Rasen mit Todesfolge: So steht’s um unser Rechtssystem

Nachschlag zu der Tütenfrage: Zwei Kölner „Sportfahrer“ haben ein 19jähriges Mädchen auf dem Gewissen. Die junge Frau war mit ihrem Fahrrad zur falschen Zeit am falschen Ort. Die beiden jungen Herren, die nach dem Richterspruch wohl drei Jahre auf ihren Führerschein verzichten müssen (in unserem Rechtssystem die Höchststrafe), haben sich ein veritables Hochgeschwindigkeitsrennen (mit mehr als 100 km/h) in der Kölner Innenstadt geliefert. Der eine soll sich nach dem Knall vor allem um den Zustand seiner Sportfelgen gesorgt haben, dem anderen tut die Sache wenigstens leid. Bewährungsstrafe und Sozialstunden – das ist es, was dem Richter zu diesem Thema einfiel. Und selbst wer sich angesichts dieses Richterspruchs nicht an den Kopf fassen will (weil es ja die Politik ist, die Gesetze macht), der sei daran erinnert: Wer keine Rundfunkgebühren zahlt, den lässt dieses Rechtssystem in den Knast einweisen. Wo bitte bleibt im Land der Raser und Lenker die abschreckende Wirkung für all jene, die auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer „nur mal ein bißchen Spaß“ haben wollen? Egal ob auf zwei oder vier Rädern?

Veröffentlicht in Gesetze, Medienberichte, Meinung
22 Kommentare zu “Rasen mit Todesfolge: So steht’s um unser Rechtssystem
  1. Frank sagt:

    Aus solchen Fällen ergeben sich weitere Fragen an Justiz und Politik:

    Seit langem stelle ich mir die Frage, warum Motorradfahrer und Autofahrer bei stationären Geschwindigkeitsmessungen nicht gleich behandelt werden. Autofahrer werden dabei anhand ihres Frontkennzeichens und Ihres Gesichtes auf dem entsprechenden Fotobeweis eindeutig identifiziert. Motorradfahrer sind dagegen vermummt (Helm!) und ihr Fahrzeug trägt kein Frontkennzeichen.

    Wenn man sich mit Motorradfahrern unterhält, wird das schnelle Vorankommen und die Immunität gegen Blitzer stets als ein Hauptvorteil des Motorradfahrens gepriesen. Durch diese Situation kommt es zu bizarren Vorfällen. Zum Beispiel rasen Fahrer absichtlich durch stationäre Messeinrichtungen. So geschehen in München:

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/muenchen-motorradfahrer-wird-26-mal-im-gleichen-tunnel-geblitzt-a-1066757.html.

    Immerhin ist die Polizei dort eingeschritten. Nachdem 26 Mal die StVO und die Sicherheit Unbeteiligter mit Füssen getreten wurde. Hat unsere Polizei eigentlich nichts Besseres zu tun, als sich tagelang auf die Lauer zu legen, bis der eine Raser wieder vorbeikommt? Und vor Gericht dann mit findigem Anwalt einen Freispruch erreicht, weil die Beweislage (Die Identifikation erfolgte in diesem Fall lediglich anhand der Kleidung) sehr, sehr dünn ist?

    Warum wird diese Ungleichbehandlung nicht beendet?

    Eine weitere Frage, die man adressieren kann an:
    Verkehrsministerium: email hidden; JavaScript is required
    Umweltministerium: email hidden; JavaScript is required
    Innenministerium: email hidden; JavaScript is required

    • Z750 sagt:

      Ich finde das unglaublich. Da wird der tragische Tod einer jungen Frau ausgeschlachtet, um gegen eine ungeliebte Gruppe von Verkehrsteilnehmern Stimmung zu machen.
      An diesem Unfall waren zwei Spätpupertierende Autofahrer Schuld, die (und da gebe ich Ihnen Recht) viel zu mild bestraft wurden! „Sozialstunden“ weisen auf eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht hin, was ich in den meisten Fällen ablehne. Wer reif genug ist, die Vorteile der Volljährigkeit zu genießen (z.B. Autofahren, trinken, Wählen oder selbstständig Verträge abschließen, um nur einige zu nennen), sollte sich vor Gericht nicht durch „mangelnde Reife“ in Weichspülmaßnahmen wie Sozialstunden o.Ä. retten können.

