Motorradlärm-Insiderbrille im Radio: SWR2 Forum hier nachhören

Im SWR 2 Forum Radio diskutieren Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer mit Motorjournalist und Motorradtester Clemens Gleich und Motorradlärmgegner Holger Siegel (BUND): Rund um Fahrverbote, Standgeräusch, Fahrgeräusch – und Herstellertricks. Interessantes Insiderwissen und Einigkeit in vielen Punkten: Die Dinger sind zu laut, viele Biker finden das gut und die Industrie sorgt dafür, dass die Fahrzeuge mit viel Schummelei eine Zulassung erhalten. Und der Verkehrsminister? Ein Totalausfall! Aus Bayern. Hier geht’s zur Sendung mit Moderator Gregor Papsch.

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12 Kommentare zu “Motorradlärm-Insiderbrille im Radio: SWR2 Forum hier nachhören
  1. Hannoveraner sagt:

    Ich hatte mir ehrlicherweise mehr erhofft von der Radiodiskussion….
    Es kommen 1 Journalist/Fachexperte und 2 Interessenvertreter zusammen.
    (Herr Lenzen und Herr Siegel haben sicherlich auch Kenntnisse im Fahrzeugbereich, aber sie sind primär als Interessenvertreter aufgetreten und haben die technischen Erläuterungen Herr Gleich überlassen.)

    Die Maschinen sind lauter als früher: Einigkeit.
    Zulassungskriterien müssen überarbeitet werden: Einigkeit.
    Der Gesetzgeber muss aktiv werden: Einigkeit.
    Die 80db Maximalgrenze ist nicht möglich: Einigkeit.
    Diese 4 Punkte hätte man in 5 Minuten abfertigen können.

    Nun aber zum Thema der Sendung: „Was hilft gegen Motorradlärm?“.
    Wie sollen die neuen Zulassungskriterien aussehen?
    Keine näheren Ausführungen. Nur das die Klappenanlagen (richtigerweise) nicht mehr zulassungsfähig sein sollen.
    Wie laut sollen/dürfen neue Fahrzeuge in Zukunft sein, wie sehe ein neues, praxisnahes Messverfahren aus etc:
    ->keine Ausführungen.

    Welche Maßnahmen außer Sperrungen kommen in Betracht?
    Welche Wirkung konnte mit bisherigen Maßnahmen erzielt werden bzw. woran scheitern die derzeitigen Maßnahmen?

    Herr Lenzen spricht Sozialkontrolle durch die aufgekommene Diskussion an, Herr Siegel von Standgeräuschen.
    Alle verbleiben dass der Gesetzgeber aktiv werden muss.
    Nachrüstmöglichkeiten für Motorräder wurden angesprochen, aber welche Möglichkeiten hier bestehen, welche Wirksamkeit diese haben: anscheinend keine Diskussion wert.

    Und nun zum Kernstreitpunkt der entbrannten Debatte:
    die möglichen Sperrungen in besonderen Fällen.
    Herr Siegel spricht von ultima ratio, Herr Lenzen von Diskriminierung.

    Wann soll diese Ultima Ratio Anwendung finden?
    Welche und wie viele Maßnahmen müssen vorher wirkungslos geblieben sein?
    Welche Lärmgrenzwerte müssen überschritten sein?
    Wo könnte die Kompromissgrenze/der Interessenausgleich von Anwohnerschutz, Eigentumsschutz (Häuser der Anwohner und der derzeitige Bestand an KRADs) liegen?
    Was gilt als laut oder normal?
    Welches Maß an Verkehrslärm muss vom Individuum hingenommen werden in einer mobilen Welt?
    Unbeantwortet.

    Herr Gleichs Beiträge über Reifenabrollgeräusche und Lärmentwicklung verschiedener Fahrzeuge, die Auswirkungen von Massentourismus, das „Sounddesign“ der Hersteller und eine hypothetische Lärmbegrenzung des gesamten motorisierten Verkehrs, waren für mich der einzig interessante Teil der gesamten Diskussion, da sie sich mit den sozialen und technischen Ursachen des Problems befasste.
    Leider wurde von den beiden Interessenvertretern nur mit „Der Gesetzgeber muss aktiv werden/die Tricksereien müssen stoppen/da muss was getan werden“ darauf eingegangen.

    In der Corona Krise wurden die Fragen zu Lösungszenarien an Mediziner, (Fach-)Politiker und Soziologen gestellt anstatt Erfahrungsaustausch von Bürgern in den Vordergrund zu stellen.
    Warum werden nicht endlich TÜV Prüfer, Ingenieure, Grundrechtsexperten, Soziologen und Akkustiker o.ä. an einen Tisch geholt?
    Es liegen mittlerweile dutzende Gutachten zur Lärmbelastung vor. Warum werden die Ergebnisse der Studien nicht diskutiert? Warum werden Lösungsszenarien zwischen den Interessenverbänden nicht diskutiert?

    Die gesamte Sendung war für mein Empfinden eine Verschwendung von Potenzial.

