Den „Vulgarius“ gibt’s für mutwilligen Verkehrslärm

Vulgarius ist ein grimmiger Zwerg mit Gehörschutz  – der Anti-Award für „Cycle Beating“ in Sachen Lärm. Mehr Info: www.vulgarius.de (Grafik: Mark Bennington)

Zum Tag des Lärms am 26. April haben Umweltschutzverbände um den BUND für Umwelt und Naturschutz einen Anti-Award für mutwilligen Verkehrslärm initiiert. Zu gewinnen gibt es den grimmigen Gartenzwerg und hoffentlich eine Menge negativer Publicity. Auf der Hompage werden diverse Beispiele von ausgewählten Lärmproduzenten thematisiert. Den Gartenzwerg mit Gehörschutz gibt es für Krachmacher in der Industrie – und für besondere Leistungen in der Umgehung von Lärm-Normen durch Cycle Beating – analog Dieselskandal. Betrachtet man die Liste der Nominieren, so liest sich das wie das „Who ist Who“ der Lärmproduzenten auf deutschen Straßen. Jeder Besucher der Seite www.vulgarius.de kann bis 15. August seinen persönlichen Vulgarius (Vulgarius steht für gepimpten „Auspuffsound“, sprich ganz vulgären und mutwilligen Krach) vergeben: Eine Online-Abstimmung ist bis dahin möglich: Stimmen Sie ab!

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Schnait wartet auf Messergebnisse

Lärmkontrolle im Rems-Murr-Kreis: Mal gucken, ob da was drin ist.

Mehr als ein Jahrzehnt kämpfen die Schnaiter an der Weinstraße gegen den Lärm von Motorrädern, die in die Naherholungsgebiete im Remstal hinausfahren. Ausser Lärmmessen ist behördlicherseits noch nicht viel dabei herausgekommen. Zuständigkeiten, fehlende Möglichkeiten, Umwillen und teilweise auch Mutwillen bei den Behörden verhindern den Schutz der Anlieger. Im Sommer 2016 wurde wochenlang den Lärm gemessen – doch die Ergebnisse des Verkehrsministeriums sind noch unter Verschluss. Die Pressesprecherin des baden-württembergischen Verkehrsministeriums hat auf Anfrage der Waiblinger Zeitung Stellung genommen: „Der von vielen Bürgerinnen und Bürgern zu Recht kritisierte Motorradlärm ist ein Problem, dem die Landesregierung von Baden-Württemberg, soweit möglich, abhelfen möchte“, teilt sie mit. Will heißen: Auch Grün/Schwarz will helfen – tut es aber nicht. Wo das Problem liegt, kann man in den Kommentarspalten zum Artikel nachlesen. Da schreibt ein Mensch namens „Lauter Auspuff“: „Mein Fahrzeug hat einen kernigen Sound (108 db im Fahrzeugschein eingetragen) manche nennen es auch laut. Aber was für mich am wichtigsten ist, es ist gemäß den Regeln der dt. Strassenverkehrsordnung zugelassen. Das Fahrzeug befindet sich in Originalzustand. Was soll in Ihrem Beispiel die Polizei dagegen machen ??? Ich fahre weiterhin nachts oder auch sonntags! Im übrigen ist bei Tempo 30-40 km/h der Porsche am lautesten, da hier das PDK noch nicht in den 2. Gang schaltet. Denken Sie mal darüber nach!“ Es lohnt sich wirklich, darüber nachzudenken, anstatt den Anwohnern vorzuhalten, die Chaoten seien gar nicht zu laut. Leise sind die nur auf dem Papier.

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Das Lautertal kommt nicht zur Ruhe

Lärm-Hotspot: Das Lautertal bei Münsingen. Quelle: Google

Der Alb-Bote berichtet aus Münsingen: Das romantische Lautertal ist schon jahrelang ein Motorradlärm-Hotspot und eine Urlaubsgegend. Die belästigten Bürger wenden sich an die Gemeinde, die leitet die Anfragen an das Land weiter – und nichts passiert. „Von schweren Unfällen mit Motorrädern, die sich schon dieses Jahr im Lautertal ereignet hätten, berichtete CDU-Gemeinderat Georg Erzberger. An die Öffentlichkeit gelange davon aber nichts, das werde wohl verschwiegen. Und  nicht nur an den Wochenenden seien die Lautertäler vom Motorradlärm genervt, auch die Feierabend-Raser unter der Woche seien eine Belastung.“ Der Bürgermeister habe mehrfach beim Verkehrsministerium angefragt. Hier das alte Spiel: Keine Unfälle, man könne nichts weiter machen. Jetzt hat sich Verkehrsminister Herrmann angesagt und ein Messgerät wird vielleicht angeschafft. Gesten der Hilflosigkeit.

