Die Todgeweihten, sie grüßen sich

Es ist schon nicht einfach, die Contenance zu behalten, wenn in Social-Media-Kanälen Mist verzapft wird. Besonders schlimm ist aber, wenn echte Journalisten sich das Recherchieren sparen oder aber über das reichweitenstarke Sprachrohr ihres Brötchengebers Halbwahrheiten in eigener Sache verbreiten. Jüngstes Beispiel: Computer-BILD Text-Chef Martin Seigel. Auch wenn er es nicht erwähnt: Er ist natürlich selbst Motorradfahrer und verkündet als solcher in einem Meinungsbeitrag in sieben Minuten das Ende der Freiheit – auf www.welt.de.

Ende der Freiheit zu Lärmen

Die Freiheit, um die es hier geht, ist die Freiheit andere Menschen akustisch zu schikanieren – an Gesundheit, Geist und Vermögen. In der Meinungsspalte der Zeitung lässt der Autor vom Stapel: Der Bundesrat wolle „das Motorradfahren am Wochenende eingeschränkt verbieten“. Mit dieser nahezu uneingeschränkt falschen Formulierung verbiegt er, dass der Bundesrat die Möglichkeit eröffnen will, dass Hotspot-Strecken in Einzelfällen und wenn alles andere versagt hat, auch aus Lärmschutzgründen befriedet werden – was bisher nicht möglich ist. Bisher müssen erst genug der Seigel’schen Freiheitsfreund*innen im Unterfahrschutz der Leitplanke ihr Leben lassen, um Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Sperrungen zu ermöglichen. Auch das (die Toten) ist bedauerlich – wird aber erstaunlicherweise als unvermeidlich hingenommen. So ist halt Freiheit!

Tagesgeschäft von Diktaturen

Aber ein fünftelwahres Geschribsel gemixt mit Scheisshausparolen, die sonst nur aus den demokratiefeindlichen Schmuddel-Ecken der AFD oder der Querdenker zu hören sind („Freiheiten einfach ganz abzuschaffen, gehört zum Tagesgeschäft in Diktaturen“) aktiviert natürlich die Massen der „anständigen“ Motorradgemeinde. Tausendfach wehren sie sich dann lautstark in Innenstädten, um (im Wortsinne) zu demonstrieren, dass Motorräder in den letzten 20 Jahren immer lauter geworden sind. Das sind sie wirklich, dank vieler Betrügereien von Herstellern und Zubehörindustrie (und nicht zuletzt dringend gewünscht von den Fahrern). Unreglementiert und unsanktioniert das Ganze – Scheuer sei Dank! Aber es sind ja nur ein paar schwarze Schafe, die Seigel als Bösewicht*innen identifiziert und nicht 30 Prozent, wie beispielsweise in Baden-Württemberg das Verkehrsministerium langzeitgemessen hat.

Sozialverträglich ist möglich – aber nicht gewollt

Wer sich an einen Hotspot stellt, wird neben viel bösem Lärm-Stumpfsinn auch erleben, dass Motorradfahren ohne das Schikanieren von Menschen technisch möglich ist – und deshalb nicht pauschal verboten werden muss. Nur das Schikanieren mit Maschinen, die teils überhaupt nicht mehr sozialverträglich bewegt werden können, muss verboten werden. Selbst beim Ausfahren aus der Garage weckt eine BMW S1000 RR das ganze Viertel. Wie übrigens auch die tollen Poser mit ihren Mercedes AMG.

Biker sind vulnerable Gruppe

So viel, so seltsam. Aber auf Folgendes muss man auch als BILD-Journalist erst mal kommen: In diesem an Plattheiten reichen Statement werden die Motorradfahrer in die „vulnerablen Gruppen“ eingeordnet, die von islamistischen Halbirren umgefahren und von „Wutbürgern“ durch Öl-Lachen ins Schleudern und in den Tod getrieben werden. Beides ist in der Tat einmal vorgekommen und ohne Frage verurteilenswert – dürfte aber nicht ansatzweise geeignet sein, die Statistik der Raserunfälle auf zwei Rädern zu verdrehen oder die Verantwortung für die Todeszahlen anderen in die Schuhe zu scheiben. Bei Rasanzunfällen ist die Unfallursache statistisch einwandfrei geklärt; sie liegt in der testosterongesteuerten Gashand der „vulnerablen Gruppe“ selbst und nicht beim Dschihad.

