Offensive gegen mutwilligen Verkehrslärm

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Bundestagswahl – Wahl-O-Mat in Sachen mutwilliger Verkehrs-Lärm

Haben die Parteien ein Konzept gegen mutwilligen Verkehrslärm bei Motorrädern und Autos?  Die VAGM e.V. Vereinigte Arbeitsgemeinschaften gegen Motorradlärm und der Arbeitskreis Motorradlärm im BUND haben nachgefragt – und interessante Antworten erhalten. Die Regierungsparteien CDU/CSU sind verantwortlich für die aktuelle Situation und die eklatante Rechtsbeugung in Sachen Lärm. Und wollen nur das Beste. Die Grünen (in Baden-Württemberg an der Regierung) zeigen Verständnis – und erreichen wenig. Und Christian Lindner von der FDP will sich nicht zu Sachen äußern, von denen er nichts versteht.

Das Anschreiben

Sehr geehrte(r) Herr/Frau …,



wie Sie sicherlich aktuellen Medienberichten entnommen haben, gibt es ein ernstes Problem mit vorrangig privat in der Freizeit betriebenen Kraftfahrzeugen mit besonders starken Geräuschemissionen, beispielsweise durch sogenannte Klappenauspuffanlagen. Da werden Milliarden für Schallschutzmaßnahmen im Straßen- und Wohnungsbau ausgegeben, gleichzeitig jedoch werden Fahrzeuge und Ausrüstungen verkauft, um deren Geräusemmision vorsätzlich zu erhöhen.



54 % der Menschen fühlen sich laut Umweltbundesamt durch Verkehrslärm zum Teil erheblich belästigt. Viele Menschen investieren privat in Schallschutzfenster und wenden weitere hohe Beträge auf, um zumindest in den eigenen vier Wänden etwas Lebensqualität zu erhalten. Das Problem betrifft Innenstädte gleichermaßen wie das Land.

Kinder reagieren zum Teil panisch auf einen Lärmpegel jenseits der 100dB, welcher von diesen Fahrzeugen zum Teil mühelos überschritten wird. 
In Industrie- und Handwerksbetrieben ist bei solchen Lärmpegeln das Tragen eines Gehörschutzes vorgeschrieben, „in freier Natur“ aber wird von der Bevölkerung erwartet, hierbei schlafen zu können.


Es besteht heutzutage keinerlei technische Notwendigkeit mehr für diese Lärmbelästigung. Fahrzeuge könnten heute so gebaut werden, dass sie fast so leise wie ein Elektroauto sind. Dieses fordert eigentlich auch §49  StVZO „Kraftfahrzeuge … müssen so beschaffen sein, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.“ Der zusätzliche, unnötige Lärm dient lediglich dem Amüsement einer gesellschaftlichen Minderheit und der Industrien, die diesen Markt bedienen. Darunter leiden müssen mindestens 13 Millionen Anwohner von Straßen in Deutschland, sowie alle Fußgänger und Radfahrer, die täglich diesem unsinnigen Lärm ausgesetzt werden.

Konkret stellen wir uns an dieser Stelle folgende Fragen:



1. Wie stehen Sie zu dieser Problematik?

2. Welche Maßnahmen planen Sie gegen den vermeidbaren Verkehrslärm im Falle einer (Wieder)wahl?



Mit freundlichen Grüßen

Briefe an:

Antwort Grüne (Katrin Göring-Eckardt / Cem Özdemir)
Antwort FDP (Christian Lindner)
Antwort CSU (Horst Seehofer)
Antwort CDU (Angela Merkel)
Antwort SPD (Martin Schulz)
Antwort Die Linke (Sahra Wagenknecht)
Antwort AFD (Alexander Gauland)


 

Antwort Grüne, Katrin Göring-Eckardt / Cem Özdemir
Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Mail. 



Sie haben absolut Recht: Lärm macht zweifellos krank beeinträchtigt die Lebensqualität von Menschen erheblich. Die Eindämmung von Lärm ist für uns deshalb ein wichtiges Thema und wir setzen uns seit Jahren für einen wirkungsvollen Lärmschutz ein. 

Die Bundesregierung lässt – gerade auch beim Verkehrslärm – die Betroffenen allein. Dabei hat die Belastung der Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Jahren kaum abgenommen. 
Es ist nicht mehr vermittelbar, dass ein Rechtsanspruch auf Lärmvorsorge nur für den Aus- und Neubau von Straßen und Schienenwegen gilt. Für den Bestand fehlt der Rechtsanspruch, Lärmsanierung findet hier nur nach Kassenlage statt. Das muss sich ändern. 

