Winfried Hermann findet klare Worte

Ausschnitt aus www.Motorradonline.de

Motorrad, die größte Motorradzeitschrift Europas interviewt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann zu der von ihm mitinitiierten Motorradlärm Initiative. Lesenswertes Interview und interessante Psychologie dahinter: Nichts scheint mehr zu schrecken, als ein Verbot von Strecken. Interessant auch die Abstimmung am Fuß des Texts. Wohlgemerkt: Hinter Motorrad scharen sich eher die besonnenen Biker.

Einen Dank übrigens im Namen der Anwohner und Ruhesuchenden an Hermann für die klaren Worte – auch dafür, das BW in dieser Frage wirklich mal voraus ist.

Die Mehrheit ist für Laut: Quelle – Motorradonline.de

Situationsbericht aus Baden

Motor(en*rad)lärm …

Baden leidet unter Raserlärm…

Ein wunderbares Wochenende zum entspannen, das Wetter ist schön, wir wollen den Garten mit der Familie & Freunden beim Grillen genießen .…
Doch unser Ansinnen hat einen Haken:
Wir wohnen außerorts, an einer der vielen landschaftlich reizvollen und kurvenreichen Landstraßen im Schwarzwald/Baden.
Die Lärmproblematik und Unfallhäufigkeit ist bekannt.
Das Einschalten der Polizei und das Ersuchen nach mehr Kontrollen stoßen jedoch auf personelle & materielle Engpässe. Finden sie statt, bleiben sie dank Informations-Leaks ergebnislos. Und wenn die Polizei dann ein oder zwei Mal im Jahr die Zeit findet, sich den penetrant nörgelnden Anwohnern zu erbarmen, dann herrscht aus vorherig genannten Gründen das Schweigen im Tale.
Das Landratsamt und das Landesministerium für Verkehr im Osten von Baden (Stuttgart) – tja, die berufen sich auf leider unvollständige Statistiken welche nicht mal ihr Papier wert sind … von politischer (legislativer) und exekutiver Seite … nichts zu erwarten … Wir fühlen uns Ohnmächtig und mit der Situation alleine gelassen. Verkauft und verraten.
Trotzdem! Wir lassen uns unsere Freude am Leben und das Zusammensein nicht so leicht nehmen. Daher haben wir, in guter Hoffnung, eingeladen … Familie, Freunde ….

Jedoch: FEHLANZEIGE !
Dumpfes Grollen von Motoren, dank sei der Auspuff-Klappen-Technik, gemischt mit kreischend lautem, kreissägenartigem Zweitakter-Sound. Unbeschreiblicher Krach, Knattern, erzwungene Fehlzündungen – und es schallt und reflektiert diese Geräusche im idyllischen Tal über mehrere Kilometer – ohne Unterlass ! Keine Minute vergeht, ohne diese „Musik“ von geistig minderbemittelten Spaß-Proleten.

Dann… plötzlich! Die Lärmkulisse verschwindet.
Aus der Ferne sind fast musikalische, symphonische und wohltuende Klänge zu vernehmen. Ein Martinshorn erschallt im Tal. Dann stimmt ein zweites Horn und ein Drittes ein … die Hörner ertönen und schallen, wie die Leitmotive in einer Bachschen-Fuge… eines ordnet sich dem nächsten unter, nimmt dann Anlauf um sich mit den Anderen zu messen und sich gegenseitig fulminant zu überbieten.
Doch schlagartig verstummt alles. Himmlische Ruhe! Keine Martinshörner, keine Fehlzündungen, kein Motorenlärm. Kein Knattern.
Die Stille wäre fast beängstigend – fast, wären da nicht plötzlich das lange vermisste Gezwitscher von Vögeln und das sanfte Rauschen und Plätschern des Baches im Talgrund zu hören … und wir? Wir können wieder miteinander reden, ohne unsere Stimmen erheben zu müssen. Wunderbar !

