Große Schilder gegen großen Lärm

Motorradlärm Weserbergland e.V. zieht gemischte Bilanz zum Saisonende

Am letzten Wochenende der Saison fällt das Resümee, das der Verein bei einem Arbeitstreffen im Landkreises Holzminden am letzten Wochenende der Saison über die zurückliegenden Monate seit der Vereinsgründung im Frühjahr zieht, gemischt aus:

„Sehr erfreulich ist die Entwicklung unserer Mitgliederstruktur, die inzwischen auch Betroffene aus den angrenzenden Kreisen und sogar verschiedenen Bundesländern einbezieht“, so der Vorstand. Das mache deutlich, wie sehr die gesamte Region belastet sei. Es gebe bei vielen Anwohnern großen Leidensdruck, die froh sind, mit Mitbetroffenen aktiv werden zu können. Zudem sei die Vernetzung mit anderen Intiativen intensiviert worden.

Gespräche mit Vertretern von Behörden, Institutionen und Politik von Kreis- bis zur Europaebene, Fachleuten und Medien, aber auch der Austausch mit Motorradverbänden hätten in den vergangenen Monaten nicht nur dazu beigetragen, dass das Problem in der Öffentlichkeit „angekommen“ sei, sondern auch durch nützlichen Input zu einiger Sachkunde geführt. Es sei gelungen, Banner bzw. Schilder in einigen betroffenen Ortschaften zu platzieren, die Anschaffung mehrerer Lärmdisplay sei zugesagt. „Damit wird immerhin eine „Visualisierung“ des Problems erreicht, so z.B. auch durch diese von uns noch als Bürgerinitiative initiierte Schilder-Aktion mit dem ADAC, die jetzt zum Ende der Saison umgesetzt wurde.“ Gelöst sei das Problem indes aber noch längst nicht.

Ausdrücklich bedankt sich der Verein bei der Polizei für die intensivierten Aktivitäten an bestimmten Strecken in dieser Saison, die allgemein zur Kenntnis genommen würden. Anwohnern aber auch Lärmverursachern werde gezeigt, dass das Problem ernst genommen wird. „Dass Plakate und Polizei-Kontrollen alleine den Menschen aber noch keine nennenswerte Reduzierung des Lärmpegels in ihren Häusern und Gärten bringen werden, darüber sind wir uns im Klaren. Die Polizei tut mit Sicherheit was sie kann“, so Vorstandsmitglied Bartsch. „Die Wirkung der Verkehrsüberwachung ist aber flüchtig: Kontrollen sprechen sich einerseits in den Netzwerken blitzschnell herum, was zum Einen zu Ausweichverkehr und punktueller Verhaltensänderung führt.“ Andererseits seien viele Motorräder „legal“ laut und belästigend – und in der großen Masse nunmal ein Problem: „Was einige betroffene Anwohner auszuhalten haben, ist schlicht menschenunwürdig“, so E. Schatta.

Auch mit den Zielen des nachhaltigen Tourismus in der Region sei das kaum vereinbar. Wenn ganze Bereiche durch einen inakzeptablen Lärmteppich zeitweise zur „No Go Area“ würden, stelle das auch die Glaubwürdigkeit des Werbens der Tourismusverbände mit „Ruhe und Erholung in der Natur“ in Frage. Werde diese hohe Frequenz der Fahrzeuge nicht reduziert, und nicht auf ein weiteres Anwerben von immer mehr Motorrädern in der Region verzichtet, werde der Lärmpegel nicht sinken, ist man sich einig.

„Nach mehrjähriger Abwesenheit sind wir vor 3 Jahren hier in die Region in unser Haus zurückgekehrt. Nun müssen wir feststellen, dass sich die Situation grundlegend geändert hat: von einer normalen Straße im ländlichen Raum hat sich die Strecke zu einem Motorrad-Hotspot entwickelt, obwohl sie mitten durch das Landschaftsschutzgebiet führt,“ so einer der Teilnehmer, Anwohner der B241. M. Weiß fügt hinzu: wenn in einer Viertelstunde 97 Motorräder über die Weserbrücke in der Münchhausenstadt donnern, die auch Kurort ist, ist das weder sozialverträglich noch förderlich für unseren Tourismus. Nicht nur wir Anwohner sind genervt von dem ständigen Lärm, auch unsere Besucher und Urlauber sind alles andere als begeistert von Motordröhnen und Auspuffsound. „Das Verkehrsministerium hat uns letzte Woche aus erster Hand bestätigt, dass es für die lokalen Behörden durchaus Handlungsspielraum für Beschränkungen zum „Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen“ gibt.“

Dazu passt auch eine aktuelle Information aus dem Baden-Württembergischen Sulzbach, wo das nun im Sinne der Ortsansäßigen in die Tat umgesetzt werden soll. Sollte die Frequenz der Motorräder auch in der nächsten Sasion nicht beschnitten werden, müsse daher mit konkreten Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden, so der Vereinsvorstand.“

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