Jetzt kommen die Spezialisten für Grundrechte…

Scheuer will aber nicht

Da werden alle Motorradfahrer (nicht nur die Lauten) aber aufatmen. Der amtierende Bundesverkehrsminister (und Dr. a.D.) Andi Scheuer geht laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland auf Distanz: “Ich will keine weiteren Verbote und Verschärfungen für Motorradfahrer”, sagte Scheuer der “Passauer Neuen Presse”. Unklar ist, was er mit „weitere“ meint. Scheuer wies darauf hin, dass diese Idee nicht aus seinem Ministerium stamme. “Das ist ein Beschluss des Bundesrates. Ich habe eine andere fachliche Sichtweise“. In Umfragen wird Scheuer regelmäßig zum schlechtesten Minister der Bundesregierung gewählt.[Q]

Der Scheuer-Andi. Foto Wikipedia-Selbsteintrag, Studio Weichselbaumer

Populistischer Meinungsbeitrag…

Link zum Original hier.

Zehn Jahre hat der Spiegel das Thema totgeschwiegen, jetzt wird gleich dreifach auf Motorradlärm eingegangen. Zu zwei Dritteln ehrt uns das, denn das war sauberer, abwägender Journalismus. Auf das andere Drittel möchte ich eingehen, denn hier pflegt ein Motorradfahrer sein persönliches Interesse und nutzt seine Position als Leiter der Wissenschaft-Redaktion des Spiegel, um mit einem Kommentar im Mobilitätsressort sein Mütchen zu kühlen. Aus der Forderung des Bundesrats, temporäre Streckensperrungen als ultima ratio gegen anders nicht zu beruhigende Hotspots zu ermöglichen, konstruiert er ein allgemeines Feiertags- und Wochenendfahrverbot gegen motorisierte Zweiräder, solange sie von einem Benzin-Motor angetrieben werden. Das sind populistische Methoden, die im Journalismus auch in einem Meinungsbeitrag keine Rolle spielen dürfen.

Becker-Kommentar: Den „mächtigen Anwohnerinitiativen“ auf die Finger geschaut. Ausriss aus: Spiegel Online.

Spiegelredakteur Markus Becker wirft all jenen, die gegen den unnötigen und mutwilligen Lärm kämpfen, Ignoranz, Intoleranz und Heuchelei vor. Der hier mißbräuchlich verwendete Toleranzbegriff begegnet mir im Zusammenhang mit Motorradlärm häufig – wenn auch relativ selten aus dem Munde eines Geisteswissenschaftlers. So formuliert Becker die Forderung an die Belästigten, Geschädigten und seit Jahrzehnten von der Politik und Polizei mißachteten, doch bitte gute Miene zum bösen Freizeitspiel seiner lärmenden Freunde zu machen. Toleranz also den Schädigern gegenüber, die lautes Gerät kaufen oder lautes Zubehör anschaffen? Lärm ist laut WHO das Umweltgift mit der zweithöchsten Krankheitslast.

Becker predigt außerdem – ganz mit der Fahrzeugindustrie – dass 80 Dezibel als Grenzwert technisch überhaupt nicht zu schaffen seien. Ja, das Ende des Kraftrads, wie wir es kennen, naht! Herr Becker: Es hat nur noch keiner probiert! Das erinnert fatal an den beschworenen Untergang des Abendlands, als seinerzeit Katalysatoren eingeführt werden sollten. Jedenfalls kann ich auf Nachfrage gerne ein 90-PS-Motorrad vermitteln, das diesen Grenzwert einhält, auch wenn es in Deutschland schwer zu bekommen ist und noch schwerer zu verkaufen. Für noch mehr Leistung innerhalb dieses Grenzwerts muss ich passen. Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass sich jemand in der Fahrzeugindustrie über dieses Thema jemals Gedanken gemacht hat. Bei der bisherigen Lobbyunterstützung war nicht davon auszugehen, dass diese Tricksereien an Autos und Motorrädern jemals aufs Tapet kommen. Ja – wir sind selbst überrascht über die Bundesratsinitiative! Heuchelei ist ganz etwas anderes, Herr Becker: Dass in jedem Fahrzeugbrief eines neu zugelassenen Motorrads heute 77 dB (A) als Fahrgeräusch-Grenzwert stehen. Und dass dann bei den Anwohnern beliebter Motorradstrecken jeweils hundertfach am Tag deutlich über 100 dB (A) ankommen. Dazu schweigen Sie.

Becker verweist in seinem Meinungsbeitrag auf irreführende Positionen der Anti-Motorrad-Lobby. Es gebe gar keine Vorrichtungen, „die individuell vom Fahrer einstellbare Soundkulissen ermöglichen“. Hier nutzt er wiederum – populistisch und unwissenschaftlich – sprachliche Ungenauigkeiten; auch kolportiert über die einschlägigen Motorrad-Medien bis in die Schweiz. Fakt ist – und das ist gemeint: Bis heute gibt es tastengesteuerte Klappenauspuffe als Zubehör zu kaufen, bis heute werden elektronisch gesteuerte Klappenauspuffe an vielen Serien-Motorrädern ab Werk verbaut. Und bis heute gibt es Zubehörauspuffe mit EU-ABE. Das ist auch bei vielen Sportwagen der Fall, was dann auf der Straße ebenso unangenehm auffällt, wie die Lärmer auf zwei Rädern. Es ist aber keinesfalls technisch notwendig, was viele konventionelle Benzinmotoren zeigen, die ohne Klappen (und ohne Lärm) auskommen. Der TAZ gegenüber hat BMW Motorrad eingeräumt, dass die Klappenauspuffe allein dazu dienen, dass die Motorräder eine Geräuschzulassung bekommen.

Was die „Lobbyarbeit“ der „mächtigen Anwohnerinitiativen“ angeht, so verweise ich auf den Porsche-„Sound“spezialisten Hans-Martin Gerhard, der gegenüber SWR Fernsehen freimütig bekannte, dass die Lärmnorm bis zum Jahre 2016 „nicht das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde“. Die neue, das haben wir erlebt, ist es auch nicht. Aber seine Wortmeldung ist insofern bemerkenswert, als dass Gerhard die wertlose Vorlage selbst verfasst hat, was im letztendlichen Gesetzesentwurf aus einer Word-Datei ausgelesen werden konnte. So sieht Lobbyarbeit in Deutschland aus: Porsche schreibt den Lärmgesetzentwurf. Wie definieren Sie Herr Becker Ihre Aufgabe als Redakteur des Spiegel? Den mächtigen Anwohnerinitiativen auf die Finger zu sehen? Und wie bezeichnen Sie den hier gezeigten Einsatz für Ihre persönlichen Interessen? Während wir unsere „Lobby“-Interessen mit Argumenten und Social Media Reichweite vertreten müssen, nutzen Sie die Reichweite Ihres Brötchengebers für die Verbreitung von persönlichen Halbwahrheiten.

Herr Becker verweist nach Recherche auf unserer Internetseite auch darauf, dass wir eine 17 Jahre alte ACEM-Studie zitieren. Dieser Herstellerverband der Motorradindustrie hatte seinerzeit ermittelt, dass rund ein Drittel (30 Prozent) der Motorräder lärmmanipuliert seien. Damals waren noch die Kunden die Bösen, heute sind es die Hersteller selbst, weshalb die Studie natürlich nicht neu aufgelegt wird. Der Vorwurf, wir würden mit alten Zahlen argumentieren, trifft uns nicht. Den 30 Prozent haben wir uns seinerzeit angeschlossen, weil es nichts Besseres gab – übrigens haben wir die Studie auf Empfehlung des Umweltbundesamt (UBA) bekommen. Und übrigens hat sich das UBA seinerzeit auch auf diese Quelle bezogen.