Der Preis hierfür ?
Vermutlich ein verunglückter, geschwindigkeits-affiner, klein-geistiger und egoistischer Spaß-Rennfahrer der sich überschätzt – und die Kurve oder Verkehrslage unterschätzt hat. Oder vielleicht beides.
Einer dieser lebens- überdrüssigen Asphalt-Cowboys (Cowboys sollte es ja in Deutschland eigentlich nicht geben), der sein geliebtes und verhätscheltes Spielzeug zerlegt hat. Jetzt steht er neben den Resten dieses – von Audi, BMW, Daimler, Porsche, Kawasaki, Ducati und all die anderen, hoch ehrwürdigen und renommierten Herstellern und Zulieferer für Sound-Design, Tuning und Fahrspaß gefertigten, vormals ach so schönen – Terror-Fun-Artikels.
Kurz grämt er sich ob des kaputten Spielzeugs und überlegt schon, welchen Ersatz er sich wohl mit dem Geld der Versicherung zulegen wird … vielleicht etwas schnelleres? Mit noch markigerem Sound?
Dank der unsäglichen Arroganz des – von schwarzen CSU-Doppel-Nullen geleiteten Verkehrsministeriums sowie exzellenter Lobbylistenarbeit – welche den Spaß des Individuums über die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Wähler und Mitmenschen stellen, ist auf dem deutschen Spielzeugmarkt alles erlaubt und verfügbar. Hier ist das gut dressierte Konsum-Bürgerlein bestens aufgehoben.
Hauptsache der Profit und die Aktienkurse stimmen. Audi-Schmuse-Andi und Konsorten regeln und sichern das wirtschaftliche Wachstum zum Wohle unserer innovationsüberdrüssigen, faulen und bestens vernetzten Schlüsselindustriemanager. Und eben diese Industriekapitäne ziehen sich dann nach einem erfolgreichen Arbeitsleben – mit 4.000 Euro Rente pro Tag – in den gut bezahlten Ruhestand eines Aufsichtsrates zurück (Beispielgröße bezieht sich auf Aldi-Aufsichtsrat).
Da fehlt zu unser aller Glück nur noch ein ehemaliger Black-Rock-Manager, welcher unsere Renten allzu gerne an diese Spaß-Industrie koppeln würde …. herzlichen Glückwunsch !

Zurück zu unserem Fest:
Wir halten – ob der durch Hörner eingeleiteten Bach-Fuge – kurz inne und hoffen, daß kein unbeteiligter Dritter zu Schaden gekommen ist.
Letztendlich können wir nun – ganz egoistisch – die nächsten Stunden in Ruhe genießen. Die natürliche Geräuschkulisse wirkt entspannend auf uns. Stresslevel bauen sich ab, Herz-Kreislaufprobleme sagen Adieu und die Steaks vom Grill mit den Salaten schmecken wunderbar. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, lachen und sind froh, mal wieder ein Wochenende gemeinsam und vor allem in Ruhe genießen zu dürfen.
Eine Ruhe, die wir sonst nur an einem verregneten Wochenende im Haus genießen könnten.

Ja, „wir“ sind auch egoistisch und spaß-orientiert. Der Unterschied: Unser Spaß belästigt niemanden und verursacht keine Kosten für Schallschutz-Maßnahmen und keine Herz-Kreislauf-Beschwerden betroffener Lärmopfer, denen meist nichts übrig bleibt, als sich am Wochenende in den ruhigen Keller zu verziehen.

Ich denke, Sie verstehen nun, weshalb wir die Aktion SilentRider unterstützen und zeichnen.
Besten Dank fürs Lesen und bleiben Sie gesund !

Gruß aus Baden.