Knieschleifend die Linke zum Gruß

Außerdem erfährt man auf Welt.de auch noch, dass Motorradfahrer besonders aufmerksame und mustergültig rechtskonforme Zeitgenossen sind, die im Gegensatz zu Autofahrern nicht ständig WhatsApp-Nachrichten beim Fahren eintippen. Vielleicht ist Herr Seigel entgangen, was man auf jeder Motorrad-Strecke Tag für Tag beobachten kann: Es geht um den Bikergruß – besonders gern bei Schräglage in der Kurve oder beim Überholen mit 120 km/h. Auch der Normalkradler nimmt dabei (in den nicht seltenen Fällen der Begegnung mit einem Artgenossen) die linke Hand vom Lenker, formt mit den Fingern ein V (für Vulnerabel), schaut seinem entgegenkommenden Motorradkumpel in rasender Fahrt tief in die Augen und demonstriert, wie cool verletzliche Gruppen auch in physikalisch unstabilen Zuständen stabile Freundschaften pflegen – auch wenn der Tod nah ist.

35 Kommentare zu “Die Todgeweihten, sie grüßen sich
  1. Luzia B. sagt:

    Oh wie schön, immer die gleichen Klischees, immer die gleichen Hasstiraden, immer die gleichen Vorurteile gegenüber allen, die sich nicht dem neuen Mainstream unterwerfen und die Freiheit geniessen wollen in ihrer Freizeit mit dem Motorrad zu fahren.
    Aber vermutlich haben wir im Herbst eine qualifizierte Regierung, die uns den Rest an persönlicher Freiheit durch die Hintertür entzieht.

    • Armin Phelps sagt:

      Ja hoffentlich haben wir eine qualifizierte Regierung (und der Scheuer Andi und seine Vor-Vor-Gänger sind Geschichte)

    • Frank Stein sagt:

      Ja, der Mainstream. Die Meinstreammedien der Springerpresse inklusive. Verzapft immer nur Scheiss…

    • Rainer Rau sagt:

      Eine schöne Freiheit, die unzählige Andere erheblich stresst und krank macht.
      Es gibt Motorräder, die man absolut nicht wahr nimmt – eine kleine Minderheit.
      Die Masse rast und lärmt, es lässt sich nicht wegfaseln.

  2. BG sagt:

    Sorry, das ist Hetze a’la Eduard von Schnitzler, oder von „Öko-Faschistischen“

    • Armin Phelps sagt:

      Wo denn? Meinen Sie den Welt-Kommentar oder den unsrigen oder beides?
      Sollte man nicht eher von der Entlarvung von Stammtischparolen bei einem verdeckt arbeitenden Lobbyisten in einem Leitmedium reden?

  3. Ben S. sagt:

    Die Welt ist in Sachen Freiheit für Raser eindeutig positioniert. Wenn die Tempo 50 vor Kindergärten hören, rückt der Chefredakteur mit seinem Porsche aus und verteidigt seine Freiheit. Wie in so vielem ist die Welt vor allem aber ihre Leserschaft schwer erträglich. Wenn ich die Leserdiskussion zu Coronathemen lese, ist da die Aluhuttruppe und die Reichsbürgersippe vereint. Das ganze rechte Brackwasser schwemmt da an… Da hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert.

    • Luzia B. sagt:

      Gott sei Dank gibt es ja noch die taz, dort steht die Wahrheit !
      Ich war der Meinung, in diesem Forum geht es um das angeblich vorhandene „Problem“ Motorradgeräusche, die unterschiedlich wahrgenommen werden. Oder kommen jetzt alle in eine pauschale Schublade? Motorradfahrer,Querdenker,Aluhutträger,AFD Anhänger,und wer sonst noch von der neuen Diktatur abweicht?
      Allen Lesern einen schönen Tag, ich gehe jetzt Motorrad fahren.

      • Der Redakteur sagt:

        Luzis E-Mail-Adresse beginnt mit „donnervogel@…
        Und dann schreibt sie: „in diesem Forum geht es um das angeblich vorhandene „Problem“ Motorradgeräusche“
        Luzi: Nicht die Motorradgeräusche sind das Problem, sondern solche Typen wie Du.