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„Die ersten Verrückten sind bereits wieder unterwegs“

Die Alpenpässe ächzen unterm Lärm: Ausriss aus der Tiroler Tageszeitung (Österreich).

Die Alpenpässe ächzen schon wieder unterm Lärm: Ausriss aus der Tiroler Tageszeitung (Österreich).

Wie wirkt sich das Versagen der Gesetzgebung (die ja eine europäische ist) auf die Alpenregionen aus? Verheerend! Die Tiroler Tageszeitung meldet wachsenden Unmut der Bevölkerung sowie das Engagement mehrerer Bürgermeister und der Regio­nalentwicklung. Das Land Tirol ist aktiv geworden. Es wird eine Reihe von Geschwindigkeitsbeschränkungen entlang der „Bikerrouten“ – allerdings für alle Verkehrsteilnehmer – geben. Damit hofft Tirol unfallträchtige Strecken zu entschärfen und Lärmreduzierungen zu erreichen. Doch hier wie da: Wer hält sich auf zwei motorisierten Rädern heute noch an Geschwindigkeitsbeschränkungen? Leidtragende: Erholungsregionen, Anwohner, Naturfreunde und Normalos.

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Anwohner an der Schwarzwaldhochstraße verzweifeln

Filmbeitrag in der ARD Mediathek.

Landesschau-Filmbeitrag in der ARD Mediathek.

Es ist nicht auszuhalten – und nichts wird unternommen. Ein Landesschau-Beitrag des Südwest-Rundfunk von der Schwarzwaldhochstraße zeigt Ärger und Verzweiflung der Anwohner zum Saisonbeginn. Hier nachzusehen in der Mediathek. 

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Jetzt sollen Motorradfahrer auch noch Rücksicht nehmen

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Überall in den Medien fordern Motorradlobbyisten Rücksicht ein zum Saisonstart. Baden-Württemberg leistet sich einen eigenen Lärmschutzbeauftragten – und der dreht den Spieß um: MdL (Grüne) Thomas Marwein ruft Motorradfahrer jetzt zum Sainsonbeginn zur Rücksichtnahme auf. Zahlreiche Beschwerden zeigen seiner Meinung nach: Motorrad-Lärm habe wenige Verursacher, aber viele Betroffene.
„Es gibt zwei maßgebliche Ursachen für diese vermeidbare Lärmbelastung“, so Marwein. „Zum einen ist es die persönliche Fahrweise der Fahrerinnen und Fahrer. Starkes Beschleunigen und hochtouriges Fahren sind laut und unnötig. Moderne Motoren und Getriebe ermöglichen es, auch bei großem Fahrspaß leise zu sein. “ Die zweite Hauptursache sind illegale Manipulationen an den Motorrädern. Einigen Fahrerinnen und Fahrern ist der Sound ihrer Maschinen zu wenig. Mit verschiedenen Tricks, wie zum Beispiel Klappenauspuffen, kann eine ohrenbetäubende Lautstärke erreicht werden. „Solche Manipulationen gehen zu Lasten der Mitmenschen. Sie sind außerdem illegal, führen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und werden entsprechend geahndet“, erläuterte Marwein. Herrn Marwein kann man nur zurufen: Wenn es nur um die Illegalen ginge! Die meisten Lärmer haben heute eine Zulassung und die Industrie umgeht die Zulassungsnormen systematisch.
„Unter den Motorradfahrerinnen und Fahrern gibt es eine Minderheit, die sich vollkommen rücksichtslos verhält. Die wenigen, die es tun, belästigen damit aber eine Vielzahl von Menschen. Ich wünsche mir, dass sich die Mehrheit der Motorradfahrer dafür engagiert, ihre lauten Kolleginnen und Kollegen auf die Konsequenzen ihres Handelns hinzuweisen und ein Umdenken zu bewirken.“ Auch wir reden von einer Minderheit – wobei 30 Prozent eine starke Minderheit ist, die jeden Hotspot zum kochen bringt.
Auch die Politik nehme sich dem Problem an.Die Vorschriften zur Genehmigung von neuen Motorradmodellen wurden zuletzt zum 1. Januar 2016 verschärft. Dazu kann man nur bemerken: leider ohne nennenswerte Wirkung, wie Marweins Ministerium in einem Feldversuch mit TÜV auf dem Flugplatz Lahr selbst untersuchte. Die Badische Zeitung titelte seinerzeit: „Auch die neuen Zulassungsnormen sind schon wieder eine Farce…“
Neben einer (ausstehenden) rechtlich-regulatorischen Lösung gehe das Ministerium für Verkehr mit der Motorradlärm-Displayanzeige parallel einen neuen Weg. Ziel ist es, die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer auf zu lautes Fahren aufmerksam zu machen und zu leisem Fahrverhalten aufzurufen. Vorausgesetzt die Einsicht, dass ein Biker akustische Rücksicht nehmen will. Wo ihm/ihr der Sound doch so ans Herz gewachsen ist.