Seither ist rein gar nichts besser geworden: Die Betrügereien haben sich nur erheblich gewandelt. Die Hersteller geben sich alle Mühe, das illegale Treiben der Kunden durch eigenes „Sound“design zu erübrigen – und selber Geld mit Lärm zu verdienen. Auspuffklappen ab Werk und Zubehörauspuffe, die laut „Motorrad“-Tests in der großen Mehrzahl viel zu laut sind, werden montiert und bestimmen heute das Bild der „legalen“ Manipulationen. Und Menschen wie Herr Gerhard von Porsche sorgen durch die Lobby-Hintertür über die Norm für den gesetzlichen Segen.

Es ist, lieber Herr Becker, pure Demagogie, ein Problem wegzudiskutieren, nur weil keiner genau sagen kann, wie groß es ist; nicht nur weil Sie nicht Betroffener sind und in einer ruhigen Gegend wohnen, sondern darüberhinaus (perfiderweise) auf der anderen Seite auf dem Bock hocken. Bis hierhin war es undurchdachter Corpsgeist, der Sie bewegt. Der Rest des Artikels ist purer Whataboutism. Und das ist letztlich die Schwäche dieses Meinungsbeitrags: arm an Fakten und leider auch dünn an Argumenten. Auch wenn die Brüder am digitalen Motorradstammtisch jubeln: Der Verweis auf Motorradlärm-Gegner, die gerne große Autos fahren oder mit dem Flugzeug in ferne Länder schweben, ist eines Journalisten, Geistenwissenschaftlers und Wissenschaftsredakteurs unwürdig. Für einen Lärmer hingegen schon fast typisch.

Nichts für ungut. Wir halten auch Ihren Lärm noch aus.

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Der Spiegel: Eitel Einigkeit – es ist zu laut. Nur der Industrieverband leistet seinen Offenbarungseid

Der Spiegel berichtet über die Motorradlärm-Initiative der Bundesländer. Die Hersteller geraten unter Druck. Das muss man sich jetzt mal vorstellen: Der Normwert ECE 41 liegt seit 2016 bei 77 Dezibel und der Sprecher des Industrieverbands Motorrad (IVM), Achim Marten, hält „…die Forderung nach 80 Dezibel in allen Fahrzuständen für unrealistisch.“ Da haben wir wohl was falsch verstanden, als Sie uns 2016 gepredigt haben, dass Motorräder nochmals viel leiser geworden sind?

Diskriminierung ist gegen Minderheiten, mittlerweile lärmt die Mehrheit.
Quelle: Ausriss Spiegel Online

Offensichtlich gibt es aber solche und solche Lobbyisten: „Wir fordern schon länger eine feste Lärmobergrenze, die in allen Fahrsituationen gilt“, sagt Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbands der Motorradfahrer. Nur mit den 80 Dezibel kann auch er sich nicht anfreunden. Auch er scheint den genormten 77-Dezibel-Betrug durchschaut zu haben.

Das perfide Beispiel der Ducati Panigale (bitte hier nachlesen) zeigt, wie blödsinnig die Lärmindustrie von Audi (Ducati), BMW (BMW Motorrad), Porsche (Hans Martin Gerhard – hier geht es zu einem interessanten Beitrag in der Stuttgarter Zeitung) und Co. die Politik an der Nase herumführt. Dieses beispielhafte Motorrad mit rund 200 PS hält den Grenzwert nur rund um 36,6 km/h im dritten Gang ein, wie VAGM-Sprecher Holger Siegel im Spiegel zitiert wird.

Klappenauspuffe: Die Mutter aller Abschaltvorrichtungen

Der Spiegel berichtet weiter über die Auspuffklappensysteme, die fast alle Hersteller seit spätestens Mitte der 2000er Jahre einsetzen: „Das ist die Mutter aller Abschalteinrichtungen“, klagt Siegel und verweist auf den VW-Abgasskandal und die Betrugssoftware in diversen Diesel-Pkw. Dabei erkennt die Motorsteuerung des Wagens einen Abgastest und schaltete in einen Modus, in dem die Abgaswerte eingehalten wurden – auf der Straße lagen die Emissionen dagegen um ein Vielfaches höher.