        • SchlafenderHund sagt:

          Herr Redakteur, geht man so als Seitenbetreiber mit den verborgenen Daten der Kommentierenden um? Noch ein paar Mail-Provider durchprobiert (@gmail,com, @googlemail.com, @web.de, @gmx.de, @t-online.de sollten eine Trefferquote von über 90 % erzielen) und schon haben Sie die Identität veröffentlicht. Damit bringt man unsmarte Leute doch nur auf dumme Gedanken… muss das sein? Am besten noch die IP-Adresse dazu. Soviel Vertrauen darf man hier doch entgegen bringen oder…

          • Reto sagt:

            Ja, furchtbar. Dann könnte man der Person ein E-Mail schicken!
            Über Lärm klagen aber Datenschutz vernachlässigen!

  4. SchlafenderHund sagt:

    Nicht traurig sein wenn mal jemand mit „etwas“ mehr Reichweite als diese Seite eine ungeliebte Meinung äußert.

  5. Himmelmoos sagt:

    @ Luzia B. 25.4.2021 8:43 Uhr
    Bei diesem Kommentar denke ich an die alte Weisheit “Hochmut kommt vor dem Fall“. Zu ignorieren, dass zahlreiche Menschen sich von Motorradlärm in ihrer Gesundheit gefährdet sehen, zeugt von mangelnder Empathie, einem blinden Fleck in der Wahrnehmung und Unreife. Ausgerechnet die Wahrheit bei der TAZ zu finden!! (die Berliner Zeitung, bei der einer der Kommentatorinnen ungeniert Polizisten auf dem Müll verortete). Eine “ junge Wilde”? Einfach mal abwarten. Nach dem ersten Unfall oder falls sich Nachwuchs einstellt, setzt vielleicht ein Umdenken und Reifung bei Luzia ein.

  6. H. Gatt sagt:

    Es ist Wahlkampf!

    Da werden schon mal vorsorglich seitens des Autors die passenden Parolen herausgeholt, Sachverhalte gerne mal verdreht und in eigenem, passendem Sinn dargestellt.

    Nicht allein, dass diese Krachmacher und Stinker schon Furcht haben vor einem Grünen Verkehrsminister – und sogar womöglich grüner Kanzlerin!, jegliche notwendige und überlebenswichtige Umorientierung in ihrem Umweltverhalten (nicht nur in der Verkehrspolitik) bereitet ihnen Panik.

    Dass alles weiter geht wie bisher glauben auch nur diese Menschen! Sie möchten uns gerne auch zukünftig mit ihren überlauten Fahrzeugen in den Wahnsinn treiben und mit sinnlosem Umherfahren, gern im Rudel, die Umwelt mit billigem Sprit zerstören. Da es davon rd. 4 Millionen gibt, wäre ein Sonntagsfahrverbot ein großes Einsparpotential für Co2 und fördert die Gesundheit von Millionen Menschen.

  7. M.P. sagt:

    Ich bin aufgrund einer Reportage auf den Verein hier aufmerksam geworden und wollte mir das mal genauer anschauen was gefordert wird. Kurz eine Randbemerkung zu meiner Person, um der Vorverurteilung gleich mal auf die Sprünge zu helfen: ich fahre seit ich 18 bin, also seit 10 Jahren Motorrad. Meine aktuelle Maschine hat 177PS Leistung. Ich geb zu, ein Engel im Straßenverkehr war ich sicherlich nicht immer. Gerade in der Anfangszeit mit 18-20 wurde mir das ein oder andere mal der Vogel gezeigt (nicht unberechtigt). Die Jahre des jugendlichen Leichtsinns habe ich aber mittlerweile hinter mir.

    Ich kann die Anwohner prinzipiell verstehen. Ich selber wohne in Frankfurt. Bei uns sind es eher die Autoposer die für den entsprechenden Lärmpegel sorgen und das meist nachts.
    Mittlerweile bin ich also sensibilisiert und fahre in möglichst hohem Gang und niedriger Drehzahl in angemessener Geschwindigkeit durch die Ortschaften um so die Nerven der Leute zu schonen. Was ich auch noch nie verstehen konnte, sind die Motorradfahrer, die die selben 5km 30 mal am Tag fahren. Die Beschwerden darüber, für mich nachvollziehbar.

