Tiroler Modell setzt Massstäbe: Weiterhin Fahrverbote für Krachkisten

Gemeinsam mit (v. links) Studien-Co-Autor David Schnaiter, Christoph Lechner und dem Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, präsentierte Ingrid Felipe im Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Studie zur Wirksamkeit der Fahrverbote für laute Motorräder im Bezirk Reutte.
Foto: Land Tirol/Gratl

Die im Tiroler Außerfern geltenden Fahrverbote für besonders laute Motorräder wurden nach der Pilotphase 2020 eingehend bewertet und auf ihre Wirksamkeit überprüft. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt von der Stellvertretenden Landeshauptfrau Ingrid Felipe präsentiert: „Die gesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung und finden auch bei der Bevölkerung im Außerfern große Zustimmung. Zudem ist die Anzahl der Motorräder um über ein Drittel zurückgegangen. Dies alles spricht für eine Beibehaltung der gesetzten Maßnahmen, auch in den kommenden Jahren.“ Die nun vorliegenden Studienergebnisse beruhen auf den erhobenen Verkehrszahlen im Geltungszeitraum von 10. Juni bis 31. Oktober 2020 und auf einer repräsentativen Befragung der anrainenden Wohnbevölkerung.

Auswertung der Verkehrsdaten

Wie schon bei der Motorradlärmstudie 2019 wurde auch bei der Evaluierung der Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB die vorliegenden Verkehrszahlen der fünf betroffenen Straßenabschnitte mit den Ergebnissen einer Umfrage bei 250 Personen in 19 Gemeinden im Außerfern verschnitten, wie der Vorstand der Abteilung Emission Sicherheitstechnik Anlagen (ESA), Christoph Lechner erläutert: „Wir haben dazu die Daten von fünf automatischen Dauerzählstellen im Zeitraum von 1. Juni bis 30. September ausgewertet. Insgesamt konnte eine Reduktion um durchschnittlich 36 Prozent – am Hahntennjoch sogar um 50 Prozent – an Sommersonntagen im Vergleich zu 2017 festgestellt werden, was einer Lärmpegelminderung bei den Motorrädern von durchschnittlich 2 dB entspricht.“ Mit in den Studienbericht aufgenommen wurden auch Aussagen zur Veränderung der Anzahl der Motorräder auf Grund der Pandemie, wie Lechner betont: „Die Coronapandemie hatte selbstverständlich auch einen Einfluss auf das Motorradaufkommen. Definitive Aussagen über die Höhe dieses Einflusses auf die Motorradanzahl auf den betroffenen Straßen sind allerdings nicht möglich. Die Einschätzung der Betroffenen dazu wurde hingegen mit einem eigenen Themenkomplex abgefragt und in die Studie integriert.“ Die Fahrverbote wurden im vergangenen Jahr mit Schwerpunkteinsätzen der Polizei mehrfach kontrolliert, wie der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann berichtet: „Die Zusammenarbeit mit der Landesverkehrsabteilung und den Bezirkskommandos Reutte und Imst hat hier hervorragend funktioniert. Die Zahl jener Motorradlenker, die mit zu lauten Motorrädern unterwegs waren, war im gesamten Geltungszeitraum konstant gering. Insgesamt wurden 8.917 Motorräder überprüft, wovon 135 gegen die Lärmverordnungen verstoßen haben. Allerdings gab es rund 800 sonstige Delikte wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, verbotenes Überholen oder ‚Kurven schneiden‘, die im Zuge der Kontrolltätigkeiten geahndet wurden.“

Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung

Die anrainende Bevölkerung entlang der beliebten Motorradstrecken wurde nach dem Auslaufen der lärmbeschränkenden Verordnungen zu den Auswirkungen der Fahrverbote, ihren Wahrnehmungen und zum weiteren Umgang mit lauten Motorrädern befragt, wie Studien-Co-Autor David Schnaiter zusammenfasst: „Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, dass der Motorradlärm in ihrer Wahrnehmung abgenommen hat. Nahezu gleich viele sprechen sich auch für die Beibehaltung der spezifischen Fahrverbote aus. Insgesamt steht eine deutliche Mehrheit den getroffenen Maßnahmen positiv gegenüber.“ Erfreulich ist die erreichte Rücklaufquote von 89 Prozent, die das Interesse der Bevölkerung am Thema widerspiegelt und eine hohe Repräsentativität der Studienergebnisse sicherstellt. „Bemerkenswert ist zudem, dass sich das Meinungsbild von Motorradfahrenden – immerhin knapp ein Drittel aller Befragten – in geringerem Ausmaß von den Nicht-Motorradfahrenden unterscheidet als vielfach angenommen“, hebt Schnaiter hervor. Die an der Befragung Teilnehmenden wurden auch zu möglichen weiterführenden Maßnahmen interviewt: „Unter anderem wünschen sich 81 Prozent aller Befragten – selbst 74 Prozent der Motorradfahrenden – gesetzliche Maßnahmen, um die Motorradhersteller zur Produktion von leiseren Motorrädern zu zwingen“, so LHStvin Felipe. „Um möglichst viele Menschen vor ungebührendem Lärm zu schützen, gleichzeitig aber den Motorradbegeisterten nicht mit partiellen Fahrverboten das Fahrvergnügen zu nehmen, braucht es klare Vorgaben für die Hersteller. Darüber habe ich auch bereits mit Interessensvertretungen der Motorradcommunity und der Industrie gesprochen, wobei wir uns einig waren, dass dies der Weg für ein lärmärmeres Miteinander auf und entlang der beliebten Motorradstrecken sein muss.“

Fahrverbote werden von 15. April bis 31. Oktober eines jeden Jahres gelten

Ingrid Felipe

„Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, unabhängig von den erheblichen Einflüssen der Coronapandemie auf das Verkehrsaufkommen, die gewählte Vorgehensweise der vergangenen Pilotsaison, weshalb wir die Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB vom 15. April bis 31. Oktober eines jeden Jahres auf den fünf Straßenzügen mit einer Gesamtlänge von 126 Kilometer verordnen“, betont Felipe. Das dazu notwendige Ermittlungsverfahren startet mit dem heutigen Tag.

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7 Kommentare zu “Tiroler Modell setzt Massstäbe: Weiterhin Fahrverbote für Krachkisten
  1. Krachbiker wider Willen sagt:

    Aha, schau an!

    Kaum werden zum ersten Mal echte Maßnahmen ergriffen, schon wird die Industrie dialogbereit. Was für eine Saubande von skrupellosen Betrügern!

    Das alles erinnert nur noch an den Abgasbetrug!

  2. Martin Mittelmann sagt:

    Ich bin Mototrradfahrer und Befürworter vieler hier gestellter Forderungen. Allerdings sind die Redakteure dieser Seite ebenso unsachlich und unehrlich wie es so mancher Mopedfahrer oder die Industrielobby ist.

    Zitat von eurer Seite: „Die beiden Werte in der Zulassung eines Motorrads (Stand- und Fahrgeräusch) dienen eigentlich dazu, dem TÜV oder der Polizei die Überprüfung zu ermöglichen, ob das Fahrzeug manipuliert wurde. Über den Lärm, den das Motorrad produziert, sagen beide Werte so gut wie nichts aus. Und auch die sinnvolle Überprüfung ist anhand dieser Werte so gut wie ausgeschlossen.“

    Dass in Tirol aber eben das Standgeräusch für die Maßnahmen herangezogen wird, interessiert euch in diesem Artikel zu Tirol nicht mehr. Weiterhin unterschlagt ihr, dass der Autoverkehr in den fraglichen Gebieten (Reutte, Imst) in gleichem Maße zurückgegengen ist wie der Motorradverkehr.
    Selbst wenn es anders wäre: Es wurden keinerlei Lärmmessungen zur Überprüfung der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen durchgeführt. Es wurden lediglich Zählungen und individuelle Eindrücke von Anwohnern für die Beurteilung herangezogen.
    Die Verlängerung der Maßnahmen in Tirol passen euch hier ideologisch in den Kram. Argumentativ sauber vertreten lassen sie sich nicht.
    Anderes Thema: Die Forderung nach einer Halterhaftung bei Verkehrsübertretungen ist unter rechststaatlichen Gesichtspunkten äusserst fagwürdig. Der Täter muss für seine Tat bestraft werden. Und nicht irgendeine Person, nur weil sie sich leichter ermitteln lässt.
    Ausserdem wird schon seit jahren „doppelgeblitzt“ was die Identifikation der Fahrer in den meisten Fällen ermöglicht.
    Ich finde das gut und richtig.
    Seid ehrlich: Diese Seite wünscht sich nicht weniger Motorradlärm sondern die Verbannung von Motorrädern aus dem Strassenverkehr ganz allgemein. Dieser Artikel zum Thema Tirol zeigt deutlich, dass der schachlich faire Anstrich dieser Seite pure Heuchelei ist. Sorry, ihr erweist einer Sache der sich viele Motorradfahrer anschließen könnten einen Bärendienst.

    • Reto sagt:

      Wenn man nichts besseres hat, dann sollte man auch suboptimale Methoden anwenden. Ein Standgeräusch >95 ist jedenfalls ein gewichtiges Indiz dafür, das hier ein extrem lautes Motorrad steht.

    • Rossi sagt:

      „Seid ehrlich: Diese Seite wünscht sich nicht weniger Motorradlärm sondern die Verbannung von Motorrädern aus dem Strassenverkehr ganz allgemein.“

      Sehr schön – zuerst einen Strohmann aufbauen, um ihn dann …

      „Dieser Artikel zum Thema Tirol zeigt deutlich, dass der schachlich faire Anstrich dieser Seite pure Heuchelei ist. Sorry, ihr erweist einer Sache der sich viele Motorradfahrer anschließen könnten einen Bärendienst.“

      … zu verbrennen.

      Mal ganz davon abgesehen, daß ich mir nicht vorschreiben lasse, was ich mir wünsche. Motorräder sind mir im Prinzip egal, was mich stört, ist der verdammte Krach. Und ich wünche mir, daß dieser verschwindet. Fertig, aus.

      • Andreas Jäpel sagt:

        Ich schließe mich dem an: Es geht nicht um die Motorradfahrerei als Motorradfahrerei- es geht um den elendlichen Lärm den die großen Kinder machen müssen, weil ihnen irgendwas anderes im Leben zu langweilig ist.

        Es gab eine Zeit, da hatte sich die Industrie selbst auferlegt, Maschinen nicht zu laut zu bauen.
        Schaut euch eine alte Honda PanEuropean an, eine Yamaha FJR 1300, alle die großen erwachsenen Maschienen.
        Die fahren quasi flüsternd an einem vorbei.

        Da ging es halt noch drum sich angenehm mit dem Motorrad durch die Welt zu bewegen, was zu sehen, was zu genießen.

        Heute fehlt manchen der Kick im Leben, weil Mami früher schon alles gemacht hat, alles aus dem Weg geräumt hat und nun stehen die Nasen da und suchen den „Thrill“ im Leben, indem sie einen auf Valention Rossi machen und wenigstens durch Gelärme Aufmerksamkeit zu bekommmen.

        So erscheint es mir heute am 30.März, im Hamburger Osten am Deich.

        Wenn die nur den EQ so hoch hätten wie die Dezibel, dann könnten wir sogar noch stolz auf die Knallkörper sein.

        Hoffentlich nimmt das bald ein Ende- ich bin schon krank geworden und werd von hier wegziehen.

        Die Polizei tut hier draußen nichts wirkungsvolles und scheint auch nicht wirklich an einer Änderung interessiert.

        Jaja, die „schönste Stadt der Welt“…

  3. Peter sagt:

    Verkehrsteilnehmer >95dB gehören zum Arzt nicht auf die Straße!

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