BW bezieht Position Hermann: „endlich handeln!“ Marwein: „Presslufthammer!“

Messergebnisse: Richtig laut sind nur die Motorräder. Quelle Verkehrsministerium BaWü.

Motorradlärm verursacht weiterhin Konflikte. In Erholungsgebieten, wo Menschen Ruhe suchen, verursachen Motorräder dröhnenden Lärm . Um Daten dazu zu erhalten, hat das Land Baden-Württemberg Leitpfostenmessgeräte aufstellen lassen, welche die Lautstärke von vorbeifahrenden PKW und Motorrädern erfassen. Auch die vom Land geförderten Motorradlärm-Displays der Kommunen erfassen Lärm und Verkehrsdaten. Die Daten hat das Verkehrsministerium in Stuttgart analysiert. Das Ergebnis: Die meisten Motorräder sind lauter als PKW. Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein: „Die meisten Motorräder sind so laut wie eine Motorsäge oder ein Presslufthammer – leider nicht nur einige wenige.“ Mit Leitpfostenmessgeräten wird neben den Verkehrszahlen auch der Fahrzeuglärm erfasst, wie dieser auf der Straße zu hören ist. Die Auswertungen zeigen, dass bei den besonders lauten Fahrzeugen Motorräder besonders aus dem Gesamtverkehr hervorstechen.

Thomas Marwein (Grüne) ist der Lärmschutzbeaftragte in Baden-Württemberg und legt neue Daten zum Auspuffmißbrauch von Motorrädern vor.
Bild: Wikipedia / Tobias Klenze / CC-BY-SA 4.0.

So war an der Bundesstraße 39 bei Löwenstein (Landkreis Heilbronn) im betrachteten Zeitraum etwa jedes zweite Motorrad mit 87 dB(A) oder lauter unterwegs, jedes Dritte sogar lauter als 90 dB(A). Bei den Pkw kam nur eins von acht bzw. eins von 30 Fahrzeugen auf diese Lautstärke. An anderen Straßenabschnitten mit sehr unterschiedlichen Verkehrsverhältnissen ergibt sich ein vergleichbares Bild (vgl. Grafiken im Anhang). Der Lärmschutzbeauftragte und Landtagsabgeordnete, Thomas Marwein, appelliert: „Es ist eine Zumutung für Anwohnerinnen, Anwohner und auch für Erholungssuchende, wenn Motorräder mit ohrenbetäubenden 90 dB(A) und mehr vorbeifahren. Eine solche Lärmbelastung erreichen üblicherweise Motorsägen oder auch Presslufthammer. Aus Rücksicht auf die Mitmenschen sollten leise Motorräder gefahren werden, am besten elektrische.“  Marwein erinnert an die vom Bundesrat am 15. Mai 2020 verabschiedeten Forderungen an EU, Bund und Hersteller, gegen unzumutbaren Motorradlärm vorzugehen. „Motorräder müssen leiser werden, ganz gleich, in welcher Art sie gefahren werden“, fordert der Lärmschutzbeauftragte. In diesem Punkt sei die EU gefragt, die Zulassungsvorschriften für Motorräder zu ändern ­– und natürlich die Hersteller, leisere Motorräder anzubieten. Motorradlärm sticht bei Messungen deutlich herausBeispielhaft wurden die Daten an der B 39 bei Löwenstein (Landkreis Heilbronn) vom Samstag, 11. Juli 2020, ausgewertet. Es zeigt sich, dass an der Messstelle die Motorräder lauter unterwegs waren als PKW. Ein Drittel der PKW und ein Sechstel der Motorräder waren in den Pegelbereichen bis 83 dB(A) unterwegs. Das Fahrgeräusch der Motorräder spielte vor allem in den Pegelbereichen 84 bis 86 dB(A), allerdings wurden im Schnitt etwa 30 Prozent der Motorräder mit 90 dB(A) oder lauter erfasst. Ein Unterschied von 10 dB(A) hat zur Folge, dass das menschliche Ohr diese Lautstärken als doppelt so laut wahrnimmt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Motorräder als besonders lautstark empfunden werden. Insgesamt wurden an diesem Tag 1597 PKW und 368 Motorräder erfasst. Davon waren 117 Motorräder mit 90 dB(A) oder lauter unterwegs.  Auch eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes vom September 2020 zeigt, dass verschiedene fabrikneue Motorräder um 20 dB und lauter waren, als beim Betriebszustand, der für die Typprüfung maßgeblich ist. Marwein fordert daher: „Solch ein Lärm ist absolut vermeidbar. Der Respekt vor den Anwohnerinnen und Anwohnern gebietet, dass solche Fahrzeuge gar nicht erst auf die Straße kommen. Ich setze große Hoffnungen auf Elektro-Motorräder, habe aber auch die klare Erwartung an die Hersteller, mit leisen Motorrädern ein weiteres Kaufargument für umweltbewusste Biker zu schaffen.“ Verkehrsminister Winfried Hermann MdL kündigt an, das Thema im Bundesrat erneut zur Sprache zu bringen: „Das Problem Motorradlärm ist absolut ungelöst. Der Bund muss endlich handeln. Eine künftige Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass das real messbare Geräusch von Motorrädern zu einem entscheidenden Kriterium der Zulassung wird und die europäischen Zulassungsregeln entsprechend geändert werden. Wir werden mit dieser Forderung nicht nachlassen.“ Gerade das Corona-Ausnahmejahr 2020 zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig auf gesundheitsschädliche Belästigungen zu reagieren. Hohe und dauerhafte Lärmbelastungen wirken sich ohne Zweifel auf die Gesundheit der Menschen aus. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat dies in ihrem aktuellen Gutachten bestätigt. Lärm wirkt auf den gesamten Organismus und kann körperliche Stressreaktionen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Um eine Verbesserung für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner zu erreichen, ist eine schnelle Umsetzung von geeigneten Maßnahmen notwendig. EU, Bund, Länder, Hersteller und die Motorradfahrer selbst sind daher zum Handeln aufgefordert.

