Lärmschutzbeauftragter zum Motorradlärm: «Es geht so nicht weiter»

Motorradlärm am Wochenende hat aus Sicht des Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg, Thomas Marwein, ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr hinnehmbar ist. «Es geht so nicht weiter», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Ob im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder im Odenwald: «Sobald das Wetter schön ist, sind beliebte Biker-Strecken voll und die Bewohner haben keine Ruhe mehr.» Wer direkt an der Straße wohne, leide nicht selten unter Lärm von bis zu 100 Dezibel. «Das entspricht einem Presslufthammer. Da kann man nicht mehr auf der Terrasse sitzen. Es ist wirklich schlimm, wie die Leute in den Dörfern darunter leiden.»

Die drastische Verschärfung der Lage führt Marwein zum einen auf deutlich gestiegene Zulassungszahlen bei den Motorrädern in den letzten Jahren zurück, zum anderen auf immer lautere Maschinen. Verstärkt werde das Problem durch die Fahrweise einzelner und dadurch, dass viele im Pulk dort unterwegs sind, wo andere sich ausruhen wollen. «Das hört man kilometerweit. Ob Anwohner oder Wanderer – das nervt. Mit der Ruhe ist es dann vorbei.»

Der Lärmschutzbeauftragte forderte die Hersteller auf, leisere Maschinen zu bauen. Er kann sich auch Prämien für E-Motorräder vorstellen. «Es braucht Änderungen am Fahrzeug und am Fahrstil», betonte er. Uneinsichtige Biker müssten durch mehr Kontrollen und hohe Bußgelder zur Räson gebracht werden. Fahrverbote nach dem «Tiroler Modell», wo auf einigen beliebten Bergstraßen laute Maschinen von Juni bis Oktober nicht mehr fahren dürfen, wären für Marwein nur der letzte Ausweg.

Wie viele Menschen unter Motorradlärm leiden, zeigt der Zulauf der vor zwei Jahren auf Anstoß des Landes gegründeten «Initiative Motorradlärm»: Was mit gut zwei Dutzend Orten begann, ist heute ein Zusammenschluss von rund 160 Städten, Dörfern und Kreisen. «Sie repräsentieren zwischen 3,5 bis 4 Millionen Bürger», so Marwein.

Was ist der Beitrag der Biker?

Derweil ruft Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu mehr Rücksicht und Miteinander auf. Fahrspaß, eine sichere und verantwortungsvolle Fahrweise und der Schutz von Anwohnerinnen und Anwohnern müssten zusammen gehen, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag nach einem Gespräch mit Vertretern von Motorrad-Verbänden in Berlin. Er finde es gut, dass die Biker mit eigenen Vorschlägen einen Beitrag zur Konfliktentschärfung leisten wollten.

An dem Treffen nahmen den Angaben zufolge Vertreter von Hersteller- und Fahrerverbänden teil. Sie übergaben Scheuer ein Strategiepapier zur Zukunft des motorisierten Zweiradverkehrs. Bei der Eindämmung von Motorradlärm gehe es um Entlastung für Anwohner hochfrequentierter Strecken bei Vermeidung von Streckensperrungen für Motorradfahrer, wie der Industrie-Verband Motorrad Deutschland mitteilte.

Der Schwarzwald ist komplett initiativ

Im Schwarzwald hat das Ausmaß der Belästigung mittlerweile Dimensionen angenommen, die die Gebietskörperschaften förmlich in die Initiative Motorradlärm zwingen – zum Gesundheitsschutz ihrer Anwohner. Foto: Schwarzwaldverein

Von wegen „über den Gipfeln ist Ruh’“: Mittlerweile ist fast der gesamte Schwarzwald der Motorradlärminitiative beigetreten, die in Baden-Württemberg vom Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein initiiert wurde. Kurz vor dem ersten Mai jetzt eine digitale Gesprächsrunde mit 200 Teilnehmern aus dem Naturpark Schwarzwald. Fazit: Niemand fordert ein pauschales Verbot, aber Motorradlärm ist kein Randproblem, verursacht wird es von viel mehr als „von ein paar Schwarzen Schafen“. Und noch immer sind wir auf der Suche nach dem Kraut, das gegen sozial unverträgliches Motorradfahren hilft. Die Neue Rottweiler Zeitung berichtet.

