Straßenverkehr ist der Problemtreiber beim Lärm

Am Internationalen Tag gegen Lärm (29. April) unter dem Motto „Ich bin ganz Ohr“ fordern Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg Thomas Marwein schärfere Rechtsgrundlagen zum Schutz vor Lärm, insbesondere vor Straßenverkehrslärm.

Laut eines Berichts der Europäischen Umweltagentur (EEA) leidet jeder fünfte Europäer unter Lärm. Insbesondere der Straßenverkehrslärm macht vielen Menschen zu schaffen und gilt als Lärmverursacher Nummer 1. Europaweit sind laut EEA-Bericht schätzungsweise 113 Millionen Menschen von einer durch den Straßenverkehr verursachten Lärmbelastung jenseits von 55 Dezibel am Tag betroffen.

Logo der BW-Initiative mit über 90 Mitgliedsgemeinden.

Für den Verkehrsminister unterstreichen diese Zahlen das gewaltige Ausmaß von Verkehrslärm als Umweltbelastung: „Hier sind alle gefordert: Politik, Gesetzgebung, Planer, Forschung, Hersteller, aber auch jeder Einzelne von uns. Dem Schutz vor Lärm muss endlich der gebührende Stellenwert eingeräumt werden. Lärm mindert nicht nur unsere Lebensqualität, sondern kann auch ernstzunehmende gesundheitliche Folgen haben.“

Lärmrichtwerte müssen dringend gesenkt werden

Beim Lärmschutzbeauftragten schrillen ebenfalls die Alarmglocken: „Problematisch sind die besonders hohen Lärmbelastungen“, betont Marwein. „Aus der Lärmwirkungsforschung wissen wir, dass die Werte, die in Rechtsetzung und Rechtsprechung bislang als Schwelle einer verkehrslärmbedingten Gesundheitsgefahr herangezogen werden, zu hoch angesetzt sind.“ Die Werte von 70 dB(A) tags und 60 dB(A) nachts liegen etwa 15 Dezibel über den Empfehlungen der WHO. „Wir sehen dringenden Handlungsbedarf, diese Werte wenigstens um 5 dB(A) auf 65 dB(A) am Tag und 55 dB(A) in der Nacht zu senken“, so Marwein.

Erforderlich ist aber auch, dass der Straßenverkehr insgesamt leiser wird. Herrmann findet: „Es ist ein Unding, dass die vorhandenen technischen Potenziale genutzt werden, um Fahrzeuge vorsätzlich laut zu machen, auf der anderen Seite aber in Lärmschutzmaßnahmen investiert wird“. Dies gelte vor allem für Sportwagen und Motorräder. Hermann und Marwein fordern, Soundtasten und Klappenauspuffe, die nur dazu da sind, dass Fahrzeuge lauter werden, zu verbieten. „Die Unterwanderung des Lärmschutzes durch derartige technische Normen muss von der EU endlich unterbunden werden“, adressiert der Verkehrsminister.

Großes Potenzial, Fahrspaß und Landschaft ohne störenden Lärm zu genießen, schreibt der Lärmschutzbeauftragte Elektromotorrädern zu. Hier sind die Hersteller aufgerufen, echte Alternativen für umwelt- und lärmbewusste Bikerinnen und Biker auf den Markt zu bringen.

Initiative Motorradlärm: Land und Kommunen gehen gegen Lärm vor

Sonja Schuchter spricht für die Kommunen – sie ist Bürgermeisterin von Sasbachwalden.

95 Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg (Stand 29. April) sind bereits Mitglied der „Initiative Motorradlärm“. Sprecherin der Kommunen ist die Bürgermeisterin Sonja Schuchter aus Sasbachwalden im Schwarzwald. Sie setzt sich dafür ein, dass Motorräder leiser werden, Motorräder leiser gefahren werden und rücksichtsloses Fahren deutliche Folgen hat. Hierzu müssen alle auf verschiedenen Ebenen ihren Beitrag leisten: die Europäische Union, die Bundesregierung, Hersteller und Händler sowie Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer. Das Anliegen wurde bereits in den Bundesrat eingebracht.