Getagged mit:

Tiroler Modell hält: Verbot für laute Kräder über 95 dB

Die Europäische Kommission hat eine Beschwerde einer Facebook-Gruppe abgewiesen. Die dort organisierten Motorradfahrer („Nein zum Motorrad-Fahrverbot in Tirol“) waren der Ansicht, dass das Fahrverbot in Tirol für Motorräder über 95 dB Standgeräusch in den Papieren gegen EU-Recht verstoße. Das gibt der Initiative der Bundestagsfraktion der Grünen Auftrieb, die die gleiche Regelung auch für Hotspots in Deutschland fordern, denn das EU-Recht gilt ja neben Tirol auch in Deutschland.

Fahrverbote in Tirol sind konform mit EU-Recht.
Ausriss aus der Tiroler Tageszeitung

Die Verordnung des Landes Tirol zu Streckensperrungen für zu laute Kräder ist damnach gesetzeskonform, wie die Tiroler Tageszeitung mitteilt. Auch wenn Fahrzeuge den Vorschriften für die Typengenehmigung entsprächen, können Beschränkungen erlassen werden, wenn sie durch den ­Gesundheitsschutz gerechtfertigt seien. Eine Studie von 2019 habe die erhöhte Lärmbelastung für die Bevölkerung im Außerfern klar bestätigt.

Die Tiroler Tageszeitung zitiert die EU-Kommission: „Der Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission war es in ihrer Stellungnahme wichtig, dass durch diese Tiroler Maßnahme Motorradkäufe etwa nicht prinzipiell stark eingeschränkt worden seien. Es handle sich auch nicht um ein generelles Nutzungsverbot, weil der Zeitraum vom 10. Juni bis 31. Oktober begrenzt geblieben sei. Zudem gelte das Fahrverbot auf ausdrücklich genannten Straßen in den Bezirken Reutte und Imst. Und drittens seien inländische Fahrzeuge gleich betroffen wie jene im Transitverkehr mit ausländischer Zulassung.“

Die zweite Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) gegenüber der Tiroler Tageszeitung: : „Das Schreiben der Europäischen Kommission bestätigt, dass unsere Verordnungen niemanden diskriminieren, sowie deren Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit. Es wird zudem festgehalten, dass es den Mitgliedstaaten möglich ist, Beschränkungen aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder zur Umsetzung nationaler Umweltpolitik zu setzen.“ Man habe nichts anderes getan, als die Bevölkerung und die Natur entlang dieser Routen vor dem Motorradlärm zu schützen. Felipe will nun den österreichweit erstmalig von Tirol eingeschlagenen Weg zur Reduktion von Motorradlärm konsequent fortsetzen.