Siegel bezeichnet die Klappenauspuffe und die Norm „als das grundlegende Problem“: So hätten die Hersteller zu viel Einfluss auf die Gestaltung der Vorschriften: „Bisher gibt die Industrie Empfehlungen ab, die dann in Grenzwerte gegossen werden. Eine Norm hat sich aber nicht danach zu richten, was technisch möglich ist, sondern was aus gesundheitlicher Sicht angebracht ist.“ Der Gesetzgeber solle deshalb eingreifen und Grenzwerte vorschreiben, die die Hersteller dann einhalten müssen.

Hier geht es zum Beitrag von Emil Nefzger im Spiegel.

Hier zu einem Interview mit einem Sounddesigner aus derselben Feder.

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Die Bürgermeister stehen auf gegen die Lärmbelästigung

Baden-Württemberg hat eine breite Offensive gegen mutwillige und fahrlässige Lärmbelästigung auf die Beine gestellt. Mehr und mehr Gemeindevertreter verstehen, dass der Lärm unnötig und betrügerisch manipulierend erzeugt wird (mehr dazu hier). Mit dabei sind viele Gemeinden, die zwar auch vom Tourismus leben, aber denen die Belästigung durch Zweiradchaoten (wir meinen die, aber nicht alle Biker) mittlerweile an die Lebensqualität der Bevölkerung geht. Noch immer halten sich aber Bürgermeister aus vielbelasteten Gemeinden zurück. Aus ideologischen Gründen und gegen die Interessen ihrer Bevölkerung? Hier geht’s zur Infoseite des Landes – auch als Muster für andere Bundesländer.

Bundesrat fordert Knatterbremse

Die TAZ berichtet vom Entschluss der Länderkammer.

Der Bundesrat hat sich jetzt mit großer Mehrheit für die wirksame Minderung und Kontrolle von Motorradlärm ausgesprochen. Die Beschlüsse des Bundesrates greifen die Forderungen der baden-württembergischen „Initiative Motorradlärm“ auf – bundesweit regt sich massiver Widerstand gegen die unkontrollierte Entwicklung beim mutwilligen Auspufflärm. Die TAZ titelt: Länder für bessere Knatterbremse!

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) – einer der Frontleute der Initiative – zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Mit der Entschließung des Bundesrats haben wir eine wichtige Etappe beim Schutz vor Motorradlärm erreicht. Aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt. Auch, wenn Land und Kommunen alles ausschöpfen, was gesetzlich möglich ist, muss deutlich mehr getan werden. Motorräder müssen leiser werden und Motorräder müssen leiser gefahren werden. Rücksichtsloses Fahren muss deutlichere Folgen haben. Dafür müssen die rechtlichen Vorgaben erweitert werden. Hier sind insbesondere die Bundesebene und Europa gefragt.“ 

Nordrhein-Westfalen hatte einen Teil des Forderungskatalogs der „Initiative Motorradlärm“ in den Bundesrat eingebracht. Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg hatte in den Beratungen im Bundesrat den Forderungskatalog um weitere notwendige Punkte ergänzt, die der Bundesrat heute beschlossen hat. 

Konkret handelt es sich um folgende Punkte:

  • Der Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität ist ein Muss. Motorradfahrer werden aufgefordert, rücksichtsvoll und leise zu fahren.
  • Hersteller und Händler sollen leisere Motorräder herstellen und anbieten (Verbot des sogenannten Sound-Designs).
  • Stärkere Verkehrsüberwachung und Ausweitung von Kontrollmöglichkeiten.
  • Beschränkungen und Verbote müssen in besonderen Fällen möglich sein
  • Vorsätzlich lärmerzeugende Fahrweisen müssen stärker geahndet werden
  • Der Bund muss eine Lösung finden, damit insbesondere Raser einer Strafe nicht entgehen können.
  • Alternativ wird zumindest die Einführung einer Halterhaftung gefordert
  • Pflicht zur Führung eines Fahrtenbuchs

Als Erfolg der „Initiative Motorradlärm“ wertete der Verkehrsminister das im Bundesrat erzielte Ergebnis: „Mit dem Beschluss des Bundesrats haben wir zwar noch kein Gesetz, dennoch ist die Entschließung ein großer Erfolg für die „Initiative Motorradlärm“. Das Engagement der vielen Mitglieder und unseres Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein hat wesentlich zu dem positiven Abstimmungsergebnis beigetragen. Nun müssen weitere Schritte folgen. Ich setze mich weiterhin und mit Nachdruck für die Minderung von Motorradlärm und die konsequente Sanktionierung von Regelverstößen ein!