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Tag gegen Lärm 2021 – zeig‘ mir Deinen Lärm #1 #2

Bitte Ton anschalten, aber nicht zu laut drehen…

Distanz: 650 Meter zum Wohngebiet. Bemerkenswert ist, dass das Martinshorn im unteren Film maximal 120 dB laut sein darf, die Motorräder aber im Fahrzeugbrief alle 77 dB Fahrgeräusch eingetragen haben. Bitte selber beurteilen.

#Volksverdummung #Abgasskandal lässt grüßen

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Tag gegen Lärm: Initiativen vernetzen sich bundesweit

Vernetzt aktiv gegen Motorradlärm: Silent Rider, Initiative Motorradlärm Baden-Württemberg und VAGM e.V. kooperieren künftig gegen unnötigen Lärm. Holger Siegel, Edith Götz, Bärbel Lehmann, Heinrich Wenisch (VAGM e.V.) Karl-Heinz Hermanns, Marco Schmunkamp, Jochen Weiler (Silent Rider e.V.) und Sonja Schuchter (Initiative Motorradlärm). (von l. nach r., von o nach u.)

Problem erkannt – aber nicht gelöst:
Motorradlärm-Initiativen vernetzen sich zum Tag gegen Lärm bundesweit

Die Politik hat das Problem erkannt – aber das Problem ist weiter ungelöst. Auf diesen Punkt bringen es die bundesweiten Initiativen gegen Motorradlärm, die zum „Tag gegen Lärm“ am 28. April vereinbart haben, dass sie künftig intensiver zusammenarbeiten. Die drei größten Interessensvertretungen sind die Initiative Motorradlärm aus Baden-Württemberg, in der 158 Gemeinden und Landkreise vereinigt sind, dann Silent Rider mit Wurzeln in vielen Eifelgemeinden und Mitgliederschwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie die Anwohnerinitiative VAGM – Vereinigte Arbeitsgemeinschaft gegen Motorradlärm e.V., die bundesweit die Interessen von betroffenen Anliegern an Hotspots vertritt.

Gemeinden, Städte und ganze Landkreise begehren gegen das Problem Motorradlärm auf. Ja selbst der Bundesrat hat sich 2020 zu einer Empfehlung an die Bundesregierung bekannt, das Problem mit klaren Einschränkungen des Lärms an der Wurzel und deshalb beim Verursacher „leistungsstarkes Motorrad“ unter anderem mit einem echten Grenzwert anzupacken: „Es geht nicht gegen alle Motorradfahrer – aber es geht gegen die extrem lauten und davon gibt es zu viele,“ sagt Silent Rider Sprecher Karl-Heinz Hermanns. In vielen Städten und Gemeinden der Republik – vom Schwarzwald über die Eifel, dem Sauerland, dem Weserbergland bis ins Erzgebirge und in vielen Metropolregionen – belasten der laute Teil des Motorrad-Tourismus und speziell auch Raser mittlerweile Lebensqualität und Erholungswert ganzer Landstriche. Weit über 300 Motorradlärm-Hotspots deutschlandweit listet die Anwohnerinitiative VAGM e.V.

Tiroler Modell auch für Deutschland

Untersuchungen aus Tirol zeigen, dass die ganz lauten Fahrzeuge in puncto gesundheitsschädigender und belästigender Wirkung akustisch weit aus dem Normalverkehr herausragen. Die Tiroler haben deshalb die Reißleine gezogen und mit dem Tiroler Modell temporäre und auf bestimmte Straßen bezogene Streckensperrungen für besonders laute Kräder in der Saison eingeführt. „Das pragmatische Vorgehen unseres Nachbarlandes wurde mittlerweile von der EU abgesegnet. Wir sehen nun, dass es entsprechende Möglichkeiten für den Schutz der Anwohner an besonders belasteten Strecken gibt, was auch in Deutschland möglich sein sollte,“ sagt Sonja Schuchter von der Baden-Württemberger Initiative gegen Motorradlärm.

Mehrheit der Bürger offen für Fahrverbote

„Der Ball liegt eindeutig bei Politik und Behörden,“ sagt Holger Siegel, Sprecher der VAGM e.V. „Nachdem man uns jahrelang gepredigt hat, dass dies ein Problem auf EU-Ebene sei, hat die EU jetzt das Tiroler Modell gutgeheißen“. Nach 20 Jahren Kampf gegen den mutwilligen Lärm fordert er jetzt ein deutschlandweites Modell, das die Hersteller lauter Fahrzeuge auf zwei und vier Rädern unter Zugzwang setzt, aber auch den auffällig lauten Fahrzeugbestand angeht. Nach Messungen des Baden-Württembergischen Verkehrsministeriums müsse man davon ausgehen, dass ein Drittel aller Kräder akustisch stark auffällig ist – ein Vielfaches lauter als der aktuelle Grenzwert von 77 dB(A). Holger Siegel: „Die ganzen verständnisvollen Dialoge und Aktionen wie „Kaffee statt Knöllchen“ haben bisher nichts, bis wenig gebracht – wir brauchen eine Verbesserung für die Menschen an den Strecken“. Dabei sehen die Initiativen auch die öffentliche Meinung hinter sich: Im August 2020 hatte das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Nachrichtenmagazins Spiegel erhoben, dass eine große Mehrheit der Bundesbürger Fahrverbote für laute Motorräder gutheißt.

Zum Tag gegen Lärm haben die Initiativen eine Social-Media-Aktion „Zeig mir deinen Lärm“ ausgerufen: Anwohner sollen dabei in Kommentaren und Videos transparent machen, wie sie die Belästigung durch mutwillig laute Fahrzeuge erleben.

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Zu den Personen

Sonja Schuchter ist Bürgermeisterin der Gemeinde Sasbachwalden und spricht für die „Initiative Motorradlärm“, welche über 160 Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg repräsentiert.

Karl-Heinz Hermanns ist Vorsitzender des Vereins „Silent Rider e.V.“ Er ist Bürgermeister a.D. der Eifelgemeinde Simmerath. Marco Schmunkamp ist Bürgermeister von Nideggen, Jochen Weiler ist Bürgermeister von Heimbach.

Holger Siegel ist Sprecher der Anwohnerinitiativen VAGM e.V. – Vereinigte Arbeitsgemeinschaften gegen Motorradlärm und Sprecher des Arbeitskreises Motorradlärm im Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND. Edith Götz und Heinrich Wenisch sind Vorstandsmitglieder im VAGM Weserbergland, Niedersachsen, Bärbel Lehmann vertritt als Vorstandsmitglied im VAGM die Inititiative Müglitztal, Sachsen.

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Die Todgeweihten, sie grüßen sich

Es ist schon nicht einfach, die Contenance zu behalten, wenn in Social-Media-Kanälen Mist verzapft wird. Besonders schlimm ist aber, wenn echte Journalisten sich das Recherchieren sparen oder aber über das reichweitenstarke Sprachrohr ihres Brötchengebers Halbwahrheiten in eigener Sache verbreiten. Jüngstes Beispiel: Computer-BILD Text-Chef Martin Seigel. Auch wenn er es nicht erwähnt: Er ist natürlich selbst Motorradfahrer und verkündet als solcher in einem Meinungsbeitrag in sieben Minuten das Ende der Freiheit – auf www.welt.de.