Auch beim Luftverkehr ist der Lärmschutz völlig unzureichend. Dabei weisen die Ergebnisse der großen Lärmwirkungsstudie NORAH dringenden politischen Handlungsbedarf nach. Die Studie zeigt: bei allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sich das Risiko einer Erkrankung bei nächtlichem Fluglärm. Wir brauchen Lärmobergrenzen und ein Lärmminderungsgebot für Flug – und Bahnlärm. Im Luftverkehrsrecht muss, wie bei den anderen Verkehrsmitteln, ein Vorrang von aktivem Schallschutz vor passivem Schallschutz verankert werden. 
Außerdem wollen wir ein umfassendes Netz unabhängiger Lärmmessstellen. 

Informationen zu unserer parlamentarischen Arbeit zum Thema Lärm  finden Sie unter diesem Link:

Ich hoffe, ich konnte Ihnen unsere Position deutlich machen.

Ihnen alles Gute und noch einen schönen Tag!
Mit besten Grüßen
Achim Wolters

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
Bundesgeschäftsstelle 
Referat Öffentlichkeitsarbeit


 

Antwort FDP, Christian Lindner

Sehr geehrte Damen und Herren,
danke für Ihre Nachfrage.

Die FDP ist gegenwärtig im Deutschen Bundestag nicht vertreten. Deshalb haben wir nicht auf jede fachliche Frage eine präzise Position. Ich bitte um Verständnis, dass ich die Antwort zurückstellen muss, bis die Experten einer möglichen neuen Fraktion der FDP sich ein fachliches Urteil gebildet haben.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Lindner

Christian Lindner MdL
Bundesvorsitzender der FDP
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Antwort CSU, Horst Seehofer

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Email an die CSU.
Straßenverkehrslärm ist ein ernstzunehmendes Problem. Es ist uns daher ein wichtiges Anliegen, den Lärmschutz konsequent voranzutreiben. Seit 2013 wurde hier eine Rekordsumme investiert. Neben Lärmschutzwänden wurden weitere Maßnahmen wie das Verlegen von geräuscharmem Asphalt vorangetrieben. Auch beim Schienenverkehr wurde diesbezüglich einiges getan. Diese Maßnahmen wollen wir weiterhin fördern.
Die Politik gibt auch Grenzwerte für Geräuschemissionen vor. Das gilt auch für konkrete Vorgaben für konkrete Verkehrsmittel und Verkehrssituationen, auch durch Geschwindigkeitsbegrenzungen.
So gibt es mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie – die im deutschen Bundesimmissionsschutzgesetz verankert wurde – erstmals einen gemeinsamen europäischen Ansatz zur Minderung der Lärmbelastung der Bevölkerung.
Dabei werden nach vergleichbaren Verfahren Lärmschwerpunkte durch eine umfassende, strategische Lärmkartierung ermittelt. Auf Grundlage der Lärmkarten werden unter aktiver Mitwirkung der Öffentlichkeit Lärmaktionspläne aufgestellt. Dabei kommt es im Ergebnis immer auch auf die konkrete Verkehrs- bzw. Lärmsituation vor Ort an und nicht so sehr auf ein einzelnes Fahrzeug.
Leider wird es aber darüber hinaus aber auch in Zukunft so sein, dass sich manche Menschen schlichtweg rücksichtslos im Straßenverkehr bewegen – wie etwa zulasten der von Ihnen geschilderten Mutter mit Kinderwagen. In solchen Fällen – zumal wenn in einem Ort geschehend, der, wie Sie schreiben, an sich vom Straßenverkehr wenig berührt ist – gilt mitunter: Politik kann – und darf – eben auch nicht alles regeln. Hier muss man auch die Verantwortlichkeit jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers appellieren.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Lemke
Referent für Wirtschaft, Finanzen und Verkehr
CHRISTLICH-SOZIALE UNION
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Antwort CDU (Angela Merkel)
Sehr geehrte Damen und Herren,
haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben an die CDU Deutschlands. Entschuldigen Sie bitte die späte Rückmeldung. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen konnten wir Ihnen leider nicht früher antworten.
Wir sehen das Problem des Verkehrslärms und haben auch die Lärmvorsorge und den Lärmschutz in unser Regierungsprogramm aufgenommen.
Grundsätzlich bleibt unser Grundsatz: Mehr Mobilität bei weniger Lärm!
„Unser Ziel beim Ausbau der Infrastruktur ist und bleibt: Wir haben seit 2013 eine Rekordsumme in Lärmvorsorge und ‑schutz investiert. Das setzen wir fort. Beim Lärmschutz auf Bundesstraßen und Autobahnen haben wir durch die Errichtung von Lärmschutzwänden und den Einsatz von Flüster-Asphalt große Fortschritte gemacht. Wir nehmen nun auch verstärkt den Schienenverkehr ins Visier. Ab 2020 wird durch das Verbot lauter Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz der Schienenlärm halbiert. Wir wollen die gesamte Bandbreite der zur Verfügung stehenden Maßnahmen nutzen, durch moderne Technik, durch aktiven und passiven Lärmschutz.“
Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen noch alles Gute!
Mit freundlichen Grüßen
Christian Martin
CRM-Team
Bürgerservice der CDU-Bundesgeschäftsstelle
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Antwort SPD (Martin Schulz)

-bisher keine-
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Antwort Die Linke (Sahra Wagenknecht)

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
herzlichen Dank für Ihren Einsatz gegen Straßenlärm! Von Lärm fühlen sich Millionen Menschen in Deutschland gestört und er ist eine eindeutig nachweisbare Gesundheitsgefährdung.
Leider wird das Problem des Lärms von Pkw und Motorädern von der Bundesregierung und den ihr unterstellten Behörden (KBA) nicht ernst genug genommen. Und dass „Autoposer“ nur um sich geil zu fühlen tausende Menschen vorsätzlich mit Lärm belasten und sich dann auch noch auf die Typenzulassung berufen können, ist ein Skandal. Denn eigentlich ist die Straßenverkehrszulassungsordnung recht eindeutig: Sie schreibt vor, dass die Fahrzeuge so beschaffen sein müssen, „dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt“´ (§ 49 (1) StVzO).
Wir haben uns des Themas noch mal nach der Plusminus-Sendung am 9.8.2017 angenommen:
– Pressemitteilung von Sabine Leidig am 10.8.: http://www.nachhaltig-links.de/index.php/strasse-individualverkehr/autoindustrie/1839-laermtrickserei
– Zwei schriftliche Fragen dazu an die Bundesregierung: Die völlig unzureichende Antworten aus dem Verkehrsministerium finden Sie im Anhang.
 
Wir werden uns in der nächsten Legislatur weiter dafür einsetzen, dass bei der Typenzulassung vernünftige und der Praxis auf der Straße entsprechende Messverfahren sowie weiter sinkende Grenzwerte zur Anwendung kommen und Manipulationen aller Art, die dem Ziel von § 49 (1) StVzO widersprechen von der Polizei kontrolliert und sanktioniert werden können. Auch jegliche Maßnahmen von Herstellern und Werkstätten, die das Ziel haben, die Fahrzeuge lauter als nach dem Stand der Technik möglich zu machen, müssen verboten und sanktioniert werden.
 
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Leidig
(verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag)

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Antwort AFD (Alexander Gauland)

– bisher keine –

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Motorradfahrer-Verband: „Völlig überflüssige Lärmbelästigung“

Wir bekommen mit unserer Forderung nach verbindlichen Lärm-Grenzwerten über das gesamte Drehzahlband plötzlich unerwartete Unterstützung – ausgerechnet vom Bundesverband der Motorradfahrer selbst!

Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) wendet sich nach der entsprechenden Mitteilung bereits seit Jahren gegen die aktuellen Verfahren zur Bestimmung der Geräuschemissionen bei Kraftfahrzeugen. Zwar seien die derzeit geltenden Grenzwerte nach Ansicht des Verbandes „absolut ausreichend, um zu einer deutlich verringerten Lautstärke beizutragen“. Doch die Vorschriften bieten zu große Schlupflöcher. Denn sie legen nicht fest, dass die Grenzwerte über das gesamte Drehzahlband in allen Fahrsituationen gelten müssen, „sondern nur in einem engen Drehzahlbereich“. BVDM-Chef Michael Lenzen: „Das ermöglicht den Fahrzeugherstellern, technische Lösungen einzubauen, die außerhalb des festgelegten Messbereiches für eine erheblich höhere Lautstärke und damit eine völlig überflüssige Lärmbelastung der Umwelt sorgen – und zwar ganz legal“.

Lenzen appelliert an alle Motorradfahrer, Rücksicht auf Anwohner zu nehmen und verantwortungsbewusst mit dem Gasgriff umzugehen. Der Gesetzgeber müsse dafür sorgen, dass die Lärmgrenzwerte für Kraftfahrzeuge über den gesamten Betriebsbereich vorgeschrieben und Manipulationen wirksam verhindert würden.

Lärmvorschriften müssen besser werden: Pressemitteilung des Bundesverbands der Motorradfahrer e.V. Foto: AK Motorradlärm im BUND.

 

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ARD Plusminus: Auto- und Motorradlärm – der Lärmskandal

Lärm im Vorgarten: ARD-Plusminus filmt an einer Raserstrecke in Sulzbach an der Murr.

Eine Film-Beitrag des Magazins „Plusminus“ zum Auspufflärm-Skandal hat für ein breites Medienecho gesorgt. Seit 2005 klagt der Arbeitskreis Motorradlärm im BUND die Manipulationen von Fahrern, Motorrad- und Zubehörindustrie an. Erst nach dem Dieselskandal werden die Medien hellhörig. Denn das Muster des Vorgehens ist das selbe: Auf dem Papier immer leiser, in der Praxis unnötige, pure Belästigung – und immer lauter. Und was im kleinen Markt „Motorrad“ vorbereitet wurde, findet mehr und mehr Eingang in den Massenmarkt Automobil.

Audi hat den Krachschalter – wie so viele

Ausgelöst hat die Berichterstattung unter anderem ein einfaches E-Mail an die Audi-Pressestelle: Im Frühjahr hatten wir dort nachgefragt, ob die manuelle Umschaltung des Audi TT RS auf „Krach“ durch die Allgemeine Betriebserlaubnis gedeckt sei. „Alles legal“  – war damals von Audi zu erfahren.  Diese Antwort scheint derzeit einer Überprüfung durch behördliche Stellen nicht Stand zu halten. Damit stehen plötzlich alle Klappen-Auspuffanlagen auf dem Prüfstand. Bei Autos und auch bei Motorrädern. Und das Beste: Offensichtlich wurden die Fahrzeuge mit diesen Anlagen nie behördlich vorgeführt. Das Vertrauen der Behörden gegenüber den Herstellern scheint beim Abgas so hoch zu sein wie beim Lärm – grenzenlos.

Polizei: endlich Tacheles durch Spezialisten

Auch Deutschlands lärmaktivster Verkehrspolizist, Polizeidirektor Dieter Schäfer aus Mannheim, hat sich des Themas der serienmäßigen Manipulationen angenommen, nachdem sein „Mannheimer Modell“ mittlerweile zum Standardrepertoire gegen Auspuffposer in deutschen Großstädten gehört.  Im Plusminus-Interview erklärt Schäfer hier das Problem. Erfrischendes Tacheles von einem Polizei-Spezialisten – nachdem Betroffene jahrzehntelang von den Behörden mit einem „da kann man nichts machen“ abgespeist wurden.

Ein landesweites Problem

Die Reaktionen auf die Berichterstattung zeigen: Wir haben es mit einem landesweiten Problem zu tun, das viele Menschen beschäftigt. Und – liebe Motorradfahrer, liebe Auto-Poser – es wird Zeit Euch Gedanken zu machen, wie Ihr zur Lösung des Problems beitragen könnt. Auch wenn heutzutage die technischen Voraussetzungen für lärmarmes Fahren schlechter sind denn je: Ihr seid das Problem, Ihr habt es in der Hand, am Gas zu drehen.  Und: Es sind nicht nur ein paar verrückte Umweltaktivisten, die Eure Belästigung satt haben. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Zum Plusminus-Film geht es hier, zu einem Interview mit dem Sprecher des Arbeitskreises Motorradlärm im BUND, Holger Siegel, geht es hier.

 

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Lärm-Eventveranstalter stellt Anwohner an den Pranger

Der Pranger für einen Leserbrief und eine Polizei, die Kontrollen ablehnt – Hattinger Bürger leiden unter „Harley-Meeting-Ruhrpott“

Unser Facebook-Team wurde von Anwohnern in Hattingen, in der grünen Lunge des Ruhrgebietes, auf einen Facebook-Beitrag aufmerksam gemacht, in dem der Event-Veranstalter Klaus Fröhlich von KF-Entertainment einen Bürger an den Pranger stellt. Der dort gemobbte Herr Laufer hatte lediglich einen kritischen Leserbrief zum Lärm am Rande des „Harley-Meetings-Ruhrpott“ geschrieben. Dieser Artikel wurde von Herrn Fröhlich als Beitrag eingestellt – verbunden mit der Aufforderung „genau zu lesen“. Auf die wenigen, harmlosen Zeilen in der Lokalpresse folgen dann unter anderem diese Kommentare:

Robby Pelz Da dieser Vogel keine Hobbys hat sollte er sich besser Aufhängen oder selber mal eine Harley Fahren um am Leben teilnehmen –

Thomas Gornik Hammer wie SCHEIßE doch Menschen sein können wenn andere livestyle haben und es ausleben egal wie ne da sind sie wieder DIE DEUTSCHEN OTTO MENSCHEN uuh die machen ja laute Geräusche wie ignorant ob das.mal rechtens ist und am heiligen SONNTAG mann Mann Mann ihr kackbratzen einfach mal den Kopf zu machen und es mit spaß versuchen ich hätte da auch nen super Tip für euch Idioten falls mal kein Harleymeeting in der Nähe sein sollte wo ihr AFFen rumjammern könnt versucht es doch mal ab 6Uhr morgens bis 22 Uhr in der Wohnsiedlung am DU FLUGHAFEN da könnt ihr ja dann die asi Urlauber kritisieren die unverschämte r Weise im Flieger sitzen
PS Mann sollte Euch nachträglich abtreiben wäre wohl für uns die beste Lösung-

Weitere Kommentare und warum die Polizei wegschaut: Bitte lesen Sie HIER weiter!

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Medienecho Juli: Breiter Widerstand gegen den mutwilligen Lärm

Landauf, landab – das Thema Motorradlärm und zunehmend auch der Poser-Lärm von Pkw machen Schlagzeilen in den Medien. Das Dilemma: Während die Bürger aufbegehren, muss sich die Polizei Tricks und Winkelzüge überlegen, um überhaupt ein Mindestmaß an Abschreckung zu ermöglichen. Die Politik legt die Hände wahlweise in den Schoß oder verweist nach Brüssel. Ja, das ist genau das, was Europa braucht – den Verweis der Sache an das europäische Bürokratiemonster. Doch leider ist es nicht so einfach, weil die deutsche Politik, allen voran die aktuelle Bundesregierung, es versäumt hat, der Lobby der Lärmer und ihrer willfährigen Helfer in der Industrie Paroli zu bieten. Eine unpraktikable Norm, viele Schlupflöcher, Übergangsregelungen, die noch Jahrzehnte dafür sorgen werden, dass Krachmaschinen von vor 2016 noch lange unverändert weiterproduziert werden können. „Das ist der nächste dicke Skandal nach dem Diesel-Thema,“ sagte uns unlängst ein Polizist aus Mannheim, der intensiv mit der Sache befasst ist. Also alles beim Alten? Nicht ganz. Demonstrationen und Bürgerinitiativen – das ist das Thema dieses Lärmsommers.

In Lindenfels wurde ein Mitarbeiter des Ordnungsamts eigens für das Motorradlärm-Thema abgestellt, wie der Mannheimer Morgen hier berichtet. Die Burgstadt bei Mannheim leidet unter den Krachmachern.

Die Stimmung in der Eifel ist weiterhin gereizt: Wie jedes Jahr im Sommer kommen massenweise Motorradfahrer in die Eifel. In diesem Jahr hat die Diskussion gewaltig Fahrt aufgenommen. Viele Anwohner sind einfach nur noch genervt vom Motorradlärm, der nicht nur am Wochenende über dem Rurtal liegt, wie die Aachener Zeitung berichtet. Peter Stollenwerk kommentiert: Der Lärm ist ein bundesweites Problem, nicht nur eines der Eifel. Er stellt Forderungen auf, die denen des BUND Arbeitskreises Motorradlärm entsprechen.

Auch in Mannheim geht die Jagd auf Poser auf zwei und vier Rädern weiter, wie die Welt berichtet: Das Klientel erweist sich als absolut unbelehrbar – schon gibt es die ersten Mehrfach-Wiederholungstäter und hoffentlich bald auch weitere Führerscheine, die verloren gehen. Die Welt hat übrigens ein druchaus zwiespältiges Verhältnis zum mutwilligen Motorenlärm: Der Motor-Redaktion kann es nicht laut genug sein – und dann brav darüber berichten, wie in Mannheim Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden, die eben noch für ihren atemberaubenden Sound gelobt wurden.

