Lärmschutzbeauftragter zum Motorradlärm: «Es geht so nicht weiter»

Hat ein Herz für Motorradfahrer und für sie immer einen Slot im Terminkalender frei: Deutschlands bester Verkehrsminister Andi Scheuer inmitten der Motorradlobby. Foto: IVM

Motorradlärm am Wochenende hat aus Sicht des Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg, Thomas Marwein, ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr hinnehmbar ist. «Es geht so nicht weiter», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Ob im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder im Odenwald: «Sobald das Wetter schön ist, sind beliebte Biker-Strecken voll und die Bewohner haben keine Ruhe mehr.» Wer direkt an der Straße wohne, leide nicht selten unter Lärm von bis zu 100 Dezibel. «Das entspricht einem Presslufthammer. Da kann man nicht mehr auf der Terrasse sitzen. Es ist wirklich schlimm, wie die Leute in den Dörfern darunter leiden». Der Bundesverkehrsminister sieht das anders – so kurz vor Ende seiner Amtszeit.

Die drastische Verschärfung der Lage führt Marwein zum einen auf deutlich gestiegene Zulassungszahlen bei den Motorrädern in den letzten Jahren zurück, zum anderen auf immer lautere Maschinen. Verstärkt werde das Problem durch die Fahrweise einzelner und dadurch, dass viele im Pulk dort unterwegs sind, wo andere sich ausruhen wollen. «Das hört man kilometerweit. Ob Anwohner oder Wanderer – das nervt. Mit der Ruhe ist es dann vorbei.»

Der Lärmschutzbeauftragte forderte die Hersteller auf, leisere Maschinen zu bauen. Er kann sich auch Prämien für E-Motorräder vorstellen. «Es braucht Änderungen am Fahrzeug und am Fahrstil», betonte er. Uneinsichtige Biker müssten durch mehr Kontrollen und hohe Bußgelder zur Räson gebracht werden. Fahrverbote nach dem «Tiroler Modell», wo auf einigen beliebten Bergstraßen laute Maschinen von Juni bis Oktober nicht mehr fahren dürfen, wären für Marwein nur der letzte Ausweg.

Wie viele Menschen unter Motorradlärm leiden, zeigt der Zulauf der vor zwei Jahren auf Anstoß des Landes gegründeten «Initiative Motorradlärm»: Was mit gut zwei Dutzend Orten begann, ist heute ein Zusammenschluss von rund 160 Städten, Dörfern und Kreisen. «Sie repräsentieren zwischen 3,5 bis 4 Millionen Bürger», so Marwein.

Was ist der Beitrag der Biker?

Derweil ruft Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu mehr Rücksicht und Miteinander auf. Fahrspaß, eine sichere und verantwortungsvolle Fahrweise und der Schutz von Anwohnerinnen und Anwohnern müssten zusammen gehen, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag nach einem Gespräch mit Vertretern von Motorrad-Verbänden in Berlin. Er finde es gut, dass die Biker mit eigenen Vorschlägen einen Beitrag zur Konfliktentschärfung leisten wollten. Ja, es ist schön, wenn die Verursacher über das Problem nachdenken – Grund zu Lobeshymmnen allerdings ist das nicht.

An dem Treffen nahmen den Angaben zufolge Vertreter von Hersteller- und Fahrerverbänden teil. Sie übergaben Scheuer ein Strategiepapier zur Zukunft des motorisierten Zweiradverkehrs. Bei der Eindämmung von Motorradlärm gehe es um Entlastung für Anwohner hochfrequentierter Strecken bei Vermeidung von Streckensperrungen für Motorradfahrer, wie der Industrie-Verband Motorrad Deutschland mitteilte.

20 Kommentare zu “Lärmschutzbeauftragter zum Motorradlärm: «Es geht so nicht weiter»
  1. Wolfgang sagt:

    Das Problem Motorenlärm ist durch Einsicht, Rücksichtnahme und freiwillige Reduzierung des Lärmpegels von Seiten der Biker und Hersteller nicht zu lösen. Das oft vorgetragene Argument, dass der Sound dazu gehört um Spaß zu haben, ist bei manchen Zeitgenossen auch mit den besten Argumenten der Anwohner*innen / ruhesuchenden Mitmenschen nicht auszureden…
    Hier hilft leider nur ein rigoroses Durchgreifen des Staates in Form von Gesetzen und Fahrverboten.
    Die Freiheit und das Vergnügen des einen endet da, wo die Unversehrtheit des anderen beschnitten wird.

    • Lutz sagt:

      @Wolfgang Einsicht und Rücksichtnahme sehe ich hier auch nicht mehr als Lösung. Ich stimme ihnen zu, der Staat muss mit Gesetzen und auch Fahrverboten diese Freiheit einschränken. Ich führte Diskussionen, negative wie positive da zeigten einige ihren wahren Charakter. Ein Andreas Scheuer Verkehrsminister und Lobbyist, mit seiner miserablen Politik trägt auch zu keiner Verbesserung bei. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, unterstütze alle Maßnahmen die zu einer Lärmreduzierung beitragen. Die Lösung wäre so einfach, Reduzieren von Lärm bei Motorrädern sowie Autos und viele wären mit Sicherheit zufrieden.

  2. Rainer Rau sagt:

    Die Hersteller sollen leisere Maschinen bauen – tolle Idee. Was ist mit den Millionen asozialer Lärmgeräten, die schon existieren? Und bis wann? 2045 oder vielleicht irgendwann, wie die üblichen Vorschläge – man weiß, was sie bei der derzeitigen Regierung wert sind – bei anderen Drecksemissionen?

    Die beliebten Bikerstrecken: Was ist mit den Strecken, die dorthin und nach der Kinderei wieder dort wegführen, also dem gesamten Straßennetz? Haben nur die Menschen an willkürlich ausgewählten Hotspots ein Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit? Die Seuche ist flächendeckend, ob Raser und Lärmer auf dem Land oder Poser und Rennfahrer in den Städten.

    Die Fahrweise Einzelner – ich lach mich schlapp. Ein paar Einzelne sind wirklich noch normal unterwegs, die große Mehrheit zu laut oder zu schnell oder beides gleichzeitig.

    Bei der bisherigen Leistung von Lärmschutzbeauftragten sind die Ergebnisse mit (zumindest unserem) Bürgerbeauftragten vergleichbar, bewerten kann sie jeder selbst.

    Am Morgen schon den Namen Scheuer zu lesen, ist nicht gerade förderlich für einen guten Tag.

    • Jochen Wagner sagt:

      Lieber Herr Rau,
      Ihr Kommentar ist als Betroffener nachvollziehbar, jedoch völlig überzogen. In einem Land wie der Bundesrepublick mit der räumlichen Enge, speziell in Ballungsgebieten ist die von Ihnen gewünschte absolute Ruhe kaum realisierbar. Auch einen lauten Auspuff kann man leise bzw sozialverträglich fahren. Es liegt in der Hand des Fahrers. Ich frage mich ob Menschen Ihres Schlags auch der Rasenmäher, der Laubbläser oder die Heckenschere des Nachbarn die körperliche Unversehrtheit bedroht. Geschweige denn die Horden der mit Gehörschutz agierenden Gemeindemitarbeiter.
      Wenn Lärm krank machen würde, dann müssten zigtausende Menschen, die wie ich, in unmittelbarer Nähe zu einem Flughafen wohnen lärmbedingt krank sein. Das ist Zeitgenossen wie Ihnen aber egal wenn Sie in den Urlaub fliegen oder irgendwelche Dinge kaufen die nicht in der Region produziert werden. Auch der Strauß Rosen für die Frau im Winter kommt zum Beispiel mit dem Flugzeug.
      Sie haben den Lärm am Wochenende bei schönem Wetter zwischen Mai und September, ich das ganze Jahr täglich von 5:00 Uhr bis 23:30 Uhr.

      • Reto sagt:

        Es geht gar nicht um absolute Ruhe, sondern um unnötigen Lärm. Bei den Güterzügen wird massiv nachgebessert und auch bei den Fliegern soll sich etwas tun. Dass der Fluglärm in Einlfugschneisen eine Katastrophe ist, ist unbestritten. Aber was hat das mit den Belästigungen durch technisch schlecht schallgedämpfte Kräder zu tun, die Sie versuchen zu rechtfertigen?

      • Rainer Rau sagt:

        Menschen meines Schlages – jetzt kenne ich auch Ihren Schlag.

        Wieder mal ein Plädoyer für Krach, wie üblich.
        Ich kenne keinen Lokführer, der Geld, Zeit und bösartige Geistesenergie verwendet, um seinen Zug lauter zu machen und sich dann in der Lärmschleppe zu suhlen.
        Leute wie ich fliegen nicht in Urlaub, kaufen, wenn nur irgendwie möglich, regional und meine Frau würde einen derartigen Blumenstrauß eher zu erzieherischen Maßnahmen verwenden.
        Kurz gesagt: Ihr geistloser, vorurteilsbehafteter Rundumschlag geht bei meiner Person vollkommen ins Leere, und über Sie weiß ich, ohne Sie (Gott bewahre) persönlich zu kennen, mehr als mir lieb ist.
        Ich antworte nur, weil man es, wie üblich, an einem sonnigen Wochenende draußen nicht erträgt. Ansonsten „Not worth the powder“ (H. Hornblower)

      • Bigfoot sagt:

        Stimmt; der Fluglärm stört auch, wobei seit Corona geht es einigermaßen weil kaum Flugzeuge fliegen. Dennoch: ich plane in den nächsten Monaten in eine ganz ruhige Gegend zu ziehen (ohne Fluglärm und ohne Motorradlärm).
        Die Rasenmäher oder Gemeindearbeiter arbeiten nicht am Wochenende und auch nicht nach 17 Uhr.. insofern kein wirklicher Vergleich..

  3. Moosrainer Thomas sagt:

    Ich wohne in der Gemeinde 85229 Markt Indersdorf direkt an Staatsstrasse ST2050 und mache jedes schöne Wochenende diesen unerträglichen Motorradlärm mit. Meiner Meinung nach gehört vor allem Fahrern, die ihre Auspuffanlagen manipulieren,der Führerschein entzogen. Nur so ist diesen rücksichtslosen Chaoten beizukommen!

  4. Dorle Lechner sagt:

    Uns Anwohnern an der Ortsein-bzw. Ausfahrt von Benediktbeuern-Obb. reichts!! Wir haben den Eindruck, seit der Motorraddemo vom 01.04.21 am Kesselberg, hat der eh schon massive Motorradverkehr und der übermässige Lärm noch zugenommen. Speziell in den letzten Jahren wurden die Maschinen immer mehr u.lauter, allen voran, die Harleys, meist gefahren von etwas älteren Semestern, die sicher auch gerne etwas ruhiger in ihrem Garten sitzen möchten, ohne ständigen Lärmpegel.Was nützen die Kontrollen der Motorradpolizei, rein gar nichts. Warum schaffen es die vernünftigen, organisierten Motorradgruppen denn nicht, ihre „schwarzen Schafe“ rauszunehmen ? Wundern müssen sich die Motorradfahrer nicht, wenn, wie in Österreich, künftig noch mehr Strecken, auch in Deutschland, monatelang, gesperrt werden und die Strafen für überlaute Maschinen drastisch erhöht werden bzw. das Fahrverbot umgehend ausgesprochen wird. In unserer Straße gibt es mind. 5 Motorradfahrer, aber vernünftige u. so hat einer dieser, ein Hinweisschild an der Straße angebracht, Motorradlärm macht krank – einen Versuch iet es wert. Zudem werden wir, zusammen mit Betroffenen anderer Gemeinden, weiter gegen diese “ Gruppe von Spasslärmenden“ etwas unternehmen.

  5. Marianne Mühlthaler sagt:

    Liebe Frau Lechner,

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Wir wohnen auch an einer viel befahrenen Staatstraße in Oberbayern. Der Motorradlärm hat in den letzten 3 Jahren sehr zugenommen. Wir können uns bei schönem Wetter nicht mehr draußen aufhalten, man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Anfang 2019 haben wir eine Lärmschutzwand beantragt. Lt. Messungen von 2018 liegen wir 2 Dezibel unter der Lärmgrenze, somit gibt es keine Lärmschutzwand. Der Leiter des Straßenbauamtes zeigt Verständnis für unsere Lage. Er kann auch nichts für die gesellschaftliche Entwicklung. Hinzu kommen noch die vielen Lkws, die diese Strecke befahren. Außerdem nehmen Autos oder andere Spaßfahrzeuge mit lautem Gedröhne immer mehr zu. Dazu geht es bei uns bergauf, somit ist es noch lauter. Hier zu wohnen ist für uns unerträglich geworden. Wir haben nicht die Kraft und die Nerven jahrelang für eine Lärmschutzwand zu kämpfen.

    • Rainer Rau sagt:

      Dem Volk geht es immer schlechter, es kommt nichts bei den Leuten an.
      Das sagen die neuesten Zulassungszahlen bei Motorrädern und Wohnmobilen überdeutlich. Bei Motorbooten Jetskies, Quads und anderem Blödsinn will ich mich gar nicht erst informieren.

    • Wolfgang sagt:

      Liebe Frau Mühlthaler,
      Wir haben die gleiche Situation. Als Anwohner an einer Bundesstraße haben wir täglich ca. 20000 Fahrzeuge, vom PKW über Traktor, LKW und viele getunte Fahrzeuge, die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Bei schönem Wetter und am Wochenende kommen dann noch unzählige Motorräder Richtung Eifel.
      Der Lärm ist unerträglich und macht krank. Eine Beschwerde und Antrag auf Lärmmessung beim Innenministerium führte lediglich zu
      einer Radarkontrolle. Eine Lärmschutzwand wurde von der zuständigen Stelle mit der Begründung abgelehnt, dass der Lärm doch im Normalbereich sei!!!
      Ein Aufenthalt im Freien ist nur mit Gehörschutz möglich.
      Aber solange die Politik nichts unternimmt, sind wir dem Wahnsinn haltlos ausgeliefert.
      Armes Deutschland…

      • Rainer Rau sagt:

        Die Lärm-Messmethoden bei Kontrollen sind ja schon von der Erzeugerindustrie vorgeschrieben und damit recht unwirksam. Aber bezüglich Schutzmaßnahmen wird der Lärm errechnet – da sind der „Anpassung“ der Ergebnisse keine Grenzen gesetzt.
        Vielleicht wäre ja eine Regierung zum Wohle des Volkes möglich – ich habe kaum Hoffnung, tue aber, was mir möglich ist.

        • Luzia B. sagt:

          Ich verstehe nicht, wie Sie darauf kommen ,zu behaupten, dass Messmethoden von der Erzeugerindustrie vorgeschrieben werden, könnten Sie diese These bitte mit Fakten belegen?

          • Reto sagt:

            Das ist keine „These“: Die Messmethoden zur Homologation von Fahrzeugen (und zur Klebrigkeit von Fliesenkleber oder der Größe von Lampenfassungen) werden in einer Normenkommission festgelegt, die von interessierten Kreisen besetzt ist: hier Fahrzeugindustrie. Die Gesetzeslage fusst auf diesen Normen.

          • Rainer Rau sagt:

            „Vorschreiben“ nennt man offiziell wohl Lobbyismus. Es gibt noch treffendere Begriffe, aber „doch nicht bei uns in D, Gott bewahre“.Die Lobbyisten bringen bestimmt keine Gummibärchen mit.
            Warum diskutiere ich überhaupt mit Lärmverfechter/innen?

          • Reto sagt:

            Glaube an den Verstand? Kant? Den lieben Gott? Die Gerechtigkeit?

      • Oskar Reuter sagt:

        Seltsam, daß an einer Bundestrasse der Verkehr Strassenlärm emmitiert.
        Wer hätte das gedacht?! Ich würde alle Bundestrassen verbieten und Fahrzeuge generell auch. Auch Fahrräder, da diese natürlich auch Lärm erzeugen. Evtl. sollte man darüber nachdenken, auch das Verlassen des Hauses generell unter Strafe zu stellen. Weil der Mensch verursacht doch generell Lärm, den man so unterbinden könnte. Unsere grünen Heilsbringer haben das bestimmt ein paar schöne Ideen in der Schublade.

        • Reto sagt:

          Ja wer hätte das gedacht? Nur redet hier niemand vom normalen Fahrzeuglärm, sondern vom Superluxuslärm, den Leute wie Sie bei der Freizeitgestaltung und sinnlosen Benzinverblasung verbreiten. Und ganz recht, wo kämen wir da hin, wenn man alles verbietet? Das Schießen mit Luftgewehren auf Katzen beispielsweise? Wieso sollte man so was verbieten auf dem eigenen Grundstück? So lange diese Gesellschaft von asozialen Belästigern ohne DB-Eater kujoniert wird, ist ein bißchen Heilsbringen eine Wohltat – nicht nur akustisch.

          • Rainer Rau sagt:

            Reto, Respekt für die Bemühungen, aber total vergeblich. Das Wochenende hat es wieder deutlich gemacht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.