Informationen zur Initiative Motorradlärm finden Sie auf der Internetseite des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg hier.

8 Kommentare zu “Straßenverkehr ist der Problemtreiber beim Lärm
  1. Michael Reinhard sagt:

    Ich finde es super, dass sich in BW etwas bewegt.
    Zumindest nehmen sich Politiker des Themas an.
    Hier in Hessen, speziell im Odenwaldkreis wird zwar kontrolliert und auch das eine oder schwarze Schaf erwischt.
    Man lobt trotzdem das gute und einsichtige Verhalten der Motorradfahrer und es seien ganz wenige zu laut oder zu schnell.
    Das passt aber ganz und gar nicht zum erlebten Lärm an den Wochenenden und in den Abendstunden.

    • Rainer Rau sagt:

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von denen aus eigener Erfahrung weiß, worum es geht. Viereinhalb Millionen zugelassene Motorräder, davon die Mehrzahl nicht sozialverträglich, werden die nicht vernachlässigen. Der Anteil, der nicht aus einem echten Bedürfnis heraus, sondern aus purer Lust am Lärmen und Rasen durchs Land prollt, ist halt auch stimmberechtigt, dazu kommen noch die Produzenten und Dealer des asozialen Equipments. Wir müssen dauerhaft noch deutlicher werden.

      • MokkaTeo sagt:

        Rainer Rau:
        Wir müssen dauerhaft noch deutlicher werden.

        Dem kann ich nur zustimmen.

        Im Bergischen ist das Thema wieder sehr stark in den Medien vertreten.

        Nach den letzten Wochenenden (siehe auch „Horror Sonntag in Radevormwald“)ist eine Flut von Proteststürmen in den hiesigen Ordnungsämtern und bei der Polizei eingegangen.

        Tatsächlich wurde dann reagiert. Kontrollen wurden wieder hochgefahren, neue Banner, Lärmpfosten etc. angeschafft bzw. aus dem Winterschlaf geholt. Der Sinn und Zweck der Lärmpfosten ist zwar umstritten, aber es geschieht zumindest etwas.

        Im Winter neigt man dazu, den ganzen Wahnsinn auf den Straßen zu verdrängen und ist dann im Frühjahr wie von der Keule getroffen, wenn es wieder losgeht.

        Gut, zu beschweren gibt es in den Monaten ja auch nicht allzu viel. Auch wenn die Zahl der nicht abgemeldeten Motorräder in der kalten (…) Jahreszeit zunimmt.

        Michael Reinhard:
        „Man lobt trotzdem das gute und einsichtige Verhalten der Motorradfahrer und es seien ganz wenige zu laut oder zu schnell.
        Das passt aber ganz und gar nicht zum erlebten Lärm an den Wochenenden und in den Abendstunden.“

        So schaut’s aus

        Das ist wohl auch das Problem, das die Lärmpfosten darstellen. Wenn alle Messungen auf einen konzentrierten Bereich addiert werden und dann ein Durchschnitt errrechnet wird, werden die Ergebnisse schon einmal verfällscht dargestellt:

        https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/motorrad-eifel-laermschutz-wirkung-100.html

        Ich behaupte nicht, daß diese Tafelnüberhaupt keinen Effekt haben. Aber ich glaube bei den bewusst lärmenden Verkehrsteilnehmern geht ihre Wirkung gegen Null.
        Einige Verkehrsteilnehmer gehen sicher vom Gas- vielleicht aus Angst vor Sanktionen, aus Rücksicht oder aus welchem Grund auch immer.

        Doch ob ein „Dankeschön“ oder „Smiley“ bei einem Lärmer oder Raser letztendlich zum Nachdenken bringt oder einen Begeisterungssturm auslöst, wage ich zu bezweifeln.

        Man kann dann natürlich davon sprechen, daß der Verkehrslärm zurückgegangen ist. Ergebnisse müssen erzielt werden und sollen die Bevölkerung ja auch milde stimmen und zeigen, daß etwas in der Richtung passiert.

        Doch die wahren Krawallmacher sind ja die, die einem das Leben schwer machen und nervtötend sind.
        Und die fahren meist unbeeindruckt an den Tafeln vorbei.