Einen Eindruck, welche Kosten Lärm verursacht, damit er weniger auf die Gesunheit schlägt, vermittelt ein Artikel aus der Saarbrücker Zeitung: Für etwa 1,6 Millionen Euro wird in Sengscheid die Lärmschutzwand zur Autobahn 6 erneuert. Sie soll 700 Meter lang und 2,50 Meter hoch sein. Zitat: „Ein direkter Anlieger beschrieb sein schönes Grundstück, wo er im Sommer mit seiner Familie kaum im Freien sitzen könne, weil die Geräuschkulisse, die durch die Lkw oder Motorräder hervorgerufen werde, nahezu unerträglich sei.“ Merke: die einen kaufen Sportauspuffe, die anderen Lärmschutzfenster. Die einen haben ihren Spaß, die anderen einen Herzinfarkt.

Radio Lippe berichtet über eine Todeskurve, die saniert werden soll. Solche Beinamen beziehen sich in der Regel auf unsere Lärmklientel. Und wie immer der obligatorische Abspann: „Mit Forderungen nach einem Blitzer oder der zeitweiligen Sperrung der Straße für Motorräder hatten die Kalletaler Anwohner keinen Erfolg.“ Lieber Lärmschutzwände bauen und die Strecke renntauglich ausrüsten…

Schon bemerkenswert, wie Motorradlärm die Leute mittlerweile um die Lebensqualität bringt: So berichtet die Badische Zeitung zum Aktionsprogramm „Todtmoos 2030“, dass die Bürger „die Verkehrsanbindung, das Fehlen großer Mietwohnungen und die Betreuung von Kindern unter drei Jahren, die Leerstände und den Motorradlärm“ kritisieren. Den Schwarzwald nehmen die ledernen Ritter eben besonders hart ran.

Die Bergische Morgenpost hat eine mobile Redaktion ausgerufen, die aus Wermelskirchen und Teilorten berichtet. Unvermeidliches Thema auch im Naturpark Bergisches Land: der Motorradlärm, wie RP-Online berichtet.

Auch die lieben Nachbarn in Österreich haben Probleme mit der europäischen Lärmkultur: Das Außerfern (Innsbruck) wird vielerorts zur Teststrecke für motorisiserte Zweiräder. Es ist die erste Saison, wo Tempolimits den Lärm der Motorräder einbremsen sollen. Die Tiroler Tageszeitung berichtet: Die Bürgermeister der Region hatten sich zusammengeschlossen, um die Bewohner im „Biker-Paradies“ Außerfern und Oberland zu schützen.

In Bad Münder (Deister, Niedersachsen) hat die örtliche Verwaltung alles aufgeboten, was die Gesetze hergeben. Geholfen hat es nichts bis wenig, wie die NDZ vom Nienstedter Pass berichtet: Für mehr als einen Impuls am Bremsfuss reichen Messgeräte und Plakate nicht aus – der Lärm bleibt.

Vom Oberen Wiesenthal (Baden) berichtet die Badische Zeitung. Der baden-württembergische Lärmschutzbeauftragte Thomas Marwein zeigt sich dort überzeugt, dass die Lärmdisplays für 13.000 Euro das Stück wirken. Vielleicht wirken sie nach Hahnemann in homöopathischen Dosen: Uns erreicht von Anwohnern das Feedback, dass wohl eher Gesundbeterei und Placeboeffekt am Wirken seien. Im benachbarten Präg, wo der Gletscherkessel ein beliebtes Tummelfeld von Lärmchaoten ist, hat man übrigens die Schnauze voll von Politikerbesuchen. Die Badische Zeitung zitiert: „Es waren schon Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete und Europaabgeordnete hier“, sagt etwa Hanspeter Steinebrunner, der Ortsvorsteher von Präg. „Passiert ist bislang gar nichts. Wir sind frustriert.“

Aus St. Gallen meldet sich die  Kantonspolizei über die Neue Zürcher Zeitung zu Wort: Viele junge Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren unternehmen in der Ostschweiz nicht etwa anständige sonntägliche Ausfahrten mit ihren «potenten Autos und Töffs (Motorräder)». Er meint damit Modelle von Audi, BMW, Porsche, Mercedes, vereinzelt auch solche von Ferrari oder Lamborghini, darüber hinaus Motorräder. Es häufen sich Bescherden durch den Krach, den sie dabei verursachen. Die Schweiz importiert nicht nur die deutschen Marken für ihre solventen Halbstarken, sondern auch die löchrigen europäischen Lärm-Normen.