  2. NV sagt:

    Es ist doch erhellend, wie auch die Motorradseite plötzlich zugibt daß die Motorräder immer lauter werden. Wir müssen die Forderungen wie Streckenverbote und Zulassungsentzug noch mehr Nachdruck verleihen. Nur unter Druck entstehen Diamanten!

  3. Hendrik W. sagt:

    Also ich verstehe nicht, warum Herr Gleich vorschlägt dass die Lärmnorm aus Gerechtigkeitsgründen für alle vom PKW bis LKW und Motorrad gelten soll. Bisher gelten doch für Motorräder Sonderrechte, sie dürfen deutlich lauter sein als PKW. Und es ist auch falsch, dass laut gleich laut ist, egal ob Abrollgeräusch oder Auspuff. Die Rauigkeit und Lästigkeit des Auspuffgeräuschs ist wissenschaftlich untersucht nicht mit dem Sonoren Abrollgeräusch eines PKW vergleichbar, auch wenn beide 80 Dezibel haben.

    • Reto sagt:

      Da ist was dran. Aber in jedem Motorradfahrer sitzt tief innen drin so ein kleiner Diskriminierter. In seinem Beitrag auf heise.de liest sich das auch ganz anders mit der Gleichberechtigung. Da beschreibt er dass von Diskriminierung keine Rede sein kann, was die Sonderrechte der Biker angeht: heise

  4. Rainer Rau sagt:

    Jetzt ist es offiziell:

    Bei SPON sagt ein Motorradpolizist, dass etwa EIN Prozent bewusst und gewollt zu laut sind. Noch Fragen?

    • Reto sagt:

      Der Rest in dem Artikel trifft aber den Punkt. Umkehrschluss: 99 Prozent stören sich eben nicht daran, dass sie laut sind.

      • laermgegner sagt:

        Ganz ohne Wertung wie realistisch diese Zahlen einzuschätzen sind: Ihre Aussage ist falsch.

        Der logisch korrekte Umkehrschluss auf „etwa EIN Prozent bewusst und gewollt zu laut sind“ wäre:

        99 Prozent sind nicht zu laut, nicht bewusst zu laut oder nicht gewollt zu laut.

    • Rossi sagt:

      Ja, natürlich noch Fragen…
      selbst wenn sich das auf Messungen nach den viel zu hohen bzw. lauten Eintragungen / Normen bezieht glaube ich aus täglicher bzw. wochenendlicher Erfahrung nicht, daß die „bedauerlichen Einzelfälle“ nur 1% ausmachen.
      Aber ich glaube durchaus, daß sicher einige zwar nicht unbedingt „gewollt zu laut“ sind, sondern es ihnen schlicht und einfach egal ist, daß sie eine krachlaute Fräse durch den Schwarzwald juckeln („Die ist halt ab Werk so laut“ etc.).
      Mir geht aber der Krach ganz unabhängig davon auf den Zeiger, ob das jetzt „gewollt“ oder nur „billigend in Kauf genommen“ wird, wie es so schon heißt.

  5. Laut ist Out sagt:

    … auch das Interview aus der Badischen Zeitung mit Uwe Conrad, zweitem Vorsitzenden des Motorradclubs Ehrenstetten (bei Freiburg) ist sehr erhellend:
    https://www.badische-zeitung.de/biker-zur-motorradlaerm-debatte-diese-raser-gefaehrden-auch-uns-x1x
    Auszüge:

    „Radfahrer provozieren“ und gefährden Motorradfahrer … da durch die 2 Meter Regel „man kaum an ihnen vorbei“ kommt …

    Er fragt sich, „ob es einen großen Unterschied macht, ob an einem schönen Sonntagnachmittag dort fünfhundert Motorräder mit 80 Dezibel vorbeifahren – oder genauso viele mit heute völlig legalen 92 Dezibel.“

    Auf die Frage, ob ihn der Motorradlärm stört: „… Wenn ich mit dem Hund spazieren gehe oder wir mit der Familie eine Wanderung machen, dann stören mich zu laute und deutlich zu schnell fahrende Maschinen“ …

    Es wäre wirklich schmunzelnswert, wenn es nicht so laut wäre.

  6. Füchsin sagt:

    80db sollen also nicht möglich sein, selbst die sind doch immer noch störend laut. Mein Rasenmäher hat 75db, den darf ich sonntags nicht benutzen. Und auch 70db wären störend. Nicht einmal ein einziger Tag Rücksichtnahme wird einem gegönnt.
    Die Grausamkeit eines Geräusches lässt sich zudem nicht nur an den Dezibel festmachen. Das Kratzen mit Nägeln über eine Tafel wird von den meisten Menschen als schmerzhaft empfunden und erreicht nicht soviel Dezibel. Genauso ein Zahnarztbohrer.

    Mittlerweile bin ich für komplettes Motorradverbot. Und Haftstrafen bei Zuwiderhandlung. Meine Toleranz ist am Ende.

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