    Eine Vorverurteilung der Motorradfahrer als „Todgeweihte“, wie in diesem Artikel finde ich allerdings sehr abstoßend und für eine vernünftige Einigung hinderlich. So wie im übrigen auch die Stammtischparolen vieler Motorradfahrer. Wie in so vielen Debatten in unserem Land, ist auch in der um den Motorradlärm eine zunehmende Radikalisierung in der Sprache zu erkennen. Es werden radikal Verbote gefordert und der eigene Lebensstil als Blaupause für die Gesellschaft skizziert. Für eine eigentlich liberale Gesellschaft ein großes Problem. Im Artikel wird sich über die „Linke zum Gruß“ beschwert. Mir wäre nicht bekannt das der Gruß mal für einen Unfall verantwortlich gewesen wäre. Der Motorradgruß bedeutet mitnichten ein Symbol für „Vulnerabilität“ sondern ist Symbol eines Zusammengehörigkeitsgefühls, das es in kaum einem anderen Teil unserer Gesellschaft noch so gibt. Wenn ich auf dem Motorrad unterwegs bin, ist erst mal prinzipiell jeder andere Motorradfahrer mein Freund. Man hilft sich und ist direkt per Du, egal welche Partei man wählt, zu welchem Gott man betet, welchen Beruf man ausübt oder welches Geschlecht man hat. Was ich sagen möchte, mit uns kann man durchaus reden. Das erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit anderen Motorradfahrern.
    Leider ist es in gefühlt 90% der Fälle so, das man in einem Gespräch mit Anwohnern, Autofahrern, Fahrradfahrern etc. gleich Beleidigungen zu hören bekommt.
    Mir als Motorradfahrer passiert es des öfteren, das ich übersehen werde. Mittlerweile bin ich mir dessen bewusst und zu einem Unfall kam es zum Glück noch nie. Sicherlich ärgert es mich in dem Moment. Kommt es danach allerdings nochmal zum Gespräch rede ich vernünftig mit meinem Gegenüber. In fast allen Fällen entschuldigt man sich dann und wünscht sich eine gute und sichere Weiterfahrt. Man hat also sehr viel mehr erreicht und oft das Verständnis für die eigene Situation und auch die Situation des Gegenübers erlangt, als wenn man gleich die verbale Keule raushohlt.

    Ich wünsche mir eine vernünftige Kompromisslösung für beide Seiten. Das funktioniert aber nur indem man vernünftig redet und keine Lügen übereinander erzählt.

    Einer Hersteller seitigen Einschränkung des Lärms, im technisch umsetzbaren Maße, stehe ich bspw. offen gegenüber. Desweiteren werbe ich, soweit es mir möglich ist, für den vernünftigen Umgang mit der Gashand in besonder viel befahrenen und bewohnten Gebieten.
    Streckensperrungen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen nur für Motorradfahrer lehne ich aber generell ab. Gerade letztere ist mehr Gefahr für den Motorradfahrer als nutzen. Wer schonmal als Motorradfahrer einen SUV in 3m Abstand auf einer Landstraße hinter sich hatte, weiß wie bedrückend das ist. Wer dann auch noch mit 15Km/h zu viel geblitzt wird, weil man dieser Situation entkommen will, aber nicht beweisen kann das der SUV einen dazu genötigt hat, der möchte nur im Strahl kotzen, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

    • Armin Phelps sagt:

      Wo kann denn der Kompromiss liegen?

      • M.P. sagt:

        Wie im letzten Absatz ganz kurz angerissen. „Einer Hersteller seitigen Einschränkung des Lärms, im technisch umsetzbaren Maße, stehe ich bspw. offen gegenüber.“
        Soll heißen, die künftigen EU-Normen müssen insofern angepasst werden, dass die Lärmbelästigung für Anwohner deutlich reduziert wird, der Bau eines Motorrads aus technischer Sicht aber immer noch möglich ist. Das ist sicherlich keine leichte Aufgabe da zwischen Herstellern und den, ich nenne sie mal „Belästigten“ zu moderieren, aber genau das ist die Aufgabe der Politik an der Stelle. Vielleicht geht der nächste Verkehrsminister das ja mal etwas cleverer an.

