setzen, der für den baulichen Lärmschutz an der B48 zuständig wäre: Die Ortsdurchfahrt von Hochspeyer „befindet sich im Lärmkataster aufgrund der relativ geringen Verkehrsbelastung und der relativ geringen Anzahl von Betroffenen in einer nachrangigen Dringlichkeitsstufe“, erklärt LBM-Sprecherin Birgit Küppers auf Anfrage der Zeitung RHEINPFALZ.“

Das muss man sich auf dem Trommelfell zergehen lassen: Nach den Regeln des LandesbetriebsMobilität ist das Anliegen der Anwohner „kein Fall“. Oder anders: Da sei es gar nicht zu laut. Das haben die Behörden im Lärmkataster anhand von Verkehrszählungen im Berufsverkehr so definiert (Lärm wird nicht gemessen, sondern anhand von Strichlisten errechnet). Anmerkung: Vielleicht ist es besser so, dass dieser mobile Landesbetrieb sich hier ausklinkt. Sollten wegen der illegalen Raserchaoten Schallschutzwände die Pfälzer Landschaft verschandeln?

2. „Ebenfalls kein Gehör findet der Lärmschutz im Biosphären-Reservat bei der Kaiserslauterer Polizei. „Das Thema Lärm macht weniger als fünf Prozent bei den Bürger-Beschwerden aus“, sagt Wolfgang Denzer von der Pressestelle des Präsidiums Westpfalz. Zwar seien die Beamten durchaus im Besitz einer mobilen Schall-Messstation, man kümmere sich aber bislang vornehmlich um die Geschwindigkeitskontrollen und betreibe Aufklärung zur Unfall-Verhütung.“

Ganz typisches Abwiegel-Verhalten der Polizei. „… sind im Besitz einer mobilen Schall-Messstation… “. Das lässt hoffen, dass aus den Besitzenden auch irgendwann Benutzende werden. Hauptsächlich befassen sich Beamte aber damit, auszurechnen, wie viel Prozent der Beschwerden auf Lärm entfallen. 5 Prozent = kein Problem. Und was ist mit den 2 % Kindesmißhandlungen? Wenn es beim Lärm mehr wäre, änderte das übrigens auch nichts: Im Rems-Murr-Kreis haben verschiedene Anwohner an einer Rennstrecke im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend Mal dokumentiert die Polizei gerufen wegen illegalen Rennbetriebs. Da kommt aber keiner. In der Regel wird von der Polizei behauptet, die Dienststellen am Wochenende seien unterbesetzt (traurige Ironie an: „…die Kollegen sitzen gerade an einer Statistik über gemeldete Bürger-Beschwerden…“ Ironie aus). Geschehen ist nichts – außer ein paar Raserunfällen. Die Polizei ist in diesem Thema sowieso immer unterbesetzt … (und hat in der Praxis an der Straße leider auch nicht viel zu melden).

Fazit – in Baden-Württemberg wie in Reinland-Pfalz:

Ziel scheint es zu sein, die betroffenen Bürger dezent in die Querulanten- und Nestbeschmutzer-Ecke („es gibt doch keinen Lärm in unserem Bisphären-Reservat, das haben wir ja noch nie gehört“) zu drücken. Da beschweren sich nur Lärm-Überempfindliche, die sich doch bitte ein wenig in Toleranz üben sollten. Die „Rheinpfalz“ hingegen stellt ein Sachverständigen-Interview dazu, das unmissverständlich klarstellt, wie Manipulationen am Motorradauspuff erfolgen – und dass die lauten Kisten nur auf dem Papier immer leiser gerechnet werden. Danke für dieses aufwändig recherchierte Stück Journalismus – es lebe die Regionalzeitung!

Noch ein paar Brüsseler Spitzen:
Im Gegensatz zu den Motorradauspuffen hat sich die EU in puncto Staubsauger mächtig ins Zeug gelegt und deren Stromverbrauch ab 2017 auf 900 Watt begrenzt! Dafür fahren wir dann mit 160 PS Motorrad – mit offenem Klappenauspuff und belästigen die Mitmenschen. Nöööö – die Biker haben keine Lobby…

 

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8 Kommentare zu “„Es ist nicht mehr auszuhalten!“
  1. Henning sagt:

    Sehr schön kommentiert: bevor die Behörden in dieser Sache den Hintern hoch bekommen, versuchen Sie zunächst einmal alles, um das Problem zu verharmlosen. Meine Erfahrung: wenn über Raserei oder über schwere Unfälle nichts zu machen ist, ist gar nichts zu machen. Man kann die Anwohner nur ermutigen, sich auf die Hinterbeine zu stellen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Und als ehemaliger Motorradfahrer kann ich sagen: Schade, was da einige Chaoten aus einer eigentlich umweltfreundlichen Art der Fortbewegung machen.

  2. Karin sagt:

    Zitat: „Schade, was da einige Chaoten aus einer eigentlich umweltfreundlichen Art der Fortbewegung machen.“

    Mir ist nicht ganz klar, was daran umweltfreundlich sein soll, wenn man am Wochenende mal schnell 300 km spazierenfährt oder auf der Hausstrecke Rennfahrer spielt oder mal fünf Alpenpässe an einem Tag abspult. Spritverbrauch mindestens wie ein Kleinwagen. Lärmentwicklung höher als ein Lastwagen. Abgasverhalten: Meistens ohne Kat. Umweltzone: Spart Motorrad aus. Von den Kosten für die Gesellschaft ganz zu schweigen: Jeder der beim Rennen fahren auf die Nase fällt dem spendiert man einen Hubschrauberflug in die nächste Klinik. Von 500.000 Metern Stahlblech als Unterfahrschutz ganz zu schweigen, die wir nur deshalb brauchen, weil die Herrschaften da Rennen fahren, wo es kurvig ist. Nicht falsch verstehen. Jedes nicht abgetrennte Glied sei ihnen gegönnt. Aber mit umweltfreundlich hat der Irrsinn nichts zu tun.