Tagesaktuelle Umfrage bei motorradonline.de: „Loud is eben gar nicht out“.

Initiiert durch den Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung Thomas Marwein MdL und Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden, hatte sich im Juli 2019 die „Initiative Motorradlärm“ gegründet. Lärmschutzbeauftragter Marwein: „Gestartet sind wir mit 29 Mitgliedern, mittlerweile ist die Zahl auf 98 angestiegen. Die Mitglieder – Städte, Gemeinden und Landkreise – repräsentieren über ein Viertel der elf Millionen Bürgerinnen und Bürger von Baden-Württemberg. Ich kenne keine erfolgreichere Initiative zum Thema Motorradlärm.“ 

Sachverständigenrat für Umweltfragen: Dauerhafter Lärm macht krank

Marwein verwies auch auf das aktuelle Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen, welches erneut hervorgehoben hat: Dauerhafter Lärm ist nicht nur belästigend, sondern wirkt sich schädlich auf die Gesundheit aus und macht krank.  H

Bestand zugelassener Krafträder steigt kontinuierlich

Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich durch Straßenverkehrslärm belästigt. Als besonders störend werden einzelne Fahrzeuge empfunden, die aufgrund ihrer Konstruktion sehr laut sind. Dazu gehören insbesondere Motorräder, die über einen speziellen Klangcharakter verfügen. Der Bestand an zugelassenen Krafträdern in Deutschland steigt kontinuierlich an: Vor 50 Jahren (1970) waren es nur etwa 230.000, zur Jahrtausendwende (2000) waren es mit 3,3 Millionen bereits mehr als das Zehnfache. 2020 ist die Zahl auf über 4,5 Millionen Krafträder angestiegen. Motorradlärm-Displays: Landesförderung bis 30. Juni beantragenDas Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg unterstützt Kommunen und Landkreise erneut bei der Anschaffung von Displays gegen Motorradlärm mit bis zu 4.000 Euro. Von Motorradlärm geplagte Städte und Gemeinden, sowie Land- und Stadtkreise können sich noch bis zum 30. Juni 2020 für eine Förderung bewerben. Die Anträge können beimMinisterium für Verkehr eingereicht werden. 

Welt online berichtet: hier.
Südkurier. hier.
Motorrad: hier.

Faktencheck – so funktioniert der Betrug mit dem Klappenauspuff

Der Aufkleber am Rahmen einer Ducati zeigt, wie offensichtlich der Betrug ist. Hier werden die Werte erklärt.


Es handelt sich hier um einen Zulassungs-Aufkleber am Motorradrahmen einer Ducati Panigale, die nach Euro 3 typzugelassen wurde. Also vor 2016; es gilt der „Grenzwert“ = 80 dB(A). Die neuere Euro 4 (seit 2016) ist ein bisschen anders – aber nicht wesentlich strenger. Derselbe Mumpitz – eben bei 78 dB(A)…

Selbstauskunft

Auf dem Kleber steht folgendes drauf. Unterer Wert: Die Ducati war im Testzyklus auf dem Firmengelände in Bologna 79,5 dB(A) laut – sagt der Hersteller. Unter 80 dB(A) = bestanden. Sogar übererfüllt!!!!
Reine Selbstauskunft ;-) – reicht. Das Fahrzeug musste dazu nicht beim TÜV-Italia (wenn es so etwas gibt) vorgefahren werden.
Ach ja: Sie hat übrigens einen Klappenauspuff, die Ducati. Das ist eine Abschaltvorrichtung wie beim Dieselskandal. Die Lärmschutzwirkung des Auspuffs wird zugeschaltet, wenn der Prüfzyklus erkannt wird und sie deshalb gebraucht wird. Im Alltagsbetrieb schaltet die Auspuffklappe auf (lauten) Durchzug. Modernes Emissionsmanagement im Stile der Fahrzeugindustrie. Konstatiere: Jetzt ist die Krachmaschine zugelassen und nach Rechtslage für alle Zeiten im Verkehr.