      Nun aber zu dem wirklich unglaublichen Punkt…
      Wie man von genanntem Sachverhalt völlig unreflektiert zu der „himmelschreienden Ungerechtigkeit“, dass sich Motorradfahrer VERMUMMEN dürfen, zeugt nicht gerade von der Bereitschaft, eine sachliche Diskussion zu führen.
      Fakt ist:
      – Motorräder haben vorn kein Kennzeichen
      Dies würde auch nichts bringen (genau so wenig, wie die Technik „von hinten“ zu blitzen). Mit einem Frontkennzeichen hätten die Behörden im Falle des Falles ein Frontfoto. Das nützt dann genau wem? Den Behörden wäre der Halter des Fahrzeugs bekannt, mehr nicht! Denn wie Sie korrekt erkannt haben, tun das alle Motorradfahrer. Nicht um der Verfolgung einer Ordnungsnichtigkeit zu entgehen, sondern um das eigene Leben zu schützen und nicht zuletzt weil es Pflicht ist! Was wäre denn Ihr Vorschlag, um diesem Dilemma zu entgehen?
      Im Übrigen gibt es in Deutschland kein Gesetz, was es verbietet, sich zu vermummen. (mit Ausnahme als Teilnehmer einer Demonstration)

      • Keimrich sagt:

        Ich sehe eindeutige Parallelen zwischen der Raserei vor unserer Haustür und den Sportfahrern in Köln. In beiden Fällen kommen die Raser billig davon – und riskieren auch die Leben Unbeteiligter. Vermummung: Die Lösung ist Halterhaftung. Der Halter entgeht der Haftung durch Benennung des Fahrers. Kennzeichen vorn geht auch. http://www.bild.de/auto/service/motorrad/front-kennzeichen-halterhaftung-fahrtenbuch-35452608.bild.html

        • Z750 sagt:

          Die Halterhaftung wäre ja eine nette Idee, wenn…
          Wenn wir nicht in einem Rechtsstaat leben würden. Es hat doch jeder einen Personkreis, den man per Gesetz nicht belasten muss (Ehepartner, Geschwister, Eltern, Kinder und sich selbst) Dies ist ein Grundpfeiler unseres Rechtssystem. Was ist denn Ihrer Meinung nach wichtiger, den Verantwortlichen (ich spreche bei einer Ordnungswidrigkeit bewusst nicht von einem „Täter“) zur Rechenschaft zu ziehen oder dass irgendjemand büßen muss? Letzteres ist nichts nichts anderes als Rache und die sollte in einer zivilisierten Gesellschaft keine Rolle spielen! Wie rechtfertigt man, dass dieses rechtsstaatliche Prinzip zwar mutmaßlichen Straftätern zu Teil wird, während man einen Fahrzeughalter wegen Nichtigkeiten am liebsten in Sippenhaft nehmen würde?
          Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch wenn ich von Nichtigkeiten spreche, meine ich Dinge wie Geschwindigkeitsübertretungen ohne Gefährdung anderer etc. Nicht etwa Autorennen fahren mit mehr als 100 km/h innerort, am „besten“ noch mit tödlicher Folge für Unbeteiligte. Solche „Helden“ sollte ruhig für einen langen Zeitraum gesiebte Luft atmen. Wenn es nach mir ginge, bekämen diese Leute ihre Führerscheine sofort wieder. Am 31.04. eines Jahres, das sie sich selbst aussuchen könnten!

          • Keimrich sagt:

            Halterhaftung hat per se nichts mit Aussageverweigerungsrecht zu tun – auch wenn das Aussageverweigerungsrecht bei Verkehrsvertößen gerne als Schlupfloch genutzt wird. Halterhaftung würde bei ja zwingend vermummten Kradfahrern durchaus Sinn machen. Das Problem ist, dass sich die Ungerechtigkeiten aufaddieren: Kleines Nummernschild, kein Nummernschild vorn, Helmpflicht, keine Halterhaftung – und das führt zu Allmachtsgefühlen und zu einem rechtsfreien Raum. Und wenn für Sie Schnellfahren eine Nichtigkeit ist, dann gehe ich davon aus, dass Sie immer in der Lage sind zu beurteilen, ob Sie jemanden gefährden. Respekt. Das würde ich mir nicht zutrauen. Ich weiß nur dass ein Kind bei 50 km/h kaum eine Chane hat, zu überleben, bei 30 km/h schon. 20 km/h Nichtigkeitsdifferenz.

  2. Frank sagt:

    Halterhaftung ist nichts Neues. Das ist rechtlicher Standard bei unseren europäischen Nachbarn, zum Beispiel in Frankreich, Italien, Niederlanden, Österreich, Ungarn. Nur bei uns tut man sich schwer mit diesem Konzept und nimmt rechtliche Freiräume wie in München in Kauf.

    Ich empfinde es als einen Skandal, dass Autofahrer wegen wenigen km/h zuviel gleich ein Bußgeld auferlegt bekommen – Motorradfahrer darüber aber nur lachen! Dieser rechtsfreie Raum ist Teil des Problems.

    (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/muenchen-motorradfahrer-wird-26-mal-im-gleichen-tunnel-geblitzt-a-1066757.html)

  3. Frank sagt:

    @Z750

    „Ich finde das unglaublich. Da wird der tragische Tod einer jungen Frau ausgeschlachtet, um gegen eine ungeliebte Gruppe von Verkehrsteilnehmern Stimmung zu machen.“

    Ich glaube, man darf das o.g. Urteil kritisieren. Das hat nichts mit Ausschlachten zu tun, zeigt es doch einen weiteren Grund, warum Raser nichts lernen und fröhlich weiterrasen. Ich hingegen frage mich, für wen Sie hier Stimmung machen? Auf wessen Lohnliste stehen Sie eigentlich?

    Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es mit einer Industrie zu tun haben, die in Deutschland 7.000.000.000 Euro umsetzt. Die haben hier schon des öfteren Leute mit Nebelkerzen losgeschickt…

    • Keimrich sagt:

      @Z750
      „Ich finde das unglaublich. Da wird der tragische Tod einer jungen Frau ausgeschlachtet, um gegen eine ungeliebte Gruppe von Verkehrsteilnehmern Stimmung zu machen.“

      Und ich finde es unglaublich, wei die Zielgruppe sich hier zu immer neuen moralischen Höhen aufschwingt. Obwohl sie sonst mit Moral wenig am Helm hat.

    • Z750 sagt:

      Wenn Sie meine Zeile genau gelesen hätten, würde Ihnen auffallen, dass ich das Urteil ebenso kritisiere! Nur waren es hier keine Motorrad-, sondern Autofahrer. Sie kommen ja auch nicht auf die Idee, jetzt alle Autofahrer unter Generalverdacht zu stellen. Oder machen Sie das an einer bestimmten Automarke/einem bestimmten Automodell fest? So nach dem Motto: „einer der Täter fuhr einen Golf, somit sind alle 250.000 Menschen, die sich jährlich einen Golf kaufen automatisch kriminelle, rücksichtslose Idioten?! Ähnlich verhält es sich bei den Motorradfahrern. Nicht jeder Kradfahrer steht auf Auspuffanlagen, die (egal für wen) nur mit Gehörschutz zu ertragen sind. Leider erwecken Sie den Eindruck, dass jeder der nicht pauschal jeden Motorradfahrer verteufelt, auf irgendeiner „Lohnliste“ steht und „Nebelkerzen“ wirft.
      Sicher stehe ich auf der Lohnliste von irgendwem. Das wird bei Ihnen sicher nicht anders sein. Wer mein Arbeitgeber ist, geht jedoch niemanden etwas an (das weiß ich von Ihnen ja auch nicht). Eines sei aber verraten: mein Arbeitgeber setzt mit dem kompletten Thema Straßenverkehr (von „Auto“ über „Lärmschutz“ und „Motorrad“ bis hin zu „Zubehör“) genau 0,00€ um!