Selbst wenn’s verboten wäre…

Ausriss aus motorradonlie.de

Überall in Europa ordnen Staaten Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus an. Dazu gehören auch Einschränkungen der persönlichen Mobilität. Die Regelungen schließen eigentlich auch Motorradtouren aus Spaß an der Freude aus. Ausdrücklich verboten sind diese nicht, wie die Zeitschrift „Motorrad“ in ihrem Online-Angebot informiert. In der Praxis merken Anwohner nichts davon, dass an den Rennstrecken Vernunft oder gar Ruihe einkehren würde – wieso auch, wenn dieser Teil der Mortorradszene über Vernunft und Empathie generell nicht zu erreichen ist. So versucht sich auch die Zeitschrift (als Plattform der Gemäßigten) in problemdämpfenden Worten mit der Überschrift: „Motorradtouren sind nicht mehr geboten“. Ob das jeder versteht?

Frommer Wunsch

Kesseln am Kesselberg

Wer Ohren hat zu hören, der stieß in den vergangenen Tagen nicht nur auf Corona-Partys, sondern auch auf Motorradraser, die die Gunst der Stunde nutzen, ihrem lautstarken und gefährlichen Hobby zu fröhnen. Die Tegernseestimme berichtet repräsentativ, was sich auf leeren Straßen so treiben lässt, wenn man Hedonist ist und davon ausgeht, dass einem in jeder Lebenslage ein Bett auf einer Intensivstation freigehalten wird. Auch in Zeiten, in denen andere daheimbleiben und die Polizei besseres zu tun hat.

Auch in Krisenzeiten immer Anspruch auf ein freies Intensivbett: Vielerorts geht es zu wie immer. Foto: ah

Zitat Tegernseestimme: „Ganz besonders eilig hatte es ein 33-jähriger Münchner mit seiner Aprillia auf der B 307 zwischen Glashütte und Wildbad Kreuth. Gegen 14:30 Uhr überholt er mit hoher Geschwindigkeit ein Videomotorrad der Polizei-Kontrollgruppe Motorrad. Bei der anschließenden Verfolgung wurden Spitzengeschwindigkeiten von 210 km/h gemessen. Die Beschränkung auf 70 km/h an der Abfahrt zur Klamm wurde mit zirka 130 km/h passiert. Im Anschluss beschleunigte der Münchner seine 175 PS starke Maschine auf 150 km/h, bevor die rasante Reise von der Polizei beendet werden konnte.“

Gesperrte Straße wird zur Rennstrecke

Ähnliche Szene konnte man am Sylvenstein beobachten: Laut Angaben mehrerer Ausflügler fuhren zwei Supermotofahrer ohne Kennzeichen mit atemberaubenden Lärm auf der gesperrten Straße zwischen Achenwald und der Sylvenstein Staumauer hin und her und machten Filmaufnahmen. Kurz bevor die Videostreife auftauchte, verluden die beiden ihre Motorräder in einen weißen Kleinbus und verdrückten sich.

Ähnliches machte auch ein zweiter Motorradfahrer, der seine Rennmaschine aus einem Kombi lud und mit dieser die Straße mit sehr hoher Geschwindigkeit und Höllenlärm befuhr, bevor er sich wieder unerkannt aus dem Staub machte. Von dem Kennzeichen des Klein-Lkw ist lediglich die Ortskennung „KG“ bekannt.

30 Biker auf einem Haufen

Auch am Kesselberg ging es zu, als wäre es der letzte Tag zum Motorradfahrer in diesem Jahr. Zirka 30 Motorradfahrer trafen sich an der Aussichtskurve und standen dicht gedrängt zusammen und beobachteten die High-Risk Szene die sich den Berg in voller Schräglage hochjagten. Bei der Motorradgruppe handelte es sich offensichtlich um polizeierfahrene Motorradfahrer, denn als sie die Videomaschine entdeckten, wurde sofort die Geschwindigkeit verringert und die Herrschaften entfernte sich vom Berg, heißt es von Seiten der Holzkirchner Polizei.