Aus Schramberg im Schwarzwald berichtet der Schwarzwälder Bote von einem Polizeiposten, wo es bei den Mitarbeitern eine ganze Reihe „versierter Spezialisten“ gebe. Das hat uns dann doch interessiert, denn die gibt es sonst selten. Der Revierleiter gibt zudem ein paar Gutsle (schwäb. für Bonmot) zum Besten: Waren wir nicht alle mal jung – brumm brumm? Wo er recht hat: „Es sind nur wenige Verkehrsteilnehmer, die ihre Fahrzeuge bewusst manipulieren. Und diese haben unsere ›Spezialisten‹ im Visier“. Und der Rest kauft manipulierte Auspuffe als legale Zusatzausstattung: www.vulgarius.de.

Der Südkurier berichtet aus derselben Gegend (Schonach) von der Verschiebung des Motorradverkehrs von der B  500 (Schwarzwald) auf die L 109. Auf der B 500 haben Behörden einige Maßnahmen getroffen, vor allem die geriffelten Mittelstreifen stören die Motorradfahrer extrem. Dafür hätten Lärm und vor allem Tempo auf der L 109 extrem zugenommen, vor allem an den Wochenenden.

Der Teckbote berichtet aus Kirchheim und Dettingen: Auspuffanlagen, insbesondere von Motorrädern, sollten dort regelmäßig kontrolliert werden, forderte der Bürgermeister. Zu wenig kümmert sich seiner Ansicht nach die Polizei um die schwarzen Schafe unter den Bikern. Mit seinen Klagen ist er nicht allein. Die Bürger in Lenningen und Erkenbrechtsweiler leiden ebenfalls unter den Krachmachern. Bisher sei man von der zuständigen Behörde immer abgewimmelt worden. „Seit Jahren werden uns Kontrollen versprochen, ohne dass was passiert.“, ärgert sich nicht nur er über einzelne Raser, die nachts den ganzen Ort beschallen. Wieso soll es den Schwäbischen Bürgermeistern besser gehen als dem rest der republik?

RP-Online berichtet vom Hotspot Beverdamm/Hückeswagen: Die Polizei macht dort endlich ernst und hatte auf der K 13 bei Oberröttenscheid und am Beverdamm zwei Kontrollstellen eingerichtet, um vor allem die Lautstärke von Motorrädern zu kontrollieren. Bei den beiden Krädern, die die Polizei „entdeckt“ hatte, scheint es sich um Exemplare mit herausgeschraubtem DB-Eater gehandelt zu haben. Gegen den Rest der industriellen Manipulationen haben die Ordnungshüter ja bekanntlich keine Handhabe. Versöhnlicher Schluss: Es gab auch drei abgefahrene Reifen zu reklamieren. Brav!

Aus Radevormwald berichtet RP Online – und da redet einer Tacheles: Die Bundesstraße ist für Motorradfahrer eine der Haupteinfallstraßen von Schwelm über Radevormwald ins Oberbergische Land. Polizei und Kreis kontrollieren regelmäßig, gegen Motorradlärm von 1100 Bikern in sechs Stunden hat sie aber fast keine Handhabe. Ordnungsamt Jochen Knorz: „Die meisten der kontrollierten Zweiräder sind in einem technisch einwandfreien Zustand, so, wie sie zugelassen sind. Bezüglich einer Lärmminderung könne nur der Bundesgesetzgeber tätig werden.“ Yep – vielleicht könnten hier die Schramberger Spezialisten aushelfen?

Nettes Schmankerl von den Hassbergen. Die Neue Presse aus Coburg berichtet unter dem Titel „Die Jagd findet nur auf der Straße statt“ von einer Waldbegehung von Forstleuten: „Die Stille des Waldes wurde durch Motorradfahrer, die den Hambach auf der Staatsstraße 2278 als „Rennstrecke“ benutzen, erheblich gestört. Die Motoren dröhnten so laut, dass die Forstleute mitunter ihrer Erklärungen unterbrechen mussten und das Zwitschern der Vögel nur selten zu hören war.“ Ist alles legal und deshalb egal…

Der Reutlinger Generalanzeiger berichtet vom Hotspot Münsingen/Lautertal: Mit Schildern, Messgeräten, Kontrollen, Geld und guten Worten versucht man dort Lärm und Raserei beizukommen. Bisher ohne Erfolg. Eine Sperrung: auch kein Thema. Dann werden wohl weiter Politiker auf Besuch kommen und ihr Beileid ausdrücken…