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Motorradverband fordert mehr Kontrollen – wir fordern weniger Volksverdummung!

Biker-Lobby will Diskussion beruhigen - wir hätten gerne ein ruhigeres Leben- Ausschnitt aus RP-Online.

Biker-Lobby will Diskussion beruhigen – Anwohner hätten gerne ein ruhigeres Leben – ohne Biker-Lärm. Ausschnitt aus RP-Online.

„Ja, Motorräder könnten leiser sein. Die Menschen haben das Recht, sich zu beschweren“, sagt Bernd Luchtenberg. Und der Mann muss es wissen – er ist Vorsitzender des Motorrad-Landesverbandes Rhein-Ruhr. Aber natürlich sind nicht die Biker schuld, „sondern die Hersteller und die Behörden“. Das Zitat stammt aus der Berichterstattung von  RP-Online zum Thema Motorradlärm in Wermelskirchen und zeigt das Dilemma. Es geht wie immer darum, dass es den Bikern nicht Sound genug sein kann. Die Rede ist nicht von 2-3 Prozent, wie die Polizei in ihrer Hilflosigkeit oft glauben machen will, sondern jenen 30 %, die ihren Original-Auspuff gegen einen Zubehörtopf tauschen oder gleich ein Motorrad mit Klappenauspuff kaufen. Beides garantiert eine Vervielfachung des Lärms – und beides entlockt Polizei und Ordnungsämtern in ihrer Ohnmacht noch nicht mal ein müdes Arschrunzeln.Und wenn mal einflussreiche Anwohner an einer Lärmstrecke wohnen, dann wird die bestimmt nicht gesperrt, weil es da zu laut ist, sondern weil zu viele Unfälle passieren. Laut Herr Luchtenberg ein „diskriminierendes Armutszeugnis“. Freiheit ist wichtiger als die Gesundheit der belästigten Anwohner und deren Lebensqualität.

Das Thema mutwilliger Verkehrslärm ist dem Staat entglitten – ganz genau wie die anderen Emissionen des Verkehrs. Doch während die Autofahrer beim Diesel glaubten, auf der sauberen Seite zu sein, ist es beim Lärm pure ingenieurmäßige und mutwillige Belästigung Unschuldiger – auf Kundenwunsch. Jeder Proletensportwagen hat ab Werk die Klappenauspuffe verbaut, jedes BMW Motorrad rollt heute mit Klappenauspuff vom Fließband – und die depperten Lokalpolitiker schlagen sich mit wirkungslosen Lärmaktionsplänen für die Bevölkerung herum, während AMG-Manni und Harley-Uwe ihre Runden drehen. Die einen kaufen Lärmschutzfenster, die anderen Lärmauspuffe – das ist echte Kreislaufwirtschaft made in Germany. Und die Motorradfahrer-Lobby beklagt, dass zu wenig kontrolliert wird (Behörden) und dass die Hersteller keine leisen Motorräder bauen (obwohl die Mitglieder des Verbandes von Herrn Luchtenberg die vermutlich nicht kaufen würden). Wer einmal dabei war, wie sich die Polizei beim Kontrollieren von Auspuffklappen oder EU-Auspuffen zum Narren macht, der weiß, dass die Forderung nach mehr Kontrollen aus dieser Ecke Nebelkerze und Volksverdummung in einem ist. Seit den folgenlosen Messungen der Baden-Württembergischen Landesregierung in Lahr weiß man, dass doppelt so laut doch irgendwie gesetzeskonform zu sein scheint. Cycle beating – die Polizei hat hier nichts zu melden. Tacheles: Der Arbeitskreis Motorradlärm im BUND stiftet dem Herrn Luchtenberg ein Fläschen vom guten Rotkäppchensekt, wenn er nachweisen kann, dass er weder Klappenauspuff noch Zubehörtröte an seiner GS-BMW hat. Die Wette gilt!