      • Keimrich sagt:

        Vielleicht sollten Sie sich am Wochenende mal an einem der hier gelisteten Hotspots einfinden. Ich biete Ihnen als Wette (um eine Flasche Rotkäppchen) an, dass rund 30 % der Kollegen so unterwegs sind, als wären wir am Sachsenring. Und zwar in Sachen Aufmachung, Geschwindigkeit, Lärm und Risikobereitschaft. Und so lange nichts passiert, holt die in diesem Land auch niemand vom Bock. Und wenn etwas passiert, dann war es folgenlose „unangepasste Geschwindigkeit“ und ein „bedauernswerte Familienvater als Unfallopfer“ mehr. Dann spendiert Vater Staat Plastikpylonen, rasiert Bäume ab und installiert Unterfahrschutz, damits beim nächsten Mal nicht wieder Tote gibt. Jetzt können Sie sich wieder empören, dass da einer lebensrettende Installationen anprangert. Ich prangere nur an, dass für die Raser alles getan wird, aber für die Anwohner (belästigt, gefährdet, verspottet) nichts!

        • Betel Javer sagt:

          „Jetzt können Sie sich wieder empören, dass da einer lebensrettende Installationen anprangert. Ich prangere nur an, dass für die Raser alles getan wird, aber für die Anwohner (belästigt, gefährdet, verspottet) nichts!“

          Leitplanken werden zur Erhöhung der Sicherheit von PKW-Lenkern installiert. Für „Raser“ wie normale Autofahrer gleichermaßen. Für Menschen die auf einem Motorrad unterwegs sind stellen diese Leitplanken aber ein erhöhtes Verletzungsrisiko dar. Aus diesem Grund werden Unterfahrschütze angebracht.
          Das Ziel ist mich morgends zu schützen wenn ich in meinem Auto fahre und mich abends nicht zu gefährden wenn ich mit meinem Motorrad unterwegs bin.
          Das stellt einen Kompromiss dar.

          Hier wird nichts für Raser getan, sondern etwas, das auch zu ihrem Schutz angebracht wurde, für einen anderen Teil der Verkehrsteilnehmer entschärft.
          Die Leitplanke an sich, die für viel Geld in einer Kurve in der Pampa installiert wurde stellt quasi schon etwas dar, was für sie als Anwohner getan wurde…
          Jetzt anzuprangern, es müsse erst noch etwas zusätzlich für sie getan werden, bevor man die selbe Sicherheit die sie als Autofahrer geniessen, allen Verkehrsteilnehmern sichert, ist für mich fragwürdig.

  4. Tommy sagt:

    Wenn man hier schon die Verantwortungslosigkeit und den tragischen Unfall aus Köln (Über den ich erst kürzlich einen TV Bericht gesehen habe) so dermaßen ausschlachtet und sich beschwert, dass bei Geschwindigkeitsmessungen bei Motorradfahrern und Autofahrern mit zweierlei Maß gemessen wird, dann frage ich mich: Warum wird denn hier bei Unfällen zwischen Autofahrern und Motorrädern auch so gerne mit zweierlei Maß gemessen?

    Das, was in Köln passiert ist, war verantwortungslos. Genauso verantwortungslos ist es, wenn Autofahrer Motorradfahrern ohne jegliche Rücksicht die Vorfahrt nehmen und dann die Schuld auf den Motorradfahrer schieben.

