Lärmdisplays sehr gefragt

Baden-Württemberg geht voran: Hohe Nachfrage aus den Kommunen für Förderprogramm – Land unterstützt 23 Kommunen bei der Anschaffung von Motorradlärm-Displays – die Displays können Anwohnern über die Freibeweisregel rechtliche Möglichkeiten eröffnen

Den Motorradlärm eindämmen – mit Blick auf dieses Ziel hatte das Ministerium für Verkehr im Mai dieses Jahres ein Förderprogramm in Höhe von 130.000 Euro für die Anschaffung von Motorradlärm-Displays eingerichtet. Die Resonanz aus den Kommunen war so groß, dass der Fördertopf zwischenzeitlich deutlich aufgestockt werden musste, um alle Anträge zu bewilligen. 

Das Ministerium fördert nun insgesamt 28 Displays folgender 23 Kommunen, die dem Motorradlärm mittels präventiver Display-Anzeigen beikommen wollen: Baden-Baden, Baiersbronn, Beuren, Biederbach, Bietigheim-Bissingen, Donzdorf, Eislingen/Fils, Gaildorf, Gammelshausen, Heidelberg, Hohenlohe (Landratsamt), Hüfingen, Kernen, Loffenau, Lörrach (Landratsamt), Löwenstein, Mainhardt, Rottweil, Sasbachwalden, Sulzbach/Murr, Sulzbach-Laufen, Untergruppenbach, Wüstenrot. Das Ministerium unterstützt den Kauf der circa 15.000 Euro teuren Geräte mit je 4.000 Euro. Gefördert werden Städte, Gemeinden und Landkreise.

Für den Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein, ist die starke Nachfrage ein Zeichen dafür, dass sich die Kommunen Unterstützung im Kampf gegen Motorradlärm wünschen: „Ich freue mich über die große Nachfrage und bin dankbar, dass alle Anträge bewilligt werden konnten. Damit werden Motorradlärmdisplays in ganz Baden-Württemberg sichtbar. Vielen Motorradfahrern ist häufig nicht bewusst, wie viel Lärm von ihren Maschinen ausgeht und wie stark dieser die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen kann. Gerade die Langzeitfolgen von Lärm wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besorgniserregend. Lärm-Displays sind eine präventive Maßnahme und helfen nachweislich, Motorradlärm zu reduzieren und die Fahrer für das Thema zu sensibilisieren.“ 

Der Förderung waren 2015 und 2016 Pilotversuche mit Motorradlärm-Displays vorausgegangen, die auf Strecken im Hochschwarzwald, der Schwäbischen Alb und den Löwensteiner Bergen Motorradfahrer sensibilisieren wollten. Der Test war erfolgreich – eine Absenkung der Lärmwerte von Motorrädern im Mittel um 1,1 bis 2,2 dB(A) konnte nachgewiesen werden. Das Gerät, welches sowohl die Geschwindigkeit als auch den Lärmpegel misst, wurde in der Folge zur Serienreife entwickelt. 

Die Displayanzeigen sprechen Motorradfahrer konkret an und fordern sie zu einer rücksichtsvollen Fahrweise auf. Rechtlich-regulatorische Maßnahmen, um Motorradlärm wirkungsvoll einzudämmen, sind nach derzeitiger Rechtslage nur in engen Grenzen und unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich. Mit Motorradlärm-Displays können Motorradfahrende durch die unmittelbare und individuelle Ansprache zu einer moderaten Fahrweise und somit zu einer Reduzierung der Lärmbelastung angehalten werden.

Hintergrundinformationen

Motorradfahren liegt im Trend: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden 2018 in Baden-Württemberg insgesamt 24.858 Krafträder neu zugelassen und damit gut zehn Prozent mehr als 2017. Eine ähnliche Tendenz gibt es bereits für das erste Halbjahr 2019. Die Zahl der in Baden-Württemberg zugelassenen Motorräder stieg in den letzten 50 Jahren kontinuierlich an – und liegt 2019 bei 687.913 angemeldeten Fahrzeugen. Das Kraftfahrtbundesamt zählte Anfang 2019 bundesweit 4,44 Millionen Maschinen. 

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2 Kommentare zu “Lärmdisplays sehr gefragt
  1. Rainer Rau sagt:

    Politische Augenwischerei!! So wirkungsvoll wie das 70 – Schild hinter unserem Haus, wo oft weit mehr als das Doppelte gefahren wird. Die Industrie freut sich über eine weitere Geldverschwendung in ihrem Sinne, die Lärmer freuen sich über die Bestätigung der Leistungsfähigkeit ihrer asozialen P…verlängerungen. Rechtliche Grundlagen, enge Grenzen, Rahmenbedingungen: Das übliche Geschwafel, nichts Effektives machen zu müssen (wollen). Das könnte alles genau so schnell geändert werden wie die Krankenkassenbeiträge oder die Strom- und Trinkwasserpreise. Dieser Artikel ist so ziemlich das Übelste, was ich von offizieller Seite über dieses Thema gelesen habe. „…sind sich häufig nicht bewusst..“: Warum geben sie denn das Geld für den Lärmschwachsinn aus? „…können zu einer moderaten Fahrweise angehalten werden…“: Kenn ich so ähnlich auch von anderen Betrügern:“…kann zu neuem Haarwuchs führen“. Wer jetzt noch nicht merkt, dass Politik und Behörden nicht WOLLEN, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

    • Albrecht sagt:

      Bei solchen Meldungen könnte ich platzen!

      Es ist eine krasse Verschwendung von Steuergeldern, wenn die kfz-Industrie systematisch Lärmmonster auf die Straßen spült, noch dazu legal, und die Gemeinden wehren sich mit dümmlichen, sauteuren Smilies… in welch perverser Welt leben wir denn eigentlich?

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