        Für ältere Maschinen ist das natürlich schwer umsetzbar, das gebe ich zu.
        Ein Verbot von Zubehöhrauspuffanlagen könnte aber auch schon deutlich zur Lärmreduzierung beitragen. Die Dinger sind teilweise abartig laut. Da fragt man sich auch als Motorradfahrer wer da evtl. einen Geldkoffer für einen Stempel entgegen genommen hat damit die legal homologiert sind.
        Lärmmessungen beim TÜV sollten bei allen Fahrzeugklassen strenger werden. Die Toleranz beträgt aktuell 5DB. Dessen sind sich die Hersteller von Zubehöranlagen für Auto und Motorrad bewusst und reizen diese 5DB auch gnadenlos aus. 5DB bedeutet aber eine deutliche Erhöhung der wahrgenommenen Lautstärke. Das wäre als ob man auf der Landstraße bei Tempo 100, 30-40kmh Toleranz hätte.
        Wenn man hier die Toleranz streicht, ist vermutlich auch schon wieder ein Schritt in die richtige Richtung gemacht. So eine Toleranz ist ja schon der Witz an sich. Man schreibt vor ein Fahrzeug darf maximal, sagen wir, 85DB laut sein, aber mit einer Toleranz von 5DB. Also darf es faktisch 90DB laut sein. Dann kann ich auch gleich den entsprechenden den Wert da rein schreiben. Der Hersteller ist dann in der Pflicht und muss garantieren, dass bei einer Messung das Fahrzeug nicht Lauter als der angegebene wert ist.

        Und schlussendlich, gegen Manipulation hilft nur kontrollieren und härtere Strafen. Wenn Lärm, wie durch viele Untersuchungen bestätigt, zu gesundheitlichen Schäden führt, schädigt jemand mit einem manipulierten Fahrzeug also aktiv andere Menschen. Die Eignung ein Fahrzeug zu führen, darf also ruhig in Frage gestellt werden. Aktuell zahlt man lediglich 90€ und ist fertig.

        Diese Maßnahmen mögen aus Sicht vieler Anwohner und Anhänger dieser Bewegung vielleicht etwas schwach klingen. Für einen Motorradfahrer sind sie das sicherlich nicht. Auch da würde ich schon starken Widerstand erwarten. Wenn man sich aber erst mal darauf einigen würde, wäre vermutlich schon etwas gewonnen. Dann kann man nach einiger Zeit nochmal evaluieren ob die Maßnahmen hilfreich waren und anpassen wenn nicht.

        • Reto sagt:

          Hallo MP,
          unsere Hotspots liegen zu 70 bis 80 % an Ortsausgängen oder ortsnahen Lagen (+/- 3 km).
          Grundproblem: Im 5. Gang durch den Ort rollen alle/viele, aber manche/viele schalten am Ortsschild zwei Gänge runter und reißen den Hahn auf.
          Kompromissvorschlag?

        • Lutz sagt:

          Hallo MP, es ist so wie Reto es beschreibt. Meine Ortschaft ist jeweils zur nächsten 1 bzw . 2 km entfernt. Beim verlassen der Ortschaften wird beschleunigt dann mit Zwischengas herunterschaltet, das hört man schon von weitem. Das gleiche an Kreuzungen und das ist verdammt laut und nervt die Anwohner. Durch Corona, da viele in der Natur zum Wandern unterwegs sind, verstärkt sich die Wahrnehmung über solches Verhalten. Vielen wird jetzt bewusst, warum sich Anwohner darüber beschweren und verstehen ihre Kritik. Vor allem Harley Fahrer mit ihrem lauten dumpfen Sound, wenn sie an Kreuzungen los fahren und dann schnell beschleunigen ist sehr laut. Zum eigenen Schutz tragen einige Gehörschutz, warum wohl!
          Und hier muss die Politik einschreiten, Motorrad fahren geht auch leiser.

  8. Hermann sagt:

    @MP
    So wie Sie die Dinge beschreiben nehme ich Ihnen das Problembewusstesein durchaus ab.

    In Ihrem ersten Beitrag schreiben Sie: „Mittlerweile bin ich also sensibilisiert und fahre in möglichst hohem Gang und niedriger Drehzahl in angemessener Geschwindigkeit durch die Ortschaften um so die Nerven der Leute zu schonen.“

    Im Umkehrschluß liegt es aber nahe, dass Sie auf dem Land kein (grösseres) Problem mit dem Lärmen haben. Gerade dort ist aber oft das Problem am grössten, da i.B. in Tälern und offenen Landschaften die Kisten meilenweit donnern.
    Ich kenne Sie und ihr Motorrad nicht, so wie Sie die Dinge aber schildern scheint für mich Ihre Selbstwahrnehmung und die Realität etwas auseinander zu klappen (und damit wären Sie nicht allein).