Der Acher und Bühler Bote berichtet wiederum aus dem Schwarzwald von der verlärmten Schwarzwaldhochstraße: Ein besonderes Ärgernis sei der „infernalische Motorradlärm“. „Früher waren die Bergwände bei Wanderungen über die Badener Höhe Reflektoren für die Rufe der Hirsche während der Brunst“, erinnerte er sich. „Heute gibt es dort den ohrenbetäubenden Krach der Motorräder, vor allem am Wochenende.“

Last but not least: Der Südwestrundfunk berichtet von einem Anwohner, der mit der Mistgabel in der Hand einen Sportfahrer auf zwei Rädern tätlich angegriffen hat. Der Biker hatte eine Kamera am Helm und postete den Streifen unter seinem Nick „Sumo fighters“. Nein – wir rufen nicht zum Mistgabelattacken auf und verurteilen das bewaffnete Hinterherrennen als Straftat auf das Schärfste!

 

 

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Also im Müglitztal hilft Messen nicht

Bericht im MDR zum Thema Motorradlärm im Müglitztal – Ausriss Mediathek, hier nachzusehen.

Im Müglitztal kümmert sich kaum ein Biker um die elektonischen Schilder, die auf zu hohe Lärmbelästigung hinweisen – das ist das Ergebnis eines Langzeitversuchs an diesem Hotspot in der Sächsischen Schweiz. Was hilft sind Verkehrskontrollen durch die Polizei, was wiederum dafür spricht, dass es mit dem freiwilligen Lärmverzicht bei den Motorradfahrern nicht weit her ist. Die Ergebnisse stehen im deutlichen Gegensatz zu den Aussagen der Baden-Württembergischen Landesregierung. Im Schwabenländle sollen die Lärm-O-Meter ausser Umsatz auch noch etwas im Sinne der Anwohner bewegen. Die ARD berichtet hier. Die Anwohner bemängeln, dass die Ergebnisse der Lärmmessungen unter Verschluss gehalten werden.

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VCD startet Petition gegen Motorradlärm

Auch der VCD wird gegen Motorradlärm aktiv.

Der Kreisverband Osnabrück des Verkehrsclubs Deutschland startet eine Petition gegen Motorradlärm – willkommen im Club. Die Petition kann hier gezeichnet werden.

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Offener Brief eines Physikers an Dobrindt und Marwein

Hermann Emerich ist Physiker und arbeitet in Grenoble an einem renommierten Institut.
Auch in Frankreich sind die Folgen der verfehlten Lärmschutzpolitik zu hören. Er schickt uns diesen offenen Brief.

 

An den deutschen Verkehrsminister
Alexander Dobrindt
und den Lärmschutzbeauftragten von Baden Württemberg
Thomas Marwein

Sehr geehrter Herr Dobrindt,
sehr geehrter Herr Marwein,

Ich wende mich mit diesem offenen Brief an Sie, damit angesichts der ausufernden Entwicklung des Motorradlärms endlich tragbare Lösungskonzepte entwickelt werden. Ich bitte sie daher den Artikel – trotz seiner Länge – bis zum Ende durchzulesen. Um mich vorzustellen: Ich betrachte mich als durchschnittlichen Repräsentanten der deutschen Bevölkerung und arbeite als Wissenschaftler (Fachrichtung Physik) in einer europäischen Forschungsanstalt. Durch die Natur meiner Beschäftigung, würde ich mir eine gewisse Tendenz zum kritischen Hinterfragen zuschreiben, ohne daß ich dadurch aber automatisch zum Rechtsspezialisten bzw. technischen Berater mutiere. In meinen Vorträgen fordere ich die Zuhörer gerne zur Eigenarbeit auf. Als einleitende Übung würde ich daher vorschlagen das Stichwort „Motorradlärm“ (i. B. ein paar Tage nach einem schönen Wochenende) in Google einzugeben und dabei den Suchzeitraum auf eine Woche zu beschränken. Vermutlich liefert diese Handlung Ergebnisse, vor allem wenn Sie über ein paar Wochen wiederholt wird, die mir die notwendige Rechtfertigung verleihen das Problem Motorradlärm als allgemein zu bezeichnen und nicht (nur) als ein Ausdruck meiner persönlichen Frustration.

weiterlesen…

 

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