Getagged mit: , , , ,

Naherholungsgebiet Vogesen

Unerträgliche Bilder/Töne aus unserem Nachbarland. Die einen erholen sich, die anderen suchen das Weite oder die Ohrenstöpsel. Jedes Wochenende unerträgliche Zustände in einer Naturregion, die zur Rennstrecke umgewidmet wurde.

Getagged mit: , , ,

Kräftemessen der Verbände

Michael Lenzen (links) und Holger Siegel tauschen bei 3Sat Nano Argumente aus.
Quelle: Screenshot Nano

https://www.3sat.de/wissen/nano/200916-motorrad-nano-104.html

So unterschiedlich können Motorradfahrer die Welt sehen: Michael Lenzen (Bundesverband der Motorradfahrer) gegen Holger Siegel (BUND Arbeitskreis Motorradlärm) – Austausch der Argumente im Fernsehen bei 3-Sat Nano. Während Lenzen angesichts von konsequenten Lärmgrenzwerten über das Ende des Motorradfahrens orakelt, fährt Siegel wieder mit seiner Nähmaschine vor, die zeigt, dass es auch leise (wenn auch emotionsbefreit) geht. Siegel: „Ohne Streckensperrung als Ultima Ration nehmen uns die nicht ernst!“ Lenzen: „Lehne ich ab, ist eine Diffamierung.“ Sehenswerter Beitrag von Carsten Walter.

Getagged mit: , , ,

UBA legt nach: Unnötig laut

Die größte Umweltbehörde Europas bezieht Stellung, wie die Zeit berichtet: Auch fabrikneue Motorräder und Sportwagen sind unnötig laut, hat eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) ergeben. Demnach erfüllen die Fahrzeuge zwar die Zulassungsvorschriften, sind aber außerhalb der Prüfbereiche drastisch lauter. Erreicht wird diese „Soundkulisse“ mithilfe von Klappen und zum Teil auch Lautsprechern im Abgasstrang.

Das Umweltbundesamt testete Prollfahrzeuge auf zwei und vier Rädern: drastisch lauter als in der Zulassung. Foto: Wikipedia _ M_H.DE

„Der Lärmschutz und die Nöte lärmgeplagter Bürgerinnen und Bürger kommen dabei unter die Räder“, sagt UBA-Präsident Dirk Messner. Nötig sei eine Pflicht für Hersteller, Motorräder und Autos so leise zu bauen, wie der Stand der Technik es zulässt. „Unnötiger Lärm ab Werk ist auf der Straße nicht akzeptabel und belastet Gesundheit und Nerven aller.“ Das steht übrigens bereits folgenlos in §30 STVO und in §49 STVZO – aber was soll’s…

Untersucht hat das UBA drei Motorräder und drei Autos, die für „sportlichen“ Sound bekannt sind – sowohl unter den gesetzlichen Typ-Prüfbedingungen als auch unter Bedingungen in der Praxis außerhalb des Prüfbereichs. Das Fazit der Behörde: Die erst kürzlich überarbeiteten, internationalen Geräusch-Zulassungsvorschriften sind ungeeignet, extremen Lärm im Straßenverkehr zu unterbinden. Drei Autos in Proll-Ausführung Audi TT RS, Mercedes-AMG GLC 63 S und Škoda Octavia 1.8 TSI Und drei Poser-Motorräder: Kawasaki Ninja ZX-10R, BMW R NineT Urban G/S, Harley-Davidson Softail Heritage Classic.

Umfrage zeigt: W I R sind die Mehrheit!

Einer deutlichen Mehrheit der Deutschen fühlt sich durch Motorradlärm so belästigt, dass sie selektive Fahrverbote befürwortet. Das hat der Spiegel repräsentativ erheben lassen.

