„Beobachter“ deckt Betrug auf: Euro 4 Bikes fallen nach Euro 3 durch

 

Unser Kollege Reto beschreibt die Schweizer als unglaublich pragmatisch – er muss es wissen. Sind sie ja auch wirklich, wie ein Artikel in der Schweizer Konsumenten-Traditionszeitschrift „Beobachter“ zeigt.  Die nehmen sich einfach vier Motorräder (CH:„Töffs“) , die nach der neuen 2016er-Norm (78 dB(A) – ECE-R41-04) zugelassen wurden. Dieser „Quantensprung“ (vergleiche Wikipedia) aus 2016 wird von der Fahrzeuglobby (sowie den KFZ-Fachzeitschriften und der Politik) hochgepriesenen, weil sie so schwierig zu erfüllen ist. Und diese vier Motorräder testen die Schweizer nach der alten Euro-3-Norm – der „lauten“ Vorgänger-Norm. Paradoxes Ergebnis: Bei Messung nach der „weniger strengen“ 80 dB(A) „lauten“ Norm hätte keines der vier Motorräder die Zulassung erhalten. Sie waren alle über dem alten Grenzwert. Auf der Straße sind sie trotzdem.

Die neue Norm ist – wie der Dieselskandal und wie die geschönten Verbrauchswerte – Betrug und Beschiss auf europäischer Ebene zu Lasten all jener, die den Spass der Krachmacher ertragen sollen. Und wer an Straßen wohnt, wohnt weit weg von Landräten, Politikern und Entscheidungsträgern in diesem Lande. Die wohnen ruhig.

Und während sich in den letzten 15 Jahren dutzende Journalisten damit zufrieden gaben, dass eine neue Norm „gesünder“ und „besser“ zu sein hat als der Vorgänger, recherchierte der „Beobachter“ die Zusammensetzung des relevanten Normengremiums gleich mit. Und siehe da: Die ganze 70-köpfige Expertenmischpoke, die sich so eine Norm zusammen zimmert, ist parteiisch, arbeitet für Fahrzeuglobbyisten und Herstellerverbände. Und die haben sich hier ein irrsinnskompliziertes Werk zur Volks- und Politikverdummung zusammengeschustert, das noch schlechter ist als sein Vorgänger. Nicht schlecht fürs Geschäft, sondern für die Menschen, die darunter leiden. Wie lange lässt sich dieses Land, diese EU, von den skrupellosen Geschäftemachern der Konzerne weiter an der Nase herumführen?

Moderne Euro4-Motorräder (78dB(A)) im Euro3-Test: So sehen realistische Messwerte aus – noch nicht einmal die Euro3-Werte (80 dB(A)) werden eingehalten. Anmerkung: 6 dB mehr = Verdoppelung der Lautstärke.                Quelle: Beobachter.

 

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9 Kommentare zu “„Beobachter“ deckt Betrug auf: Euro 4 Bikes fallen nach Euro 3 durch
  1. Herr M. sagt:

    Das muss man sich geben! Das sind Mafiastrukturen, die sich da herausgebildet haben. Hersteller beugen Recht und niemand tut etwas dagegen. Zulassungsverfahren werden geschoben und niemand muckt auf. Und am Wochenende dank Klimawandel 12 Stunden am Tag die Strampelmänner in ihren Lederanzügen wie auf dem Lausitzring.

  2. Rainer Rau sagt:

    WOHLSTANDSVERWAHRLOSUNG!!! Das hat mit der Mafia nichts zu tun, weil diese nicht mit Steuergeldern finanziert wird.

  3. Andi sagt:

    Diesen Leuten die das zu verantworten haben gehörten zur Rechenschaft gezogen. Wir bezahlen solchen Leuten durch unsere Steuergelder ein stattliches Gehalt und sie missbrauchen dieses Amt scharmlos. Normalerweise Hut ziehen und abdanken. Das ist doch alles Volksverdummung und keiner tut was. Vielleicht schaffen wir ja es eine Sammelklage einzureichen wegen Körperverletzung.

  4. Rainer Rau sagt:

    Gegen Verbrechen zu klagen, die von der Regierung legalisiert sind, wird schwierig. Beinahe hätte ich statt „Regierung“ „Staat“ geschrieben, aber dazu gehört ja auch das Volk, und das ist anscheinend aus dem Regierungsbewusstsein verdrängt. Noch 3 Jahre Geduld bis zu nächsten „KREUZigungsaktion“, wenn wir es dann immer noch nicht schaffen, wird’s richtig eng. Es ist ja nicht nur der Lärm…

  5. Henrike Merten sagt:

    Wir haben eine Kanzlerin und eine Regierung, die sich von der Automobilindustrie vorführen lässt (oder schlimmer) mit ihnen unter einer Decke steckt. Totalversagen in der Dieselthematik. Totalversagen beim Lärm. Und beides wird schon mittelfristig zum Wettbewerbsnachteil für D, denn deutschlands Vorzeigeindustrie kann nur dreckig, prollig und laut. Gleichzeitig ersticken wir im Stau, in Abgasen und Lärm. Das steigert das Bruttosozialprodukt, denn auch Herzinfarkte und Krankheiten zahlen darauf ein. Alles in Butter in Merkelreich.

    • Reto sagt:

      Dazu fällt mir Richard David Precht ein: In Ländern ohne asphaltierte Straßen sind die Menschen glücklicher.
      Nur die mit den asphaltierten Straßen ahnen das noch nicht einmal.

  6. Berstcheibe sagt:

    Die KRAD- und Auto-Klappenauspuffanlagen erzeugen mehr Feinststäube, weil der Endschalldämpfer umgangen wird. Besonders die SUV mit 5,7 L Benzin Motoren sind Dreckschleudern in den Innenstädten. Wir machen einen Aufstand mit NOx und Diesel-Fahrverboten. Erst mit der WLTP Messung werden erstmals unter der Emissionsklasse Benzin
    (EURO 6 AG mit Benzin Otto Partikel Filter) weitere Emissionswerte angegeben.

  7. vasasyndrom sagt:

    Der Angriff auf das ISO Normsystem begann 2011 mit der ISO 365 (Informal document WP.29-155-33
    155th WP.29, 15-18 November 2011, agenda item 4.2.2 und der UN ECE R 59 und R92 für Ersatzauspuffanlagen und die EU 514/ 2014 ermöglicht eine legalisierte Nutzung von Klappenauspuff-Anlagen. Seit 2005 ist das Verkehrsministerium Partner der Tuner und sorgt für „sicheres“ Tuning auf öffentlichen Straßen mit qualmenden Reifen. Zitat aus dem Tunerblättchen: „Die Drift Area hinter den Hallen A4 und A5 wird wieder zum Reifenvernichtungsareal und das SYRON Drift Team begeistert mit seiner spektakulären Action!“

  8. Rainer Rau sagt:

    DJ Andi hat seine Teilnahme am Dieselgipfel abgesagt. Nach dem Motto:“ Augen zu, vielleicht sieht mich dann keiner“ oder ob er sich nicht zuständig fühlt? Jedenfalls macht es noch klarer, was von dieser Seite zu erwarten ist.

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