    • FRANKMAN sagt:

      liebe karin,schade wenn man eigendlich keine ahnung hat aber trotzdem etwas behauptet.bei gleichen fahrleistungen verbraucht ein motorrad immer weniger als ein auto.man kann aber nicht einen kleinwagen mit einem motorrad aus der oberklasse vergleichen.klar man kommt mit beiden ans ziel aber hier regt sich auch keiner auf das ein rolls royce mehr vebraucht als ein smart.meistens sitzt in einem auto auf dem weg zur arbeit auch nur 1 person und dafür werden über 1 tonne stahl,aluminium und plastik wewegt nur damit man nicht nass wird oder friert oder etwa im sommer nicht schwitzt,ist das etwa umweltfreudlich.ein motorrad ist ja nicht immer zu laut und ein auto nicht immer leise.leitplanken werden für die autofahrer angebracht,der unterfahrschutz ist für motorradfahrer um diesen wieder zu entschärfen weil die pfosten gefärlicher sind als einen abflug ins gelände zu machen.die neuen motorräder haben fast alle kat und sein wir mal ehrlich wenn es für autos keine steuer ermässigung und später die pficht zum kat gegeben hätte wäre den meisten autofahrern die umwelt scheißegal.zum thema umweltzone.ist zwar wahrscheinlich sinnlos aber auch jedes benziner auto bekommt die grüne plakette sofern es nicht uralt ist.es gibt in deutschland über 40 000 000 autos die im durchscnitt über 20 000 km im jahr fahren,motorräder gibt es ca 4 000 000 mit einer fahrleistung von unter 5000 km in jahr.klar wenn es jemanden stört das motoräder bei einem vorm haus langfahren ist das für denjenigen ärgerlich aber keineswegs verboten.die meisten motorräder sind auch nicht zu laut,wie immer man das auch defieniert.die meisten die behaupten es wäre so laut wie an einer rennstecke waren bestimmt noch nie an einer und haben noch nie gesehen wie es bei einem rennen zugeht aber behaupten vor der haustür werden rennen gefahren.rennen fahren heißt bis zum letzten moment vollgas,dann voll bremsen durch die kurve und dann wieder vollgas und mal ehrlich so fährt keiner ausserhalb der rennstrecke.

  3. Norbert sagt:

    Bla bla bla. Ich möchte die Wochenenden in meinem Garten verbringen, und nicht jedes WE vor dem Motorradlärm (n i c h t vor dem Autolärm) auf der Flucht sein. Was soll das bescheuerte Gelaber, „Frankman“?

    • Nils Kraska sagt:

      Mal zu Ihnen Norbert
      Wie kommen sie auf die Idee die Aussagen von Frankman als bescheuertes Gelaber zu bezeichnen??
      KEINE der Aussagen war auch nur ansatzweise überspitzt.
      Das Sie der Verkehrslärm belästigt hat er nicht infrage gestellt, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die Motorräder den Gesetzesvorschriften entsprechen.
      Letztendlich liegt es jedoch immer am jeweiligen Fahrer selbst wie er seine Maschine führt.

      PS: Versuchen sie doch mal freundlich und höflich zu schreiben und nicht die Anonymität des Internets auszunutzen um auf vulgäre Art ihre Meinung auszudrücken, dann hört man Ihnen auch mal zu ;-)

      • Reto sagt:

        Die aktuellen Motorräder enstprechen inetwa so dem Gesetz wie die aktuellen Diesel das tun.

        • Frank sagt:

          „Die aktuellen Motorräder enstprechen in etwa so dem Gesetz wie die aktuellen Diesel das tun.“

          Ja, und ich wette die Konzerne haben neben Abgas- und Lärmskandal noch viel mehr Leichen im Keller. Das ist m.E. nur die Spitze des Eisberges!

  4. tomi sagt:

    Frankmann sorry, du lebst wohl irgendwo im ruhigen Grünen.
    Hast wohl keine Ahnung was tatsächlich an Landes und Bundesstrassen durch Motorradfahrer abgeht. Keine Rennen, kein unnötiger Lärm keine Umweltverschmutzung usw.Frankmann du bist total daneben und weg von der Wirklichkeit.
    Jüngstes Beispiel das vergangene lange Wochenende. Unglaublich was da wieder an Mortorräder von überall her unterwegs waren.
    Leider werden diese nachweislich aus dem Ruhrpott ,Niederlande usw.per Anhänger mit dem Auto in den Schwarzwald gebracht um dann diesen (Schwarzwald) volle Pulle zu befahren.Dreck, Krach,Mensch+Tier,Risiko für andere Verkehrsteilnehmer , alles egal. Aber nicht nur die Motorradfahrer aus der Ferne sind an dieser Misere schuld. Sondern auch leider die Einheimischen welche nach Feierabend abends dann ohne Rücksicht auf Verluste ihre Strecken abrasen und mit Lärm/ Gestank/Unrat/sowie überhöhter Geschwindkeit für ein paar Stunden sich vergnügen.

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