Pressemitteilung Motorradlärm Weserbergland e.V.
Betroffene fordern Umsetzung beschlossener Maßnahmen und Einführung des „Tiroler Modell“
Anlässlich des „Tags gegen Lärm“ formuliert der Verein Motorradlärm Weserbergland scharfe Kritik am Umgang des Landkreis Holzminden mit seinen Bürgern: Der Beschluss zur Durchführung eines Modellprojekts gegen Motorradlärm jähre sich bald zum dritten Mal – ohne dass nennenswerte Maßnahmen zum Schutz der Anwohner umgesetzt worden seien.
Drei weitere Jahre Stillstand beim Lärmschutz
Nach einer harsch geführten Kampagne aus Teilen der Biker-Szene seien Kreisverwaltung und Kreispolitik im Landkreis Holzminden eingeknickt, die Interessen der Motorrad-Lobby hätten sich zulasten der Anwohnerrechte weitgehend durchgesetzt. Trotz der erneut gefassten, nahezu einstimmigen Beschlüsse im Kreistag bleibe die Umsetzung faktisch weiter aus, während die Lärmbelastung unverändert hoch sei.
Einzig die „Lärmtrichter“ mit Tempobeschränkungen an einigen Ortsein- und -ausfahrten seien bislang umgesetzt worden – ein „nice to have“, das zwar den ein- und ausfahrenden Verkehr leicht beruhige, am Kernproblem jedoch nichts ändere: die große Menge an übermäßig lauten Motorrädern. Eine spürbare Entlastung für die Anwohner bleibe damit aus. Die ursprünglich vorgesehenen Maßnahmen seien faktisch entkernt worden.
Studien belegen hohe Lärmbelastung
Die Faktenlage sei eindeutig: Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre zeigten, dass ein erheblicher Teil der Motorräder aufgrund unzureichender technischer Rahmenbedingungen im realen Straßenbetrieb deutlich zu laut unterwegs sei. Das Problem sei bekannt, die Daten lägen vor – Konsequenzen folgten nicht.
Andere Regionen handeln konsequenter
Während andernorts längst Temporegelungen, Überholverbote oder Streckensperrungen umgesetzt würden, scheitere es im Landkreis Holzminden bereits an der Umsetzung einfachster, beschlossener Maßnahmen.
Beschlüsse ohne Wirkung – Vertrauen in demokratische Prozesse gefährdet
„Wenn demokratische Beschlüsse faktisch nicht umgesetzt oder entkernt werden, untergräbt das das Vertrauen in politische Prozesse und damit die Substanz demokratischer Beschlussfassung selbst“, so der Vereinsvorstand.
Kommunikation mit Bürgern unzureichend
Eine Kommunikation mit den Betroffenen finde praktisch nicht statt. Anfragen bei Kreistagspolitikern und dem zuständigen Dezernenten würden nur knapp oder ausweichend beantwortet, während die Lärmbelastung vor den Haustüren unverändert fortbestehe.
„So geht man nicht mit den eigenen Bürgern um. Wir fragen uns, in wessen Interesse hier eigentlich gehandelt wird“. Es bestehe zunehmend der Eindruck, dass keine ernsthafte Bearbeitung der Situation mehr stattfinde und die Betroffenen lediglich von Saison zu Saison vertröstet würden.
Forderung nach „Tiroler Modell“
Vor diesem Hintergrund fordert der Verein jetzt die sofortige Umsetzung des „Tiroler Modells“ mit einer verbindlichen Lärmgrenze von 95 Dezibel für Motorräder. Ziel sei es, besonders laute Motorräder wirksam aus dem Verkehr auf den belasteten Strecken herauszunehmen. Von Landes- und Kreispolitik sowie der Polizei sei wiederholt auf die Praktikabilität dieses Ansatzes hingewiesen worden. Kontrollen seien vergleichsweise einfach umzusetzen und gelten als wirksames Instrument, um den lautesten Teil der Motorräder gezielt zu reduzieren. Das zuständige Referat der Tiroler Landesregierung habe zudem Unterstützung bei der Umsetzung angeboten; die Umsetzung selbst sei fast kostenfrei möglich. Ebenso seien Klagen aus der Bikerszene nicht zu erwarten bzw. würden als nicht erfolgversprechend eingeschätzt: Auf EU-Ebene seien entsprechende Einwände bereits als nicht maßgeblich bewertet worden.
Motorradsaison startet erneut – Entlastung bleibt weiter aus
Die Motorradsaison nehme mit steigenden Temperaturen wieder Fahrt auf – ebenso wie der Ärger über Verwaltung und Kreispolitik, solange wirksame Maßnahmen weiterhin ausblieben. Der „Tag gegen Lärm“ zeige erneut deutlich: Lärmschutz im Landkreis Holzminden bleibe bislang Makulatur. Leidtragende seien die Anwohner, während die Motorradszene „ungestört“ weiter machen könne wie bisher.

Noch keine Kommentare