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Eberspächer-Audi manipuliert Auspuff: Unnütz produzierter Lärm

Die Firmen Eberspächer und (unter anderem) Audi trumpfen zusammen in Sachen Lärm auf. Obwohl hier Audi sowieso schon die Nase vorn hat (und sich wohl manche Analogie aus dem Abgasbetrugs-Konzept auch auf den Lärm übertragen lässt): Wem sein Diesel zu leise ist, der kann ihn mit solcherart Ingenieurleistung wirlich lärmig und krawallig machen. Das Video zeigt, wohin die Reise führt, wenn der Staat sich das Recht aus der Hand nehmen lässt – und die unter dem Recht liegenden Normen der Industrie (und ihrem prolligen Kundenanteil) überlässt.

Der Standheizer-Spezialist Eberspächer aus Homburg wirft sich dazu das grüne Mäntelchen um und die Werbeabteilung greift tief in die Trickkiste des Öko- und Sicherheits-Schönsprech: „Dabei gewinnt besonders die Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß immer mehr an Bedeutung. … Mit Hilfe des Anti-Schall-Prinzips lassen sich so leichte und kompakte Abgasanlagen produzieren, die das Fahrzeuggewicht effektiv verringern. Mit der Perspektive Active Sound besteht zudem die Möglichkeit, Sound zu modellieren – für mehr Emotionen bei kleinmotorigen (Downsize-) Fahrzeugen oder als Sicherheitsaspekt bei zukünftig besonders leiser E-Mobility.“ Damit meinen die in die Tuner-Gosse abgerutschten Standheizer: Auch mit kleinen Motoren ist mutwilliger Lärm machbar. Und: Natürlich auch – aus Sicherheitsaspekten natürlich – bei der Elektromobilität.

Für wen so viel Hirnschmalz aufgewendet wird, ist dann im Filmbeitrag zu sehen: Der typische Tuner aus dem Ruhrgebiet (gespielt von Power-Pottler Jean Pierre Kraemer) feiert den „Active-Sound“ von Eberspächer in einem Audi Q5 S ab. Es wird ein wenig die Funktion erklärt und gezeigt, wo die zwei (!) offenbar serienmäßigen Sound-Generatoren von Audi verbaut worden sind. Das Video zeigt einen schönen Einblick in die Denke der Tunerszene. Für alle, für die das postpubertäre und dümmliche Ey-Geil-Alter-Gequatsche des Protagonisten nicht zu ertragen ist, haben wir im folgenden die interessantesten Stellen im Video mit Zeitangabe versehen:

1. Vergleich des Standgeräusches mit und ohne Active-Sound (Vergl. §49 StVZO Abs.1: Kraftfahrzeuge müssen so beschaffen sein, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.): Ab 02Min 20Sec.

2. Wirkungsweise und Unterbringung im Fahrzeug: Ab 03Min 00Sec.

3. Ejakulativer Höhepunkt: Die Poser-Vorbeifahrt auf dem McDonalds-Parkplatz (Wie würde das wohl klingen, wenn das Auto richtig in Fahrt kommt?): Ab 06Min 20Sec.

Fazit: Mutwilliger Lärm ist – offensichtlich legal – machbar. Und die Handelsvertreter-Marke mit den Ringen setzt mit ihren Gehilfen wirklich alles daran, den Vogel abzuschießen, wenn’s Geld bringt. Zur Ehrenrettung sei gesagt: Den Sound gibt es auch für viele Mercedes-, BMW- und VW-Modelle. Wie gesagt: §49 StVZO Abs.1: Kraftfahrzeuge müssen so beschaffen sein, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.

 

 

 

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