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Südwesten fordert (endlich) Ruhe vor Motorradlärm

Rund 80 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg und sieben Landkreise fordern gemeinsam mit der Landeregierung Maßnahmen gegen Motorradlärm – von der Europäischen Union, der Bundesregierung, den Herstellern von Motorrädern sowie von den Motorradfahrenden. Damit schließen sich die Baden-Württemberger nach den Eifelgemeinden zu einem weiteren großen Interessensbündnis gegen Motorradlärm zusammen. Der FGorderungskatalog deckt sich mit dem, was der VAGM und der Arbeitskreis Motorradlärm im BUND vor Jahren vorgelegt hat. Kernthema für den BUND sind die 80 dB(A) max über alle Betriebszustände hinweg.

Die „Initiative Motorradlärm“ und den Forderungskatalog haben Minister Hermann, der Lärmschutzbeauftragte Marwein und Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden und Sprecherin der kommunalen Mitglieder der Initiative, in der zweiten Februarwoche im Rahmen einer Landespressekonferenz in Stuttgart vorgestellt. 

Städte, Gemeinden und ganze Landkreise im Südwesten tun sich gegen Motorradlärm zusammen und fordern mehr Ruhe an den Rennstrecken. Foto: Arnulf Hettrich

Mit Blick auf die Mitgliederzahl sagte Hermann: „Das ist ein deutlicher Weckruf für die politischen Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union, Maßnahmen zu ergreifen, die Lärmbelastung durch Motorräder wirkungsvoll zu senken. Ich freue mich, dass sich innerhalb eines halben Jahres so viele Kommunen und Landkreise aus Baden-Württemberg der Initiative angeschlossen haben. Ich bin sicher, dass weitere folgen werden.“

Mit gemeinsamer Stimme für mehr Ruhe

Sonja Schuchter spricht für die Kommunen – sie ist Bürgermeisterin von Sasbachwalden.

Motorradlärm ist ein zunehmendes Problem in vielen Gemeinden Baden-Württembergs, insbesondere in den landschaftlich reizvollen, bergigen und touristischen Gebieten. Im Juli 2019 hatte sich auf Einladung des Offenburger Abgeordneten und Lärmschutzbeauftragten Marwein und Bürgermeisterin Schuchter eine Initiative von Land und Kommunen gegen Motorradlärm mit anfangs 29 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile zählt die „Initiative Motorradlärm“ 81 Mitglieder (74 Städte und Gemeinden sowie sieben Landkreise, Stand 13. Februar), die sind:

Teilnehmende Städte und Gemeinden

Abtsgmünd, Aichtal, Albershausen, Amtzell, Bad Rippoldsau-Schapbach, Bad Saulgau, Bad Schönborn, Bad Urach, Baden-Baden, Badenweiler, Bärenthal, Berglen, Bernau im Schwarzwald, Beuren, Beuron, Biederbach, Bietigheim-Bissingen, Blumberg, Bodman-Ludwigshafen, Dachsberg (Südschwarzwald), Eschenbach, Essingen, Feldberg (Schwarzwald), Freiamt, Freudenstadt, Fridingen an der Donau, Gaggenau, Gammelshausen, Geislingen an der Steige, Gerlingen, Gernsbach, Göppingen, Großerlach, Gütenbach, Heidelberg, Herbolzheim, Jagsthausen, Kappel-Grafenhausen, Karlsbad, Kernen im Remstal, Kißlegg, Lenningen, Leutenbach, Lichtenwald, Mainhardt, Mühlheim an der Donau, Münsingen, Nusplingen, Nußloch, Oberwolfach, Oppenau, Ottenbach, Ottenhöfen im Schwarzwald, Owen, Römerstein, Rudersberg, Sasbachwalden, Schelklingen, Schwäbisch Gmünd, Seebach, St. Blasien, St. Märgen, Stuttgart, Todtmoos, Todtnau, Trochtelfingen, Untergruppenbach, Vaihingen an der Enz, Waiblingen, Wangen im Allgäu, Weinstadt, Wiesensteig, Wildberg, Zwiefalten.