    Und ich kann das verdammte Argument „Ich habe ihn nicht kommen sehen, der war bestimmt zu schnell“ langsam echt nicht mehr hören. Wenn ich alle paar Wochen in der Zeitung lese, dass Autofahrer an Kreuzungen sogar 40 Tonnern die Vorfahrt nehmen, da frage ich mich: Kommt da dann auch die Begründung, dass der LKW zu schnell und nicht zu erkennen war?

    Nein. Das sind dann nur „tragische Unfälle“, weil man bei einem LKW im Gegensatz zum Motorrad keine Entschuldigung für die eigene Unachtsamkeit und die Rücksichtslosigkeit finden kann. Ich denke mir jedes mal: Gott Sei Dank wars ein LKW und kein Motorrad, denn so bleibt der Unschuldige in den meisten Fällen unverletzt und es erwischt nur den Verursacher. Bei einem Motorrad ist es leider anders rum, der Unschuldige stirbt oder ist schwer verletzt und der Verursacher steht daneben.

    Die Saison läuft noch nicht mal einen Monat und fast jeden Tag lese ich auf Facebook oder in den Medien, dass wieder ein Motorradfahrer unschuldig in einen Unfall verwickelt wurde. Und anstatt sich die Frage zu stellen, wie das zu erklären ist, prangert man lieber die hohen Kosten an, die verletzte Motorradfahrer verursachen.

    Mir ist es alleine dieses Jahr schon wieder 7 Mal passiert, dass man mir die Vorfahrt genommen und mich dabei sogar angeschaut hat. Das ist nicht „Rasen mit Todesfolge“, das ist „Verantwortungslosigkeit und Fahrlässigkeit mit Todesfolge“. Und ich war in allen Fällen nicht zu schnell und wenn ich angeschaut werde, dann hat man mich kommen sehen. Aber im Ernstfall wäre ich trotzdem der doofe gewesen. Ich weiß nicht was in diesen Hirnen vor sich geht, wenn mich diese Art von Autofahrer wie ein Roboter anstarrt und im selben Moment das Gaspedal durchtritt. Aber ich kriege gleich wieder die Keule dafür, dass ich mit meinem Auspuff Menschenleben gefährde…

    Und mir dann hier anhören zu müssen, dass wir Motorradfahrer ja überall verschont werden, das sprengt mir hier grad echt meine Selbstbeherrschung. Als ob die Leute, die uns Motorradfahrer dafür hassen, dass wir im Stau schneller vorwärts kommen und vorne kein Kennzeichen haben diese Vorteile natürlich niiiiiemals zu ihrem Vorteil nutzen würden, wenn sie es könnten…

    • Siggi sagt:

      Gut geschrieben Tommy, dem kann ich nur beipflichten, ich bin sehr viel unterwegs, mit Auto sowie mit Motorrad.
      Immer wieder trifft man auf Pappenheimer die denken die Straße gehört ihnen alleine, was da manchmal an Rücksichtslosigkeit unterwegs ist, ist echt erschreckend.
      Ob man mit Auto oder Motorrad unterwegs ist, immer gibt es welche die einen übersehen…..oder übersehen wollen, am meisten wenn man mit Moped unterwegs ist, und dann gucken die einen an mit großen runden Augen…..total erstaunt, und nehmen ihr Handy kurz vom Ohr um mit dem Kopf zu schütteln…..immer wieder herrlich zu sehen.

      • Der Redakteur sagt:

        Lieber Thommy, lieber Siggi,
        das Phänomen heißt selektive Wahrnehmung. Die anderen machen die ganzen Fehler im Straßenverkehr. Nicht wir. Wir fahren nur Wheelie, im Stau vorbei oder mittendurch, meist zu schnell, überholen im Überholverbot, fahren Rennen auf öffentlichen Straßen, über durchgezogene Linien – und müssen immer wieder feststellen, dass die Leute im Auto mit dem Handy telefonieren. Die Linke zum Gruß! Victory bei 90 (in der Kurve)!

        • franz sagt:

          sehr gut argumentiert! Hut ab vor so viel rhetorischem Können.