Ende der Freiheit zu Lärmen

Die Freiheit, um die es hier geht, ist die Freiheit andere Menschen akustisch zu schikanieren – an Gesundheit, Geist und Vermögen. In der Meinungsspalte der Zeitung lässt der Autor vom Stapel: Der Bundesrat wolle „das Motorradfahren am Wochenende eingeschränkt verbieten“. Mit dieser nahezu uneingeschränkt falschen Formulierung verbiegt er, dass der Bundesrat die Möglichkeit eröffnen will, dass Hotspot-Strecken in Einzelfällen und wenn alles andere versagt hat, auch aus Lärmschutzgründen befriedet werden – was bisher nicht möglich ist. Bisher müssen erst genug der Seigel’schen Freiheitsfreund*innen im Unterfahrschutz der Leitplanke ihr Leben lassen, um Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Sperrungen zu ermöglichen. Auch das (die Toten) ist bedauerlich – wird aber erstaunlicherweise als unvermeidlich hingenommen. So ist halt Freiheit!

Tagesgeschäft von Diktaturen

Aber ein fünftelwahres Geschribsel gemixt mit Scheisshausparolen, die sonst nur aus den demokratiefeindlichen Schmuddel-Ecken der AFD oder der Querdenker zu hören sind („Freiheiten einfach ganz abzuschaffen, gehört zum Tagesgeschäft in Diktaturen“) aktiviert natürlich die Massen der „anständigen“ Motorradgemeinde. Tausendfach wehren sie sich dann lautstark in Innenstädten, um (im Wortsinne) zu demonstrieren, dass Motorräder in den letzten 20 Jahren immer lauter geworden sind. Das sind sie wirklich, dank vieler Betrügereien von Herstellern und Zubehörindustrie (und nicht zuletzt dringend gewünscht von den Fahrern). Unreglementiert und unsanktioniert das Ganze – Scheuer sei Dank! Aber es sind ja nur ein paar schwarze Schafe, die Seigel als Bösewicht*innen identifiziert und nicht 30 Prozent, wie beispielsweise in Baden-Württemberg das Verkehrsministerium langzeitgemessen hat.

Sozialverträglich ist möglich – aber nicht gewollt

Wer sich an einen Hotspot stellt, wird neben viel bösem Lärm-Stumpfsinn auch erleben, dass Motorradfahren ohne das Schikanieren von Menschen technisch möglich ist – und deshalb nicht pauschal verboten werden muss. Nur das Schikanieren mit Maschinen, die teils überhaupt nicht mehr sozialverträglich bewegt werden können, muss verboten werden. Selbst beim Ausfahren aus der Garage weckt eine BMW S1000 RR das ganze Viertel. Wie übrigens auch die tollen Poser mit ihren Mercedes AMG.

Biker sind vulnerable Gruppe

So viel, so seltsam. Aber auf Folgendes muss man auch als BILD-Journalist erst mal kommen: In diesem an Plattheiten reichen Statement werden die Motorradfahrer in die „vulnerablen Gruppen“ eingeordnet, die von islamistischen Halbirren umgefahren und von „Wutbürgern“ durch Öl-Lachen ins Schleudern und in den Tod getrieben werden. Beides ist in der Tat einmal vorgekommen und ohne Frage verurteilenswert – dürfte aber nicht ansatzweise geeignet sein, die Statistik der Raserunfälle auf zwei Rädern zu verdrehen oder die Verantwortung für die Todeszahlen anderen in die Schuhe zu scheiben. Bei Rasanzunfällen ist die Unfallursache statistisch einwandfrei geklärt; sie liegt in der testosterongesteuerten Gashand der „vulnerablen Gruppe“ selbst und nicht beim Dschihad.

Knieschleifend die Linke zum Gruß

Außerdem erfährt man auf Welt.de auch noch, dass Motorradfahrer besonders aufmerksame und mustergültig rechtskonforme Zeitgenossen sind, die im Gegensatz zu Autofahrern nicht ständig WhatsApp-Nachrichten beim Fahren eintippen. Vielleicht ist Herr Seigel entgangen, was man auf jeder Motorrad-Strecke Tag für Tag beobachten kann: Es geht um den Bikergruß – besonders gern bei Schräglage in der Kurve oder beim Überholen mit 120 km/h. Auch der Normalkradler nimmt dabei (in den nicht seltenen Fällen der Begegnung mit einem Artgenossen) die linke Hand vom Lenker, formt mit den Fingern ein V (für Vulnerabel), schaut seinem entgegenkommenden Motorradkumpel in rasender Fahrt tief in die Augen und demonstriert, wie cool verletzliche Gruppen auch in physikalisch unstabilen Zuständen stabile Freundschaften pflegen – auch wenn der Tod nah ist.

Motorradlärm ist ein Problem der Bürger

Kommunal berichtet: die Kommunen haben ein Problem.

Die Saison beginnt, die Motorradfahrer/innen kehren zurück in die Naherholungsgebiete, Mittelgebirge und an die Küsten – was früher gut für den Tourismus schien, quält mittlerweile Anwohner in Gemeinden, Städten und Landkreisen. Und verschreckt die normalen Urlauber. Die Kommunen positionieren sich mehr und mehr gegen die Belästiger/innen mit den Krachmaschinen. Bürgermeister und Bundesrat gehen mit der Initiative Motorradlärm und der Kampagne Silent Rider gegen Motorradlärm vor. Wie es gelingen soll, illegale Rennfahrer und Spaß-Krawallmacher auf den Straßen zu bremsen, darüber berichtet Kommunal, eine Zeitschrift für Städte und Gemeinden. Unsere Mitstreiterin Bärbel Lehmann berichtet dabei von ihrem Hotspot Müglitztal in Sachsen. Hier geht es zu dem Beitrag.

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ADAC weckt das Gespenst der Wochenendfahrverbote

Screenshot aus ADAC Einladung: Verein erweckt bei Veranstaltung falschen Eindruck – von der Motorradlobby abgeschaut? Es gibt keine Forderungen nach pauschalen Wochenendfahrverboten.

Der ADAC hat das Thema Motorradlärm entdeckt. Er will Schilder aufstellen und jetzt sogar das Thema diskutieren. Fatalerweise lässt sich schon im Titel das Lobbyinteresse des ADAC ablesen, denn eingeladen wird in populistischer Manier. Wir haben den Auto- und Motorradfahrerverein schriftlich um Stellungnahme gebeten:


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie erwecken mit Ihrer im Betreff genannten Veranstaltung den Eindruck, dass allgemeine, flächendeckende Fahrverbote für Motorradfahrer an Wochenenden drohen. Mit dieser Formulierung hetzen Sie Motorradfahrer gegen Politik und lärmbetroffene Anwohner auf. 

Völlig unnötig, denn niemand hat je allgemeine Fahrverbote gefordert!

Wir empfinden es als unerträglich, dass der ADAC sich in dieser Form an einer einseitigen Stimmungsmache beteiligt, die einen Keil in unsere Gesellschaft schlägt. Es wird ganz eindeutig Zeit, dass Sie die Weiterverbreitung dieser Fake-News stoppen und sich auf eine sachliche Diskussionsebene besinnen!

Und wenn Sie dabei sind, denken Sie bitte auch darüber nach, dass ADAC-Mitglieder nicht nur Fahrzeugführer sind, sondern eben auch irgendwo wohnen – viele davon auch an Straßen. Damit sind sie nicht nur Luftschadstoffen durch Abgase ausgesetzt, sondern auch dem sinnfreien Lärm von Poserautos und Motorrädern – die aufgrund von Lücken in den Typzulassungsverfahren zwar legal sind, aber auf den Straßen im realen Fahrbetrieb eine enorme Lärmbelastung verursachen – einschließlich künstlicher Fehlzündungen, die geeignet sind nachts jeden Anwohner aus dem Bett zu werfen. Der Abgasskandal lässt grüßen!

Wie konnte es nur dazu kommen, dass sowas in Massen auf die Straßen gelassen wurde?

Auch das Umweltbundesamt stellte unlängst Handlungsbedarf fest:
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/laute-motorraeder-pkw-sorgen-zunehmend-fuer

Durch immer lautere Fahrzeuge auf den Straßen unseres dicht besiedelten Landes leidet die Akzeptanz von Individualmobilität auch gerade in den Städten. Die Verbannung des gesamten Verkehrs ist die Folge – wie sie vielerorts bereits diskutiert wird. Ein Thema, dessen sich der ADAC aus unserer Sicht unbedingt annehmen sollte.

Wir bitten dringend um eine Stellungnahme dazu!

ANTWORT DES ADAC MITTELRHEIN e.V.:

Der Auto- und Motorradfahrerverein hat geantwortet. Mirco Hillmann, Leiter Kommunikation & Marketing des ADAC Mittelrhein, begründet die Fake-News-Themensetzung folgendermaßen:

„Die Headline zum Fahrverbot ist mit einem Fragezeichen versehen, daher ist dies keine Feststellung. Wir wollen beide Seiten anhören und ganz wichtig…“

Unsere Antwort: Dieser Versuch einer Mauseloch-Ausrede ist leider komplett missglückter Blödsinn. Das Fragezeichen in „Wochenend-Fahrverbote für Biker – überzogen oder sinnhaft gegen Motorradlärm?“ bezieht sich auf die im zweiten Teil gestellte Frage und nicht auf die im ersten Teil des Satzes formulierte falsche Behauptung. Schöner Manipulationsversuch: Der ADAC (der auch beim Autotesten schon gelogen haben soll) will den Teil seiner Mitglieder mobilisieren, die Krach toll finden. Na – wenn sich die Normalmitglieder da nicht mal ebenfalls gestört fühlen! Eine Mehrheit der Deutschen wäre nämlich laut Spiegel-Umfrage offen für beispielsweise das Tiroler Modell, das Fahrverbote für besonders laute Kräder auf besonders belasteten Strecken vorsieht.


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Tiroler Modell setzt Massstäbe: Weiterhin Fahrverbote für Krachkisten

Gemeinsam mit (v. links) Studien-Co-Autor David Schnaiter, Christoph Lechner und dem Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, präsentierte Ingrid Felipe im Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Studie zur Wirksamkeit der Fahrverbote für laute Motorräder im Bezirk Reutte.
Foto: Land Tirol/Gratl

Die im Tiroler Außerfern geltenden Fahrverbote für besonders laute Motorräder wurden nach der Pilotphase 2020 eingehend bewertet und auf ihre Wirksamkeit überprüft. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt von der Stellvertretenden Landeshauptfrau Ingrid Felipe präsentiert: „Die gesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung und finden auch bei der Bevölkerung im Außerfern große Zustimmung. Zudem ist die Anzahl der Motorräder um über ein Drittel zurückgegangen. Dies alles spricht für eine Beibehaltung der gesetzten Maßnahmen, auch in den kommenden Jahren.“ Die nun vorliegenden Studienergebnisse beruhen auf den erhobenen Verkehrszahlen im Geltungszeitraum von 10. Juni bis 31. Oktober 2020 und auf einer repräsentativen Befragung der anrainenden Wohnbevölkerung.

Auswertung der Verkehrsdaten

Wie schon bei der Motorradlärmstudie 2019 wurde auch bei der Evaluierung der Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB die vorliegenden Verkehrszahlen der fünf betroffenen Straßenabschnitte mit den Ergebnissen einer Umfrage bei 250 Personen in 19 Gemeinden im Außerfern verschnitten, wie der Vorstand der Abteilung Emission Sicherheitstechnik Anlagen (ESA), Christoph Lechner erläutert: „Wir haben dazu die Daten von fünf automatischen Dauerzählstellen im Zeitraum von 1. Juni bis 30. September ausgewertet. Insgesamt konnte eine Reduktion um durchschnittlich 36 Prozent – am Hahntennjoch sogar um 50 Prozent – an Sommersonntagen im Vergleich zu 2017 festgestellt werden, was einer Lärmpegelminderung bei den Motorrädern von durchschnittlich 2 dB entspricht.“ Mit in den Studienbericht aufgenommen wurden auch Aussagen zur Veränderung der Anzahl der Motorräder auf Grund der Pandemie, wie Lechner betont: „Die Coronapandemie hatte selbstverständlich auch einen Einfluss auf das Motorradaufkommen. Definitive Aussagen über die Höhe dieses Einflusses auf die Motorradanzahl auf den betroffenen Straßen sind allerdings nicht möglich. Die Einschätzung der Betroffenen dazu wurde hingegen mit einem eigenen Themenkomplex abgefragt und in die Studie integriert.“ Die Fahrverbote wurden im vergangenen Jahr mit Schwerpunkteinsätzen der Polizei mehrfach kontrolliert, wie der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann berichtet: „Die Zusammenarbeit mit der Landesverkehrsabteilung und den Bezirkskommandos Reutte und Imst hat hier hervorragend funktioniert. Die Zahl jener Motorradlenker, die mit zu lauten Motorrädern unterwegs waren, war im gesamten Geltungszeitraum konstant gering. Insgesamt wurden 8.917 Motorräder überprüft, wovon 135 gegen die Lärmverordnungen verstoßen haben. Allerdings gab es rund 800 sonstige Delikte wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, verbotenes Überholen oder ‚Kurven schneiden‘, die im Zuge der Kontrolltätigkeiten geahndet wurden.“

Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung

Die anrainende Bevölkerung entlang der beliebten Motorradstrecken wurde nach dem Auslaufen der lärmbeschränkenden Verordnungen zu den Auswirkungen der Fahrverbote, ihren Wahrnehmungen und zum weiteren Umgang mit lauten Motorrädern befragt, wie Studien-Co-Autor David Schnaiter zusammenfasst: „Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, dass der Motorradlärm in ihrer Wahrnehmung abgenommen hat. Nahezu gleich viele sprechen sich auch für die Beibehaltung der spezifischen Fahrverbote aus. Insgesamt steht eine deutliche Mehrheit den getroffenen Maßnahmen positiv gegenüber.“ Erfreulich ist die erreichte Rücklaufquote von 89 Prozent, die das Interesse der Bevölkerung am Thema widerspiegelt und eine hohe Repräsentativität der Studienergebnisse sicherstellt. „Bemerkenswert ist zudem, dass sich das Meinungsbild von Motorradfahrenden – immerhin knapp ein Drittel aller Befragten – in geringerem Ausmaß von den Nicht-Motorradfahrenden unterscheidet als vielfach angenommen“, hebt Schnaiter hervor. Die an der Befragung Teilnehmenden wurden auch zu möglichen weiterführenden Maßnahmen interviewt: „Unter anderem wünschen sich 81 Prozent aller Befragten – selbst 74 Prozent der Motorradfahrenden – gesetzliche Maßnahmen, um die Motorradhersteller zur Produktion von leiseren Motorrädern zu zwingen“, so LHStvin Felipe. „Um möglichst viele Menschen vor ungebührendem Lärm zu schützen, gleichzeitig aber den Motorradbegeisterten nicht mit partiellen Fahrverboten das Fahrvergnügen zu nehmen, braucht es klare Vorgaben für die Hersteller. Darüber habe ich auch bereits mit Interessensvertretungen der Motorradcommunity und der Industrie gesprochen, wobei wir uns einig waren, dass dies der Weg für ein lärmärmeres Miteinander auf und entlang der beliebten Motorradstrecken sein muss.“

Fahrverbote werden von 15. April bis 31. Oktober eines jeden Jahres gelten

Ingrid Felipe

„Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, unabhängig von den erheblichen Einflüssen der Coronapandemie auf das Verkehrsaufkommen, die gewählte Vorgehensweise der vergangenen Pilotsaison, weshalb wir die Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB vom 15. April bis 31. Oktober eines jeden Jahres auf den fünf Straßenzügen mit einer Gesamtlänge von 126 Kilometer verordnen“, betont Felipe. Das dazu notwendige Ermittlungsverfahren startet mit dem heutigen Tag.

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