Verkehrskontrolle

Wenn einem Polizisten das Fahrzeug als irrsinnig laut auffallen sollte (was es ist), kann er es kontrollieren. Er sucht diesen Aufkleber oder er kann im Fahrzeugbrief nachsehen. Dort steht das gleiche.

Dann kann er im Zweifelsfall einen Fahrgeräuschtest veranlassen und das Fahrzeug muss dann im 3. von sechs Gängen mit 36,6 km/h (das steht in der nächsthöheren Zeile des Aufklebers) auf einer Teststrecke ohne Häuser und mit sauberem Asphalt beschleunigt werden. Zu diesem Messzeitpunkt machen die Auspuffklappen das Motorrad unter 79,5 dB(A) „leise“.
Sie merken was? Das ist ein 300 km/h schnelles 195 PS Motorrad, das mit 36,6 km/h im dritten Gang durch die Zulassung geschoben wurde. Dieser Betriebszustand kann in der Praxis für eine Motorsteuerung leicht erkannt werden, denn außer im Prüfzyklus wird das Bike so sonst nieeeeeee bewegt. Politiker bewerten dieses Verfahren gerne als „nicht realitätsnah“. Man könnte auch arglistige Täuschung, Betrug oder Poltik-/Volksverdummung dazu sagen.

Stand“geräusch“

Weil die Kontrolle des Fahrgeräusches sehr aufwändig und teuer ist, wenn er gerichtsverwertbar sein soll, haben sich die „interessierten Kreise“ des Normenausschusses schon vor einem halben Jahrhundert einen zweiten „Test“ mit einem Referenzwert überlegt. Vorsicht: Jetzt wird’s kompliziert und komplett Balla Balla. Dazu gibt es einen zweiten Wert, das sogenannte Standgeräusch (auf Aufkleber zweite Zeile von oben).
Das ist nur ein Referenzwert. Der Hersteller attestiert sich wieder selbst, dass dieser Wert ab Werk zum Fahrgeräusch passt. Hier könnte auch 160 dB(A) stehen – er ist ja „nur“ der Vergleichwert für den anderen Wert. Die Normenkommission hat sich bis heute nicht entblödet, hier auch nur einen Maximalwert abzustecken. Diesen Wert meinen Motorradfahrer, wenn sei sagen: „Meine hat 108 dB eingetragen.“ Ducati sagt damit: Wir haben das normgerechte Krad nach dem bestandenen Zulassungs-Test (Fahrgeräusch) auf den Ständer gestellt und diesen Wert gemessen. Weil die beiden Werte zusammenpassen (Referenz) bürgt das laute Standgeräusch für das (bereits klappen-manipulierte) Fahrgeräusch. Dabei wird davon ausgegangen, dass bei einer Manipulation durch den Besitzer dieser Wert noch lauter wird.

Dieser Standgeräusch-Wert wurde von Ducati in unserem Beispiel bei 107 dB(A) und 6500 U/min Motordrehzahl eingetragen.
So laut ist das Motorrad wirklich?
Fast!

So laut ist die Ducati, wenn Sie sie auf den Ständer stellen und am Gas drehen bis der Drehzahlmesser 6500 U/min zeigt. Das ist der übliche Test in solchen Fällen am Straßenrand. Schräg versetzt hinterm Auspuff wird gemessen. Achtung: Jetzt gibt es noch eine „Toleranz“ von 5 dB(A). 5dB(A) ist 50 bis 100 Prozent lauter. Ein Irrsinns-Zuschlag = 100 % Toleranz gegenüber den Belästigern und der Fahrzeugindustrie.