Die Bevölkerung hat Bock auf Leise. Quelle: Spiegel Ausriss

Tausende Biker haben in den letzten Wochen teils lautstark demonstriert gegen das Schreckgespenst allgemeiner Wochenend-Fahrverbote – das nie diskutiert wurde. Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat zur Klärung der Mehrheitsverhältnisse im Auftrag des Spiegel die Bundesbürger repräsentativ befragt – und das Ergebnis ist eindeutig:

Fahrverbote als Ultima Ratio für Krachmacher – Quelle: Spiegel.

Offenbar gibt es eine schweigende Mehrheit, die die Sache anders sieht als ausgerechnet die schreihalsigen Verursacher des Problems : Rund 71 Prozent der Deutschen befürworten Fahrverbote für besonders laute Motorräder auf bestimmten Strecken. Damit spricht sich der Großteil der Bevölkerung für eine Lösung aus, wie sie das österreichische Bundesland Tirol praktiziert. Dort dürfen viele Motorräder im Sommer einige beliebte Routen nicht mehr befahren – weder am Wochenende noch unter der Woche.

Getagged mit: , ,

Lärm muss peinlich werden…

Hier noch ein Beitrag vom Bayerischen Rundfunk – man merkt: es tut sich was! Ein Bewusststeinswandel muss her (wenn er nicht schon im vollen Gange ist). Wie Jürgen Stoffregen von der TU Dresden so schön sagt: „Lärm muss peinlich werden!“ Kleiner schaler Beimgeschmack, er meint damit die Biker und nicht beispielsweise seinen langjährigen Arbeitgeber BMW Motorrad. Für die Hersteller ist das Problem mit dem Lärm eh nur eines von undisziplinierten Fahrern, die eine Umweltschutzschulung brauchen…

Bitte, bitte, … nicht! Grüne bieten faulen Kompromiss an

von Hamburger und Reto

Der Spiegel berichtet über eine Initiative grüner Politiker, die vermitteln wollen zwischen motorradlärm-geplagten Anwohnern und (ja wem?) – der aktuellen Lärmsituation. Laut wird es mit diesem „Entgegenkommen“ an den Hotspots auf lange Zeit bleiben. Die Grünen schlagen (hier gibts das Papier als Download) sensationelle Maßnahmen vor nach dem Muster: „wir tun so, als ob wir was tun – am Ende wird sich nichts ändern, aber wir können wenigstens sagen, wir haben ganz viel getan“:

Besonders knuffig ist diese Passage: „Biker sollen vor allem zu mehr Rücksichtnahme bewegt werden, da die aktuellen Maschinen, die legal sehr laut gefahren werden dürfen, noch lange auf den Straßen unterwegs sein werden. Der Bund sollte deshalb Lärmdisplays sowie Kooperationen zwischen Betroffenen, Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern fördern.“

Ist das nicht spitzenmäßig!?

Ich schlage vor, der Bund verdonnert die Lärm- und Gesundheits-Geschädigten dazu, den Krachmachern, wenn sie bei ihnen vorbeibrettern, Kaffee und Kuchen ausgeben zu müssen. Bei der Gelegenheit können sie ja dann – wenn sie es unbedingt wollen – Bettel-Flyer reichen mit „Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte ein bisschen leiser, aber natürlich nur, wenn’s wirklich keine Umstände macht …“

Freizeitspaß vor Gesundheitsschutz und Lebensqualität – das ist doch mal eine überzeugende Prioritätensetzung

Das Prinzip könnte Schule machen. Man erlaubt einfach alles, die Umwelt verschmutzen, Sondermüll illegal entsorgen, Menschen diskriminieren, belästigen, schädigen, zusammen schlagen, in Corona-Zeiten auch wieder Massenveranstaltungen, Partys etc … – dafür pflanzen wir aber die ganze Republik mit Displays zu (das Stück zu 15.000 Euro, hilft aber so sicher wie Placebo): „Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte nehmt Rücksicht, benehmt euch nicht unbedingt wie asoziale Hornochsen! Und wenn doch… – ach komm, macht auch nix“.

Top

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen