Umweltminister knöpft sich Auspuffklappen vor

Umweltminister will Klappenauspuffe verbieten.

Das Saarland macht Ernst: Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) hat das Thema „unnötiger Motorenlärm“ bei der morgigen Umweltministerkonferenz der Länder auf die Tagesordnung gesetzt. Vorausgegangen ist eine Initiative des BUND und der VAGM e.V., die das Thema mit allen Fakten auf den Tisch gebracht hat. Jost will ein Verbot der Klappenauspuffe erreichen – wie die FAZ berichtet: „Des einen Fahrspaß darf nicht zulasten der Gesundheit des anderen gehen. Und es führt auch zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr, wenn man ein Auto neben sich hat, das plötzlich einen unerträglichen Lärm produziert. Die Hersteller sollten ihre Ingenieurskunst lieber in Lärmminderung investieren statt in lärmverstärkende Maßnahmen.“ Damit bringt Jost es auf den Punkt: „Es ist doch absurd… nutzloser Lärm wird mutwillig erzeugt, lediglich „just for fun“ für den einen oder anderen, der glaubt, das sei für ihn die Erfüllung.“ Mal sehen zu welchem Ergebnis die Umweltminister kommen. Speziell die Länder mit der Fahrzeugindustrie sind dabei interessant. Manche davon werden grün regiert.

Wie Radio Salü meldet, wurde der Vorschlag angenommen: Die Minister fordern den Bund auf zu prüfen, ob Klappenauspuffanlagen oder Soundgeneratoren verboten werden können.

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18 Kommentare zu “Umweltminister knöpft sich Auspuffklappen vor
  1. Rainer Rau sagt:

    Sieh an – Das Saarland und Bayern! Jetzt gilts: Positiv bestärken und die Absichten wachhalten, dann haben wir vielleicht eine Chance.

  2. Henriett sagt:

    Guten Tag,
    ich habe schon mehrfach Menschen in solchen Fahrzeugen angesprochen und immer Unverständnis in den Gesichtern der Fahrer entdeckt. Die meinen wirklich, die ganze Welt blickt zu ihnen und zu ihrem dicken Auspuff hoch. Und sie haben dafür Geld ausgegeben, dass man sie hört. Während beim Diesel ein paar Pfennige gespart wurden wegen der Adblu-Tanks, wird hier richtig Geld verdient an Gesundheitsschaden und Belästigung. Und die meinen auch noch, man findet sie groß. Mal sehen ob die Umwelt- und Verbraucherschutzminister hier gegen die Verkehrsminister etwas zu sagen haben.
    Mit freundlichem Gruß
    Henriett M.

    • Rainer Rau sagt:

      Wenn ich so jemanden anspreche, stoße ich immer öfter auf spöttische Häme, die mir beweist, dass die ihr Ziel durch ihre Art von Betteln um Aufmerksamkeit und Selbstwertgefühl erreicht haben. Das habe ich fast aufgegeben. Im Falle von Erfolgsaussichten versuche ich es mal direkt mit der Polizei, ansonsten nur durch Anschreiben von Behörden und Politikern sowie Unterstützen von anderer Öffentlichkeitsarbeit. Wie wir hier sehen, gibt es sogar da noch Menschen mit Verstand und Gefühl – die muss man bestärken und bestätigen.

  3. Frank sagt:

    Kaum erhebt jemand die Stimme gegen den unsinnigen Lärm auf unseren Straßen, kommen die sogenannten Petrolheads aus ihren Löchern und vermuten eine ungerechtfertigte Verschwörung gegen den „gepflegten Auspuffklang als Kulturgut“.

    So titelt Ulf Poschardt, Chefredakteur der WELT:
    „Der Klang der Blechskulpturen ist feinste Kunst“
    Die WELT war schön öfter mit überschwenglichem Lob für „extra kernigen Sound“ aufgefallen.

    Die AUTOBILD versucht sich an einem Kommentar:
    „Verbot von Klappenauspuffanlagen wäre falsch!“

    Der Autor gibt unumwunden zu, dass es keinerlei Argumente für den Einsatz von Brüllauspuffanlagen gibt. Er gibt weiterhin zu, dass er selbst davon zu Hause genervt wird. Seine Empfehlung: Die Poser sollen Rücksicht nehmen. Rücksicht? Freiwillig?

    Hahaha!

    Diese Typen kennen keine Rücksicht. Sie kennen keine Vernunft. Alles was für die zählt ist, möglichst viele Menschen möglichst „krass“ zu belästigen!

    Es gab auch Leute, die es falsch fanden, das Rauchen an bestimmten Orten zu verbieten. Wurde nicht ein gigantisches Kneipensterben befürchtet? Was ist passiert? Nichts. Die Leute gehen weiter in Kneipen – freuen sich aber über gute Luft und darüber, dass ihre Kleidung nach dem Besuch nicht nach Räucherhöhle stinkt.

    Genauso gab es damals eine Lobby, die versucht hat, das Verbot von Asbest zu verhindern. Wider besseres Wissen.

    Wie war das denn mit DDT? Gab es nicht Leute, die eine Insekteninvasion bei einem Verbot heraufziehen sahen?

    Alles reaktionärer Lobbyismus von Interessengruppen, die an krankmachendem Mist verdienen. Es wird Zeit, dass der Klappenauspuff von unseren Straßen verschwindet. Dem Umweltminister Reinhold Jost möchte ich von ganzem Herzen für seine Initiative danken und hoffe, dass seine Ministerkollegen nicht so borniert sind, dieses sinnvolle Vorgehen gegen den sinnlosen Lärm zu blockieren!

    • Der Redakteur sagt:

      Frank – natürlich sitzen die Petrolheads in den entsprechenden Medien-Ressorts. Bei der Welt sogar in der Chefredaktion. Und dann hat die Welt noch freiberufliche Autoren als Trolle beschäftigt wie Bellberg und Broder, die über dieses Thema hinaus wenig zu sagen haben – aber eine klare Meinung darüber, dass Rasen, Stinken und Lärmen ein Menschenrecht sei. Und die wird durch Poschardt gedeckt. Es gab es in den letzten 10 Jahren hunderte von Lobeshymnen auf Belästigersound. Die Gegenpositionen lassen sich an einer Hand abzählen. Dennoch gilt, dass es hier nicht um eine Geschmacksfrage oder um die Verteidigung freiheitlichen Lebens geht, sondern gegen das Menschenrecht auf Ruhe und körperliche Unversehrtheit.
      Die rhetorische Volte dazu heisst: „Muss denn alles verboten und reglementiert werden, was Spaß macht?“
      Die Antwort: Wenn das was einer Minderheit Spaß macht, andere Menschen krank macht und belästigt, dann selbstverständlich.

  4. Rainer Rau sagt:

    Warte mal, bis der Oberneoliberale in der CDU das Sagen bekommt – dann rasten Wirtschaft, Industrie und die entsprechenden Konsumenten noch mehr aus, vielleicht werden Klappenauspuff, mehr Verbrauch und Reifenabrieb dann Pflicht.

    • Der Redakteur sagt:

      Zulassung Teil 1+2 auf einer Briefmarke ;-)

    • Allgäuer sagt:

      Sehen Sie , es gibt doch noch gute Zukunftsaussichten.
      Nicht in der Hinsicht, daß ich der CDU zutraue, wirkliche Probleme dieses Landes zu lösen.
      Aber zumindest wird die CDU das Problem des Lärms, welches sicher vorhanden ist, nicht zu dem Weltuntergangsproblem hochjubeln, zu dem es hier z.B. hier hochstilisiert wird.

      • Der Redakteur sagt:

        Nee. Da vertraue ich auch auf die CDU. Im Aussitzen ist die verlässlich. Ein paar Tote, ein paar Herzinfarkte und Milliardenkosten sind für Christdemokraten nichts, was die aus der Ruhe bringen würde:
        13 Millionen Menschen leben in Deutschland an Hauptverkehrsstraßen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes fühlen sich rund 54 Prozent der Bevölkerung durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt. Lärm macht krank: Die Folgen reichen von Schlafstörungen über Depressionen und Bluthochdruck bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Umweltbundesamt hat eine Meta-Studie beauftragt: Nach diesem Bericht ist zu befürchten, dass rund drei Prozent aller Herzinfarkte in Deutschland durch Straßenverkehrslärm hervorgerufen werden. 2013 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ohne Schlaganfälle) für 354.493 Todesfälle verantwortlich. Die Folgekosten für das Gesundheitssystem sind immens: Prof. Kerstin Giering (Hochschule Trier) errechnete allein für verkehrslärmbedingte Myokardinfarkte Kosten von rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr berechnet. Dazu kommt volkswirtschaftlicher Schaden: Krankzeiten, Wertverlust der Immobilien, Umsatzeinbußen in der Touristik, etc. Die Kosten für die Volkswirtschaft summieren sich in Deutschland laut Professor Giering auf 9,1 Milliarden Euro pro Jahr!

  5. Rainer Rau sagt:

    Wenn in der Politik irgendwann einmal die Personalfragen geklärt und die Grabenkämpfe etwas zum Stillstand gekommen sein sollten, wird es vielleicht wieder ein wenig Zeit für die Belange der Bürger geben. Aber im Zweifelsfall gibt’s immer noch die EU, Trump und die Flüchtlinge. Der Umsatz wird bis zum Letzten mit Zähnen und Klauen verteidigt.

  6. Bigfoot sagt:

    Das Rauchen ist ja auch zu Recht verboten in Gaststätten, das macht wirklich krank. Aber dass der Auspuffsound so schlimm ist und krank macht, ich weiss ja nicht..

    • Der Redakteur sagt:

      13 Millionen Menschen leben in Deutschland an Hauptverkehrsstraßen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes fühlen sich rund 54 Prozent der Bevölkerung durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt. Lärm macht krank: Die Folgen reichen von Schlafstörungen über Depressionen und Bluthochdruck bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Umweltbundesamt hat eine Meta-Studie beauftragt: Nach diesem Bericht ist zu befürchten, dass rund drei Prozent aller Herzinfarkte in Deutschland durch Straßenverkehrslärm hervorgerufen werden. 2013 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ohne Schlaganfälle) für 354.493 Todesfälle verantwortlich. Die Folgekosten für das Gesundheitssystem sind immens: Prof. Kerstin Giering (Hochschule Trier) errechnete allein für verkehrslärmbedingte Myokardinfarkte Kosten von rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr berechnet. Dazu kommt volkswirtschaftlicher Schaden: Krankzeiten, Wertverlust der Immobilien, Umsatzeinbußen in der Touristik, etc. Die Kosten für die Volkswirtschaft summieren sich in Deutschland laut Professor Giering auf 9,1 Milliarden Euro pro Jahr!

    • Henrik Schlau sagt:

      Völliger Blödsinn. Unser Altbundeskanzler Schmidt war heftiger Raucher und wurde uralt. Rauchen kann gar nicht krank machen. In Gaststätten schon gar nicht. Früher wurde dort viel geraucht und war das so schlimm? Auch Lärm oder Luftverschmutzung macht nicht krank. Alles fake news.

  7. Rainer Rau sagt:

    Auszugsweises Schreiben vom Bundesindustriewachstumsbeschleunigungsamt, Abt. Psychopathie:

    Sehr geehrter Noch-Rücksichtnehmer,
    Unserem zentralen Sozialverträglichkeitsregister entnehmen wir die Information, dass Sie als Halter eines Fahrzeuges eingetragen sind, dass nicht der neusten Lärmschwachsinnsnorm entspricht und in einer Region zugelassen ist, in der noch einige Nicht-Lärmgeschädigte sich ihres Daseins erfreuen.
    Daher möchten wir heute die Möglichkeit nutzen, Sie über das von der KFZ-Industrie beschlossene Konzept für gerecht verteilten flächendeckenden Lärmterror zu informieren. Dieses Konzept soll zur Anpassung einer sehr unterschiedlich gestalteten Lärmproduktion beitragen, die individuellen Ansprüche bezüglich Lebensqualität beseitigen sowie angemessene Kritik an Lärmjunkies vermeiden. Maßgeblicher Bestandteil des Konzeptes ist die Auspufferneuerung, um Fahrzeuge mit trommelfellzerstörender und nervtötender Lärmnorm in den Verkehr zubringen…..
    Über die Angebote der Lärmequipmenthersteller können Sie sich bei deren Lobbyisten informieren und unterstützen dabei noch die Einnahmen von…..
    Es bleibt Ihnen natürlich unbenommen, selbst an Ihrer Auspuffanlage herumzubasteln oder Ihr sauer verdientes Geld für illegale, aber staatlich tolerierten Lärmerzeugungsmüll zu verplempern.
    Durch Ihr Mitwirken bei der Lärmsteigerung kann die Gesundheit und die Lebensqualität des normal empfindenden Bevölkerungsanteils weiter geschädigt werden, ohne dass Sie eine Einschränkung Ihrer Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit befürchten müssen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bundes-Industriewachstumsbeschleunigungsamt

  8. Fred sagt:

    Es gibt also Umweltminister bzw. Politiker mit Nähe zu den Bürgern und zur Umwelt. Muss eine Ausnahme sein oder ein Versehen. Bleiben trotzdem bisher nur Worte. Noch ist nix passiert. Vielleicht sagt der Bund noch: Nein, sorry, wir wollen die Autoindustrie nicht zu sehr schädigen. Da ist so viel Geld dahinter, das ist alles Umsatz. Die ganze Lobbyarbeit soll nicht umsonst sein. Deutschland ist schließlich vollgestopftes Autoland.

  9. Hermann sagt:

    @Bigfoot
    „Das Rauchen ist ja auch zu Recht verboten in Gaststätten, das macht wirklich krank. Aber dass der Auspuffsound so schlimm ist und krank macht, ich weiss ja nicht..“

    Beim Motorrad geht es nicht nur um Lärmpegel. Ich wohne z.B. neben einem Bach der ständig laut gluckert und es stört mich nicht die Bohne (im Gegenteil !).
    Motorradlärm ist aber bewusst ‚anders‘ indem dort gezielt die für uns als Aggression empfundenen Klangmuster und Frequenzen optimiert werden (= ganz tief: z.B. Harley und ganz hoch: Motocross). Dass diese Frequenzen, vor allem wenn sie schlagartig auftreten, für uns als Bedrohung wahrgenommen werden hat seinen Grund, es signalisiert für uns unbewusst Gefahr (im Vergleich zum weißen Rauschen des Windes/Baches). Historisch war dass das Brüllen des Löwen oder Bärs, des angreifenden Feindes oder das tiefe Grollen eines Bergsturzes bzw. Wildbaches oder die (laute) Warning eines Stammesmitglieds, Donner usw. Damit werden Stresshormone freigesetzt die längerfristig -wie viele übereinstimmenden Untersuchungen belegen- die Wahrscheinlichkeit von Herz und anderen Krankheiten signifikant erhöhen.

    Voilà pourquoi !

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