        • Tommy sagt:

          Herr Redakteur,

          ich kann mich auch bei den von Ihnen aufgezählten „Verhaltensweise“ (Stereotype sind schon was feines) nicht daran erinnern, dass ich in irgendeinerweise einen anderen Verkehrsteilnehmer dazu genötigt hätte, wegen meiner Fahrweise zu bremsen oder auszuweichen. Dass man als Motorradfahrer beim Überholen natürlich öfter den Vogel gezeigt bekommt, weil der entgegenkommende Autofahrer voraussetzt, dass ein 170 PS Motorrad zum überholen genauso lange benötigt wie er mit seinem 45 PS Kleinwagen, das sehe ich mittlerweile als normal an. Besonders wenn der Gegenverkehr noch einen halben Kilometer entfernt ist wenn ich mich bereits wieder rechts eingeordnet habe und dann trotzdem mit der Lichthupe geblinkt wird. Scheinbar brauchen das manche Autofahrer, weil sie eben auch mal die Lichthupe benutzen wollen und es scheinbar sonst nirgendwo können. Selektive Wahrnehmung schließt für mich auch meine eigenen Fehler ein und ich kann mich nicht daran erinnern in den letzten Jahren so derbe Vorfahrtsverstöße fabriziert zu haben wie ich es wöchentlich von Autofahrern erlebe.

          Anyway, das Victory Zeichen beherrsche ich auch noch jenseits der 90 km/H. …auch in der Kurve. ;) Wie war das noch gleich mit den Stereotypen? „OOOh, die grüßen sich. Mich als Autofahrer grüßt keiner.“ Oder: „OOOh, die kommen im Stau schneller vorwärts als ich, ich muss warten.“ Der Motorradfahrer. Das personifizierte Böse im Straßenverkehr.

          An H.W. Geissler:
          Ich erlebe es (bei ca. 12.000km pro Saison) wie gesagt wöchentlich, dass mir die Vorfahrt genommen wird oder ich beim Überholen abgedrängelt werde und ich nur durch eigene Reaktion den Knall verhindern kann. Und dabei fahre ich vorausschauend.

          Aber die Autoindustrie reagiert ja Gott Sei Dank. Denn Dank „Totwinkel Assistenten“ nimmt man den Autofahrern ja jetzt endlich die Jahrzehntelange und unzumutbare körperliche Belastung, den Kopf nach links und rechts zu drehen, bevor man zum Überholen ausschert.

          Es wird ja auch Seitens der Verkehrserziehung alles getan. Tempolimits auf Autobahnen. „Bitte fahren Sie nicht mehr schneller als 120 km/h. Denn sie könnten ja die Mittelspurschleichenden Tempomatfahrer wecken, die es sich gerade so richtig schön bequem gemacht haben und sich so sehr aufs Fahren konzentrieren, dass sie die Welt um sich herum komplett ausgeblendet haben. Das Auto wird dank Spurhalte Assistent schon piepsen wenn man einschläft und beim Überholen kann man ja auch direkt rausziehen, denn das Auto wird ja auch piepsen wenn jemand neben einem ist. ;)

          Ich als Motorradfahrer finde es schlimm genug, dass sowas als „Innovation“ und dass es für Spurhalte- und Totwinkel Assistenten überhaupt einen Markt gibt, wo man ja eigentlich voraussetzen müsste, dass das jeder Führerscheininhaber auch ohne auf die Reihe bekommt…

          Aber so ist es halt. Der neue Slogan des Verkehrsministeriums: „Fahren sie einfach langsamer und denken sie für sämtliche Schnarchnasen mit, denen auch ihre Assistenzsysteme nicht helfen können. Denn leider können wir nur Geschwindigkeit und Lärm messen, für die Messung von Konzentration am Steuer fehlen uns leider Zeit, Geld, Personal und Technik.“

          • Der Redakteur sagt:

            Ich habe das Zurückgrüßen aus Lästigkeitsgründen schon vor 20 Jahren eingestellt. Ist keine Arroganz – ich möchte mich nur auf „meinen“ Verkehr konzentrieren. Ansonsten halte ich mich an den von Ihnen zitierten Rat des Verkehrsministeriums.