Teilnehmende Landkreise

Alb-Donau-Kreis, Hohenlohekreis, Landkreis Lörrach, Rems-Murr-Kreis, Landkreis Schwäbisch Hall, Landkreis Waldshut, Zollernalbkreis.

Ziel der „Initiative Motorradlärm“sei es, das jeder in seiner Verantwortung und Zuständigkeit dazu beiträgt, dass Motorräder leiser werden, dass sie leiser gefahren werden und rücksichtsloses Fahren deutliche Folgen hat. Dazu gehört auch, dass das Land und die Kommunen mehr rechtliche Möglichkeiten bekommen, den Motorradlärm einzudämmen.

Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung erklärte: „Die Genehmigungs- und Zulassungsregelungen schützen nicht genug vor Motorradlärm! Auf EU-Ebene müssen niedrigere Lärmgrenzwerte und realitätsnahe Messzyklen geschaffen werden. Auf Bundesebene muss die Straßenverkehrsordnung angepasst werden. In den nächsten Monaten soll die Initiative mit einem entsprechenden Entschließungsantrag in den Bundesrat eingebracht werden.“

Bürgermeisterin Schuchter sagt: „Uns eint ein gemeinsames Problem, das nicht ohne Hilfe von EU, Bund, Herstellern und Motorradfahrern gelöst werden kann. Während sich die „Genussbiker“ an unserer Landschaft erfreuen, toben sich einzelne Motorradfahrer auf Kosten unserer Bürger und Gäste aus. Dem müssen wir mit allen Möglichkeiten entgegenwirken.“

Forderungskatalog an Bund und EU (und an die Hersteller)

Zehn Forderungen hat die Initiative formuliert, die sie nun an Entscheidungsträger auf Bundes- und europäischer Ebene herantragen wird: Motorräder müssen leiser werden

  • Genehmigungs- und Zulassungsregeln müssen überarbeitet werden
  • Hersteller und Händler sollen leisere Motorräder produzieren und anbieten
  • Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität, insbesondere Motorräder mit Elektroantrieb
  • Motorräder müssen leiser gefahren werden
  • Motorradfahrer sollen rücksichtsvoll und leise fahren
  • Stärkere polizeiliche Verkehrsüberwachung und Ausweitung der rechtlichen, technischen und personellen Kontrollmöglichkeiten
  • Geschwindigkeitsbeschränkungen und Verkehrsverbote an Wochenenden und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes in besonderen Konfliktfällen müssen möglich sein
  • Rücksichtsloses Fahren muss deutliche Folgen haben
  • Höhere Bußgelder für vorsätzlich lärmerzeugende Fahrweise und Manipulationen am Motorrad

Der Bund soll eine Lösung finden, Raser oder Belästiger zu bestrafen

  • Alternativ soll der Bund die Einführung einer Halterhaftung prüfen
  • Pflicht zur Führung eines Fahrtenbuchs

Mit Blick auf die Forderungen, betonte Schuchter: „Es ist wichtig, dass alle – die Politik, die Hersteller und die Motoradfahrenden – ihren Beitrag leisten. Denn nur gemeinsam können wir wirkungsvoll gegen Lärm vorgehen.“ 

Minister Hermann ergänzte: „Motorräder müssen tatsächlich leiser werden, das heißt auf der Straße und nicht nur bei bestimmten Bedingungen auf dem Prüfstand. Die Bundesregelungen der Straßenverkehrsordnung und die dazugehörigen Regelwerke verhindern zurzeit, dass Kommunen ihre Anwohner effektiv vor Motorradlärm schützen können. Es macht doch keinen Sinn, wenn man zur Beurteilung des Motorradlärms das ganze Jahr zu Grunde legen muss. Motorräder werden doch in der Regel nur bei schönem Wetter in landschaftlich reizvollen Gegenden gefahren.“ 

Wichtig sei auch, dass rücksichtsloses Fahren und unzulässiges Manipulieren strenge Konsequenzen nach sich ziehen müsse, forderte der Lärmschutzbeauftragte: „Wer vorsätzlich Lärm erzeugt, muss mit höheren Bußgeldern bestraft werden.“

Können Polizisten kreativ? Ja – und auch Schreiben!