Schmerzgrenze!

Was bedeutet der Wert „Standgeräusch“: Weil der Hersteller (sic!) sich selbst bestätigt hat, dass das Standgeräusch zum Fahrgeräusch passt und das Fahrgeräusch zur Norm, sind diese 107 dB + 5 dB Toleranz = die Schallmauer bei der Kontrolle an der Straße.

In der Praxis: Das Fahrzeug kann sicher nur dann beanstandet werden, wenn der Polizist mehr als 112 dB(A) misst. Denn dann fallen die Werte rückwärts um wie beim Domino und eine Manipulation durch den Besitzer ist zu vermuten. Mehr „Standgeräusch“ eintragen ist im Zweifelsfalle also besser für Ducati, damit der Kunde stets ungehindert weiterfahren darf. Idiotisches Verfahren. Wird von der Polizei (sic!) seit 40 Jahren folgenlos kritisiert…

Physik: Eine Pegeländerung des Schalls zwischen 6 und 10 dB entspricht etwa der Verdopplung der empfundenen Lautstärke (Logarithmus-Skala). 107 dB ist rund 8 Mal lauter als der Euro 3-Wert von 80 dB(A), der als Grenzwert suggeriert wird.

Und jetzt kommt’s: Eine Ducati Panigale dreht in der Praxis nicht „nur“ 6500 Umdrehungen auf dem Ständer, sondern max 10.750 U/min, um 195 PS zu entfesseln. Wir haben hier also ein Renn-Motorrad, das den 80 dB-„Grenzwert“ bei 36,6 km/h einhält. Laut Ducati. Und wenn der Fahrer am Ortsausgang den Hahn aufreißt, sind wir in der Praxis schnell bei echten 120 dB(A). Das ist die Schmerzschwelle und 16 Mal lauter als die Norm. Und trotzdem von der Polizei nicht zu beanstanden, was dann auch im Polizeibericht steht.

Zum Klappenauspuff der Panigale (sie stammt aus dem Hause Audi, denn die Diesel-Schummelbude aus Ingolstadt betreibt den italienischen Hersteller Ducati) schreibt die Zeitschrift Motorrad (die ist nicht verwandt, nicht verschwägert mit dem BUND): „Bei neueren Ducati-Testmaschinen fiel auf, dass die Klappe sich im Alltag nun offensichtlich gar nicht mehr schloss. Die Panigale war einfach immer brüllend laut“.

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Erkenntnis: Wenn zwei miteinander rasen – ist’s ein Rennen!

Zwei Männer aus Freiburg haben sich ein illegales Rennen im Höllental geliefert, wie die Badische Zeitung berichtet: Sie beschleunigten dabei auf über 170 Stundenkilometer. Gefilmt wurden die Raser von einer zivilen Videostreife der Polizei. Die Polizei ermittelt wegen eines illegalen (und natürlich legal lauten) Straßenrennens – und das ist eine Straftat. Gut so!

Das Höllental – hier wurde das illegale Rennen veranstaltet. Foto: Joachim Haller / Wikipedia.

Die Rennmaschinen wurden artgerecht bewegt – allerdings auf der vielbefahrenen und unfallträchtigen Höllentalstrecke und nicht auf der Rennstrecke: Nach Polizeiangaben saßen die Herren Rennfahrer auf einer Ducati mit 197 PS (von 0 auf 100 in drei Sekunden, Spitzengeschwindigkeit 299 Stundenkilometer) und auf einer BMW mit 165 PS, (0 auf 100 in 3,1 Sekunden, Spitze Tempo 255 km/h). Führerschein weg, Strafverfahren am Hals – schöne Abschreckung zur Abwechslung mal. Auch ohne Typenangaben ist klar, dass beide Fahrzeuge zu der Krachfraktion gehören. Wir beobachten den Fortgang der Sache und freuen uns, dass die Polizei endliche diesen Paragraphen auch gegen Biker einsetzt.

danke @Alex

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