    Nur so….

    • M.P. sagt:

      @Hermann
      Ich würde nicht hier schreiben und mich mit dem Thema auseinander setzen, wenn ich nicht ein Bewusstsein für das Problem hätte.

      Sicherlich fahre ich außerhalb von Ortschaften dynamischer, das bestreite ich gar nicht. Allerdings mit der originalen Auspuffanlage. Inwieweit das dann für Ihre Ohren okay ist, vermag ich nicht einzuschätzen.

      Wie auch immer, die von Ihnen geäußerte, nicht belegbare Äußerung über meine Selbstwahrnehmung, ohne ansonsten weiter auf den Rest des Textes Bezug zu nehmen, macht es leider äußerst schwierig ein vernünftiges Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Für Sie bin ich ganz offensichtlich der Feind oder zumindest Teil des Problems. Vielleicht etwas vernünftigerer als der Rest, aber dennoch. Das sich mit so einer Haltung die Fronten nur verhärten können ist natürlich klar.

      Aber vielleicht entsteht ja doch noch ein sinnvolles Gespräch. Ich frage mal ganz konkret, ob Sie es nicht auch unangebracht finden, dass auf manchen Strecken Motorradfahrer derart langsam fahren müssen, dass sie zum Verkehrshindernis werden und sich der Nötigung durch andere Verkehrsteilnehmer aussetzen lassen müssen, wie in meinem ersten Beitrag geschrieben? Ist es das was sie fordern? Denken sie, dass ihr Lärmproblem dadurch aus der Welt geschafft wird?
      Ich denke, die Motorradfahrer, die auf diesen Strecken heizen wollen, machen es trotzdem sobald sie sehen, dass keine Polizei zum kontrollieren da ist. Der Rest wird schikaniert.

      • Reto sagt:

        Machen Sie sich mal keine Illusionen: Mit 177 PS sind Sie Teil des Problems. Und wir können jetzt natürlich so tun als wären Sie Rotkäppchen, damit wir uns an Ihnen wundschreiben können. Aber das ist genau das Problem auch der wohlmeinenden Bikergemeinde. Sie meinen ja wirklich, es seien immer die anderen und Sie persönlich hätten ihre 177 PS lärmtechnisch im Griff. Das ist leider nicht so und leider bringt es auch nichts, mit Ihnen unter dieser Ihrer Prämisse (Sie seien Rotkäppchen) zu diskutieren… Zum zivil und sozialverträglich rumgondeln sind 177 PS leider völlig daneben.

  9. Hermann sagt:

    @MP

    Ist Ihnen der Konjunktiv in meiner Satzbildung aufgefallen ?
    Daneben gilt aber auch auf was Reto schon anspielt.
    Ich habe ebenfalls grösste Probleme zu glauben dass ein 177 PS Motorrad zum ‚leise fahren‘ gekauft wurde, aber nochmals ich kenne sie und ihr Motorrad nicht.

    Eines kann ich aber mit Gewissheit sagen, nämlich dass moderne Motorräder gezielt die Prüfnormen erkennen – um sie zu umgehen. Deshalb ruft bei mir ihre Anmerkung dass ihre Anlage ‚legal‘ wäre nur ein Achselzucken hervor.

  10. M.P. sagt:

    Tja schade, außer Beschuldigungen kommt nichts. Die Fragen blieben unbeantwortet. Stattdessen wird sich, wie ja schon in meinem ersten Beitrag vermutet, an den 177PS aufgehalten. Mein erstes Motorrad mit 18 hatte übrigens 34PS, war Baujahr 98, war langsamer und dennoch lauter. Lautstärke korreliert also nicht mit der maximal abrufbaren Leistung einer Maschine und modern ist nicht lauter ;)

    Aber es war dennoch recht aufschlussreich für mich. Es zeigt sich, dass hier nicht ernsthaft versucht wird in Dialog zu treten und Kompromisse zu suchen, sondern anderen Leuten das Hobby zu verbieten das man selbst so sehr hasst.

    • Reto sagt:

      Ich hasse nicht Ihr Hobby. Ich hasse Knalltüten.

    • Henni sagt:

      Also MP, für mich sieht das so aus.
      Der Problembär sucht die Absolution im Dialog:
      „Prämisse Herr Pfarrer, ich möchte nicht vorgehalten bekommen, dass ich ein Sünder sei…“
      „Aber mein Sohn, worin besteht denn der Dialog oder der Kompromiss?“
      „Dass ich mit Euch überhaupt rede!, aber das geht ja mit Euch nicht!“

      • M.P. sagt:

        Es wird immer lächerlicher. Ich brauche weder ihre Absolution noch einen Pfarrer.
        Es kam die Frage auf, was mein Kompromissvorschlag wäre. Ich habe geantwortet. Auf die Antwort wurde nicht Stellung bezogen.
        Ich habe gefragt, ob sie der Meinung sind, dass es okay ist Motorradfahrer langsamer fahren zu lassen als Autos, auch wenn diese dann gefährdet werden. Keine Stellungnahme.

        Antworten sie doch einmal vernünftig und lassen Sie die sinnentleerten Kommentare zur Pfarrer und Problembär.

        • Reto sagt:

          Ich finde Streckensperrungen viel besser als die von Ihnen kritisierten Geschwindigkeitsbgegrenzungen. Auch wenn sicher beides dagegen helfen könnte, dass sich Fahrer von 177 PS-Motorrädern das Hirn einrennen. Darin liegt mehr Gefährdung als dass Sie zu langsam vor SUVs herfahren. Aber das verstehen Sie sicher nicht. Ansonsten: Ihre Frage entspricht nicht unserem Forderungskatalog. Warum soll ich auf die Frage eingehen? Und wo steckt Ihr Kompromiss in dieser Frage? Ich habe sie lange untersucht aber keine Dialogbereitschaft darin erkennen können. Sie greifen in unsere Grundrechte ein und wir sollen dafür sorgen, dass Sie in Ruhe weiterfahren können? Sie könnten auch ganz einfach ein Motorrad mit akzeptabler Lautstärke fahren oder ein elektrisches, dann hätte die Belästigung ein Ende – für beide Seiten. Dann geben wir nämlich Ruhe. Verwechseln Sie aber bitte nicht Ursache und Wirkung.

          • M.P. sagt:

            Worin besteht die Gefährdung und für wen, wenn ich mit meinem 177PS Motorrad fahre? Ich hoffe ihr Auto hat auch maximal 60PS. Mehr braucht man zum fortbewegen nämlich nicht. Alles andere ist nur zum Rasen gut. So ist doch ihre Meinung dazu oder?

            Nötigung durch andere Verkehrsteilnehmer wird von Ihnen also gebilligt, insofern sie sich gegen Motorradfahrer richtet.

            Die Kompromissvorschläge sind in meinem zweiten Beitrag zu finden. Entweder sie wollen ihn nicht lesen, sind zu faul dazu oder können keine vernünftige Argumentationskette aufbauen. Ich vermute letzteres.

            In genau welches Grundrecht greife ich ein? Freie Entfaltung? Das Recht steht mir auch zu, daher ist ein Kompromiss ja so wichtig. Der wird von Ihnen aber nicht gesucht, sondern nur radikal der Verzicht bei den anderen gefordert.

            Ich verlange nicht von Ihnen dafür zu sorgen, dass ich in Ruhe Motorrad fahren kann, ich wollte lediglich wissen was sie von Geschwindigkeitsbeschränkungen nur für Motorradfahrer halten. Darauf haben Sie zumindest geantwortet, wenn auch nicht direkt. Motorradfahrer wird genötigt, in Bedrängnis gebracht und gefährdet, das ist schon mal gut, aber er fährt immer noch, also reicht die Maßnahme nicht.

            Welche Motorräder haben ihrer Meinung nach eine angemessene Lautstärke? Wüsste gerne mal eine Marke und Modell. Sie müssen ja zumindest eine Vorstellung haben, sonst würden Sie nicht behaupten dass es ganz einfach wäre. Mal davon abgesehen, dass sie meines ja gar nicht kennen.
            Und bevor sie jetzt wieder Elektromotorrad sagen, es gibt kein einziges am Markt, dass sich vernünftig fahren lässt. Einen Urlaub damit bestreiten, wie ich es mit meiner aktuellen Maschine mache, ist unmöglich. Die wenigen die es überhaupt gibt sind nach 150km leer. Und dann muss man es zwei Stunden aufladen. Viel Erfolg damit irgendwo mitten in der Pampa. Vergrößert man die Batterie, wird die Maschine unfahrbar schwer. Die technologischen Möglichkeiten geben es aktuell einfach nicht her. Ganz zu schweigen von dem dürftigen Händlernetz bei den wenigen die es gibt.
            Aber ja, wenn ein Hersteller ein vernünftiges Elektromotorrad auf die Beine stellt, bin sofort dabei. Vielleicht in 5 Jahren, mal schauen. Entwicklungen gibt es zumindest schon.

    • Ich finde sagt:

      @M.P.: Du bist einer der reflektiertesten Motorrad-Fahrer. Vielleicht noch die Ausnahme, allerdings kann ich seit Tirol ein deutliches Umdenken in der Community und im eigenen Zweirad-Umfeld wahrnehmen.

      Natürlich findet man auch beim reflektiertesten Biker noch was, was nicht in‘s eigene Weltbild passt: in deinem Fall die 177 PS, auf die man sich im dritten Anlauf stürzt. Manches braucht man nicht, aber jeder hat sowas, die im Trend liegenden rollenden Panzer aka SUVs wurden schon genannt. Anders: man wird es manchen vor allem hier NIEMALS recht machen können. Meckerböcke müssen meckern, aus Prinzip. Solange der bellende Hund nicht beißt (Öl verliert, Drähte spannt) sondern nur verbal seinem in Kern berechtigten Unmut freien Lauf lässt, soll mir das recht sein. Zielführende Diskussionen auf Augenhöhe… eher nicht.

      Deine Schlussfolgerung muss ich daher leider teilen – hier wird sehr stark vorverurteilt, alle über einen Kamm geschert (primär von einigen wenigen Mitgliedern, deren Namen immer wieder auftauchen *hust* Der Redakteur *hust *Reto* *hust-hust* und die tendenziöse Meinungsbildung vorantreiben) und konstruktive Arbeit scheint nicht auf der Tagesordnung zu stehen. Man will genauso lautstark Lärm machen wie die eigentlichen Lärmer, zeigt jedoch verachtend mit dem Finger auf die Biker die sich bei Motorrad-Demos „durch Krach gegen Maßnahmen zur Wehr setzen, die sie mit eigenem Krach verursachen“ – ist aber irgendwie nicht wirklich besser. Es ist schizophren. Gewisse Radikalisierungstendenzen lassen sich nicht von der Hand weisen, möchte ich der Mehrheit aber nicht unterstellen. Was manchen hier aber vereinzelt im Eifer des Wortgefechts schon rausgerutscht ist… lässt tief blicken.

      Von daher aus meiner Sicht eine interessante Sozial-Studie hier, aber keine ernst zu nehmende Plattform für einen konstruktiven Austausch.

      Ich denke daher, du bist wie ich als Botschafter in Motorrad-Foren besser aufgehoben. Dort gibt es noch immer sehr viele aufzuklären die es nicht kapiert haben und sich jeglichem Dialog verweigern – „Geh mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit.“ oder „Sich verändern, sonst wird man verändert“ sind noch Fremd-Sprichwörter. Arbeiten wir lieber in der Motorrad-Community am Umdenken, dieser finstere Ort hier ist immer wieder einfach nur destruktiv.

      • Reto sagt:

        Ja, geht und werdet Botschafter……… ;-)

      • M.P. sagt:

        Ja, ich hatte ehrlich gesagt ganz andere Erwartungen an diese Plattform. In der Reportage, die mich bewog, mich hier mal umzuschauen, gab es durchaus vernünftige Wortmeldungen von Anwohnern. Im Vergleich zu den interviewten Motorradfahrern die deutlich vernünftigere Gruppe. Dementsprechend groß ist meine Enttäuschung über dieses Forum hier. Aber da stand man auch vor der Kamera, vielleicht liegt es daran.

        Ich werde ebenfalls weiter versuchen auf die ganz großen Spinner bei den Motorradfahrern einzuwirken. Ich hoffe die Gemäßigten auf beiden Seiten können dann für eine Einigung sorgen, mit der alle leben können.
        Wie erkennt man einen guten Kompromiss? Am Ende ärgern sich beide Seiten.

        In diesem Sinne…

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