        • Rainer Rau sagt:

          Kontrollen sind nur sinnvoll, wenn festgestellte Verstöße wirkungsvoll sanktioniert werden, leider nicht im Sinne unserer Gesetzgeber und -anwender. Und was die Politik landes- und EU-weit als legal bewertet, ist an Unverschämtheit nicht zu überbieten. Bis in den Sumpf mal echte Bewegung kommt, sind unsere Nerven und Trommelfelle durchgescheuert. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die deutschen EU-Parlamentarier bei allen offensichtlichen Beeinflussungen die lobbyfreundlichsten sind.

          Die verfälschten Ergebnisse der Lärmmessungen kommen nicht von ungefähr, bei der Anwendung echter Ergebnisse käme man mit Augenwischerei nicht mehr weit.

          Die Flut von Protesten im Bergischen kann hier in RlP schon Neid auslösen. Hier fühlen sich die Betroffenen auch gestresst, sie checken aber erst die Umgebung ab und senken die Stimme, falls sie es zugeben. Ich hatte nach einem Leserbrief reichlich Ärger durch Raser und Lärmer, die für uns zuständige Polizei zuckt die Schultern. Der zweitgrößte Dr..ack in unserem Ort ist ein Eliten-Enkel – man kennt das ja: Doktor, Apotheker, Bauunternehmer… sowie einen Onkel bei der Polizei, den größten konnte ich noch nicht identifizieren, da er selbst innerorts zu schnell ist.

          Nach meinen Beobachtungen lösen bei vielen die Lärmdisplays höchstens Ehrgeiz nach mehr aus. Sie fühlen sich so sicher, dass es schon oberpeinlich ist. Viele Polizisten würden bessere Ergebnisse liefern, wenn sie die Möglichkeiten hätten.

          Vielleicht tut sich ja mal was in aufgeweckteren Landesteilen und RlP hängt sich dran, aber wir werden unter der Seuche wohl noch den überschaubaren Rest unseres Lebens zu leiden haben.

          • Maike sagt:

            „Und was die Politik landes- und EU-weit als legal bewertet, ist an Unverschämtheit nicht zu überbieten.“

            Ganz genau – volle Zustimmung!

            Tatsächlich kann man sich über diesen Krach nur wundern, den AMGs, BMW Ms und Audi RSs machen – ganz genauso wie all die Motorräder mit ihren Betrüger-Schallklappen!

    • Laut ist Out sagt:

      Leider variieren die Kontroll- & Sanktions-Aktivitäten in BW auch von Polizeipräsidium zu Polizeipräsidium – so zumindest mein persönlicher Eindruck.

      Im Bereich Offenburg gibt es da kaum ein Pardon während man es im Raum Freiburg eher locker sieht.
      Und: Die Polizei Freiburg dokumentiert das unglaublicher Weise auch noch hier:
      https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110970/4310562
      Zitat aus dem Bericht des Polizeipräsidiums Freiburg vom 30/06/2019:
      [… wurden zwei Motorräder festgestellt bei denen die zulässige Lautstärke der Auspuffanlage aufgrund vorangegangener unzulässiger technischer Veränderungen erheblich überschritten wurde. Beiden Fahrern wurde gestattet auf direktem Weg nach Hause zu fahren …]

      Als Betroffener, welcher unter dem schön-Wetter Lärm-Terror leidet, kann ich über die Entscheidung der Beamten nur den Kopf schütteln!
      Hier hätte ich mir ein sehr konsequentes Vorgehen gewünscht.

      Wenn aber vorsätzlich erzeugter Lärm immer noch als Kavaliersdelikt bagatellisiert wird, zeigt mir dies deutlichst die mangelnde und unzureichende Sensibilisierung mancher Beamten.

    • Roland sagt:

      Tja, auch ich wundere mich, über die Lärmbelästigung die Sonntäglich durch den Odenwald dröhnt und die jeweils positive Beurteilung der Polizei bei den Kontrollen. Sind doch viele Maschinen deutlich lauter als grosse Lkw. Da stellt sich schon die Frage nach dem Sinn des Lärms und welche Lobby dahintersteckt.

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