    • H.W. Geissler sagt:

      So unterschiedlich kann das Leben sein: Jetzt Mitte April und mir wurde die Vorfahrt noch nicht ein einziges Mal genommen. Ich kann mich auch im Vorjahr nicht einmal an einen einzigen Fall erinnern, dass man mir die Vorfahrt nahm (15.000 km Jahresfahrleistung). Vielleicht sind hier in BW weniger Vorfahrtdiebe unterwegs? Oder ich zähle nicht mit? Oder ich rechne damit, dass Oppas und Vertreter auch Fehler machen? Oder ich weiß, dass es nichts bringt, sich als Motorradfahrer in die Opferrolle mit Sonderrechten reinzusteigern.

      • Der Redakteur sagt:

        Bemerkenswert. Handelt es sich bei Ihnen wirklich um einen Motorradfahrer? Einen Motorradfahrer mit klarem Blick, statt Tunnelblick?

  5. Daniel sagt:

    Die Strafe ist für das Jugendstrafrecht sehr hoch. Man muss halt unterscheiden zwischen Erwachsenenstrafrecht und Jugendstrafrecht.

    „Anders als im Erwachsenenstrafrecht, bei dem die Bestrafung des Täters im Vordergrund steht, ist das gesamte Jugendstrafrecht maßgeblich vom Erziehungsgedanken geprägt. Der junge Mensch soll daher keine Bestrafung im eigentlichen Sinne erfahren, vielmehr wird versucht, mit den unterschiedlichen Sanktionsmitteln erzieherisch auf den Jugendlichen einzuwirken, um einer erneuten Straffälligkeit erfolgreich entgegen zu wirken.“

    Finde die Aussage von dem Pysochologen im Interview (http://www.motorradlaerm.de/wdr-hoerfunk-live-diskussion/) sehr passend. Man sieht die Dinge nur aus seiner persönlichen Sicht. Als Autofahrer sind Motorräder und Radfahrer die Rowdys. Als Radfahrer die motorisierten Fahrzeuge die Rowdys, etc.. Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen. Die meisten Motorradfahrer sind vernünftige Fahrer, die sich an die Regeln halten genauso wie die meisten Autofahrer vernünftig fahren. Finde die Beschuldigungen, dass mehr als 30% rasen und ihren Auspuff manipulieren einfach nur unsinnig. Darüberhinaus sind Sicherungsmaßnahmen der Strecken immer wünschenswert. Es kann auch aufgrund von Unachtsamkeit, Müdigkeit oder verschmutzungen der Fahrbahn zu Unfällen kommen. Kosten liegen hier übrigens bei gerade einmal 21 Euro pro Meter (http://www.motorradonline.de/motorraeder/report-unterfahrschutz/164968)
    Nicht alle (kaum einer mags hier glauben) sind rücksichtlose Raser. Die Raser sind ein winziger Teil und sollten nicht immer als Masse hingestellt werden.

    Gruß

    Daniel

    • Der Redakteur sagt:

      Ey klasse. Erst Leute totfahren und dann Jugendstrafrecht für sich beanspruchen. Drei Jahre keinen Führerschein? Dreoßig wäre hier passender.

      • Z750 sagt:

        Da bin ich voll und ganz Ihrer Meinung! Wer erwachsen genug ist, die Vorzüge der Volljährigkeit in Anspruch nehmen zu können, sollte per Gesetz von einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht ausgeschlossen werden! Auch beim „Strafmaß“ bin ich bei Ihnen.
        Wie ich vor einigen Tagen schon einmal sagte:
        Ihre Führerscheine würden diese „Helden“ auch von mir zurückbekommen. Am 31. Juni eines Jahres, dass sie sich selbst aussuchen dürften!

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