Poserjäger Dieter Schäfer hat ein Buch geschrieben – lesenswert.

Er ist der vielleicht bekannteste Verkehrspolizist der Republik – und zugleich einer der letzten seiner Art: Polizeidirektor Dieter Schäfer, der Mannheimer Poser-Jäger, geht nicht in den Ruhestand, ohne zuvor ein 230 Seiten starkes Buch verfasst zu haben. Die humorige Rückschau stimmt zugleich nachdenklich, denn der Verkehrspolizist hat sich nicht nur Freunde gemacht – nicht in der Polizeihierarchie und nicht in der Politik. Bei den Bürgern und in Mannheim hingegen kam Schäfer gut an, mit seiner zupackenden Art. Und wenn man ihm ein Label verpassen wollte, das wirklich passt, dann müsste man ihn „unkonventionell“ und „kreativ“ nennen.

Kreativ und Polizei – geht das denn zusammen? In Deutschland nicht immer; in Mannheim schon, wo ein kreatives Team den Lärmer- und Posersumpf der Prolls mit den dicken Reifen und dicken Auspuffen mit kreativer Interpretation der Rechtslage austrocknet, wo andernorts die Strafverfolger nur mit den Schultern zucken und sagen: „Da kann man nichts machen“. So ist das Buch des Verkehrspolizisten auch ein bißchen Anklage, denn die Baden-Württemberger sparen ja gerne – auch an ihrer Verkehrspolizei. Bei immer mehr Verkehr, komplexer Technik und Betrügereien ab Hersteller, in einem immer rechtsfreieren Raum und bei immer lächerlicher wirkenden Sanktionen scheint da etwas schief zu laufen.

Das Buch jedenfalls kann man jedem empfehlen, der in Sachen Polizei hinter die Kulissen blicken will. Es passt auch unter kleinere Weihnachtsbäume, liest sich viel spannender als der Polizeibericht und ist auch nicht auf einer Triumph-Adler-Maschine getippt, denn Schäfer hat am Gardasee auf dem Laptop gedichtet, wie auf einem Foto im Buch zu sehen ist. Mir hat die Lektüre Spass gemacht, denn man versteht die Sachzwänge der Ordnungshüter. Weniger Spass macht uns, dass wir künftig auf Dieter Schäfer und mit ihm auf einen wackeren Streiter für die Bürger verzichten müssen. Ich habe es gerne gelesen und lobe den schreibenden Bullen – ungeachtet der Tatsache, dass ich das Buch geschenkt bekommen habe. Das Buch ist im Verlag Waldkirch Mannheim erschienen, hat 230 Seiten und kostet 22 Euro. Und die ist es wert.

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Thementag im SWR: ZuLaut Auspuff-Mafia gegen Anwohner

Im Wald bei Löwenstein auf der Lauer nach guten Bildern und lauten Tönen: Das SWR Team unterwegs mit dem BUND AK Motorradlärm.

Viele Menschen leiden unter Straßenverkehrslärm, 76 Prozent der Bevölkerung ist es an den Straßen zu laut. Im Rahmen des Multimediaprojekts „Hier ist es zu laut!“ hat der SWR im April dieses Jahres zu einer Mitmach- und Messaktion aufgerufen, an der 400 Anwohner besonders belasteter Straßen teilgenommen haben. Sie haben auf Fragen des SWR geantwortet, von ihren Erfahrungen berichtet und eigene Videos und Messungen eingeschickt. Die Hochschule Karlsruhe wertet die Einsendungen aktuell aus. Hier klicken: Der SWR widmete dem Komplex um die Belastung durch Verkehrslärm am 30. Oktober 2019 einen Thementag im SWR Fernsehen, im Hörfunk, online und in den sozialen Netzwerken. Mit dabei auch der BUND Arbeitskreis Motorradlärm und der VAGM e.V.

„betrifft: Hier ist es zu laut! Was tun gegen Straßenverkehrslärm?“

30 Hilferufen von Menschen, die unter Straßenverkehrslärm leiden, sind SWR Reporterinnen und Reporter des Projekts „Hier ist es zu laut“ gefolgt und haben mit professionellem Equipment nachgemessen. Sie haben geprüft, wo genau die Auslösewerte für eine Lärmsanierung überschritten werden – und zeigen, dass der Verkehrslärm vielerorts eindeutig gesundheitsgefährdend ist. Mit diesen Ergebnissen konfrontiert das Rechercheteam Behörden, Politik und Automobilindustrie. Die Doku „betrifft: Hier ist es zu laut! Was tun gegen Straßenverkehrslärm?“ begleitet lärmgeplagte Familien und prüft, ob die Behörden aufgrund der Messergebnisse aktiv werden. Schon jetzt hat das SWR Projekt dazu geführt, dass sich Anwohner zusammenschließen, Unterschriften für Lärmschutz sammeln und neue Protestformen entwickeln.

„Die Auto-Dröhner – Mannheims laute Söhne“

Im Anschluss um 21 Uhr zeigte das SWR Fernsehen die Reportage „Die Auto-Dröhner – Mannheims laute Söhne“: Seit 2016 lauert eine Mannheimer Ermittlungsgruppe um den Polizeidirektor Dieter Schäfer Auto-Posern auf, jungen Männern, die mit teuren Wagen und hohem Schalldruck Aufmerksamkeit suchen. Unter konstantem Kontrolldruck der Polizei ist es in der Stadt inzwischen leiser geworden – doch ganz vorbei ist das Poser- und Lärmproblem trotzdem nicht. Dabei könnte die Politik die Nerven der Bürgerinnen und Bürger schützen, indem sie den Motoren- und Auspufflärm gesetzlich strenger regelt. Das aber tut sie nicht, denn die Auto- und Zubehörindustrie hat die Lärm-Poser längst als zahlungskräftige Kundschaft entdeckt.

Weitere Beiträge in SWR Fernsehen, Hörfunk und Online

Um 22 Uhr zeigt das SWR Fernsehen am 30. Oktober den Bürgertalk „mal ehrlich…es ist zu laut!“ mit Moderator Florian Weber, in dem Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen, die persönliche Erfahrungen mit dem Thema Lärm gemacht haben oder weiter machen müssen: Bahnlärm im Mittelrheintal, Fluglärm rund um den Flughafen Frankfurt, den ganz „normalen“ Lärm des Nachbarn oder der Ausfallstraße vor der Wohnung. „SWR Aktuell“ wird anlässlich des Thementags in seinen Nachrichtensendungen die Messergebnisse und die Reaktionen aus der Landespolitik melden. Die „Landesschau“ sendet Berichte aus besonders lärmgeplagten Orten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. „Kaffee oder Tee“ wird das Thema in einem Studiogespräch weiter vertiefen. Das Schulfernsehen „Planet Schule“ strahlt Beiträge zum Thema Hören, Lärm und Lärmbelästigung aus. Die Hörfunksender SWR1 und SWR4 senden Beiträge, Interviews und Reportagen zum Thema.

Beiträge, Hintergründe und interaktive Karte auf www.swr.de/zulaut

Auf der Projektseite www.swr.de/zulaut werden Hintergründe, Servicetipps und weitere Beiträge zusammengeführt. Dort kann jeder prüfen, ob auch vor der eigenen Haustür nachgemessen wurde: Messwerte, Kommentare und Videoclips der Nutzerinnen und Nutzer, die dem Aufruf der Mitmachaktion gefolgt sind, lassen sich in einer interaktiven Karte des Südwesten Deutschlands einsehen. Die multimediale SWR Wissenschaftsredaktion begleitetet den Thementag mit aktuellen Hörfunkbeiträgen und im Internet unter www.SWRWissen.de

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